Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 15 (1.6.1896)
- Date
- 1896-06-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Oesterreich isch-nngarische Lantoren-^eilrmg Nr. 19 Wreu. (Vierzigjähriges Amtsbiläum). Sonntag, den 17. Mai feierte der allverehrte Obercantor in Amsterdam, Herr Jsäac Hey mann, sein vierzigjähriges Amtsjubiläum. Trotzdem die große Oeffentlichkeit von diesem seltenen Ehrentage keinerlei Kenntnis hatte, wurde dennoch der Jubilar, der infolge seiner ausgezeichneten .Amtswirksamkeit, seiner hohen Charaktereigenschaften und seines vielgeübten Wohlthätigkeitssinnes im In- und Auslande geehrt und geschätzt wird, anlässlich seines Jubiläums mit Ovationen überhäuft. ,Nicht allein die jüdischen Zeitungen ׳Amsterdams, sondern fast sämmtliche Tagesblätter der Holländischen Metrohole und des Landes, wie auch -viele ausländische Zeitungen schrieben: ehrende Artikel und nebst diesen , Anerkennungen brachte die Unzahl der Telegramme und Glück? wünscheaus allen Weltgegenden einen eclatanten Beweis dafür, dass Her Name H e y m 6 n n sich' eines Weltrufes erfreut und überall mit Verehrung und Hochachtung genannt wird. An der Spitze der Ovationen stand natürlich die Gemeinde Amsterdam,׳ und . bezeichnend für den. Hohen Sinn des Jubilars ist es, dass er den nahmh asten, als Huldbeweis seiner Gemeinde- Mitglieder eingekommeneu Geldbetrag voll und ganz, an drei Wohlthätigkeitsanstalten in Amsterdam verschenkte. Indem wir aufrichtig -bedauern, ׳ dass wir erst post festuni von diesem Jubeltage Kenntnis erhielten, nahen wir uns, wenn auch verspätet, dem gefeierten Jubilare mit dem innigen .Wunsche, dass Die göttliche Vorsehung ihn noch viele Jahre zur Freude seiner Familie, zum Stolze seiner Gemeinde, zur Ehre der großen Eollegenschaar und zum Wähle der leidenden Menschheit, der er so oft in Noch und Bedrängnis beistand, in geistiger nndkörperlicher Frische erhalten möge. . ... Wien. Montag, den 25. Mai fand im türkischen Tempel die Trauung des Fräulein.Helene Bauer, Tochter des Herausgebers unseres Blattes, mit Herrn Rabbiner Dr. Isidor Kah an aus Waidhofen statt. Am Samstag vorher gratutirten theils schriftlich, theils persönlich : Se. Excellenz Herr Botschaftsrath Nasry Bey, Kanzler Barber, die Präsidenten der türkischen Gemeinde Aürrcus M. Russo und Licco I. Adntt und viele Gemeindemitglieder mit ihren Frauen, Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann, der Vorstand des österreichisch-ungarischen Cantoren-Verein es, Herr Dr. Bloch, Herr David Ritter von Gutmann, Herrenhausmitglied Nicolaus Dumba, Professor Lazarus aus Berlin und noch andere illustre Persönlichkeiten. tonen. Ost musste er seine Gesangsleistungen durch einen trockenen Husten unterbrechen. Damals war es, wo mich seine ״lustigen" Lieder zu Thränen des innigsten Mitleides und Bedauerns rührten, wenn ich zur Jause in's Cafe Dvoreles kam. ״Heute ist Eisik schlecht daran, geben Sie ihm etwas ״Gutes" und daun Eisik schauen Sie, dass Sie in's Bett kommen!" Langsam schleicht Eisik hinaus. In der Hausflur packt ihn der kälte, rauhe Wind. Er bleibt stehen, der schmerzhafte, krampfhafte Husten schüttelt ihn abermals und raubt ihm fast die Besinnung.. ״O! wenn ich nur schon Ruhe hätte" flüstern die bläulichen Lippen. Lange, sehr lange währte es, bis Eisik in die Ufergasse gelangt; der Sturm, der heute sein Unwesen treibt, scheint förmlich an ihm sein Müthchen kühlen zu wollen. Staub und Sand, welke Blätter und Zweige werden ihm in den. Weg getrieben,, an der Ecke stößt ihn ein Windstoß nieder, Md es dauert eine Weile, bis er sich erhebt und weiter schreiten!ממס. Endlich, endlich langt er bei seinem Hause an, sein Fuß stolpert über die Schwelle, hart schlägt seinHaupt an den Pflastersteinen — Eisik bleibt regungslos liegen. Im Sttohsacke von Eisik's-Bett fand man 300 Gulden für dieChewra Kadischa. und das Bild eines, wunderbar׳ schönen Fräuenkopses. j . ■־.׳׳־־.'.C :A "; , '; Mnd Äet -fie sind zeromren . . ( Gotd'ue Wünsche, süßes Hoffen! : :n . :Wh! zu tödÜrch war der Faüstschlag,- ' ׳ .