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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-08-15 · Heft 20 (15.8.1896) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 20 (15.8.1896)
Date
1896-08-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6: Gesterrerchisch-ungarische Lantoren-Ieitung. Nr. '20 - ' Das sind Schwierigkeiten, ׳ mit "denen der ״׳ Eantor und' Lehrer noch als Zugabe zu seinem schwierigen Amte und den unttenÄen Sorgen zu kämpfen hat. Hierzu kommen noch die Mnnehmüchkeiten-" der persönlichen Anfeindungen seitens einzelner Gememdemitgkeder, der sogenannten ״Lorostün". Ich versichere dass auch m größeren Gemeinden Dinge Vorkommen, die Mnen unglaublich erscheinen wurden, doch lassen wir diese trmMge dustere Seite des jüdischen Beamtenlebens. Was Wunder,, wenn emstrebfamer Jüngling abgehalten wird, sich, dem Berufe ein^ Cantors Und Lehrers zu widmen, muß er nicht zurückschrecken, wenn er wahrnimmt, welche Widerwärtigkeiten er zu überwinden hat, wenn er bei seinen mageren Einkünften noch der Mffawberen Eoucurrenz ungebildeter, sogenannter wilder 6LL8LUÜN und «eingebildeter gebildeter Lehrer" aus^ dem Wege gehen muß. Die Gemeinden schreiben Gehälter aus, die zwar eines Hausknechtes würdig find, aber nicht eines geistlichen Beamtem Ich klage nicht die Gemeinden allein an, es liegt auch in den Verhäftnißen und diese sind durch den Andrang unlauterer Elemente zu Cultusämtern entstanden. Hier ist das Wort am Platze ,,Odrmpo ruslodiiso b’lo sago". ,,Die Anmaßung ist eine Herrschaft ohne Krone." Unter solche prekären Verhältnißen kann weder das Ansehen der Gemeinden, noch der besseren Eultusbeamten Inder Außenwelt Achtung gewinnen, können die Schwierigkeiten sich nicht ebnen und die Mißhelligkeiten sich nicht ausgleichen. Das sind meine Ansichten, die aus der Praxis hervorgegangen sind. Mögen diese Schäden baldigst geheilt werden. Zn Freundschaft Ihr M. Tintner, Bunzlau. Löbliche Redaction! Ich bitte um fteundliche Ausnahme des nachfolgenden Aufrufes in der nächsten Nummer der ״österr.-ungar. Cantoren- Zeitung". Zur grmernsanrrn Abwehr! Die sämmtlichen Frauen und gutgesinnten Standes? genosien, Rabbiner, Cantoren und Lehrer, welche geneigt sind, zur Abwehr des «jüdischen Beamtenelends" beizutragen und an der Petition an das h. k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht im Sinne des Artikels in Nr. 18 der ״Cantoren- Zeitung" «Harte Enttäuschungen" sich zu betheiligen, werden dringend ersucht, ungesäumt ihre Unterschrift nebst Berufs- und Domicilangabe an den löbl. Vorstand des ״Cantoren- Vereines" einzusenden, mit der Bitte um sofortige Durchsührung des Petitionsvorschlages. Schreiber dieser Zeilen und Verfasser des genauuteu Artikels ist gern bereit, auf Veranlassung des löbl. Borstandes des ״Cantoren-Vereines" jene Petition so fort zu entwerfen oder abzufassen. Wenn nicht jetzt ״Selbst- Hilfe" geschaffen wird, so niemals mehr. Dann aber wären wir verloren und unsere Familie mit uns. —: Erwäget wohl, Collegen und Leidensgenossen, bedenket reiflich und handelt schnell! — Die Betheiligung an der Petition wird als ein Geheimnis gewahrt bleiben, weshalb sich niemand eine Zurück- Haltung auserlegen muss. Geehrte Redaktion! Bezüglich der Darstellung des.Herrn Collegen Spielmann in Nr. 19 dieses Blattes, erlaube ich mir mit Ermächtigung des Sohnes des Herrn M. Einiges richtig zu stellen. Mit der Gemeinde N. E. und/ihrem Benehmen dem langjährigen, treuen Beamten gegenüber hat es seine Richtigkeit; dgch darf.nicht verschwiege!; werden, dass, dieselbe so edel war> dem Verabschiedeten einen Dankbrief zu. senden, mit dem/ Wunsche, er möge noch lange gesund in ihrer Mitte leben. * Was Herrn M. betrifft,, so ist derselbe heut'77 Jahre alt/ Trotz des höhen Alters ist aber Herr M. so rüstig und wetterfest, dass er noch eine' Reihe von Jahren gut füngieren könnte.:,Er, hat jederzeit redlich seine Pflicht erftillt; So has ßr sich beispielsweise am Jom Kippur um.