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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-08-01 · Heft 19 (1.8.1896) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 19 (1.8.1896)
Date
1896-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Redaetion u. Administration Wien, 2. Novaragasse 27. R. k. österr. -Postsparcaffe LH-<k-Lonto Nr. 635,240. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. OsLtr'Ll-Oi'ssair für die Interessen der Cantoren mid Cultnsbemnten. Erscheint jeden zehnten Tng. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Pränumerations-Preis. 3rnx<£anitrttnu.Q£nUuabttuni« irr Vrsterrrirtz-Nrrgarrr Ganzjährig.fl. 5•— Halbjäbrig ..... fl. 2.50 FürEsnkoren n.Cullnsbertmte int Ausland Ganzjährig.10 Mark oder 5 Rubel. Für private und Institute Ganzjährig . ... fl. 6.— Abonnementsn. Insertion»- betrüge find irr Wien zatzkbar. Nr. 19. Wien, 1. Nusust 1896. 16. Jahrgang. Jüdisches Beamtenelend. Im Nachfolgenden veröffentlichen wir eine Zuschrift, deren Wiedergabe an hervorragender Stelle dieses Blattes uns dringend geboten erscheint, denn sie spricht beredter, als der bestgeschriebene Leitartikel und ist so recht dazu geeignet, selbst die Indolentesten unserer Berufsgenossen aus ihrer Lethargie zu erwecken und zum Anschluss an die Gesammtheit behufs gemeinsamer Abwehr zu Abwegen. Wir enthalten, uns absichtlich jeden Commentars und wollen die nackte Thatsache auf die Collegen einwirken lassen. Die Zuschrift hat folgenden Wortlaut: ״Löbliche Redaction! Der in voriger Nummer veröffentlichte Artikel ״Harte Enttäuschunge n" wie auch der ״o f f e n e B r i e s" des Herrn Collegen Tintn er enthalten leider eine ebenso so wahre als traurige Schilderung unserer Standesverhältniße, und es wäre für uns Alle sehr vortheilhaft, in der daselbst angedeuteten Weise solidarisch vorzugehen. Zur weiteren Jllustrirung, wie schwer unser Stand darniederliegt, diene Nachfolgendes: In der Cultusgemeinde N. C. in Böhmen war seit 41 Jahren der Cultusbeamte M. als Cantor und Lehrer thätig. Abgesehen von all' den Nebenbeschäftigungen, die ihm noch oblagen, von all dem Leid und Elend, das er in dieser Khille miterlebt und mitgefühlt hat, bekömmt er zum Danke heute nach einer, W ein ganzes Menschenalter umfassenden Amtswirksamkeit, wo er alle seine Kräfte für die Gemeinde geopfert und ausgegeben hat — eine vierzehntägige Kündigung (!!), gleich dem niedrigsten Taglöhner oder Dienstboten. Der College ist heute 72 Jahre alt. Was soll er beginnen!? — — Seine Kinder zwar sorgen für seinen Unterhalt, auch char er in seinen jungen Jahren sparsam, aber ist das nicht trotzdem für ihn eine schreckliche Katastrophe und für das Judenthum eine Schande!? Gibt uns nicht das geradezu unmenschliche Vorgehen dieser Gemeinde*) einen deutlichen ÄWDesg,,; diesen Unbillen rechtzeitig ’ mit vereinten ’ Kräften öorguBeugeu?. " ״ V ־ ’ <;:a 0*); Die.Namender Gemeinde und des CultuSbeamtcn: sind der Red^tivn bekannt. - - - 7 / 7 Die Redaction. Das soeben geschilderte Vorkommnis war die unmittelbare Veranlassung zu meinem, in der heutigen Nummer veröffentlichten Feuilleton, und wenn Sie, geehrter Herr Redacteur, zum Besten der Gesammtheit diese Zeilen der Oeffentlichkeit übergeben, so werden Sie sich hiermit meinen und vieler Anderer Dank er- Werben. Mögen die verehrten Collegen rechtzeitig die Zukunft in's Auge fassen, zum Heike Ihrer Familie und zum Wohle Ihrer Nachfolger. Dies sei. unsere erste und ernsteste Aufgabe! Mit dem Ausdrucke der vorzüglichsten Hochachtung zeichne E. Spielmann, Lehrer und Cantor in Pilgram." Die synagogalen Melodien. Dorr Obercantor Singer in Wien. Inmitten des bedauerlichen Kampfes gegen die Heiligthümer des Judenthums werden selbstredend die Sonderinteressen jeglicher Art in den Hintergrund gedrängt. Diesem bedauerlichen Umstande ist es hauptsächlich zuzuschreiben, wenn auch wir jüdische Cantoren in letzter Zeit lediglich in der Erfüllung unserer Functionspstichten unser Genügen fanden und, unser geistiges Auge auf eminente allgemeine Tagessragen richtend, seit geraumer Zeit von der synagogalen Melodie ablenkten. Da, inmitten unseres Säumens, trifft uns ein Weckruf von überaus bedeutsamer Seite und mahnt uns an unsere Pflicht. Eine Leuchte der Wissenschaft, kein Geringerer als Herr Professor Dr. Steinthal in Berlin, wendet in einem überaus sympathischen Aufsatze, der auch in den Nummern 5, 6 und 7 der österr.-ungar. Cantoren-Zeitung vom Jahrgang 1896 veröffentlicht wurde, der synagogalen Melodie feine Aufmerksamkeit zu. indem er unter der Ueberschrift ״Was wollen wir mit den jüdischen Melodien?" im Allgemeinen zur Sammlung aller vorfindlichen synagogalen Melodien auffordert. Herr Professor Steinthal erblickt in einer größtmöglichen Sammlung dieser Melodiengruppe ihre Rettung vor dem Untergänge. Die Leser dieses Blattes haben sicherlich unsere kundgegegebene gegentheilige Anschauung im Gedächtniße. welche darin gipfelte, dass nicht eine einfache Sammlung dieser Melodien die eventuelle Rettung derselben bedinge, sondern dass dieser Sammlung die Feststellung eines Stiles vorausgehen und gleichsam in diesem Chaos

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