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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-07-01 · Heft 17 (1.7.1896) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 17 (1.7.1896)
Date
1896-07-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. ,17. wir haben yur das tägliche Maunas d. h. wir haben kein MbeuemkommeN, wir haben nur das Fixum. Sie sehnen sich; rvw unsere Vorfahren, zurück nach den Fleischtöpfen! Egyptenserregen damit Mzuftiedenheü bei den Mitgliedern der Gemeinde und dadurch entsteht Zank und Streit. Ein weiser Rabbiner sagte: den jüdischen Beamten geht es wie einem Kranken, der seufzend und keuchend im Bette liegt, bald sehnt er sich, in ein anderes frisches Bett zu kommen, aber kaum liegt er eine kurze Zeit im frischen Bett, so fängt er wieder zu murren an und wünscht sich wieder in ein anderes Bett. (Fortsetzung folgt.) Offener Brief. Bunzlau, den 26. Juni 1896. Mein lieber College! Endlich wird es mir möglich, der Beantwortung Ihres inhaltsreichen Schreibens ein Stündchen Zeit zu widmen. Wir sind, wie ich vermuthe, darin einig, dass die Liturgie schwer gelitten, der Wandlung bedürfe, und auch ich wünsche recht schnelle Besserung, soll nicht jedes Gemeindlein sein eigenes Siddurchen und Gesangbüchlein besitzen, so dass eine Gemeinde die andere nicht versteht. Früher konnte mau sagen: ״Wajeki chol koorez sofo eehos udworim acb.odimu״Auf der ganzen Erdenrunde betete und sang Israel in einer Sprache und in einerlei Weisen." Aber das leidige Wichtigthun, ״wenaaseh 1on.11 soüsrn", auch wir wollen mit Reformen glänzen, auch wir wollen genannt sein, führt dahin, ״ascher 10 jisckmeu isch s’fas reehu“, so dass sie nicht verstehen einer die Sprache des andern. Ja, verehrter Freund! das ist das ״Babel", das ist die Verirrung und Verwirrung in dem Hause des Herrn. Der westliche Sinn der sogenannten ״Aufgeklärten" hat nach und nach das Verständnis für das synagogal Erhabene ganz verdrängt, und die profane Musik feiert in den Tempeln Israels ihre Orgien. Leider wollen auch viele Eantoren, in Verkennung des classischen Charakters der synagogalen Weisen, die Reize des trivialen Gesanges beim Gottesdienste nicht mehr entbehren, und so finden wir jetzt einen Tempelgesang, der sich durch nichts von der sinnlichen Theatermusik unterscheidet. Dieser Greuel darf nicht länger anhalten und noch mehr Verwüstung anrichteu. Begabte und ausgezeichnete Männer müssen für die Ehre Gottes zusammentreten, um wieder eine Liturgie zu schaffen, die Israel aus Nah und Fern miteinander verbindet, ohne dem Bildungsgrade und den Anforderungen der Gegenwart Abbruch zu thun. Ein Haupthindernis für die Erhaltung der. traditionellen Melodien bildet die ungenügende Kenntnis des echten Chasonuth seitens der Cultusbeamten; natürlich keine Regel ohne Ausnähme. Rabbiner und Eantoren müssen die Erhalter desselben sein, sie sollen die heilige Sache fördern. Was ist aber die eigentliche Ursache dieser beklagenswerthen Zustände? Nur die ungenügende musikalische und literarische Vorbildung der Eantoren. Es ist unglaublich, wie sehr gerade nach dieser Richtung hin noch heute gesündigt wird. In den Lehrerseminanen wird leider kein Unterrichtsgegenstand so stiefmütterlich behandelt, wie der cantorale. Jeder, der ein Borbetergmt bekleiden will, ist auch verpflichtet,, nicht nur den Choralgesang, sondern auch hauptsächlich das Chasonuth und die HÄraische Sprache in Wort und Schrift zu erlernen, um auch Men Diü u!ld jeden im ÜrteM zu .verstehen, um