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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-05-01 · Heft 12 (1.5.1896) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 12 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 7. getrunken hatte, bat er Director Fröhlich, um halb 7 Uhr Früh in sein Zimmer zu kommen, da er in Folge seines Unwohlseins etwas später als sonst ausstehen wolle. Vor 11 Uhr Nachts begab sich Baron Hirsch zur Ruhe. Um viertel 7 Uhr Früh trat der Diener, dem erhaltenen Auftrag nachkommend, in das Zimmer des Baron Hirsch, um ihn zu wecken. Baron Hirsch lag ruhig und anscheinend schlafend im Bette. Der Diener rüttelte ihn, und da er sich nicht rührte, schlug er die Decke zurück und bemerkte, dass sein Herr tödt sei. Der Körper; war ganz starr und der Tod dürfte mehrere Stunden vorher 'eingetreten sein. Im Zimmer, in welchem Baron Hirsch übernachtet hatte, steht ein Kasten, in welchem sich die Hausapotheke des Herrn Ehrenfeld befindet. Die Thür dieses Kastens stand offen, ׳ und dieser Umstand deutet darauf hin, dass Baron Hirsch im Laufe der Nacht eine Arznei gegen sein Unwohlsein gesucht haben dürste. Der Tod scheint,nachdem er sich wieder zurRuhe begeben hatte, plötzlich eingetreten zu sein. Die Gesichtszüge zeigten gar keine Veränderung. An die in Paris weilende Gemahlin sind in kurzen Zwischenräumen drei Telegramme abgesendet worden, das erste mit der Meldung einer Erkrankung des Barons, das zweite mit der Meldung einer Verschlimmerung und das dritte mit der Nachricht von dem eingetretenen Ableben. Heber telegraphische Anordnung der Baronin Hirsch wurde die Leiche nach Paris gebracht. Wien. Am 8. April fand im Bösendorfersaal ein Concert tzes bestbekannten Solo-Cellisten der k. k. Hofoper, Prof. Josef Sulzer, Sohn unseres verewigten Altmeisters Sal. Sulzer, statt. Zu demselben hat sich ein äußerst distinguirtes und kunstsinniges Publikum eingesunden, das dem Concertgeber, einem Meister seines Instrumentes, wohlverdienten Beifall zollte. Graz. Die Tochter unseres Herrn Rabbiners, Fräulein Flora Mühsam, hat sich mit Herrn Jaqnes Tolczyner aus Warasdin verlobt. Czernvwitz. (O b e r c a n t o r Isaak R o s e n h e ck.) Die israelitische Cultusgemeinde von Czernowitz hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Nach langem, schwerem Leiden ist am 17. April um 4 "Uhr Morgens der Obercantor Herv Isaak Rosenheck gestorben. Der hochgewachsene, brünette Mann mit dem auffallend blassen Gesichte und der ganzen imposanten und sympathischen Erscheinung war eine der bekanntesten Persönlichleiten in der Stadt. Rosenheck's Stimme und Innerlichkeit des Vortrages war von unwiderstehlicher Macht auch auf die Gemüther derjenigen, deren religiöser Siun an Empfindlichkeit und Empfänglichkeit verloren hatte. Er bannte auch sie in seinen Kreis und trug damit unmerklich, vielleicht aber doch sicher zur Perbreitung, der religiösen Sphäre auch in jenen Kreisen bei, die ihr bereits entrückt sind, aber noch nicht sicher auf jenem anderen! Boden stehen, wo der abgeklärte Gedanke der Festigkeit des Standpunktes besondere Stärke verleiht. Aber der Mann mit der levitischen Würde in seinem äußeren Aussehen, dem nun der Todtengesang, den er so Vielen auf ihrem letzten Gange uachschickte, selbst nachertönte, hat nicht blos als Functionär im Tempel, sondern auch als Neligionslehrer an den hiesigen Mittelschulen und als Mitglied der Czernowitzer Gesellschaft sich jene Sympathien der Bevölkerung erworben, die nicht am Grabesrande enden, sondern so lange anhalten, als die Mitlebenden noch auf dieser Erde wandeln. Denn was er oft und oft 25 Jahre hindurch am Altar gesungen und gebetet, nämlich den allen jüdischen Gebeten zu Grunde liegenden Inhalt, dass der Mensch gut und barmherzig sei und um Gottes Willen den Frieden mit den Menschen und mit sich selbst finde, darnach hat auch er im Leben gestrebt, und es war ihm Herzensbedürfuis, darnach zu leben. — Isaak Rosenheck entstammt einer angesehenen Familie in Lisitz in Galizien und nahm nach Vollendung seiner höheren Bibelstudien bei Obercantor Fried mann in Budapest Unterricht im liturgischen Gesang, den er später bei Professor Sulzer fortsetzte. Da er von Letzterem in glänzender Weise empfohlen wurde, erhielt er als noch junger Mann eine Berufung nach Temesvar und von dort, nach kaum zweijähriger Wirksamkeit, nach Marosz-Vasarhely, worauf er im Jahre 1872 