Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 12 (1.5.1896)
- Date
- 1896-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aetung. dir. 12 ihre vor! ihren Eltern empfangenen Wohlthaten, sondern als ein Gebot Gottes zu erfüllen ist. Als ein Vernunstgebot könnte es zuweilen von den Kindern wegvernünftelt werden, st z. B. wenn sie gleich nach ihrer Geburt den Elten entzogen und von Anderen erzogen wurden, oder wenn die Eltern ihre Elternpflichten nicht erfüllen wollten. Hingegen als Gebot Gottes können die Kinder durch keinerlei Vernunftsgründe sich von diesen ihren Pflichten dispenfiren, so wenig, wie wir uns von unseren Pflichten gegen Gott durch Vernunftgründe dispensiren dürfen. (S. zu Levit. 19. 2 den Comment. Wessely's.) Ein fernerer Beweis für die Richtigkeit dieser Lehre des Talmud ist der Umstand, dass das fünfte Gebot auch auf der ersten Bundestafel stand, auf welcher sonst nur unsere Pflichten gegen Gott standen. Hiemit werden besser verstanden die Worte des Talmud, (Kid. 31) dass die Nationen beim Anhören der Pfüchten gegen Gott sprachen: ״Gott fordert nur seine Ehre." Aber als er das fünfte Gebot sprach und es gleich nach den Pflichten gegen ihn folgen ließ, da gestanden sie, dass auch die ftüheren Gebote zum Heile der Menschheit sind. Es mag uns demnach weniger schmerzlich berühren, wenn man uns Juden bei unseren besten religiös-sittlichen Handlungen dennoch des Egoismus verdächtigt und verschreit. Wir sind doch nur Dimer Gottes. Genug für den Diener, wenn er so behandelt wird, wie sein Herr. Alle unsere Gegenbeweise sind vergeblich, der Jud' muß verbrannt, oder mindestens verdammt werden. Wie die obgedachte Lehre des Talmud, so schrieb auch Luther mehr als tausend Jahre später: ״Gott hat dem Ehestand die Ehre angethan, dass er ihn allernächst nach seiner Ehre gesetzt hat, in das vierte Gebot, (die Kirche zählt dies als viertes Gebot. D. Vers.) da er gebeut: Du sollst Vater und Mutter ehren. Lass sehen, gieb mir eine Ehre im Himmel und auf Erden nächst Gottes Ehre, die dieser Ehre gleich sei!" Aus nachfolgenden Beispielen einiger Talmudlehrer ist gmügend zu ersehen, mit welch' hoher Pietät sie die Eltern- Verehrung als ein Gottesgebot übten. Rabbi Awunoch Seite und schritt leise, als ob er sich vor den eigenen Schritten fürchtete, bis zum Rande des Daches. Hier lehnte er sich weit hinaus über die Rinne und blickte auf die . Verliebten, 7 Eine leichte Wolke zog über den Mond. Unten sprach man soeben halblaut von Markusl. ״Heute scheint es mir, dass Markusl etwas trauriger wie sonst ist! Ist er nicht noch mehr krank?" ftug der Buchhalter. Markusl nickte leise, wie zustimmend mit dem Kopfe. ״Er ist stets traurig, der Arme, aber besonders seit einigen Tagen" erwiderte Mirjam. ״Stets ftagt er, ob ich ihn wirklich verlasse. Mcht wahr, wir nehmen ihn zu uns?" ״Gleich nicht, es geht nicht am Anfang, vielleicht später wirst Du ihn holen dürfen." Mrjam umarmte ihren Bräutigam. Markusl zog sich leise zurück und schritt ebenso, wie er gekommen, auf seinen früheren Platz. Hier setzte er sich nieder, stützte den Kopf in die Hand und starrte abermals in den Mond. Große Thränen flössen ihm über die gefurchte Wange hinab. Die Lippen öffneten sich langsam und lispelten. ״O! ich habe es gewusst, dass sie mich nicht so gerne hat, wie ihn. O ich hab's gewusst!" Lange, lange saß er so da, und die Thränen perlten ihm unaufhörlich. Der Schmerz schien ihn zu ersticken, er riss das Tüchlein vom Hals und wischte die Thränen ab. Dann erhob er sich plötzlich und verschwand im Dunkel des Bodenraumes. * * Markusl blieb oft über Nacht am Boden und man suchte