%6 Uhr früh zpm Omuß gestellt und betete ohne Unterbrechung Schacharis,. Musaf und Minchah inclusive Toralesen. Herr M. ist nicht auf die Unterstützung seiner Kinder angewiesen, sondern hat seist Schäfchen im Trockenen, in der Weise, dass er dem. ferneren Winter seines Lebens beruhigt entgegensehen kann, was - er allerdings nicht der Gemeinde, sondern seiner ThätigM und seinem Fleiße als. Geschäftsmann zu verdanke^ hat. Dem -Obbesagten zufolge bildet die Entlassung des-Herrn M. fiir denselben, Gott sei Dank, keine Katastrophe,und es wäre nur zu wünschen, dass alle Provinzcollegen, die etwa einem gleichen Lose von Seite ihrer Gemeinden begegnen sollten, so Ahn und gestählt ihren! Geschicke trotzen könnten, wie College W.*)!. Pisek, 2. August- 1896. Obercantor M. Roseufeld.. - Wien. Vor uns. liegt der jüngste Jahresbericht: des, Vereines für rituelle Verköstigung armer Israeliten in den hiesigen Spitälern u. zw. von der sechzehnten Verwaltungsperiode. : Nach demselben hat das Deficit um mehr als 800 fl. abge-! nommen, gleichwohl beträgt es noch 1327 fl., welcher Fehlbetrag im Verhältnisse zum bescheidenen Budget noch immer groß, genug ist. Die Einnahmen betrugen nahezu 8000 fl., in gleicher- Höhe hielten sich die Auslagen für Brot, Mazzoth und Diversen, gewiß ein schönes Zeichen von Beistands- und Opferfähigkeit in einem Jahre. Bemerkenswert ist, dass die Professoren an den Kliniken, die vormals diesen Verein bekämpften, ihn jetzt eifrig fördern. Herr Revisor Simon Buchwald läßt besonderen.; Eifer obwalten und besucht auch öfters die Patienten, dennhier gilt das Wort unserer Weisen: אשרי,משכיל אל דל זה חולה♦ Die Vereinskanzlei befindet sich H, Unt. Augartenstraße 17. Nruhsus. Dienstag, den 4. August fand die Trauung des hiesigen Cantors, Herrn Julius Fürnberg, mit Fräulein Fanny Beck statt, aus welchem Anlasse das harmonische Verhältnis zwischen der Gemeinde und ihrem Functionär in besonders erfreulicher Weise zum Ausdrucke kam. Der Gesammtvorstand und fast sämmtliche Gemeindemitglieder hatten sich in Festtagskleidung in der Synagoge eingefunden. Herr Obercantor Bauer aus Wien, der ehemalige Lehrer unseres beliebten Cantors, war eigens hieher gekommen, um durch seine Anwesenheit und durch!Übernahme der cantoralen Function seinen Schüler zu ehren, und factifch erhielt der Trauungsact durch die ausgezeichnete Art, in welcher Obercantor Bauer die Trauungsgesänge executirte, ein besonders solennes Gepräge. Ein Doppelquartett, bestehend aus den Herren: Stampf, Fantl, Schwarz, Kohn, Adler, Gröger. Kobi, in welchem auch Herr Obercantor Speiser aus Budweis mitwirkte, der zu seinem Freunde Fürnberg als Hochzeitsgast gekommen war, fand unge- Heilten Beifall. Auch die Sopransiimmen kamen diesmal zur vollsten Geltung. Herr Rabbiner Horner hielt dem Amtsbruder eine formvollendete Rede, die wirklich vom Freunde kam und dem Freunde galt. Hier giebt es keinen Zwist zwischen Rabbiner und Cantor, die durch 7 Jahre in schönster Eintracht zu Nutz und Frommen der Gemeinde Zusammenwirken. Fräulein Anna Fantl, eine ausgezeichnete Clavier- und Harmoniumspielerin. begleitete sämmtliche. Gesänge mit größter Präzision. Die Theilnahme der Gemeinde manifestirte sich in vielen schönen und werthvollen Hochzeitsgeschenken und auch der Zitterclub, dessen Mitglied Herr Fürnberg ist,, übersandte ein prachtvolles Album mit Gedenkblättern sämlntlicher Mitglieder. *; Diese Berichtigung bestätigt nur vollauf die gerecht--, fertigte Kritik des Collegen. Spielmann. Wenn eine Gemeinde ihrem Be-, amten nach 40-jahriger Dienstzeit nichts mehr zu bieten weiß als — ein Dankschreiben, so ist das wohl traurig genug. Eine solche. Gemeinde hat. wahrhaftig keine. Existenzberechtigung und . v«nd.ßflt,. es,. , öffentlich... gegeiselt . zu'werden. ' (Aiim. d. Red)/ ־

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