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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-05-01 · Heft 12 (1.5.1896) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 12 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung Breite 5. (laut verlautbarter Kundmachung im Landesgesetzblatte Nr. 33 vom 17. October 1895, Z. 154228) die Thätigkeit sämmtlicher Matrikenführer Böhmens (mit Ausnahme der Stadt Prag) mit 31. December 1895 eingestellt und neue Matrikenstellen nach den derzeit bestehenden Gemeinden ernannt. Es erhielt jede Cultusgemeinde eine Matrikenstelle, deren Wirksamkeit sich über den ganzen Cultusgemeindebezirk erstreckt. Jede noch so entlegene Ortschaft ist einer Cultusgemeinde einverleibt, somit auch dieser Matrike angehörend, und hat blos der Cultusvorstand oder der Matrikenführer die etwaigen Insassen auf deren Zugehörigkeit aufmerksam zu machen. Humpoletz, im April 1896. Jakob Posamentir, Matrikenführer. Pädagogische Aphorismen aus dem Talmud und den Midraschim nebst Parallelstellen aus der Bibel und aus Schriften moderner Pädagogik. Von Israel Singer, autor. Rabbiner, Neligionsprofessor am Obergymnasium zn S. A. Ujhely. (Fortsetzung.) Nachdruck verboten. Die Eltern sollen ihren Kindern eine fromme Erziehung geben, dann ist eine etwaige Entartung für sie weniger betrübend, als wenn sie, wie bei schlechter Erziehung, durch Gewissensbisse gequält werden sollten. ״Ich halte fest an meiner Frömmigkeit und lasse sie nicht; keiner meiner Tage kann mein Herz lästern." (Jjob 27. 6.) Ueberdies lehrt die Erfahrung, dass eine frühzeitig begonnene, religiös-sittliche Erziehung niemals ganz fruchtlos bleibt. Ihre guten Folgen zeigen sich oft erst in spätem Alter. So z. B. führte König Menasse den von seinem sehr frommen Vater Hiskiah, König von Judah. abgeschafften Götzendienst wieder ein. Aber in hohem Alter that er, in Erinnerung an die in seinem Vaterhause erhaltene ftomme Erziehung, oder -wehe that. Sein gelbes Antlitz hatte für mich etwas Ehrwürdiges, und meine kindliche Fantasie ließ mich in demselben etwas geisterhaft Ueberirdisches sehen, vor dem ich eine heilige Scheu fühlte. --- Es war an einem Sonntag. Der milde Herbstabend breitete über Alles eine wohlige Stimmung. Der Himmel klar und weich, nur hie und da blinkte ein Sternlein hervor, wie die Gedanken eines — Geistesschwachen, und zwischen ihnen schwamm der Mond, die niedrigen, baufälligen Häuschen, wie die stolz aufragenden Thürme mit seinem fahlen Lichte beleuchtend. Das geräuschvolle Treiben, das gewöhnlich am Sonntag die Gassen und Häuser erfüllt, war verstummt. Die Männer und Frauen, welche von den Geschäften heimkehrend am Hofe sich noch eine Zeitlang unterhielten, hatten sich bereits in ihre Wohnungen zurückgezogen. Nur auf der Pawlatsche des 3. Stockes saßen zwei junge Leute, eine Jungfrau und ein junger Mann, in tiefem Gespräch. Es waren Verlobte, diese Woche sollten sie noch Hochzeit haben. Die Braut war die ״schöne Mirjam", die Schwester von meschugge Markusl, der Bräutigam, der junge, aber sehr tüchtige Buchhalter der P . . . Fabrik in Lieben. Er war in die zweite Fabrik dieser Firma nach W.f als Fabriksleiter dirigirt, und deshalb wurde die Hochzeit eilig betrieben. Es muß ein wunderbares Wohlgefühl sein, das glücklich Liebende kurz vor ihrer Vereinigung empfinden. Sie saßen hier schon geraume Zeit. So lange es im Hause geräuschvoll zugieng, unterhielten sie sich leise mit einander; jetzt aber da heilige Ruhe überall herrschte, sprachen sie laut, als ob sie die hehre Nacht als Zeugin ihres Glückes, ihrer Pläne und Hoffnungen anrufen wollten. ׳ Buße und entfernte den Götzendienst in Jerusalem als reumüthiger Frommer. (2. Chron. 