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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-06-01 · Heft 15 (1.6.1896) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 15 (1.6.1896)
Date
1896-06-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungarische LMtoren-^eitung. vtr. 15. rvollten Änd mit ihrer Autorität' denselben zu decken suchten, Hab«! Ae Mlen Theil ferner Schuld auf sich geladen:. Angesichts eines solchen ärgerlichen Verfahrens betrachte ich es uls eine heilige Wicht, jene bedauerlichen Vorgänge mäuen gechrten Kollegen bei der bevorstehenden Vorstandswähl noch einmal vor Augen zu führen, damit sie sich über die Gesinnungen Derer nicht täuschen lassen, denen sie ihr Vertrauen zu schenken im Begriffe sind. Wir Cantoren und Religionslehrer mit Rabbinatsbefähigung haben in dieser ernsten Zeit ein Recht, darauf zu bestehen, dass Männer an die Spitze lies Landeslehrervereines gelangen, die es mit uns wahrlich ehrlich meinen und uns nicht blos als Schleppträger ihrer Ehrsucht benutzen. Falken au, im Juni . 1896. Moriz Büßgang. Pädagogische Aphorismen. aus dem Talmud und den Midraschim nebst Parallelstellen aus der Bibel und aus Schriften moderner Pädagogik. Von Israel Singer, autor. Rabbiner, Neligiousprofessor am Obergymnasium zu S. A. Ujhely. (Fortsetzung.) N n dj i) r u <J ö e r b 01 e n. Die Ehre nach des Vaters Tode besteht unter andern! Harm, dass der Sohn im ersten Todesjahre seines Vaters bei Nennung seines Namens hinzufüge: ״Ich bin bereit, sein verschuldetes Leid anstatt seiner zu tragen und seinen Tod zu sühnen," d. h. ich will durch Gott wohlgefällige Handlungen zur Herbeiführung des Gottesreiches auf Erden dasjenige beitragen, was meinem Vater infolge früh erfolgten Todes, eventuest meiner Mutter, unmöglich geworden ist. Dies ist auch theilweise die Bedeutung des im ersten Jahre und alljährlich am Jahrzeit- oder Sterbetage der Eltern beim Gottesdienste für ihr Seelenheil zu sprechenden Kaddisch, wie auch des SeelengedächtnisgebetesMasLr-neseliouios anden hohen Feiertagen. Ein derartiges Gebet steht schon im Buche der Makkabäer II. 12. C. 43—44, so auch im Midr. Tanchuma zu Haasinu. Aber den Tempel gleich nach Beendigung gedachter Gebete zu verlassen, das ist pietätswidrig. Denn es ist mit Recht vorauszusetzen, dass׳ es denjenigen, für die man gebetet, nicht entspricht. Manche Kinder machen auch zu diesem Zwecke milde Stiftungen, die ׳ den Namen des verstorbenen Elterntheiles führen, und pflegen überdies alljährlich am Jahrzeitstage für ihrer Eltern Seelenheil milde Spenden zu vertheilen. Aber es ist rathsamer, dass die Eltern selbst noch bei Lebzelten solch' fromme Stiftungen rechtskräftig bestimmen, denn die Erfahrung lehrt, dass nicht blos ein Vater eher zehn; lebende Kinder ernährt, wie zehn lebende Kinder einen Vater, sondern dass er auch eher, als zehn lebende Kinder, sein Seelenheil zu versorgen strebt. Höchstens, dass sie ihm einen hohen, prunkvollen Grabstein setzen. So ruft ein Talmudlehrer in Tr. Sab. 151: ״Thue Gutes, so lange du lebest und Vermögen hast!" Es bewahrheiten sich die Worte des Talmud (Tr. Sota 49): ״Die Liebe der Eltern erstreckt sich auf ihre Kinder, und die Liebe der Kinder erstreckt sich auf ihre Müder, aber nicht auf ihre Eltern." Durch solch'fromme Gebote und wohlthätige Süftungen der Kinder bleibt zwischen ihnen , und ihren Eltern eine bis zu ihrem Tode dauernde pietäts-. volle, heilige Verbindung, welche auf die Erziehung der Kinder und auf diese selber von bestem Einflüsse ist, Denn die- Eltern bestreben sich, ihre Kinder in solcher Weise , zu erziehen, dass auch sie