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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-05-21 · Heft 14 (21.5.1896) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 14 (21.5.1896)
Date
1896-05-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungarifchö Lcrntoren-Zeitung. Nr. 14׳. tarn man sich Ha wundern, dcH sie, da doch ihr Verstand in ZahrhWDten HD ÄMWkeit Hefchmädig HÄnaHt Md geübt word«^ WrM W CaMlls uA) bereitHum Herrschen warechtz M dE Wegime Hör MMölenWHt HMMetziM ver Intelligenz M>' MWbÄt-ÄiZD' ^Ech Heute erschreckt vor diesem Werk der Verblendung, zitternd bei dem Anblicke dessen, was die sectirerische Wuth des Mittelalters aus den Inden gemacht hat, wisst Ihr nichts Besseres, als zum Fahre 1600 zurückzukehren, die Verfolgungen wieder aufzunehmen, von Neuem den heiligen Krieg zu predigen, damit die Juden wieder zusammengepfercht und beraubt werden Md wieder- Wuth im Herzen, gleich Besiegten unter den Siegern leben? In der That, Ihr seid gescheite Kerle und Ihr habt schöne sociale Begriffe! Wie! Ihr seid mehr als 200 Millionen von Katholiken, während man kaum fünf Millionen Juden zählt, und Ihr zittert; Ihr ruft die -Gendarmen zu Hilfe, Ihr erhebt ein ״ entsetzliches Schreckensgeheul, als ob ungezählte Schaaren beutelusüger Plünderer sich über das Land ergossen hätten. Das ist fürwahr ein herrlicher Muth! Die BÄingmrgeu des Wettkampfes wären doch, wie es mir schMt, schr annehmbar. Warum!soll man nicht auf dem Fechvboden der Geschäfte!ebenso klug und ebenso stark sein, wie die Juden? Ein kacholischer Banker sagte mir -eines Tages — es war in jenem Monat, als ich auf die Börse gieng, um zu versuchen Don dem Getriebe etwas zu verstehen — indem er von den Juden sprach: ״Ah, mein Herr, sie sind die Stärkeren, sie werden uns immer besiegen." Wenn düs wahr wäre, so wäre diese Wahrheit sehr demüchigend. Aber weshalb wäre es denn wahr? Arbeit und Intelligenz vermögen Alles, selbst wenn die natürlichen Anlagen nicht m dem gleichen Maß vorhanden sind. Ich Zknne jetzt schon Christ en, welche sehr vornehme Juden sind. Düs Feld ist frei, und wenn sie Jahrhunderte lang Zeit gehabt haben, um das Geld lieben und erwerben zu lernen, so braucht mau ja nur sich auf denselben Boden zu begeben, ihre Fähigkeiten sich anzueignen und so sie mit ihren eigenen Waffen zufchlagen. Mein Gott! Hört doch auf, sie unnütz zu beschimpfen mW überwindet sie, indem Ihr ihnen überlegen werdet. Das ist wohl das Einfachste und das ist das wahre Gesetz des Lebens. Welch' eine Befriedigung für ihren Stolz, wenn sie Euren Schreckensschrei hören! Eine verschwindende Minderzahl sein mW emen solchen gewaltigen kriegerischen Apparat nöthwendig mach«!! Jeden Morgen ruft Ihr die Blitze gegen sie vom Himmel herab, schlagt Ihr verzweifelt die Allarmtrommel, als ob die Stadt in Gefahr wäre, erstürmt zu werden! Wenn man Euch zuhörte, so musste das Ghetto wieder errichtet werden, wir würden wieder die Judengasse besitzen, welche Abends mit Ketten abgesperrt wird. Und das wäre fürwahr eine angenehme Sache die Quarantaine in unseren offenen Städten. Ich verstehe sehr wohl, dass sie sich nicht sehr aufregen und dass sie ihren Triumphzug auf: allen Finanzmarkten fortsetzen; denn die Beschimpfung gleicht jenem legendarischen Pfeil, welcher zürückprallend den Löse» Bogenschützen selbst in's Äuge trifft. Fahret -nur fort, sie zu verfolgen, wenn Ihr wollt, -dass sie -ihren Siegeslaufs fottsetzM. WirWch, JhrHaltet -noch bei der -Verfolgung? -IhrHegt' noch die schöne EibMusg, dass man Menschen -vernichtet nnd verschwinden macht, indM-MM/sie werfet? ZW!