Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 17 (1.7.1896)
- Date
- 1896-07-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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©eite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 17. gestatten es, von der äußeren Erscheinung einer sich in der Kunstbechäügung offenbarenden Person bis zu einem gewissen Grade absehen zu Annen, niemals aber in dem Maße, dass mau ihrer Begleitung oder doch ihrer Vorstellung ganz entbehren könnte. Die Versuche, bei musikalischen Zlufführnngen die Ausführenden den Blicken der Zuhörer zu entziehen, haben nie zu einem befriedigenden Ergebniße geführt. Es wäre kein Großes, eine Maschine zu erfinden, welche an Genauigkeit, Kraft, Ausdauer, Geläufigkeit, kurz an allen in die Sinne springenden Vorzügen alles übertreffen würde, was Menschen zu leisten vermögen. Und doch! Kann ein künstlerisch Empfindender sich eine Zeit denken, in welcher die Maschine trotz ihrer größereil Leistungsfähigkett den ausübenden Künstler verdrängen könnte? Warum nicht? Die Anhänger der Theorie der ״tönend bewegten Formen" müssten um die Antwort verlegen sein. Wir werden die Erklärung nicht vermissen: Einzig darum, weil die Tonform das Wesen der Musik nicht erschöpft, weil diese als Ausdruck empfunden werden will und als solcher in Verbindung mit einer sich ausdrückenden Persönlichkeit gedacht werden muß. Pädagogische Aphorismen. aus dem Talmud und den Midraschim nebst Parallelstellen aus der Bibel und aus Schriften moderner Pädagogik. Von Israel Singer, autor. Rabbiner, Rcligionsprofesior am Obergymnasium zu S. A. Ujhely. (Fortsetzung.) N a ch d rit ä b e v i 01 c n. Nr. 19. ״Kinder seid ihr dem Ewigen eurem Gotte." (Deuter. 14. 1.) Hiezu bemerkt der Talmud.״ ׳wenn ihr euch wie Müder betraget." (Md. 36 u. B. B. 10.) Lehre. Eine besonders beherzigenswerthe Ermahnung an Kmder frommer und achtbarer Eltern, sie mögen sich stets einer solchen Lebensweise befleißigen, dass sie ihren Eltern bei Lebzeiten und auch im Grabe zur Ehre gereichen. Sonst verdienen sie noch weniger Achtung als Kinder gewöhnlicher Eltern. Für uns Zsraeltten, als die Angehörigen des auserwählten Volkes, liegt hierin eine besondere Ermahnung, dass wir uns bestreben sollen, ״Pumpel" herrschte ihn der Director an, ״drückt Sie irgend ein tiefes Weh?" ״Ach ja," stammelte der Chorist, ״meine Hotelrechnung kann ich nicht bezahlen und der Wirth will mich hinaussetzen." ״Wo ist die Rechnung? her damit!" Ma« läutete nach dem Oberkellner, und die Rechnung wurde bezahlt. ״Haben Sie sonst noch Schmerzen?" Pumpel nannte jetzt mit Grabesstimme die Höhe seiner Schulden. ״Hier ist ein Check aus den genannten Bettag!" Pumpel steckte ihn ein, erleichtert aufseuszend. ״Nun aber singen Sie—-" In diesem Augenblick erscholl von unten herauf eine Helle Singsümme. ״Das hohe ״C"! Das hohe ״C"!" riefen die drei Theater- Menschen einstimmig. Sie stürzten hinunter und befanden sich Lall) in dem Zimmer des — berühmten Tenoristen Octavini, der zu emem Gastspiel eingettoffen war aber so früh nicht erwartet wurde. ״Nun schnell zu Pumpel!" rief der Director, ״ich muß MAnen Check retten!" Wer der Chorist war bereits über alle Berge. Er bezahlte den erstauntm Zimmervermietherinnen von S. die rückständige. Wethe. durch eine musterhafte, religiös sittliche und tugendhafte Lebensweise uns unserer Ahnen wahrhaft würdigzu erweisen. ״Denn thöricht ist mein Volk, mich kennen sie nicht, thörichte Kinder sind sie, aber nicht vernünftige Kinder." (Jerem. 