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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-08-01 · Heft 19 (1.8.1896) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 19 (1.8.1896)
Date
1896-08-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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L>eite 2. Defterreichisch-ungaxische Lantoren-Aeitung. Nr. 19. als Gradmesser dienen müsste, - welche Melodie zu verwerfen und welche aufzunehmen sei. Ist. dieser Stil endlich Gemeingut sämmtücher synagogal-gesanglicher Factoren geworden, dann wird - es ein Leichtestem, Lei einer eventuellen Theilung der Arbeit, die Ideale des Herrn Professor Steinthal zu verwirklichen, d. h. eine erschöpfende Sammlung.aller unverfälschten Synagvgenmelodien aufzustellen. Mehrere unsererer intelligenten und für ihr Fach begeisterten College» neigten sich nun unserer Anschauung zu, und Herr Professor Steinthal würdigt dieselbe in einem freundlichen Briefe an den SchreiberIdieses Aufsatzes als den richtigen Weg zum ernsten und heiligen Ziele. Um mm die etwas zurückgedrängte Angelegenheit wieder in Fluß zu bringen, erachten wir es zuvörderst als unsere Aufgäbe, unsere geehrten Herren Collegen ohne Unterschied der Naüoualität und religiösen Richtung für diesen ernsten Gegenstand zu interessiren. Mögen sich auch die Herren Synagogen- Chordirigenten zu gemeinsamer Arbeit mit uns vereinigen und zunächst behufs Klärung der Angelegenheit ihre, wenn auch extrem gegentheiligen Ansichten in diesem Fachblatte rückhaltslos veröffentlichen. Die Theilnehmer an der Debatte sollen dann zu einem Comite zusammentreten, welches die Vorbesprechungen zu pflegen und die Tagesordnung für einen großen und allgemeinen Cantorentag festzusetzen hat, in welcher Weise das geplante wichtige Unternehmen einer gedeihlichen Lösung entgegengeführt werden könnte. Nun, geehrte Collegen, reichen wir uns die Hände und stützen wir uns gegenseitig! Einigkeit macht stark! Zeigen wir und bekunden wir es öffentlich, Li 10 äl halechem lewaddo jicbjeh hoodom, dass wir, jüdische Cantoren, nicht im Drange unseres, wenn auch schweren Berufes untergehen, sondern die Fähigkeiten und den Jntellect besitzen, unser geistiges Äuge zu geistiger Höhe zu erheben und nach idealen Glücksgütern zu streben. Jedes ernsten Mannes Rede wird gehört und jede Anschauung vollinhaltlich gewürdigt. Halte sich Keiner zu hoch oder zu geringe, um in diesem wahrhaftig edlen Kampfe als Krieger mitzukämpfen, und es wird und muß uns gelingen, unseren Helligen und altehrwürdigen Synagogenmelodien den ihr schon längst gebührenden Ehrenplatz in der Geschichte des Gesanges zu erkämpfen. Uelrer dir gegenseitigen Pflichten der Cultnsgemrinden und der Beamten. Von Bczirksrabbiner A. Roth in Siklos. n. Die dritte Pflicht des jüdischen Beamten sei die, dass er stets einen streng religiösen Lebenswandel führe, niemals, weder durch Wort noch durch That, Anlass zum Anstoße und zur Unzufriedenheit gebe. Er bekunde stets in seinen Handlungen religiösen Sinn und unterlasse es niemals, wenn es ihm nur irgendwie möglich ist, den öffentlichen Gottesdienst zu besuchen; immer hatte er sich vor Augen, dass er ein Diener Gottes im edelsten 'Sinne des Wortes ist Und dass von ihm, als Priester, die heilige Schrift sagt: דזמקדעו לא" יצא p was die Rabbinen mst den Worten interpretiren: ממקדשו לא יצא dass er aus der Sphäre des Helligchums uicht heraüstrete. Er hat aber Ech ten Msspruch Wes Rabbi zu bedenken. dass män nicht Gott diene nur M der Absicht, einen Lohn zu erhalten, nein, sÄbsÜos sei der Dienst, nur 'die ׳reine Gottesfiircht beseele und belebe den jMschen Weämten, dadurch' wird er bei Men - Ästgttedern