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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-09-01 · Heft 21 (1.9.1896) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 21 (1.9.1896)
Date
1896-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite L. Lb. GMdHWG-Mgarische des- MeitqgMbendsgezeigt. We-M nun -schon am Freitag eine M an den Feier-und FM 1-WM esOei -Dm sogenannten refoMrten Gottesdienstes. Hier ist ja auch die Rehe nonsogencylnten ^tlmditionellen" Melodien, Md - mst; einem!gewissen Upplomb kündigt man an: Heute wird ein Wrch ttcchitioyeller Melodie gesungen l. .Was - ist abN die Basis dieser ״# erlieferteu" Mesodie? JrgeM ein -gestohlener Theil eiyer Men oder modeinen.: Oper. ׳ Sp eziell M - meinem lieben Prqg hDe.^ich.-Hese:.^Enbrechende^.,KyjAKglWg^hMEG Md in einer -wohlbekannten Synagoge erhält man von der Celebrirung des Gottesdienstes wohl den Eindruck eines wohldirigirten GesangL-Concertes, keineswegs aber den der Andacht. Vor meinem -geistigen Auge erscheinen bei Jntonirung des ,;Legtia dodi^ Fasolt und Fasner, wie sie mit Knütteln einander durchs bläuen, -deM man hört ganz deutlich das ״Rieseu-Motiv" aus Mheingold", gleich darauf Assad's wehmüthiges Lied, und dazwischen has Lied des Steuermanns aus ״Tristan und Isolde.? Eine höchst prosaische; aber sehr berechtigte Frage weckte mich aus diesem Lottn ^adottn. . ״Ich bitte Sie, daw'nt man schon Der Fragesteller war ein würdiger alter Jude aus .der. Fremde, der sich durch das ganze Gehaben wirklich in der Fremde fühlte. Welchen Begriff muß man in der That von dieser Art Gottesdienst bekommen? Dies Gebraust und Gewimmel von Tönen und Melodien, die. schmetternden Soli irgend einer zweifelhaften Theaterprinzessin, die den hebräischen Text mit tvahrhaft -erschütternder ״arischer" Prononciaüon wiedergibt, dieses pomphafte. Drehen und Wenden des ״ehrwürdigen" Vorbeters, abgesehen von seinem theatralischen Auftreten, unter . Orgelbiausen und Stimmengeschmetter — kurz, es fehlt nur das-Beifallklatschen und Hervorrufen seitens des Auditoriums, um die Staffage eines Concertes zu vervollständigen. Wo bleibt ha,die Tradition, wo die Andacht und wo ist da der- Gottesdienst zu suchen? Es ist wohl wahr, die Synagoge ist immer gesteckt voll, aber, ich bitte Sie, ein Frei-Concert hört man auch, recht gerne, - insbesondere da wirklich ״künstlerisch" gesungen wird. Es ist noch ein Gluck, dass manbei den. erwähnten gottesdienstlichen Productionen eine edle Musik verwendet und nicht-irgend einen beliebten Gassenhauer zur Grundlage einer ״traditionellen" Melodie verwendet. Doch wer garanlirt hiefür, dass dies nicht anderwärts geschieht? Haben wir doch in diesen Blättern schon wiederholt einen diesbezüglichen Klageruf ertönen lassen. Es darf wohl nicht unerwähnt bleiben, dass gewiss manche der neueren Gesänge sehr schön und wirklich künstlerisch auf Basis der Ueberlieferungen gebildet wurden, und dass dieselben nicht nur allgemeiner Beachtung und Verwendung empfohlen werden, sondern auch factisch zur-Erhaltung und Verschönerung der traditionellen Motive dienen; aber wiegt nicht die Unzahl der anderen Eompositiynen diese wenigen, auf, und liegt nicht eben hierin der Untergang der traditionellen Lieder und Gesänge, da dieselben den modernen Platz machen müssen? . Was ist dagegen zu >thun? Viel und nichts! Vor allem möge -jeder einzelne:Cultusbeamte bestrebt sein, daß Altehrwürdige in der .Synagoge zu erhalten und zu befestigen. Das heißt aber keineswegs, er soll reactionär werden, man kann schon Beides, has Wydljerne.rUH-. .-das-.