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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-06-01 · Heft 15 (1.6.1896) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 15 (1.6.1896)
Date
1896-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Lollegiale Intoleranz. ,.I n s o l a 11 g e keine staatlichePrüfungs - Commissio u besteht, vor welcher sich die Religionslehrer einer Prüfung unterzogen haben, und es i n j e d e s C u l t u s v o r st e h e r s Macht liegt, einen R e l i g i o n s l e h r e r der Behörde zur B e st ä t i g u n g vorzuschlagen, ins olan ge wird dieser Zustand dauern!" Diese, fiir uns Religionslehrer und Cantoren nicht gerade schmeichelhaften Worte erhielt ich von dem activen Vorstandsmitgliede des israel. Landeslehrervereines in Böhmen, Herrn Moriz Zinne r, zur Antwort, als ich — auf Veranlassung mehrerer leidender Collegen im Carlsbader Curspitale, die sich mir gegenüber mit gerechter Entrüstung über das Uticollegiale Verhalten einiger ״vornehmer" Collegen, zum Theile ehemaliger Vorstands- Mitglieder, beschwerten — meiner Verwunderung über einen solchen Mangel an Collegialität Ausdruck gab. Es fällt Niemandeni ein, einen Amtsbruder zu einem gesellschaftlichen Verkehr zu zwingen, obzwar der eigentliche Zweck des Lehrer-Vereines, wie aller Fachvereine, die Förderung der gemeinsamen Interessen und der collegialischen Geselligkeit ist. Jeder hat das Recht, seine Gesellschaft nach Belieben zu wählen. Anders verhält es sich aber, wenn Berufsgenossen, welche leidende Collegen im Krankenhause besuchen, es nicht der Mühe Werth finden, anderen, in demselben Hause, ja sogar in demselben Zimmer befindlichen kranken Amtsgenossen, die sie wohl persönlich nicht kennen, deren Stand ihnen jedoch nicht unbekannt ist, irgend welche Aufmerksamkeit zu schenken, ihnen die Hand zu reichen, geschweige denn, sich nach ihrem Wohle zu erkundigen, was eigentlich ein jeder Jude als religiöse Psticht betrachten sollte. Welche Gefühle beseelen überdies ein Vereinsmitglied, wenn es, entrüstet über eine solche verletzende Nichtachtung der Collegialität, das ״glückliche" Vorstandsmitglied seines Vereines, dem alle diese Besuche gegolten, nach dem Grund der Zurücksetzung fragt, und aus dem Munde dieses ״berufenen Mannes" solch' herzlose Worte, als ״beruhigende" Aufklärung erhält. Wer den Lehrplan der Lehrerbildungsanstalten in Böhmen kennt, der wird auch genau wissen, wie es mit der Ertheilung des mosaischen Religionsunterrichtes in denselben bestellt ist, und welches Maß hebräischen Wissens der Candidat überhaupt besitzt, wenn er das Pädagogium verlässt, obzwar ich damit nicht gesagt haben will, dass dies ausschließlich bei allen geprüften Collegen zutrifft. Der Hinweis auf dieses Factum dürfte genügen, um den herausfordernden Anmaßungen des Herrn Z. bezüglich der Prüfung vor einer staatlichen Commission ein Ziel zu setzen. Allein was hat denn überhaupt die Collegialität mit der größeren oder geringeren Summe des Wissens zu thun? Wir Religionslehrer haben es factisch nickt nothwendig, auf die Ansicht dieses Herrn viel Werth zu legen, er hat sich mit seiner Gesinnung gegen unseren Stand selbst gerichtet; aber es handelt sich nur darum, ob wir einen Mann mit solchen Principien weiter im Vorstande dulden können. Als ich es für meine Pflicht hielt, jenes Gebühren unseres ״Vertreters" öffentlich zu rügen, hätte man sicherlich der Er- Wartung Raum geben können, dass der Vorstand des israel. Lehrer- Vereines durch eiu entschiedenes Auftreten gegen die Theorien, die dem Wesen unseres Vereines widersprechen, Stellung nehmen und uns dadurch einigermaßen Genugthuung verschaffen werde. Eitle Hoffnung! In einem geharnischten Artikel, vom Vorstande unterzeichnet, wurde mein ,Auftreten' gegen diesen Herrn gerügt, ohne dass die Thatsachen meiner Ausführungen be st ritten worden wären! ״Der Vorstand wollte nur die Verantwortung über die inkrimirten, beleidigenden Aeußerungen Herrn Zinner selbst überlassen!" Dabei blieb es, und wir sind die Schwarzen. Denn darüber, dass durch die an der Spitze dieser Zeilen angeführte Aeußerung der ganze Religionslehrerstand in Böhmen verletzt erscheint, bedarf es wohl keines Commentars. Herr Zinner aber findet es dennoch mit seinem Gewissen vereinbar, in dem Vorstande eines Vereines weiter zu verbleiben, dessen weit größere Zahl der Mitglieder er als unebenbürtig betrachtet. Er hat eben nur das gesagt, was Andere vielleicht ebenso denken, die aber klug genug sind, es offen nicht auszusprechen. Es sei fern von mir, allen Mitgliedern des Vorstandes die Gesinnung des Herrn Zinner zuzumuthen, aber dadurch, dass dieselben, selbst auf Kosten der Ehre der Religionslehrer, sich durchaus die persönliche Freundschaft dieses Herrn erhalten

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