der Gemeinde ohne Ünterschiedder reliojivsen Gesinnung hochgeachtet und geschätzt bleiben, weil selbst derjenige, welcher die Lehren der׳:' Religion negirt undmißachtet, es gerne sieht, dass der^ jüdische Beamte fromm sei. i Den weisen Rath unserer Rqbbinen הלך כנימוםה soll jeder Beamte befolgen und beherzigen. Er sei bestrebt, sich den Einrichtungen und Verordnungen der Gemeinde, in welcher er lebt und wirkt, zu fügen und darnach einzürichten. Er spiele weder den Reformator noch den Conservator, er gehe weder rechts, noch links, sein Wahlspruch sei:דדך המלך אילך und dieser Weg führt ihn sicher zu seinem Zwecke. Besonders bekunde der jüdische Beamte einen streng sittlichen Charakter und. ein musterhaftes, friedsames Betragen; er sei freundlich und ftiedlich, zu allen Mitgliedern der Gemeinde ohne Unterschied des Standes und Ranges. Wenn die h. Schrift sagt, dass derjenige, welcher einen Leibesfehler hat, nicht würdig sei, den Priesterdienst zu versehen, umso weniger ist der würdig, den Dienst Gottes zu verrichten, welcher moralische Gebrechen hat. Hier ist das Wort der h. Schrift מום בו in vollster Bedeutung, denn der Fehler ist nicht-äußerlich, sondern innerlich. Die talmudischen Worte: אם אין שלום אין כלום sind besonders bei den jüdischen Beamten anzuwenden. Mag der Beamte noch so tüchtig und befähigt sein, wenn.er nicht friedfertig ist, hat er kein Verbleiben.' Das Wort שלום bedeutet Friede und Wohlergehn, das Eine bedingt das Andere, ohne Friede kein Wohlergehen. Klugheit und Bescheidenheit sind unentbehrliche Eigenschaften eines jüdischen Beamten. Salomo der Weise sagte schon: ״Klugheit ehrt und nährt den Menschen." Der Beamte soll darum in allen seinen Handlungen bekunden, dass er klug und behutsam .sei, er besitze das savoir-faire und savoir-vivre in eminenter Bedeutung, er achte genau auf seinen Umgang, denn verschieden sind die Menschen in ihren Eigenarten. Schon Gott hat Moses bei der Uebernähme seiner Mission gesagt: כנים טרחנים רגזנים דים IN כני. Der jüdische Beamte mische sich nie in Gemeindeangelegenheiten, er tadle und lobe nicht; will er geachtet bleiben, so sei er wie die Götzen, die angebetet werden, von denen der Psalmist sagt, sie haben einen Mund, der nichts spricht, Augen, die nichts sehen,'Ohren, die nichts hören. משמע דומד,ומשא, Hören, Schweigen und Ertragen seien die Losungsworte des jüdischen Beamten. Er besuche sehr selten die Häuser der Balbatim, weil sich bald bewährt das Sprichwort: ״Erst ist man ein Gast, daNn wird man zur Last." Er vermeide das Schmeicheln, oder wie man es gewöhnlich nennt, das Kriechen; denn der Beamte, welcher mit Umsicht und Takt seine Pflichten erfüllt, bedarf nicht der Schmeicheleien, seine Thäten sprechen für ihn. Die Pflicht des jüdischen Beamten ist es auch, seine Collegen hochzuhalten und mit ihnen in intimer Freundschaft zu leben. Die Beamten in der Gemeinde sollen eine Körperschaft bilden. Die Glieder derselben müssen einander schützen und unterstützen. Der Talmud sagt: ״Drei sollen sich einander lieben, unter diesen sind die עבדים und die heilige Schrift sagt auch: Liebet die Fremden, da ihr kennet das Gemüth des Fremden und Ihr selber Fremde wäret Der Beamte ist in der Gemeinde oft ein Fremder, der daselbst keine Verwandten hat, und Jeder kennt das Gemüth des Andern, weil er selber in ' der Fremde ist. Leider sehen wir aber zu oft, wie die Beamten einander tzaffstl, verfÄW ünd VerkäüMden. Es ist der Nell), die Mißgunstwodurch Zank und Streit unter Beamten entstehen, uüd das führt?zum Verderben. Einer :faßt; durch den Andern und oft fallen Beide und anstatt, איש את רעהו יעזרו, dass Einer dem

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