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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-05-21 · Heft 14 (21.5.1896) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 14 (21.5.1896)
Date
1896-05-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaetion u. Administration Wien, Z.Novaragasse 27. K.k. österr. Postsparcaffe Lheck-Lonto Nr. 835,240. . .'»־.•׳-; ׳1: .. ■ ..;.-גי. K. ungar. Postsxarcaffe Lheck-Lonto -Nr. 4026 ׳.' Inserats Nierden'billigst berechnete . Manuscripte werden nicht.; retoürnir't: Gptrai־Ö?gsft für die Interessen der EÄüoren Lultusbemnten. Erscheint jedem zehnten Tag. Begründer: Obercaplor Jacob Bauer. Pränumerations-Preis. F»rEanrore,rn.Eul1uabr«ulte irr Srsterrrikh-Angglrn Ganzjährig . . . .fl. 5.— Halbjährig.. fl. LLy FürDirnror-nu.Tuttusbeamtr hn Ausland Ganzjährig.10 Mark oder 5 Rubel. Für Privat» und Institut» Ganzjährig .. . . . fl. 6.— Nbmrnsinentsu. Insertionsbetrüg» find in Wien!atzlbar. Nr. 14. Wien, 21. MM MW. Zur Iudensrsge. ׳ ~ Bon Emil Zola. Seit einigen Jahren verfolge ich, mit wachsendem Erstaunen und Abscheu,' die Campagne, welche man in Frankreich, gegen die Juden zu führen versucht. Sie macht mirden Eindruck einer Monstruosität, also .einer Sache außerhalb jeder Verminst, 'jedyr AZährheit. und jeder Gerechtigkeit, dem.''Eindruck von etwäs Thörfchtem und Verblendetem, das.uns iv.,vergangene^Mhr- Hunderte .zurückversetzen will, den Eindruck von etwäs -schließlich, was zu den größten Abscheulichkeiten führen müsste, einer religiösen Verfolgung, die alle Länder mit Blut färbt. Und ich will das beweisen. . ' Zuerst frage ich: Welche Anklage erhebt man gegen die Juden, was wirft man ihnen vor? Verschiedene Leute, selbst Freunde von mir behaupten, dass sie die Juden nicht ausstehen können, dass sie es nicht über sich bringen, chnen die Hände zu drücken, ohne einen Schauer des Widerwillens aus der Haut zu verspüren. Es ist der physische Abscheu, die Abneigung von Rasse zu Rasse, die des Weißen gegen den Gelben des Rothen gegen des Schwarzen. Ich will es dahingestellt sein lassen, ob nicht in diesen Widerwillen der dunkle Hass des Christen gegen den׳ Juden, welcher ihm seinen Gott gekreuzigt, sich mischt, also ein vielhundertjähriger Atavismus des Zornes und der Rache. Schließlich ist ja die physische Abneigung.allein ein guter Grund, der einzige sogar, denn was soll man Leuten antworten, die Euch sagen: ״Ich verabscheue sie, weil ich sie eben verabscheue, weil schon der Anblick ihrer Nase mich außer mich bringt, weil mein ganzes Wesen von ihnen verschieden ist und ihnen widerstrebt?" . Aber in Wirklichkeit ist dieser Grund, Feindschaft von Rasse zu. Rasse, nicht hinreichend. Kehren wir sonst zurück in das Dunkel der Wälder, beginnen wir wieder den , grausamen Krieg 'von Art .gegen Art, fressen wir uns auf, weil wir nicht die gleichen Naturlaute von uns geben und unser Haar-verschieden gewachsen ist.' Die Änstrengung der Civilisation ist es ja gerade, jenK,.grästsäm'e BMrstnss,-.,׳sich' auf seinesgleichen.:zu stürzen, wenn dieser nicht ganz und. selber.gleicht, verschwinden zu machen. Im Läuse der Jahrhunderte ist ja die Geschichte her Völker nichts anderes, als eine Lection gegenseitiger Duldung, so sehr, dass man einst davon träumen wird. Alle zu allgemeiner Brüderlichkeit zu bringen. Alle in gemeinsamer Liebe zu einen, um Alle, so viel als möglich, vom gemeinsamen Leide zubesreien Und in unserer Zeit sich hassen und beißen, weil nicht Alle gleichförmige Schädel haben, das fangt wirklich an, die abscheulichste der Narrheiten zu sein. Ich komme nun zu jener ernsten Anklage, die im Besonderen socialer Natur ist. Ich resumire und hebe die Hauptpunkte hervor. Die Juden werden angeklagt, dass fie ein Volk irre Volke sind, dass sie getrennt von den Anderen, das Leben einer religiösen Kaste führen und dass sie so, über die Grenzen der Staaten hinweg, eine Art internationaler Secte bilden, die ohne wirkliches Vaterland, eines Tages, wenn sie triumphirte, ihre Hand aus die Welt legen würde. Die Juden heiraten untereinander, leben in enger Familiengemeinschaft mitten unter der modernen Lockerung, sie unterstützen und ermuthigen einander und zeigen, trotz ihrer Jsolirtheit, eine außerordentliche Kraft des Widerstandes und des langsamen Eroberns. Aber besonders sind sie von praktischer, und bedächtiger Natur, sie bringen das Streben nach Gewinn, die Liebe zum Gelde, den erstaunlichen Geschäftssinn mit aus die Welt, welche, in weniger als 100 Jahren, ihnen enorme Vermögen verschafft haben nnd iu einer Zeit, da das Geld Alles beherrscht, ihnen die Herrschaft zu sichern scheinen. All' das ist richtig. Nur wenn man die Thatsache constatirt muß man sie auch erklären. Man muß hinzusügen, dass die Juden, so wie sie heute sind, unser Werk sind, das Werk von. 1800 Jahren unserer blödsinnigen Verfolgung. Man hat sie in entehrende Viertel gepfercht, wie die Aussätzigen, und es ist daher nichts Ueberrafchendes. dass sie abseits lebten, all' ihre Traditionen bewahrten, die Familienbande immer enger schlossen- und wie Besiegte bei den Siegern wohnten. Man hat sie . ungerecht und grausam gekränkt und geschmäht, und man kann sich nicht wundern, dass sie, tief im Herzen, sich selber unbewusst, die Hoffnung einer künftigen Revanche hegen, den Willen, zu widerstehen, sich zu erhalten und zu siegen. Besonders hat man׳ ihnen hochmüthig die Domäne des Geldes, die man. verachtete, überlassen, und so machte man aus ihnen Händler und Wucherer s

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