Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 20 (15.8.1896)
- Date
- 1896-08-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung Seite 5. sein, wie-es die Sehre befiehlt." (Kor. 14. 34). ״Die Frau lerne stille; in aller Unterthänigkeit." ״Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie des Mannes Herr, sondern stille sei." (I. Tim. 2. 11—13. I. Peter 3. 1.) ״Die Frauen sollen ihren Männern unterthänig sein, wie unserem Herrn." ״Das große Geheimnis: Darum verlasse «n Mann seinen Vater und seine Mutter und schließe sich seinem - Weibe an- (Gen. 2. 24) dieses Geheimnis deute ich auf den Messias und seine Gemeinde." (Ephes. 5. 22. 31. 32.) ״Auch Jesus gewährte stillschweigend die Ehelosigkeit zur Ehre des Himmelreiches." (Matt. 19.12.) Er sagte zu ihnen — seinen Jüngern —: -,Man braucht auch nicht zu ehelichen, nur muß man eingedenk sein, was das bedeutet." Hier mögen auch einige einschlägige mit dem Talmud übereinstimmende Aeußerungen vorzüglicher Pädagogen angeführt werden: ״Mann und Frau sind in jeder wohlgerathenen Ehe sich gegenseitige Lehrer, und nur ein Paar, Mann und Weib, machen einen ganzen Menschen aus." (Hippel.) ״Der Ehestand ist die Grundlage t>er: Sitten, er nährt und erhält sie; er erweckt und erleichtert die Tugend." (Jakobus.) -,.Die Stube, dieses kleine Haus, ist mir ein Himmel, seit die Ehe darin wohnt." (Göthe.) ״Wo würden wir ohne die Ehe Beispiele des Wandels, des Duldens, des Höffens, wo die eigentlichen Spiegel des menschlichen Lebens hernehmen?" (Hippel.) ״Der unverwählte Mensch erfreut sich eines.halben, der vermählte eines vollen Lebens." (Zschokke.) ״Die Ehe ist eine der wichtigsten Bestimmungen des Menschen und ein unentbehrlicher Theil der Erziehung des Menschengeschlechtes. Durch sie wird der Mensch zur Humanität und zum Mitgefühl für Andere geführt, und seiner wahren moralischen Bestimmung genähert. Ein Unverehelichter bleibt immer mehr ״Egoist", von selbstsüchtigen Launen und Leidenschaften beherrscht, weniger für Menschheit, für Vaterland und Staat, als für sich selbst interessirt." (Dr. Hufeland in seiner Makrobiotik.) (Fortsetzung folgt.) Offener Brief. EI. Sehr lieber Freund und College! Sie waren so gefällig, auf meinen vorigen Brief näher einzugehen, darum will ich auch mit der Antwort nicht länger zögern. Sie behaupten, dass viele Herren unserer ״Zunft" zu wenig Interesse unseren inneren und äußeren Angelegenheiten entgegenbringen, ja nicht einmal das Fachorgan lesen. Ich wünschte, Sie hätten Unrecht. Nicht Alles und Jedes will ich untersuchen, weil ich Ihren Worten und Erfahrungen keinen Zweifel entgegenstelle. Meine Aufgabe ist, eine Anregung zum Nachdenken zu geben, eine electrische Leitung zwischen den Collegen durch diese Zeitung herzustellen, damit wir in gemeinsamen Arbeiten einander näher gebracht und miteinander verbunden werden. Was kann der Einzelne bewirken? Wünsche und Ansichten gruppiren sich, eine Verwirklichung derselben kann aber nur durch vereinte Kraft erzielt werden. Die Vereinigung drängt nicht nur die Kräfte, die wohl schon vorher existirten aber eben durch ihre Vereinzelung ohne Wirkung waren, auf einen Punkt zusammen, sondern sie wirkt auch schöpferisch durch das Erwecken neuer Gedanken und Gefühle^ sie ruft neue Kräfte in's Leben und, erzeug( in. den einzelnen Mitgliedern der Vereinigung, das Bewusstsein von Kraft und Vermögen, das sonst nur in der Seele geschlummert hat. Mein