Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 22 (13.9.1896)
- Date
- 1896-09-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Gesterreichisch-ungarische £antoretr־geit1tng: Seite S. Nr. 22. Stücke in ihrer echt jüdischen׳ Characteristikvon unverkennbarer Schöüheit siud- Dem Sohne Löwenstamm gebührt, das Verdienst, Len! Dust dieser Blüthen hebräischer Gesängskunst durch eine academisch musikalische Behandlung! erhöht zw haben. Dabei hätte es aber sein Bewenden haben sollen,, es wurden jedoch zur weiteren: Ausschmückung׳ des Werkes Chöre geschaffenwelche nichts weniger als׳ jüdisches Geprägetragen. Sollte, vielleicht München, diese Wiege wagnerischer Muse, wy׳ Löwenstamm senior gewirkt, einen Einfluß aus die Kunstrichtungseines Sohnes geübt haben, dass dieser in dem ״Lecho hagednlloh“ beim Sabbatgottesdienste auch ein wenig Wagner mitreden lässt? Denn das ,,Romemu“ darin ist dem hier nach L-äur transpöuirten Männerchvr aus ״Lohengrin" ״Im Frühen versammelt uns der Ruf" frappant ähnlich. So schätzenswerth es auch immerhin erscheinen mag, gewissen Piecen, wenn sie z. B. im Marschtempo geschrieben sind, wie es der Umzug mit der Thora erheischt, eine theatralische Färbung zu geben, so muß auch darin die Grenze, zwischen Göttlichem und Weltlichem eingehalten werden, und eine zu große Freiheit nach der letzteren Richtung hieße, die erstere gegen alle Tradition und zum Nachtheile des Synagogengesanges einschränken. Hier müsste nun im Allgemeinen, wenn für eine Purisicirung her Synägogen-Melödien etwas geschehen sollder Hebel angesetzt werdend. h. die reine, jüdische Melodie sollte nach gewissen Mustern, entweder auf Grund uralter Weisen, oder nach Weisen der späteren Chasanim oder Chasanim der neuesten Zeit fort- -gesponnen werden. Löwenstamms Vater selbst gibt uns durch seinen •Jigdal Seite. 5, 3. Heft, den besten Fingerzeig, ebenso bei Verkündung des Neumondfestes, dass man auf Grund der traditionellen Melodie die schönsten Chöre aufbauen kann. Es ist hinlänglich bekannt, dass Sulzer oft die traditionelle Melodie umgangen und dafür Neues geschaffen, wie z. B. das 6-M011-״Ausheben" für die hohen Feiertage, welches nichts anderes ist, als das nach Moll übertragene Samstag-Ausheben, mit einigen Veränderungen; aber solche Gedanken, weil sie der Stimmung des Festes entsprechen, werden selbst zur Tradition. Betrachten wir uns die traditionelle Melodie des Festes etwas näher. Fast sämmtliche Componisten bemächtigten sich derselben (auch Sulzer im II. Th. Sch. Zion) und bearbeiteten sie. So h-B. Naumburg einstimmig, Deutsch, Sulzer und Löwenstamm Vierstimmig, Lewandowski iinisone. Ich halte nun die Lewandowski'sche Arbeit für die beste, würde aber hinzusügen, dass die oben angeführte O-Moll-Melodie Sulzer^s ihr den Rang abläust-. Ich habe in der Praxis beide Piecen Wechselweise aufgeführt. Die daran sich anschließenden Chorsätze Reelle hagedulloli stehen, näher betrachtet, in der engsten Beziehung zur Hauptmelodie. Würden beispielsweise solche Chorsätze auf der Bühne gesungen, sie müssten, trotzdem sie. einen bewegten -RhytMüs haben, für hebräische Müsst gehalten werden. Ich erinnere hier än den Äüssprüch HansEs nach der ersten AuffHrung der --Königin von SÄä^, worin er. Goldmark den ,-Sulzer" im .Violinschlüssel nannte. Das will, so viel sagen: Goldmark hat im Sulzer'sHen Sinne gewisse Scenen im salomonischeü Tewpei heschrieben. . ‘5;Wenii uEHM Chhsbnüs Vyn LewändöwÄi, Me׳ ich ftüher NMKte,''MMchMl'öeftemSLnö,׳'stkne Horischen Werke, glanzvoll .erscheinett, so׳: stellt sich das, Gegeyth eil bei - dem seligen OberxMlMM1M>Mch^lein.7-:Drutfch^iWLrke!sägen:uüs, rdass:jeder WÜ äh Hm^M'MAaskn-Ma^pMM wenn'Mr seine --BorMM sMle" ׳MrHhehD׳"׳'sllwie in diksen Mrßischen Recitationen lauter alten Freunden in ihrer unverfälschtett Gestalt, wobei freilich oft die antike, melismatische Form mit Verzierungen ansgestattet ist, die sich um den Melodienstamm winden, wie die gemalten Blumen an den großen Anfangs-׳ büchstaben in den alten Siddurim. Im Ehorsatze ist Deutsch so einfach wie möglich (siehe seine »Breslauer Synagogengesänge"), gleich Statuen aus feinem Stein gemeißelt-, uns oft kühl lassend bis ansHerz. Jch möchteDeutsch, diesen würdigen Repräsentanten des Cantorenthums, den ״Gluck" der jüdischen Musik nennen Grnersl-VerMtmnvmg de» Wcswl. LetzrervetHtnes in Böhmen. Prag, tut September 1896, Meinem Versprechen nachkommend, will ich Ihnen, geehrter Herr Redacteur, einen kurzen Bericht über die letzte General- Versammlung des Israel Landeslehrervereines in Böhmen zur Beröffentlichrmg in Ihrem gesch. Blatte unterbreitem Der Besuch derselben war mit Rücksicht auf die Wichtigkeit einzelner Gegenstände der Tagesordnung — ich will nur auf den Pensionsfond Hinweisen — kein besonderer. Wohl sahen wir einzelne ältere Herrendenen es sich um ihre baldige Altersversorgung handelte, daneben einige jüngere Kräfte, die diesen Zeitpunkt noch in weite Ferne gerückt wünschen. 55von 168 Mitgliedern zählte die Präsenzliste auf. Diesmal gab es keine Vorversammlung wie im Vorjahre, keine Musik, keinen Gesang; Ohne Applomb begattn mtd verlief die Versammlung am 24, v. M. von 8l/a Uhr Vormittag bis 4 Uhr Nachmittag. Der anwesende Regiernngskommissär gestattete keine Unterbrechung der General-Bersanunlung und so musste fort gearbeitet werden. Der Obmann, Herr Springer, Oberlehrer der Talmud- Thora-Schule in Prag, eröffnete, resp. begrüßte die Erschienenen, und Schriftführer, Herr Rabbiner Fretutd-Bodenbach, verlas den Geschäftsbericht, der ein erfreuliches Mtd der׳ Vereinsthätigkeit im abgelaufeuen Jahre lieferte. Wenn Zahlen am Besten sprechen, so bewies der Casfabericht. dass der Verein auf gesunder Basis ruht; dass er in seiner Kranken- und Darlehenskasfa ein wichtiges Fundament besitzt, die so manchem bedürftigen Collegen als ein lang ersehnter Brunnen gilt. Hier erhält der bedürftige College ein Darlehen, hier wird ihm, dem Nothleidenden, Unterstützung gewährt, dass er nicht ferner augewiesen ist, die Mildthätigkeit Anderer in Anspruch zu nehmen. So erzählte uns der Bericht, dass für die Wittwe des verstorbenen Rabbiners Abekes in Oberroäov 1419fl. gesammelt würden, von welchen der Wittwe, die seitdem selbst gestorben^ für 700 fl. ein Geschäft angekauft wurde. Der wichtigste Punkt unserer Selbsthilfe ist aber der Pensionsfond. Die Initiative gjeng von einem Mitgliede aus das sich im Jahre 1872 an die damalige Repräsentanz der böhm. Landesjüdenschaft um Hilfe wandte, und m Erledigung, resp. Gewährung dieser Bitte widmete die damalige Repräsentanz der böhm- Landesjüdenschaft aus Anlass des 25-jährigen Mgierüngsjübiläums Sr. Majestät des Kaisers 5600 fl. als Stiftungsvermögen unter dem Minen: ״Kaiser Franz Josef- Huöiläümsstistüvg", Pensidnsfond M ist. Lehrer und Religionslehrerderen Mittwen und Maiseü in Böhmen. Ein solchs geringes Capital einerseits, andererseits eine Stiftung, waren nicht das Idealdas die jüdischen Lehrer erstrebten. Sie wollten selbst beitragen, den Fond vermehren, dafür aber ein Recht an