Hn daher erst den nächsten Tag, als Marie sich bereits ankleidete. M fanden sie Markusl erhängt an seinem eigenen Halstuche. Hatte fünf erwachsene Söhne bei sich, und dennoch eilte er, wenn sein Vater Awuhu zu ihm kam, selber zur Thür, öffnete sie und rief ihm ja! ja! entgegen. Als einst der Vater bis zur Rückkehr des Sohnes, der für ihn einen Trunk geholt hatte, eingeschlafen war, da kauerte der Sohn sich vor ihm nieder und wartete, bis der Vater erwachte. Rabbi Tarphon ließ seine Mutter auf sich treten, damit sie ihre Füße nicht beschmutzen soll, und als er sich dessen im Lehrhause rühmte, da sagten zü ihm die Lehrer: Du hast hiemit nicht-einmal die Hälfte deiner Pflicht gethan. י ' י יי י Wenn Rabbi Josef die Ankunft seiner Mutter wahrnahm, da rief er: Ich will vor der ankommenden göttlichen Majestät שבעה aufstehen! Die musterhafte Bescheidenheit. Wahrheitsliebe und Offen- Herzigkeit der Talmudlehrer ist aus nachfolgenden hieher bezüglichen Mittheilungen zu ersehen. Auf die Frage, wie weit die Pflicht der Elternverehrung reicht, antworteten Rabbi Ulla und Rabbi. Elieser: ״Schauet, was ein Heide, namens Dama, Sohn Neßina's, zu Aschkalon in Palästina, für seinen Vater gethan hat. Die Weisen Israels boten ihm einen außergewöhnlich hohen Preis für einen für den Tempel nöthigen Juwel an. Jedoch verzichtete er lieber auf diesen hohen Preis, um nicht seinen Vater im Schlafe zu stören, da der Schlüssel zu dem Behälter, worin der Juwel lag, unter dem Kopfkissen des Vaters sich befand. Im darauffolgenden Jahre ersetzte ihm Gott seinen Schaden. Es wurde ihm nämlich eine rothe Kuh geboren, die auch für den Tempel gebraucht wurde und noch seltener zu bekommen war als 'der erwähnte Juwel. Als die Weisen Israels diese von ihm kaufen wollten, da sprach der Heide zu ihnen: Ich weiß, dass ihr mir, soviel ich verlangen würde, dafür geben möchtet. Aber ich verlange nicht mehr, als blos Ersatz für den Verlust, welchen ich voriges Jahr wegen der Ehre gegen meinen Vater erlitten habe. (Tr. Kid. 31.) Obwohl nach den Talmudlehrern die Elternverehrung noch im höheren Grade geübt werden muß, als sie Dama übte, so stellten sie doch ihren Glaubensgenossen einen Heiden als Muster hin und lehrten hiemit überdies, dass Gott auch den Heiden belohne. Er lohnt also nicht nur dem Juden, er ist gerecht gegen alle Menschen. Rabbi Dimi erzählte, 'dass genannter Dama einst unter den angesehenen Römern im Prachtanzug saß. da kam seine Mutter hin, riss von ihm sein Prachtkleid, schlug ihn auf sein Haupt und spuckte vor ihm aus, aber er blieb ganz ruhig und sprach kein Wort, (ibid.) (Forts, folgt.) Kleine Chronik. Wien. Ueber die letzten Lebenstage des Baron Hirs ch werden nachfolgende Details berichtet: Anderthalb Stunden von der Statton Neuhäusel entfernt, liegt die Ortschaft O-Gyalla und in der Nähe derselben befindet sich das Kastell Gereuth. Baron Hirsch hat hier nach den Plänen des Architekten Fellner ein großes Jagdschloss bauen lassen. Vorigen Samstag war Baron Hirsch aus Paris in Wien eingetroffen, um mit Wiener Geschäftsleuten über die Einrichtung des Schlosses zu sprechen. Er reiste Sonntag mit seinem Centraldirector und zugleich Vertrauensmann Herrn Fröhlich über Neuhäusel nach O-Gyalla, traf hier mehrfache Anordnungen, durchfuhr das ausgebreitete Jagdgebiet, welches zum Schlosse Gereuth gehört, war Montag Abends um 7 Uhr von dieser Jnspicirung zurückgekehrt und hatte sich im nahegelegenen Schlosse -seines Freundes Ehrenfeld einlogirt. Baron Hirsch klagte bald nach seiner .Rückkehr über Mattigkeit in den Gliedern, und nachdem er soupirt und eine kleine Flasche Gießhübler Wasser