Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 15 (1.6.1896)
- Date
- 1896-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 15 Gesterreichisch-ungariscbe Lantoren-Ieitung. Seite 7, Wien. Die Abgeordneten E x ner, -N o s k e und Genossen nberxeichten solgende Interpellation an den Ministerpräsidenten als Leiter des Ministeriums des Innern: ״Der die Majorität des Wiener Gemeinderathes repräsentirende Bürgerclub hat den die staatsbürgerliche Gleichberechtigung verletzenden und damit gegen den Geist und Wortlaut der Staarsgruudgesetze verstoßenden Beschluß gefasst, es dürfe ein Candidat für den Stadtrath nicht der israelitischen Confession angehören. Nach den Grundsätzen einer vernünftigen Verwaltung kann bei der Auswahl eines zur unmittelbaren Erledigung der Geschäfte berufenen Stadtrathes nur dessen Tüchtigkeit und persönliche Ehrenhaftigkeit entscheidend sein; das confessionelle Moment in den Vordergrund zu stellen, ist eine gewaltthätige Verletzung einer großen Zahl gleichberechtigter Staatsbürger und eine sinnwidrige Maßregel vom Standpunkte der Verwaltung. Es muß hinsichtlich der autonomen Verwaltung der Stadt Wien durch die neue Majorität des. Gemeinderathes die ernstesten Bedenken wachrufen, wenn in der denkbar rücksichtslosesten Weise solche ״Grundsätze" wie der in Rede stehende promulgirt werden. Welches Vertrauen soll die Bevölkerung in eine Verwaltung haben, die bei ihren ersten Schritten das Unrecht an Stelle der pflichtgemäßen Beachtung der Gesetze stellt? Deshalb sind solche Vorgänge wie der erwähnte geeignet, die Aufmerksamkeit der Regierung in hohem Maße in Anspruch zu nehmen., und es erscheint den Unterzeichneten als Pflicht der Regierung, diesen Zuständen gegenüber durch ihre Haltung und durch ihre Handlungen zu beweisen, dass sie gewillt sei, die Staatsgrundgesetze hvchzuhalten und deren Beachtung auch von den erklärten Gegnern derselben zu fordern. Von diesen Erwägungen ausgehend stellen die Unterzeichneten die Anfrage: Welche Stellung nimmt die Regierung gegenüber der die Gleichberechtigung aller Staatsbürger verletzenden Ausschließung der Juden aus dem Wiener Stadtrathe ein?" Güding. Gestern begieng unser allgemein verehrter Vorsteher, Herr Wilhelm Lech ner, das 25-jährige Jubiläum als Vorsteher der hiesigen Gemeinde. Aus diesem Anlasse verfügte sich um 10 Uhr Vormittags der Ausschuß sammt den Genieindefunctionären in die Wohnung des Jubilars, wo Obmann Stellvertreter Dr. Körner eine Ansprache hielt und׳ das Geschenk der Gemeinde, eine prachtvoll ausgestattete Adresse, überreichte. Nachher kam unter Führung des Herrn Lehrers Ml mann eine Deputation der Gödinger Schulen, und Realschicker Glaser hielt eine von Herrn Ullmann verfasste, sehr hübsche Rede, worauf Mädchen schöne Bouquets überreichten. Nachdem Ms Gros der versammelten Gemeinde-Mitglieder einzeln gratulirt hatte dankte der Jubilar in gerührten Worten und verfügte sich ln Begleitung sämmtlicher Anwesender in das großartig decorirte und festlich beleuchtete Gotteshaus, wo ihn ein Festgruß, der,vom Chore mit Begleitung der Orgel vorgetragen wurde, empsteng. Im Tempel waren außer den bereits Erwähnten der Herr Bürgermeister Ammer, die Gemeinderäthe Biskup, Fabriksbesitzer Fritz Redlich, Schröder und Mattura und andere Festgäste anwesend. Nach Aufsührung einiger Gesangspiecen betrat Herr Dr. Groß die Kanzel und feierte in glänzender Rede die Verdienste des Jubilars. Vor geöffneter Bundeslade wurde hierauf das Kaisergebet verrichtet und mit Absingung der Volkshymne schloß die erhebende Feier. Volles Lob gebührt den Veranstaltern des Festes, sowie den Herren Cantoren G r ü n w a l d und Schmitz, die unter gütiger Mitwirkung der Herrn Lehrer M e u s ch i k und Zboril einen sehr schönen Mädchenchor einstudirt hatten. Wischnu. Herr Oskar Nefeles, Schüler des Herrn Cantor B. Gutmann in Prag, ist nach einem beifällig aufgenommenen Probevortrage in unserer Gemeinde als Cantor acceptirt worden. BrÜNN. Herr Leo Körnitz er, der Sohn unseres Collegen Ad. K o r n i tz e r. debutirte am letzverflossenen Sabbath in der hiesigen großen Synagoge in Vertretung des Obercantörs Heller als Cantor. Der junge Mann, der über eine gründlich geschulte, schöne und kräftige Tenorstimme