26.9., 27. 3., Tr. Sanhedr. 103.) Nr. 13. ״Wer seinen großen Sohn schlägt, der verdient, in den Bann gelegt zu werden, weil er ihn hiedurch zur Empörung gegen die Autorität des Vaters reizen und zu einem Sündenfalle verleiten könnte." (Tr. Joreh-Deah 240. 19—20.) Lehr e. Die Eltern sollen lieber zuweilen gegen ihre erwachsenen Kinder auf ihr strenges Recht stillschweigend verzichten, um sie nicht der Gefahr einer Widersetzlichkeit des Kindes auszusetzen. Wenn selbst bei kleinen Kindern womöglich keine Ruthe gebraucht werden soll, um so weniger darf bei Erwachsenen körperliche Züchtigung angewendet werden. Das Sittlichkeits-, Scham- und Ehrgefühl des Kindes muß sehr geschont und zart behandelt werden. ״Die Scham muß man zu erhalten suchen. So lange sie noch in einer Seele wohnt, kann man noch immer Hoffnung zur Besserung hegen." (Seneca.) ״Es ist ein gutes Zeichen, wenn ein Mensch Schamgefühl hat, denn dieser sündigt nicht leicht." (Tr. Nedowim 20.) ״Sanstmüthiges Lehren macht die Ruthe entbehren." (Ab. Sarah. 17.) ״Besser auf das Herz des Menschen zu wirken, als viele, ja als 100 Schläge." (Midr. Jalk. 1. 937.) Nr. 14. ״Die Gebote, die Eltern zu ehren, sie zn fürchten, und das Verbot, ihnen zu fluchen, sind gleich hoch zu achten wie die diesbezüglichen Gebote, Gott zu ehren, ihn zu fürchten und das Verbot, ihn zu lästern. Denn die gedachten Gebote und Verbote werden auf die Eltern mit denselben Worten ausgedrückt, wie auf Gott. (Tr. Kid. 30. Exod. 20, 12 und Spr. Sal. 3. 9. Levit. 19. 2. u. Deuter. 6.13. Exod. 22. 27. und Levit. 24. 15.) Lehre. Durch die Gleichstellung genannter Pflichten der Kinder gegen ihre Eltern mit unseren diesbezüglichen Pflichten gegen Gott lehrt der Talmud zugleich eine für die Kindererziehung allgemein sehr wichtige Lehre, dass nämlich die Elternverehrung, resp. die Pflichten der Kinder gegen ihre Eltern, nicht als ein Vernunftgebot, etwa aus Dankbarkeit für Nur ein Mensch drückte seine Gefühle und Gedanken lauter aus als die Verlobten — aber er störte sie nicht. Was er jedoch empfand und ausdrückte, war nicht so goldig, so hell, es waren nur elegische Seufzer, herzrührende Töne, endigend in einem traurigen fantastischen Liede. Dies Lied sang meschugge Markusl, sonst stumm — aber heute in Tönen überfließend. Zwar sang sie nicht seine schwache Brust, Markusl hat einen andern Mund zum Ausdruck seiner dunklen Gefühle, die in Worte nicht zu fassen sind — und doch verstand man sein Lied, wenn seine zitternden Finger über die Saiten glitten und sein Bogen der Violine wundersame Töne entlockte. Meschugge Markusl hatte eine Gabe Gottes! Zwischen dem Gespräch der Verliebten tönte das ttaurige Lied von Markusl. Sie waren sehr verttest und horchten wenig den wehmüthigen Melodien des unglücklichen Bruders. Der Mensch gewöhnt sich ja an alles, selbst an die Seufzer eines — Sterbenden. Markusl selbst sahen sie nicht, er spielte über chnen am Boden, vielmehr am Dache, wohin er oft bei schönem Wetter, wenn er im Zimmer nicht spielen durste, flüchtete. Er saß dort seit dem Augenblicke, als der Bräutigam zu seiner Schwester gekommen war, und spielte ohne Müdigkeit ein endloses, langes Lied, stets im elegischen Grundtone verbleibend und doch im Ausdrucke immer variirend. Plötzlich brach er ab, als ob die Saiten gerissen wären. Die Hände, welche die Geige hielten, fielen schlaff herab, und sein ttockenes Antlitz blickte unverwandt gegen den hellscheinenden, ruhigen Mond. Lange Zeit saß er da wie versteinert, endlich erhob er sich langsam. Vorsichtig legte er das Instrument zur

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