die hMge SpracherichH. ׳. vvtzutragen. , . Wo dies nicht der Fall ist, da klingt der schönste Gesang im Tempel wie Hohn! Eilt mit mangelhaften und einseitigen Kenntnißen. ausgestatteter Kandidat wird weder seinen Meistern, noch seiner Gemeinde Ehre machen, sicherlich aber bei dem Kenner nur ein mitleidiges und verächtliches Achselzucken Hervorrufen. Lieber College! Sie erzählen mir in Ihrem Briefe, dass in einer größeren Gemeinde in . . . ms der dortige Lehrer in der S’fira den Drei-Wochen-kiekoäocii mit Behagen singt und für die ״Geuloli'' Lomo Lonezach.cm dem dritten Schabboth nach?688aok die D1i-2ff'0u-Melodie vorträgt, u. zw. mit Orgelbegleitung. Das sagt mir noch nicht viel, da könnte ich Ihnen noch andere Erlebniße mittheilen. Muß da nicht der gesunde, fromme Sinn und das feine Gefühl der Gläubigen verdorben werden, kann in solchen Fällen der Gottesdienst wirklich das seim wonach das jüdische Herz lechzt? Das Abstellen veralteter Mißbräuche, sowie die Einführung unbequemer Neuerungen erfordern sowohl kluge Vorsicht, als auch unermüdliche Ausdauer. Dabei muß gar manches׳. Opfer gebracht werden. Und das fällt schwer, zumal dann, wenn kein klingender Erfolg iu Aussicht steht. Wozu den alten Singsang, irgend eine Opernarie thut es auch, entschuldigt sich der Eine und lässt sich weiter von Ignoranten huldigen. Ein Anderer fürchtet wieder die Opposition' und singt das alte schmelzende Liedchen zu ״Li onu amcho״ aus ״Figaros Ho chzeit" seiner Gemeinde vor. Und das soll alles wegfallen? So singt die Gemeinde seit Jahren in verständnisloser Weise den heiligen, oft erhabenen Text mit ungeeigneten Gassen- Hauern und recht laut registrirt der Organist die Orgelbegleitung dazu. So artet nach und nach der Gemeinde- und Vorbetergesang aus, denn die Gewohnheit wird zur zweiten Natur. Auch der schüchternste Versuch eines Nachfolgers, diesen Mißbrauch abzustellen, wird als eine Beleidigung des Selbstgefühles und als ein unberechtigter Eingriff in die bestehenden Gewohnheiten der Gemeinde angesehen. Für heute, lieber Amtsbruder, will ich schließen. Noch Manches, ja noch Vieles hätte ich zu schreiben, werde aber später darauf zurückkommen. Leben Sie wohl! Genehmigen Sie die Versicherung meiner Hochachtung als ihr treuer Freund M. Tintner, Cantor und Lehrer. Die Musik als Ausdruck. Von Dr. Friedrich v. Hauscgger. II. Was im Schauspiel klar vor die Augen tritt, das verleiht auch anderen Künsten, insbesondere der Musik, ihr eigenes Wirken. In ihr finden sich die Elemente, mit welchen auch der Schauspieler wirkt, aber in verfeinerter Art. Laut und Geberde. Der Laut hat sich zum Ton geklärt: den Bewegungen der Geberde entspricht der Rhythmus. Den geschichtlichen Prozess, welcher diese Entwicklung darlegt, zu verfolgen, ist von hohem Interesse; doch würde uns dies zu weit führen. Ich verweise daher auf mein, die berührten Fragen ausführlicher behandelndes Buch: ״Die Musik als Ausdruck" (Wien, Konegen). Soviel ist sicher, dass auch noch, die heutige Musik, selbst in ihren sublimirtesten Formen, den Gesetzen folgen muß, welche dem Laute und der, Geberde, den Charakter des Ausdruckes verleihen, wenn sie Verständnis und Gefallen finden soll, ., . . ״ Hrotz. MrVeMnstelungen, weiche, die Tonkunst erfahren, ja. Mt, uselchesi: Mlnr^Äbendlande fthre Entwicklung,• begonnen upd^lange ZeÜ' chmbuxch,,fortgeMxL chat^(-ie: K,unsd-..der Medepländer bis S. Bach), ist sie doch zur einfachen Melodie, welche

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