verfügt, fesselte die Zuhörer durch seinen ebenso verständnisvollen wie! ästhetisch .vornehmen, modernen Vortrag. Diese Eigenschäften, sowie seine nicht gewöhnlichen musikalischen und anderweitigen Kenntniße sichern dem jungen Manne eine schöne Zukunft als Cantor.!8.; Piesling. am 28. Mai. Wie überall wurde auch hier das Andenken des jüngst verstorbenen Philanthropen würdig und weihevoll gefeiert. Am zweiten Tage des Wochsnfestes hielt unser hochverehrter Rabbiner, Herr Dr. Frankl, dem verewigten Baron Hirsch einen sehr warmen, von großem Beifall begleiteten Nachruf, der uns unvergesslich bleiben wird. Anknüpfend an die Worte der Moabitin Ruth ״amech ami welohojiah elohoi" ״dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott", schilderte der Redner die epochalen Leistungen des Verstorbenen ans dem Gebiete der Humanität und dessen gutes Herz, das Allen ohne Unterschied der Confession zugänglich war und für alle Hilfsbedürftigen, die sich an ihn wandten, eine stets offene Hand besaß. Nichtsdestoweniger war doch in allen seinen Humanitären Schöpfungen ein specifisch jüdischer Character ausgeprägt und sein jüdisches Herz gewann bei allen seinen Wohlthaten die Oberhand. Nach dieser beifällig aufgenommenen Rede sang unser Cantor, Herr Anton Wormser, die für die Haskara vorgeschriebenen Gebete, und sein Vortrag 61״ mole rachmim" und ״Scliiwissi״ errang den Beifall der ganzen Gemeinde GoLtsch-Ienikau. (Trauergottesdienst.) Anlässlich des Ablebens Sr. kais. Hoheit Erzherzog Karl Ludwig fand auch in unserem Tempel ein Trauergottesdienst statt, welcher in jeder Beziehung als wahrhaft erhebend und feierlich bezeichnet werden darf. Um 2 Uhr nachmittags versammelte sich die ganze Schuljugend mit dem Lehrkörper, sowie eine große Anzahl von Gcmeindemitgliedern, Honoratioren und Gäste in dem hellbeleuchteten Tempel. Herr Cantor P i s k a t h recitirte zuerst das Minchagebet, sang sodann den Psalm 49 mit wohlklingender Stimme und wahrer Andacht, worauf der Chor das Schiwißi anstimmte. Nun bestieg Herr Rabbiner Dr. Carl T h i e b e r g e r die Kanzel und schilderte in äußerst beredten Worten die große Trauer, die sich durch den Tod dieses edlen und hochherzigen Erzherzogs, des Kaiserhauses und des ganzen Reiches bemächtigte, und schloß mit einem Gebete um Trost. Beistand von Gott für den schwergeprüften Kaiser und die hiuterbliebene Familie des Erzherzogs. Mit einem vom Chor exact durchgeführten Trauerpsalm endigte die Trauerfeier. Siklvs. Unser neuer Obercantor, Herr Isidor Zlo cs enko, welcher früher Obercantor in Tyrnau war, hat in der kurzen Zeit seiner hiesigen Amtsthätigkeit die vollsten Sympathien der Gemeinde erworben. Seine schöne Stimme und sein weihevoller Vortrag kamen sowohl bei der Millenniumsfeier, als auch bei dem jüngst verflossenen Offenbarungsfefte zur vollsten Geltung. Auch Herr Gottesmann ist als zweiter Cantor und Chordirigent ganz auf seinem Platze. Er versteht es vortrefflich, den Chor zu schulen und zu leiten. Am 2. Tage des Wochenfestes hielt unser Bezirksrabbiner Roth eine Gedächtnisrede auf den seligen Philanthropen Baron Hirsch, welche alle Zuhörer tief bewegte. Er sprach nicht von seinen zahllosen Wohlthaten und Stiftungen, denn wie der Redner richtig bemerkte, ist es überflüssig, zu sagen, dass die Sonne erleuchtet und 'erwärmt, das sieht und empstndet Jeder, sondern cr sprach über die Art und Weise, wie diese große Sonne am Himmel der Menschheit ihre hellleuchtenden Strahlen weithin verbreitete. Csakachnrn, im Mai 1896. Am 10. d. M. wurde im hiesigen isr. Gotteshause ein höchst solenner Milleniumsgottesdienst abgehalten. Der Tempel war in allen Räumen von einer sehr distinguirten Zuhörerschaft dicht gestillt, und die Spitzen aller Behörden sowie der Lehrkörper sämmtlicher hiesiger Schulen hatten sich eingefunden. Herr Ober-Cantor Moritz Balogh exekutirte mit verstärktem Chor und Harmoniumbegleitung einige Psalmen und patriotische Lieder, und Alles lauschte entzückt dem harmonischen Gesänge, der in unserer Gemeinde so schön noch nicht gehört wurde. Die hiesige Cultusgemeinde kann sich wahrlich gratuliren zu der Acquisition. die sie au dem neuen Ober-Cantor gemacht hat. V. LW- Wir ersuchen um Einsendung der Rückstände. Die AdMinistruLiun.