-We, ,.;auf -dein;gvldenen Mittelweg WeiWem M)MN.:wäre,xs DM,WgWjgt, MW Me KrKzls- DaMn eiWgMLoMes GgMD WdAn, zu Hessen IMe Her CMus einer, richtigen üntt nothwMdjgerr DirWrung unterzogen Würde.; : Darum DgrüßG wir den Ausruf des verehrten Herrn Ohereantsr Singer aust Freuden und wenn ihm sein Vorhaben gelingt. O ist -das wieder ein Med nrehr, welches zur Herstellung des einheitlichen -Gottesdienstes nothwendig erscheint und.zur Erhaltung und Verbreitung des bereits verloren und vergessen geglaubten traditionellen Synagogengesanges viel beitragen dürste^ ״IMAAisrsrt" . Bon Dr. Adolf Kwrrviu. Sitzen Wir am st. Ab, KM 3826. Gedenktage des Falles Jerusalems, seiner Mauern und seines Tempels zur Erde und singen die Klagelieder Jeremias, so mischen sich in die Klagen und in die Thränen, wenn sie noch irgend Einer ehrlich vergieU. auch die tiefen inneren Schmerzen, dM Ach rmd Weh über das in dem großen Zeiträume seitdem so oft versuchte Sturmlaufen gegen die nationalen und religiösen, gegen die geistigen und idealen Heiligthümer und Hochburgen Israels. Ist der Antisemitismus der letzte Bösewicht Titus, diese Wanne der. Rohheiten des Ln de sieele? Ist er der letzte Menschenfreund Hadrian, eine Vorahnung sogenannter mittelalterlicher christlicher! Liebender die Juden, um sie von römischer Tyrannei zu erlösen, alle tödten lassen wollte? Wer weist es? Wer vermöchte Mt prophetischem Blicke erschlossenen. Auges in die Zukunft zu schauen? Nur nach rückwärts, nicht nach vorwärts in den göttlichen Weltenplan zu schauen, gestattet uns die Gottheit,,! und da können wir genug sehen, mit Befriedigung sehen, mit einem Hinweis auf die Zukunft schauen. Wir sehen: Nebukadnezar, der erste Anrempler des Judenthums. wurde verrückt; Haman, der erste Erfinder des judenreinen Staates, nahm ein hohes Ende auf dem Galgen; Antiochns, der Vorkämpfer der raffen- , echten arischen Gesellschaft, wird in seinem Beginnen tödtkich unterbrochen durch eine rein arische Krankheit, die Elephantiasis, Titus und Hadrian genießen nur drei Jahre die Siegesfteude, die großen Sieger sind todt und die Juden am Leben. Sieht man ferner, wie nach der Vertreibung der Juden aus Spanien bald im Hause Ferdinand des Katholischen der Cyclus von; Nebukadnezar ab mit der Geistesumnachtung wie eine Sternen- Umlaufszeit sich wiederholt, wie der gewaltige Löwe des Antisemitismus der Gegenwart in der wohlverdienten Aktersruhe der Krallen beraubt, kaltgestellt wurde, so dürfen wir muthig und getrost der Aufforderung folgen: ״Erhebe dich vom Staube", dir winkt noch eine Zukunft. Unsere Zukunft ist unsere Jugend, Jungisrael. Wie der Vogel Chol der Sage nach von der Todesstrafe im Paradiese nicht bettoffen war und dadurch nach je einem Jahrtausend sich verbrennt und aus der Asche verjüngt zu neuem Leben ersteht, so hat jeder verhängnisvolle Wendepmrkt in der jüdischen Geschichte eilt Jungiftael geschaffen. Auf die Zerstörung des ersten Tempels folgte ein zweiter mit einem Jungiftael, erfüllt vom reinsten Monotheismus, der jede Sucht und Nachahmung-des Fremden von sich wies und jede Mischehe, mit heidnischen Ideen verabscheute. Aus der Zerstörung des zweiten Tempels gieng ein Jungiftael hervor, mit dem Cultus der reinen WMesliebe au Stelle der Opfereultus. JunMraek eMußerte sich Hes Westerdienstes und trat in den DWG des «Wudftens und Wissens. Ms die :Akademien des NrieM Mt dM LMMndWiMendschein HerMeyMBchM medtzWngM» hMZWgistM in MnrgW Ms den Plan und zeigte dM Mdsn? thUM hoMig Md ebenbürtig an deu Mmschen Häftn. So

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