-GMdedas^ GMnchäl davon ׳ffti-Mhr^.Eeme Sache hatlMMphirt- .lÄerinl sie nicht im Blut der Märtyrer getränkt war. Wenn es noch Juden gibt, so seid nur Jhr daran Schuld. Sie wären -verschwunden, 'sie' hätten sich verschmölzen, wenn man sie nicht gezwungen hätte, sich zu vertheidigeü, ^fich 'zu vereinigen uüd hartnäckig in'ihrer Raffe zu verharren. Und heute noch stammt ihre wahre Macht nur von Euch, die Ihr diese Macht durch Euere Uebertreibungen fühlbar macht. Man schafft schließlich eine Gefahr, wenn man jeden Morgen ihren Bestand schreiend verkündet. Ihr zeigt dem ׳Volk unausgesetzt ein Schreckensbild und werdet endlich ein Ungeheuer geschaffen haben. Sprecht doch nicht mehr von ihnen, und sie werden nicht mehr sein. Am Tage, da der Jude nichts anderes sein wird, als ein Mensch wie wir, wird er unser Bruder werden. Und daher drängt sich gebieterisch dieentgegengesetzte Taktik auf. als die, welche Ihr verfolgt. OeffNet weit die Arme, verwirklicht gesellschaftlich die Gleichheit, welche gesetzlich im Code anerkannt ist! Umarmt die Juden, um sie aufzusaügen vnd sie in uns ׳ aufgehen zu lassen! Erwerben wir ihre Fähig- Seiten, da sie nun einmal welche haben! Beendigen wir den Rassensrieg, indem wir die Rassen miteinander vermischen! Begünstigen wir die Mischehen, und überlasten wir den Kindern die Sorge, ihre Väter zu versöhnen! Das ist einzig und allein das Werk der Einigkeit, der Menschlichkeit und der Befreiung. In den Ländern, wo dem Antisemitismus eine wahrhafte Bedeutung'zukommt, ist er nie etwas anderes als die Waffe einer politischen Partei oder das Resultat einer Ungünstigen wirthschaftlicheN Lage. Aber in Frankreich, wo die Juden durchaus nicht, wie man uns überzeugen will, die absoluten Herrscher über Macht und׳ Geld sind, in Frankreich bleibt der Antisemitismus eine Sache, die in der Lüft hängt, ohne irgend welche Wurzeln in der Bevölkerung zu haben. Um den Schein einer Bewegung hervorzubringen, die im Grunde nichts als leeres Geschrei ist, hat es der Leidenschaft einiger überhitzter/Köpfe gebraucht, in denen ein schielender Sectirer-Katholicismus sein Unwesen treibt, der, die Litteratur mißbrauchend, bis zu Rothschild hinab den Stammbaum Judas' verfolgt, des Judas, der seinen Gott verrathen und gekreuzigt hat. Und ich füge noch hinzu, dass das Verlangen nach klirrenden Waffeulärm, die Wuth, gelesen zu werden und tönenden Ruhm zu erlangen, dieser Entflammung und öffentlichen Speisung von Scheiterhaufen nicht ferne gestanden, deren Flammenzungen glücklicherweise nur Decorationsstücke waren. Und welch' jämmerliches Fiasco! Wie, während so langer Monate solche Fülle von Schmähungen, vou 'Verleumdungen, täglicher Angeberei von Juden, die Diebe Und Mörder sein sollen, Christen, die man zu Juden macht, wenn nmn ihnen an den Leib will, alle Welt verjudet, geschmäht, beschimpft, verdämmt! Und schließlich nichts als eitler Lärm, hässliche Worte, niedrige, vor aller Welt enthüllte Leidenschaften, aber nicht eine That, nicht der kleinste Massenrummel, nicht eine eiNgeschlagene - Hirnschale, nicht eine eingeschlagene Fensterscheibe! Da müssen, unsere lieben Franzosen ein gütes, ein weises, ein ehrenhaftes ' Volk sein, um auf diesen täglichen Appell zUm Bürgerkrieg nicht i zuhören,׳ Um ihre Vernunft /zu ׳bewahren inmitten dieser ab- . stz׳Michen^HetzMiM׳-diesesiÄgüUMederhÄleu'MrrattgeMüa1h'! Judenblui. ־ Jetzt verspeist die Zeitung ׳ nicht mehr täglich einen i Priester zum Frühstück, sondern / einen Jüden,. .den /Hteften,' | aüsgereifteften Jüden, 'den inan nür stnden *Wn. Ein Sruhstück ' so -mittelmäßig ׳<Md auch sto 'dumin wie das ^aridere. Und vön

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