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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-09-13 · Heft 22 (13.9.1896) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 22 (13.9.1896)
Date
1896-09-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. Nr. 22. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitnng bedarf es bei. dem sonst sehr rührigen und opferfreudigen Vorständeder, im Interesse der Collegenschaft schon Vieles geleistet, nur dieser Anregung.' .׳׳ Pädagogische Aphorismen, aus :dem Talmud und'.den Midraschim nebst Parallelstellen aus der Bibel und aus Schriften moderner Pädagogik. Von Isr a el S i n g e r. 'autor. Rabbiner, Religionsprofessor am Ober- י ' gyninäsinm zn S. A. Ujhely. ' ' - (Fortsetzung.) Nachdrück verboten? Schon der Talmud lehrte? dass ein sehr Alter, ein Kinderloser, ein Entmannter Soris — und ein notorischer Tyrann nicht Mitglied des SyNedrion sein dürfe. (Tr. Sanhedrin 36 S. Matt. 19. :12.) Ersterer darum, weil er den mit der Kindererziehung verbundenen׳ Mühen nicht mehr gewachsen ist, und die Anderen, weil sie überhaupt für Menscheüleiden kein Gefühl haben. : ,Wollet ihr die politische und moralische Bildungsstufe eines Landes kennen, so fraget, welche Stellung dort, die -Frauen einnehmen. Vom süßen Glücke der ehelichen Liebe dis zur Stumpfheit des Harms — liegt die ganze Entfernung von Gesittung bis zur Barbarei." (Aims Martin.) Diesem richtigen Maßstabe -gemäß zu urtheiten, standen die Juden, oder standen Bibel und'-Talmud noch vor Abschluss derselben, d. h. vor 2000, resp^ 1300 Jahren durch die in diesen Büchern ausdrücklich mitgetheilten Lehren und Gesetze auf der höchsten politischen und moralischen Stufe. Denn das biblisch-talmudische Gesetz gestattet nicht eine barbarische oder sklavische Behandlung der Frauen, auch nicht gänzliche- Fernhaltung von ihnen. Es befiehlt nur die Monogamie, oder das wahre Glück der ehelichen Liebe? Dass es die Bigamie .und-Polygamie, die ohnedies nicht allgemein waren, nicht ausdrücklich verboten hat, dies lag in damaligen Ortsverhältnißen. Es verbietet selbst dem Könige, viele Frauen zu heirathen, und hat gegen weibliche Kriegswer das so recht und richtig schildern könnte — aß׳ diese Buntheit, dieses specifisch palästinensische Treiben und Leben, dieses Publicum, diese Bahn, dieses Bahnpersonal! Punkt zwei Uhr läutet es zum dritten Mal — der Zug setzt sich in Bewegung, die interessanteste Eisenbahnreise meines Lebens beginnt. -?Der Zug besteht aus Locomotive, einem Frachtwägelcheu, einem Waggon zweiter Elaste. und einem Waggon erster uud zweiter Classe gemischt. Es gibt nur zwei Elasten. Die erste gleicht äußerlich und innerlich unseren europäischen Wagen dritter Elaste; nur ist sie womöglich noch unbequemer, noch einfacher. Die Bänke sind blos für je zwei Personen eingerichtet. Durch die Mitte des Inneren geht ein schmaler Gang, und zu beiden Seiten befinden sich . in. der ersten Classe etwa je sechs Bänke. Die zweite Classe sieht äußerlich einem Viehwagen ähnlich. Innen laufen an den beiden Längswänden lange, schmale Bänke hin. Die Mitte ist durch ׳ einen niedrigen, langen Tisch, ein^- genommen, auf welchen man die. Füße stützen muß, da die׳ Zwischenräume zwischen ihm und den Bänken zu schmal sind, um ein Ansstrecken der Füße zu gestatten. Ich fuhr in der zweiten Classe. Der Preis, in derselben beträgt 20 Piaster; in der ersten Classe 60 Piaster. Für diesen bedeutenden Preisunterschied .wird absolut nicht Besseres geboten —', als vielleicht ein besseres Publikum, Das interessantere Publicum aber fährt unstreitig mit. mir in der zweiten Classe. Hier: die Lifte: An ::der Thnn der Schaffner ein Polizist, der?jeden Zug zu begleiten hat. Auf meiner' BW?eine alte orthodoxe Nussin, der . Dolmetsch Williams, meine-^Wenigkeiteine - junge russisch-jüdische Colonistin, ein griechischer ׳ Pope» Mei Türken. Aus der?, Bank drüben:. . Deutsche . Colonisten, gefangene so vernünftige, sittliche undhumane Gesetze, wie sich unsere um fast vierthalbtansend Jahre jüngeren, zivilifirten Gesetz- 'gedungen solcher kaum rühmen können. (S. Deuter. 