nach- Eernowitz berufen wurde und zur Probe — da damals noch kein Tempel bestand — im sogenannten Beckffchen Vereins- Bethause celebrirte. Der Eindruck seines Vortrages war so überwältigend und hinreißend, dass der genannte Verein ihn sogleich acceptirte und noch am selben Tage mit Rücksicht auf die außerordentliche Acquisition die Erbauung eines würdigen Tempels beschloß. Die Wirkung Rosenheck's auf die Gemüther seiner Zuhörer war so tief, dass eine auf der Stelle vorgenommene Subscription zur Aufbringung der Mittel für den Tempelbau nicht weniger als 80.000 fl. ergab, so dass ohne Verzug an die Ausführung des schönen Planes geschritten werden konnte. 25 Jahre hindurch hat seine Wirkung auf die Mitglieder der Gemeinde, insbesondere auf die Tempelbesucher nichts von ihrer Kraft eingebüßt, und darum und weil er auch ein guter Mensch war, ist die Trauer um ihn eine so allgemeine und aufrichtige. An seiner Bahre trauern nebst seinen Glaubensgenossen und seinen engeren Freunden seine im Schmerz aufgelösten Angehörigen, seine greise Mutter, seine Frau und drei Kinder. Komorn, den 27. April. Auch aus unserer Gemeinde Komorn war der gesammte Cultus-Vorstand in Ö-Gryalla vertreten, um dem so jäh dahingerafften Philantropen Baron; Moritz Hirsch die letzten Ehren zu erweisen. Oberrabbiner Schnitzer hielt eine Trauerrede. Den liturgischen Theil der Feier besorgte Obercantor Sam. Kurczmann. dessen schöner Vortrag auf die tausend und abertausend Anwesenden den tiefsten Eindruck machte. Die Komorner Deputation begleitete den Leichenzug bis Neuhäusel, und den langen Weg hindurch brachten Obercantor Sam. Kurczmann und der Cantor von NeuhäuseL abwechselnd rituelle Gesänge zum Vortrag. ' Kaloesa. Nach höchst beifällig aufgenommenem Probevortrage ist hier Herr Wilhelm Brust als Obercantor acceptirt worden. Litterstur. Jüdische Lniversal-Bibliothek Nr. 15—22. (Verlag Jacob B. BrandeiS, Prag.) Jedes neu erscheinende Bändchen bestätigt unsere schon einmal ausgesprochene Erwartung, dass die jüdische Universak-Bibliothek sich im Fluge die Sympathien des jüdischen Lesepublikums erobern wird. Auch die letzten uns vorliegenden Lieferungen enthalten nur Gediegenes, Lehrreiches und JntcrreffanteS und möchten wir aus denselben unseren Lesern die höchst spannende Erzählung ״Berel Grenadier" besonders empfehlen. Der Preis eines einzelnen Bändchens ist wie bei der Reclam'schen Universal- Bibliothek auf 20 Pfennige — 12 Kreuzer angesetzt. Geschichte der Juden in Kremjrer mit Rücksicht auf die Nachbargemeinden. Nach Original-Urkunden dargestellt von Rabbiner Dr. Ad. Frankl-Grün. Im ersten Band dieses soeben erschienenen Werkes behandelt der Autor unter Heranziehung eines reichen Quellen- Materials den Ursprung, die alte Verfassung und allmalige Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Kremsier vom Anfänge des 14. Jahrhunderts bis zum Jahre 1849, indem er gleichzeitig die markantesten Persönlichkeiten und die wichtigsten Ereigniße dieser Zeitperiode an unserem Auge vorüberführt. Besonderes culturhistorisches Interesse boten uns die Capitel III und IV über die Gemeindeverfassung und daS Rabbinat, aus welchen wir die daselbst vorkommenden Bestellungsdekrete für Rabbiner und Vorbeter aus den Jahren 1722 und 1740 manchen modernen Gemeinden zur aufmerksamen Lcctüre empfehlen möchten. Indem wir uns eine eingehende Besprechung dieser höchst interreffanten und verdienstvollen Arbeit vorbehalten, können wir es schon heute nicht unterlassen, dieselbe unseren Lesern bestens anzuempfehlen. Der gelehrte Autor kündigt für die nächste Zeit das Erscheinen des zweiten Bandes an, welcher die Geschichte der Kremsierer Gemeinde bis auf den heutigen Tag fortführen soll. ES wäre zu wünschen, dass das vorliegende Merkchen recht zahlreiche Verbreitung findet und auch anderwärts Anregung gibt zur Bearbeitung der Geschichte Ver jüdischen Gemeinwesen, von denen manche nicht nur vom jüdischen Standpunkte sondern auch vom kulturhistorischen großes Jnterreffe bieten. DM- Trotz wiederholter Mahnungen und Einsendung von Postchecks und Postanweisungen find nvch zahlreiche Abonnenten bisher rnr Rückstände geblieben. Diese Nachlässigkeit können wir nun nicht mehr ruhig hinnehmen und fordern dieselben galt! entschieden aus» den Abonnemrntsbetrag umgehend einzusenden. Die Administration der österr.-ungar. Cantoren-Zritnng.

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