Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 17 (1.7.1896)
- Date
- 1896-07-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lanloren-Aeitung. Nr. 17 Auch für Einzelnpersonen ist der Beitritt als außerordentliche Mtglieder (mit einem Jahresbeiträge von mindestens 5 st.) als Spender (mit beliebigen Beträgen) oder als immerwährende Mtglieder (durch einmalige Einzahlung von 250 st.) zulässig. Mit Rücksicht auf die bedeutenden Erfolge des deutsch-israelitischen Gememdebuudes in Berlin wird auf zahlreiche BetheUigung an diesem Verbände gerechnet, welcher den Rechtsschutz gegen gesetzwidrige Angriffe auf Juden und Judenthum zu einer seiner Hauptaufgaben zählt. Testchrrr, 21. Juni. Der nenernannte Landespräsident von Schlesien, k. k. Hofrath H. Manfred Graf von Clary- Mdringen, besuchte unsere Stadt und bei dieser Gelegenheit auch mrser Gotteshaus, das bereits öfter viele Mitglieder aus dem erlauchten -Kaiserhause und selbst unseren geliebten Monarchen in seinen geweihten Räumen sah. Im Vestibüle von dem Israelittschen Gemeindevorstande unter Führung seines wackeren und verdienstvollen Präses, des Großindustriellen Herrn I. PH. Glesinger, ehrfurchtsvoll begrüßt, bettat der Landeschef in Begleitung des Bezirkshauptmannes. des Bürgermeisters und eines Regierungssecretärs das dichtgedrängte Gotteshaus, woselbst unser faugesmächtiger Obercantor, Herr W. Poborsky, nnt Chor und Orgelbegleitung unter der bewährten Leitung des Herrn Cantors A. Hahn in erhebender Weise das ma tauwo intonirte. Hierauf bestieg Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. A. Leimdörfer die Kanzel und hielt an dm hohen Gast eine kurze, aber inhaltsreiche, von glühender Begeisterung für Staat und Judenthum getragene Ansprache, welche ein wahrer Kidüscli haseliem war und nicht nur auf alle Zuhörer, sondern auch auf den hohen Gast einen überwältigenden Eindruck hervorrief. Nach dem Absingen der Volkshymne verließ Herr Dr. Leimdörfer die Kanzel, und der hohe Gast eilte ihm sichtlich ergriffen und tief bewegt entgegen, drückte ihm herzlich die Hand, dankte für die patNotische Ansprache und überschüttelte ihn mit den schmeichelhaftesten Anerkennungen seines hervorragenden, ausgezeichneten Rednertalentes. Auch Herrn Obercantor Poborsky reichte er leutselig die Hand, zollte ihm Bewunderung und uneingeschränktes Lob ftir den herrlichen und erhebenden Gesang und richtete mehrere Fragen an ihn. Auch von allen Herren Vorstands- Mitgliedern empfahl er sich durch warmen Händedruck in liebevollster Weise. Fmestest. 23. Juni. Im Laufe der vorigen Woche besuchte der kürzlich ernannte Chef der Landesregierung Schlesiens unsere Stadt und besichtigte auch den israelitischen Tempel. Herr Obercantor Salomon Weiß brachte eine Hymne mit Chor und Orgelbegleitung zum Vortrage und sprach vor geöffneter Lade ein entsprechendes Gebet. Der hohe Gast gab der Bewunderung für das schöne und würdige Gotteshaus Ausdruck und sprach sich überaus anerkennend über, die ausgezeichneten Stimmmittel und die vortreffliche Schulung des Herrn Weiß aus. Budapest. Gelegentlich der Millenniums-Ausstellung. ׳ als der Ordensregen auf Juden beider Richtungen niederfiel —־ gerade in dem Augenblicke als Lueger, den Jokai in einem Feuilleton den ״C l o w n a n d e r Spitze e in es Narre nsynhedrio ns" nannte, einen Vernichtungskrieg gegen Ungarn und ungarische Juden predigte, hat der Schreiber dieses Einblick genommen in die Verwaltung der Pester israelitischen Religionsgemeinde, die an Größe zu den allerersten Gemeinden der Welt zählt. Ich verdanke dem Vorstandsmitgliede Herrn Arthur M. Bloch einige sehr interessante Daten des Budgets der Relrgionsgemeinde, wie das der Chewra-Kadischa betteffend, und es ist geradezu bemerkenswerth, wie ein Zug der Zusammengehörigkeit, eine einmüthige Munificenz, alle Mitglieder dieses großen Gemeinwesens eint und bindet. Das Budget der Pester Cultusgemeinde beträgt die Summe von 354.743 fl. 44 kr., das der Chewra-Kadischa 181.556 fl. 56 kr., Summen die dem Budget kleiner Fürstenthümer entsprechen. Um aber einen Einblick zu gewinnen, wie alle Mitglieder der Religionsgemeinde gern und willig ihr Schärflein beittagen, um alle die zahllosen Wohlthätigkeits-Jnftitutionen zu fördern, genügt ein Hinweis auf eme Erscheinung, wonach die Gemeinde sich bemüßigt sieht, all-׳ jährlich ein Spendenverzeichnis erscheinen zu lassen, das an M Druckseiten umfasst. Wir entnehmen diesem voluminösen Verzeichniße, dass an Spendengeldern, für alle Humanitären Institutionen der Budapester Religionsgemeinde, nahezu 70.000fl., (siebenzig Tausend Gulden) eingegangen, und was besonders hervorgehoben zu werden/verdient, dass wir unter den Spenderngroßen Namen begegnen, - die nicht der Glaubensrichtung der Gemeinde angehöreu, wie z. B. Cültusminister W lässig Ober- Hausmitglied Baron Podmaniczky rc. ' ׳ Eine interessante Thatsache, - die das hervorragende Interesse der, ungarischen Juden für alle Gemeinzwecke in das schönste Licht rückt, bleibe hier nicht unerwähnt. In der h istorischen Ausstellung in Budapest befindet sich eine Thora-Rolle, die gelegentlich der Eröffnung die Aufmerksamkeit Ihrer Majestäten des "Königs und der Königin auf sich lenkte. Die Thorarolle/ 25 Centimeter hoch, umschlossen von Holz, 1 dem Libanon entnommen, zusammengefügt ans. Blättern vom - reinsten Pergament, und eine tadellose Schrift, deren.!Schwärze siegreich den Jahrhunderten — sie. soll vierhundert Jahre alt sein — widerstanden, ist überdies mit Silber- Zieraten in unverfälschtem korynthischen Style geschmückt/ eine Sehenswürdigkeit nicht nur von religiöser, sondern von eminent historischer Bedeutung, deren Werth effectiv auf 2000 fl. veranschlagt erscheint. Von dem Affectiv n s -? werth schien der Verkäufer keine Ahnung zu Hab ein lieber Anregung des erwähnten Großindustriellen, Herrn Arthur' M. Bloch, erstanden einige Private diese Thora und machten sie der Gemeinde zum Geschenk, wo sie als kostbares Augebinde' dem heiligen Schrein des großen Tempels einverlcibt wird. Wie Schreiber dieser Zeilen sich erinnert, gibt es in Ungarn nur noch eine Thorarolle, die an pietätsvoller Erinnerung diese Thora überragt, sie ist in dem Besitze der Baja'er Cultusgemeinde, schrieb doch die erste und letzte Zeile, nachweisbar, der große Rabbi Märkns Baueth in Nikolsburg.; . _ Professor E. Nascher. Budapest. Die Commission des nngarisch-israelitischeu. Landesfonds hat eine aus den Herren Alexander Deutsch de Hatvan, Wilhelm Gutmann de Gelse, Sigmund Kohner, Dr. Moriz Mezei, königl. Rath Ignaz Schreiber und Martin Schweiger bestehende Deputation damit betraut, an den׳ Stufen des Thrones den Dank dafür auszudrücken, dass Se. Majestät; der König zn gestatten geruhte, dass die aus den Mitteln des Landesfonds an der Ludovica-Akademie errichteten Stiftungsplätze allerhöchstseinen Namen tragen dürfen. Diese 'Deputation unter Führung des Herrn Martin Schweiger wurde vom König huldvollst empfangen. Se. Majestät betonte in seiner Antwort, die Stiftung sei eine nothwendige und. sehr nützliche. er ftene sich derselben, spreche dafür seinen Dank ans und habe gern gestattet, dass die Stiftung seinen Namen führe. Berlin. Das unter Virchöw's Präsidium stehende Reichs-. comits für den internationalen medicinischen Eongreß in Moskau hat beschlossen, seine Thätigkeit nur dann aufzunehmen/ wenn - die Passangelegenheit für die deutschen Congressbesucher jüdischer Confession vorher geregelt wird. Bekanntlich ist es für Juden heute beinahe unmöglich, ohne besondere Hilfsmittel nach Rußland zu gelangen. Da aber eine namhafte Anzahl der bedeutendsten deutschen Aerzte jüdischer Confession ist und man dem Gedanken nicht Raum gibt, dass diese von dem Congresse wegbleiben, so wurde obenwähnter Beschluss gefasst, der eine Beseitigung aller Schwierigkeiten für die jüdischen Congress- Mitglieder fordert. Dies kann aber nur durch besonderen Ukas des russischen Kaisers geschehen, und man hofft, dass die Entscheidung des Monarchen zu Gunsten der deutschen Congress- Mitglieder ausfallen wird. ׳ Poserr, im Juni. Die beiden Monate l״rr und.ji'O, die in diesem Jahre mehr als je das Andenken an die finstere Zeit des ersten.׳ Kreuzzugs ins Gedächtnis rufen, da. genau 8 Jahr- Hunderte dahingerauscht sind, dass die entmenschten Kreuzfahrer über die, jüdischen Gemeinden des schönen׳ Rheinlandes״ herfielen und sie vernichteten, rufen auchin unserer > Gemeinde - :die.׳ Erinnerung an eine schreckliche- Gefahr zurück,, in .der . diese Gemeinde und mit ihr weite Kreise Großpolens vor!, zwei Jahrhunderten schwebten. Die!.Geschichte dieser Gefahr wird!jn dem׳ det hftsigen/Gemeinde erzcchlt. Zu Mfanfi!!.M