17. 17. 21. 10—15; Talmud Jeb. 471. Kid. 81. u. Maim. v. d. Königen 8. Cap.) Die Würdigung der Gattin in der Bibel weisen wir an vielen anderen Stellen unserer Abhandlung umständlich nach. Hier wollen wir einstweilen nur unsere diesbezügliche Behauptung über die Bibel in Kürze erhärten. Die Gattin heißt in der Bibel ,אשד, Männin, von איש, Mann. Sie ist also mit ihm gleichnamig. Gott sprach bei der Schöpfung der Frau ihren erhabenen Zweck aus: Ich will ihm — dem Adam — eine ihm gegenüberstehende Gehilfin, eine Stütze עזר machen, d. h. sie soll ihm seine Mängel ersetzen. ״Erst die Frau macht dem Manne seinen Erwerb genießbar". (Tr. Jeb. 63.) ״Darum verlaste der Mann seinen Vater und seine Mutter und schließe sich .seiner Frau an. damit sie ein Leib werden." Zur Eheschließung ist ihre freiwillige Einwilligung erforderlich. (1. B. M. 2. 18—24. ibid. 24. 57.) Die Prophetin Mirjam tritt in die große Volksmenge mit ihrer Pauke und fordert sie auf zur Änstimmung eines Lobliedes zu Gott. (Exod. 15. 20. 21.) Debora ist Prophetin und Richterin in Israel und stellte sich mit Barak an die Spitze eines freiwilligen Heeres, befreite das Volk von einem 20-jährigen Joche unter den kananitischen Königen, gewährte dem Volke eine 40-jährige Ruhe und ist Verfasserin eines noch jetzt mustergiltigen Heldengedichtes, in welchem sie satyrisch und fluchend über jene Stämme spricht, die an dem . Befreiungskämpfe nicht theilnahmen. (Richter 4—5.) Die!. Prophetin Chulda zn Jerusalem lässt den König Josia auf seine Anfrage die Weissagung mittheilen, dass die Strafandrohung : Gottes in Erfüllung gehen wird, aber nicht an dem bußfertigen Josua, welche Weissagung von mächtigem Eindrücke auf das - Volk war. Charakteristisch ist noch hiebei ihre großsprecherische Redeweise: ״So spricht der Ewige, der Gott Israels, saget russisch-jüdische Colonisten, Touristen verschiedener Nationen. Alles in den besten Feiertagskleidern. Die ganze Eisenbahnstrecke von Jaffa nach Jerusalem ist 85 Kilometer lang, die Fahrt dauert drei und dreiviertel Stunden. Man macht auf der Fahrt sechs Stationen, bei jeder Station ist fünf Minuten Aufenthalt. Die Aufschriften auf den Stationsgebäuden sind türkisch und arabisch. Anfangs geht der Bahnweg immer südlich und südöstlich. Erst später beginnt er sich ganz nach Osten zu richten und zn dem hochgelegenen Jerusalem scharf aufzusteigen. Gleich nach der Abfahrt von Jaffa hat man nochmals einen; flüchtigen Mick auf die deutsche Colonie. Mit diesem erquickenden Bild verlässt man die Pilgerhasenftadt. Dann geräth man in eine trostlos sandige Fläche. Sie dauert zum Glück nicht lange. Es kommen Feigenbäume, dann braust der Zug in die Ebene von Saron. Hier liegt links eine zweitedeutsche Colonie mit prachtvollen Gärten und Weinbergen, den Zeuguißen deutscher Arbeit , und deutschen, Fleißes im schläfrigen Orient. Ein wunderbarer Fleck Erde — diese Ebene von Saron, die schon die Sänger der alten Zeit,? die Dichter des Testaments und vor allem und am schönsten König Salomo in seinem Hohen Liede gepriesen. Einer Blume von Saron vergleicht.er die Braut. Ein berückender Blumenreichthum in entzückender. Aßivechslung. Da blüht die Lilie von Saron. von der es heißt:?Salomo in all' seiner Herrlichkeit ist nicht so gekleidet gewesen wie' sie." Da glühen die rothen Anemonen zwischen Ranunkeln, und, Adonisblümchen berauschen sich am Duft des- Hennahstrauches und senken das Köpfchen schlaftrunken zur Mutter Erde. . . (Schluss folgt.)?. ,? 1

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