־ •׳. Der inrch just in's Herz getroffen." . ' ' . . . Zahllos wären die von den Nabbinen und Cantoren aus der Provinz und dem ׳ Auslande eingelangten Telegramme und Glückwünsche. Ferner war erschienen eine Deputation aus Waid- Hofen, eine Abordnung des jüdisch-theologischen Vereines, der jüdisch-akad. Lesehalle, des Humanitären Vereines ״Rudolfs.bund" mit Herrn Armenrath Pollak an der Spitze: Bei der Trauung konnten die herrlichen Räume des türkischen Tempels kaum die große Zahl der. Hochzeitsgäste fassen. Unter den Anwesenden bemerkte man den Präses der Wiener Cultusgemeinde. Herrn Gustav Simon, Sr.. Ehrwürden Herrn Rabbiner. Dr. Schmiedl, Lector Friedmaun, den Obmann des Armenrathes im H. Bezirke, Herrn Pietsch, die Red acteure Fisch er. und Schuster, Med. Dr. Ehrmann, Med. Dr. H. Löwy, Med. Dr. Weiß, Med. Dr.- Sinnreich, Director Fischer, die Vorsteher' aus dem VIII.-Bezirke H. und -Ad. Beck, Frau Amalie. Beck, Präsidentin: des. Frauen- Vereines im VHI. Bezirke, , die Cantoren Blatt, - Hirsch, Löwy, Kirschbaüm,' Pekarnik, Rothwein, D. ' L., Notier,. Salömon, Schlesinger, Schorr, Schwarz, Silbermann, Singermaun-Troppau, Weinberger, Wittmann, Zempliner ׳— der Präses des Cantoren- Vereines, Herr Obercantor Singer, war durchweine zu gleich er Zeit stattfindende Function am Erscheinen verhindert — Fabrikant Novak aus Ottakring, Prediger.Grün, Schauspieler Natzler, viele Musiker, Schriftsteller rc. Das ganze:Arrangement w'urdie "vom Präses der türk. Gemeinde. Herrn Marcus M. Rüsso und ׳ dein dem 2. Präses, Herrn Licco Adütt, persönlich geleitet, und. trotz des immensen Andranges verlief' die Trämmgsfeierlichkeit mit jener im türk. Tempel gewohnten Präcision und Weihe. Die cantorale Function versah der Brautvater Obercantor Bauer, und Rabbiner Papo hielt eine sinnige Ansprache .an das Brautpaar: Ein WLIato^vu, componirt vom Chordirigenteu׳ I. Löwit und eine Nettero, componirt von Herrn Alex, von Zemlinsky, wurden vom Chore in musterhafter Weise aufgeführt und fanden die Componisten, insbesondere aber der Dirigent, wohlverdiente Anerkennung. Wien. Im Tempel des 6. Bezirkes fand am Samstag vor dem Wochenfeste ein solenner Festgottesdienst statt zu Ehren der Feier des 80. Geburtstages seitens der Vereins- und Tempelvorstehers Herrn Moses Feßler. Der Jubilar erfreut sich allgemeiner Beliebtheit, und hohen Ansehens auch bei Nichtisraeliten, und wie vom Propheten Moses kann auch von ihm trotz des hohen Alters gesagt werden: ״Sein Auge ist nicht getrübt, seine Kräfte und Säfte sind , nicht geschwunden". ׳ Der Cultusvörsteher, Herr Architect Fleischer, begrüßte und beglückwünschte-Namens - des Gesammtvorstandes den wahrhaft ehrwürdigen Collegen im Sitzungssaale, der Präses der Cultusgemeinde, Herr Gustav Simon, überreichte eine Adresse Namens der Cultusgemeinde, worauf Herr Feßler nach seinem mit Blumen geschmückten Tempelsitze geleitet wurde. Obercantor Dünmann recitirte einen speciell für den Ehrentag.von ihm verfassten Niselietteraeti und der Tempelchvr sang ein begeistertes ״Hallelujah". Rabbiner Dr. T a g l i ch t gedachte ׳ in seiner schwungvollen Festpredigt der vielen Verdienste, die sich der Gefeierte Lurch Gründung des ״Nachlath Jeschurun" und des Freitisch-Fond es für Kinder unbemittelter Eltern, um die Gemeinde erworben hat. und stellte denselben als leuchtendes, nachahmenswerthes Vorbild für die Heranwachsende Generation hin. Sonntag, den 17. Mai wurde das in Oel gemalte. Porträt im Speisesaale nach einer feierlichen Ansprache des Herrn vaeä. Dr. Carl Löwy enthüllt. Auch der Verein der Nicolsburger ״Chonen Dallim" nahm activen Aütheil an dieser seltenen Feier. Herr Feßler stammt aus Nicölsburg, errichtete daselbst im Jahre 1848 eine Fabrik und ׳ war circa 10 Jahre Schulinspector. Der Verein widmete eine Spende von 150 fl. zum erwähnten Fonde, der bereits eine genügende Höhe erreichte,׳ so dass dessen ersprießliche und.- gemeinnützige Thätigkeit als gesichert erscheint. Auch auf litterarischem Gebiete ist Herr Feßler kein. Neuling, ebenso, ist sein Sohn, Dr. Sigm. F e ßP'e r; ׳ 'seil Jahren schriftstellerisch thätig. Ein anderer ist Landesgerichts- Adjünct, -einer Advöcät und zweiwidmetensich dem Geschäfte L zw: in Brüssel und Zürich.׳ Möge dem geschätzten Jubilast ein freudiger und ungetrübter. Lebensabend beschieden sein!.׳ - ׳ -