theurer Freund! Sie sagen, wahre Collegialität muß man mit der Laterne suchen, es gibt nur noch Sonderinteressen und mit diesen sei auch jedes Ideal geschwunden. Sollte es wirklich, schon so weit in Ihrem Vaterlande gekommen sein? Unsere Functionen haben doch auch die Aufgabe, das ästhetische Gefühl zu bilden, denn sie sollen jr oft genug künstlerische Leistungen sein. Die Kunst aber hat die Mission» unsere Ideale zu entstammen, alles Schöne und Erhabene in den.Herzen der Menschen zu entzünden, uns einen geistigen Kitt zu gewähren, uns in unserem schweren Amte zu kräftigen, wenn wir beginnen, matt und müde zu werden, wie die letzte ״Herbstzeitlose". Wo eine Genossenschaft zusammenhält, da bekommt sie ein festes, unzerstörbares Gefüge und genießt bei der Außen- Welt ein erhöhtes Ansehen, das uns die Brücke baut über die Kluft, welche uns von jenen Berufsgenossen scheidet, die das Geschick günstiger gestellt hat! Es wäre nichts lächerlicher und zugleich störender für jeden Verein, als das Verlangen, dass Andere gerade so viel oder so wenig wie wir besitzen sollen, und wenn man daher jene mit Bitterkeit tadelt oder zur Verantwortung zieht, falls sie sich einem solchen blöden Ansinnen nicht fügen wollen. Darum komme ich wieder auf meine frühere Ansicht zurück, dass ״Lehren und Lernen" immer Hand in Hand gehen müssen, um ersprießliche Resultate zu erzielen. Das Wissen ist eine Zufluchtsstätte, in die man sich gettost mit aller Liebe und Hingebung des Geistes versenken kann, da findet man Trost bei allen Anfeindungen, Vergessenheit bei allen Enttäuschungen, Ersatz für alle Kränkungen im Leben! Verzeihen Sie, wenn ich über diesen Punkt so viel sage, denn ich kenne die Verhältniße Ihrer Heimat nicht so genau. Sie klagen auch über die religiöse Gleichgiltigkeit, von welcher die große Mehrzahl der Israeliten heimgesucht ist. Glauben Sie nicht, dass es bei uns etwa anders ausfieht! Wenn auch in einzelnen orthodoxen Gegenden den alten Bräuchen und Satzungen gehuldigt wird, so ist doch nicht immer alles Gold, was glänzt. Ich besuchte jüngst eine sogenannte ״orthodoxe" Synagoge, doch welche Enttäuschung! Geschrei und geschäftliche Unter- Haltungen, Lesen profaner Schriften waren an der Tagesordnung, aber Andacht, Anstand und Würde suchte ich vergeblich. Hier kann der Chasan mit voller Kraft schreien, wie einst die Götzen- Priester am ״Karmel" — dort, d. h. in den modernen, oft prachtvoll ausgestatteten Synagogen, kann er aus der Fülle des Herzens beten nnd singen, wie König David; aber er singt und betet mit und ohne Orgelbegleitung tauben Ohren oder leeren Bänken. Nicht besser steht es mit dem Religionsunterricht, der oft ungebildeten Leuten, die nur ihr ״Kuhbüchelchen" ״Siwche ScHomim“ nothdürftig verstehen, auvertraut wird. Da der Religionsunterricht solchen Leuten übertragen werden kann, hat der wissenschaftlich gebildete Lehrer kein besseres Los als der gewöhnliche Schächter. Das Mühen des Religionslehrers bleibt aber auch darum vergeblich, weil das Elternhaus nicht mit der Schule Hand in Hand geht. Den Schülern wird die Religion nicht vorgelebt, und mit der Confirmation wird das Glaubensbekenntnis ״a b g e l e gt". Gottesdienst, heilige Bräuche, Sabbath und Festtage sind nicht mehr zeitgemäß, höchstens an den Jomim Nanroim wird dem lieben Gott eine Anstands- Visite gemacht, um noch einen Vsrsus nasnaorialis zu sprechen, denn das Orsn im Urtexte ist längst.pergeffeih.\