ihr Andenken stets würdig ehren sollen, was auch geschieht, indem sie ihnen hierin mit gutem Beispiele vorangehend Aber jene Eltern, welche mit den gedachten Heiligen Traditioye.n und stummen Sitten brechen und Ihren Kindern ihren11 ׳nglauben Merken lassen oder offen heraussagen, dass .mit dem Tode des Menschen jede Verbindlichkeit zwischen ihnen und ihren Hinterbliebenen (wie zwischen den Affen) aufhört, diese können natürlich darauf gefasst sein, dass sie nach ihrem Tode von ihren Kindern vergessen werden. ״Vergessen wurde ich, wie ein Todter, vom Herzen, ich ward wie ein verlorenes Geräth." (Psalm 32. 16.) Höchstens werden sie während, der Dauer der etwaigen fetten Erbschaft bei ihnen im guten Andenken sein. Nr. 18. ״Gibt es denn einen Vater, der seinen Sohn hasst?"- (Tr. Sanhedrin, 105. u. Midr. Jalk. z. 4. Mos. 22. 8.) Diese Worte lässt der Talmud ibid. die behufs Verwünschung Israels an Bileam gesandten Midjaniten sprechen. Als Bileam sie in seinem Hause übernachten hieß, bis er etwa von Gott die Erlaubnis zum Verwünschen erhalten werde, da erklärten sie, auf Grund genannter Voraussetzung, ihre diesbezügliche Sendung als vergeblich und entfernten sich von ihm, ohne erst seine Antwort abzuwarten. Denn, sprachen sie, Gott, der Vater Israels, wird gewiss nicht gestatten, seinen auserwählten Sohn zu verwünschen. (S. Raschi z. St.) Und sie haben sich in dieser Voraussetzung nicht getäuscht; denn Bileam durfte Israel nicht fluchen, sondern musste es sogar gegen seinen Willen segnen. (4. V. M. 22. 8., 14. 10—14.) Diese naturgemäß richtige Voraussetzung findet aber nur dort allgemeine Bestätigung, wo die Liebe des Vaters zum Sohne eine religiös-sittliche ist und der Vater mit seiner Liebe solche religiös-sittliche Zwecke verfolgt, wie Gott mit Israel. ״Denn ein heiliges Volk bist du dem Ewigen deinem Gotte, dich hat er erwählt, damit du ihm ein vorzügliches Volk seiest unter allen Völkern auf Erden." ״Nicht darum hat Gott an euch Wohlgefallen und hat euch ausgewählt, weil ihr zahlreicher als andere Völker seid, denn ihr seid die Wenigsten unter allen Völkern." ״Und nun, Israel, was verlangt der Ewige dein Gott von dir, nur den Ewigen, deinen Gott zu fürchten, in seinen Wegen zu wandeln, ihn zu lieben und zu dienen dem Ewigen deinem Gotte mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele." (5. B. M. 7. 6—7., 10. 12.) Die bisher übliche Erziehung der jüdischen Eltern hatte Hei den allermeisten den Zweck, ihre Kinder an die Erfüllung der eben aufgezählten Pflichten Israels gegen Gott zu gewöhnen ׳und sie streng dazu anzuhalten, was auch berühmte christliche Pädagogen an Israel lobend hervorheben. So sagt Dr. Dittes ln seiner ״Geschichte der Erziehung" unter anderem Folgendes: ״Und so haben wir denn die Israeliten als das einzige wahrhaft pädagogische Volk des semitischen Stammes zu betrachten. Sie allein stehen noch heute als lebendiger Zweig dieses alten Stammes inmitten der großen Völkerfamilie. Wenn irgend ein Volk auf dem weiten Erdenrunde, so haben die Israeliten bewiesen, welche Macht in einer consequenten Erziehung liegt. Denn nur aus der systematischen Fort- Pflanzung des Judenthums von ׳Geschlecht zu Geschlecht ist die beispiellose Zähigkeit und Dauer desselben begreiflich. Aber nicht die Starrheit des Chinesenthums, sondern die individuelle Selbstständigkeit und Entwicklungsfteih eit ist׳ das Lebens- und Erziehungsprincip der Israeliten. Ihre Geschichte ist im Großen und.:Ganzen eine Geschichte des Fortschri11es, nicht des Rückganges, der steten Verjüngung, nicht des tödtlichen

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