4. 22.) Alle Eltern mögen es ihren Kindern nachdrücklichst einprägen, dass sie nichts thun, was ein ״ChilulHaschem", eine Entweihung des Gottesnamens, eine Schmach für die Judenheit sein könnte. Hingegen sollen sie sich stets solcher Handlungen befleißigen, die ein ״Kiddusch-Haschem", eine Heiligung des Gottesnamens, sind und der Judenheit zur Ehre gereichen. Natürlich müssen sie ihnen hiebei auch selbst ein Musterbild sein. Wichtige einschlägige Lehren liegen in nachfolgender Erzählung des Talmud. (Menoch. 53.) Die Gelehrten meldeten dem Rabbi Pridah, dass Rabbi Esrah, Sohn Rabbi Abtulas, der der zehnte Abkömmling des Rabbi Elieser b. Asarjah und ein Nachkomme des Schriftgelehrten Esrah war, vor der Thür auf Erlaubnis zum Eintritt warte. Da sprach Rabbi Pridah: ״Was sprechet ihr so viel von seiner Abstammung? Ist er ein Gelehrter, so komme er herein. Ist er gelehrt und der Sohn eines Gelehrten, umso eher komme er herein. Ist er blos der Sohn eines Gelehrten, aber selber kein Gelehrter, so verzehre ihn das Feuer!" d. h. er gereicht seiner Abstammung nicht zur Ehre. Ferner heißt es daselbst : Israel spricht zu Gott: ״Du mögest mir es zu Gute anrechnen, denn ich habe deine Einheit in der Welt bekannt gemacht!" Darauf sprach Gott: ״Nicht dir, sondern den Stammvätern kann ich es zu Gute anrechnen, denn diese haben zuerst meine Einheit in der Welt bekannt gemacht"; d. h. ihr möget nur die begonnene Mission würdig fortsetzen. Ahnenverdienst verdient nur mit Selbstverdienst zusammen entsprechende Würdigung. Deshalb sprach Jakob, als er seine Enkel, Josefs Söhne, segnete: ״dass an ihnen mein Name und der Name meiner Väter Abraham und Jsak genannt werde", d. h. sie sollen ihrer Abstammung würdig sein. (2. M. 48. 16.) Manche Kinder werden beschämt in ihrem Vater, wie der fromme König Joschiohu in seinem gottlosen Vater Amon, und Chiskiah in seinem gottlosen Vater Achos. Manche Väter werden beschämt in ihren Kindern, wie die Priester und Richter Eli und Samuel in ihren gottlosen Söhnen. Aber manche Väter werden geehrt in ihren Kindern und die Mnder in ihren Vätern. Abraham ward geehrt in Jsak, und Jsak in Abraham. Auch Jakob ward geehrt in seinen Söhnen und seine Söhne in ihm. Jsak ward in Jakob geehrt, aber in Esau beschämt. Da aber Jakob in der Fremde war, so ließ Gott Jsak erblinden, damit die Leute nicht ihm Nachreden : ״Dies ist der Vater des gottlosen Esäu." (Midr. Jalk. I. 110, 114, 157 u. Psochim 56.) So blendet ein unwürdiger Sohn seinen Vater. Nr. 20. ״Wenn ihr euer Herz in Buße zerreißet, d. h. euch aufrichtig bessert, so werdet ihr nicht wegen euerer Kinder euere Kleider zerreißen müssen." (Talmud Jeruschalmi Tanis, 2.) So rief auch der Profit Joel seinen Zeitgenossen zu: ״Zerreißet euer Herz, d. h. bessert euch, und nicht eure Kleider und kehret zurück zu dem Ewigen, euerem Gotte, denn er ist gnädig, barmherzig, langmüthig und gnadenreich und erlässt die angedrohte Strafe/' Das Zerreißen der Kleider bei Todesfällen ist ein Zeichen des tiefen Schmerzes der Trauernden. (1. B. M. 37. 34) Lehre. Es ist gewiss ein unsäglicher Schmerz für Eltern, wenn ihr Kind ihnen durch den natürlichen ׳ Tod entrissen wird. Aber noch viel größer ist der Schmerz, wenn die Eltern sich mit Recht Vorwürfe machen können, dass sie durch