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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-04-21 · Heft 11 (21.4.1896) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 11 (21.4.1896)
Date
1896-04-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Läntoren-Aeitung. Nr. 11. sich von folchm Mängeln fern zu halten. ״Ihr Weisen, Eltern, seid vorsichtig in euren Reden! Damit sie nicht von euren Kindern mißverstanden werden und Gottes Name entweiht würde." (Tr. Ab. 2. 11.) Aber es wäre sehr gefehlt, wenn wir bei allen solchen betrübenden, für die Eltern ehrenrührigen Fällen, wie der Ln unserer Textstelle, die Eltern beschuldigen würden. Dies kann man aus der biblischen undnachbiblischen Geschichte durch Beispiele beweisen: Denn gar manche würdige, fromme Eltern Hatten ihrer unwürdige Söhne, z. B. Abraham einen Jsmael, Isaak emen Esau, und der ^Priester Eli und der Profet Samuel hatten ebenfalls unwürdige Söhne. Besonders gilt dies von den fetzigen Kindern, die zumeist frühzeitig in die Fremde ziehen, wo leicht alles, was die Eltern und die Schule mühsam .aufgebaut haben, niedergerissen wird. ״Was ich mühsam gepflegt und großgezogen, das hat der Feind vernichtet." (Klagt. 2. 22.) Wer ist denn der große Anonymus F? sein, bin ich vielmehr der Meinung, dass die Gemeinden immer nach bestem Wissen und Gewissen unter den Bewerbern den Tüchtigsten auswählen, und wenn sie einem Ausländer dm Vorzug geben — trotz der Umstände und Opfer) welche dies zur Folge hat — so gereicht das eben nicht den Gemeinden ״zur Schmach und Schande^! Denn das Amt eines Rabbiners darf nicht etwa zu einer Art von Ärmenversorgungs anstatt heräbgewürdigt werden —- hier allerdings schreibt der Talmud vor, erst für die Armen der eigenen Stadt zU sorgen und dann für die Auswärtigen! Dagegen ist es von jeher Sitte' in Israel gewesen, Rabbiner selbst aus fernen Ländern zu berufen, und die frommen Gemeinden haben nie nach der Staatsangehörigkeit, wohl aber nach der Gelehrsamkeit und Frömmigkeit ihrer Räbbinen gefragt. Hoffentlich wird es auch jetzt nicht anders werden, wenn selbst tausend tapfere Anonymi aus ihrem Versteck dagegen eifern sollten. — Dr. Isidor Kähan, Rabbiner in Waidhofen a. d. Thaya. Diese Frage dürste mit mir mancher Leier dieser Zeitung aufgeworfen haben. Ein Mann, der sich selbst das Zeugnis ausstellt, in selbstloser, edelster, bester Weise seine rächenden, warnenden, tadelnden Worte zu schreiben und sogar die schreck- Kche Drohung ausspricht, seine Feder einzustecken und seinen GManken, Worten und Rathschlägen Halt zu gebieten —■ ein solcher Mann, dünkt mich, sollte den Muth haben, für seine so kostbaren Worte mit vollem Namen einzustehen. Geschieht cs aber nicht, so gehört nicht Muth, sondern — etwas anderes dazu, eine gegnerische, mit vollem Namen vertretene Meinung als egoistisch hinzustellen. Oder gebietet es die Logik des Herrn F., dass jede Meinung falsch und schlecht sein müsse, wenn für den Vertreter derselben ein Vortheil dabei herauskommt? Wenn ich den Diebstahl verdamme, weil meinem Eigenthum Gefahr droht, so habe ich deswegen Unrecht? Aber dies wagt nicht einmal Herr F. zu behaupten. Er ist gnädig genug, zuzugebeu, dass unsere Religion keine Fremdlinge kennt — aber wo bleibt dabei fein Unterschied zwischen geborenen und naturalisirten Oesterreichern? Herr F. weiß sich Rath: ״unsere Religion kennt und lehrt den Selbsterhaltungstrieb" — welch' erhabene Weisheit und welch' strenge Logik! Nur schade, dass dies zugleich Re Weisheit und Logik der Antisemiten ist! Wer nicht logisch denken kann, mit dem ist nicht gut dispütiren, und er hat auch das Recht verwirkt, öffentlich das große Wort zu führen, namentlich, wo er nicht einmal vor einer Fälschung der gegnerischen Worte zurückschreckt. Ich soll die Frage gesteW haben, ״ob denn ein naturalisirter O e st e r r e i ch e r nicht einem geborenen Oesterreicher an patriotischen Gefühlen und Empfindungen gleichkommt?" — Ist mir gar nicht eingefallen, edler Herr F.l Aber gegen Ihre Behauptung, dass ein nicht in Oesterreich geborener Rabbiner nicht im Stande sei, den Patriotismus zu lehren, führte ich aus, dass selbst der Pättiöttsums zur zweiten Heimat ein Gebot unserer Religion fei, und fuhr also stirt: ״dürfen wir annehmen, dass ein Rabbiner, dessen Wicht es ist, die erhabenen Lehren unserer Religion zu verbreiten, in dem Falle seine Pflicht verletzen wird, wo zur Religion sich noch das Gefühl der Dankbarkeit gesellt?" Was haben Sie darauf zu erwidern, verehrter Wahrheitsfreund? Nichts als eitel Fümkerei! Die österr. Cultusgemeinden sollen ״eine gewisse Vorliebe für Cultusbeamte anderer StaatsaHehöWeit" Wtzttr! Anstatt dieser widersinnigen Ansicht zü GingesenÄet. ל Sehr verehrte Redaction! Als Erwiderung auf die ganz unbegrün deten Angriffe des Anonymus F. ersuche ich, nachstehende Zeilen der Oeffentlichkeit zu übermitteln. Es war niemals meine Absicht, Herrn F. herauszufordern oder mich in. irgend einen. Federkrieg mit demselben einzulassen, und ich werde auch alle seine weiteren Auslassungen vollkommen ignoriren. Aber das Eine muß wohl constatirt werden, dass gerade Herr F. ein eclatantes Beispiel für die Richtigkeit Meiner Anschauung ist, dass derartige Abhandlungen Neid, Anmaßung und Zwiettacht sowohl bei den Angestellten, als auch bei den Gemeinden erzeugen, und trotz aller Grobheit wird ex diesen Eindruck bei den Lesern seiner Artikel nicht verwischen. Die Bezeichnung ״Rabbiner-Fehden" scheint Herrn F. nicht verdauungsfähig, allein, wie will er die Polemiken in der jüdischen Chronik und in den ״Mittheilungen" benennen? Ist dieser Ausdruck vielleicht zu schwach? Fast könnte es so scheinen. Mein Artikel fand seitens des ist. Lehrervereines, ebenso bei vielen anderen berufenen Factoren vollste Billigung, und als Beweis hiefür diene beiliegende Karte; dass jedoch Herr F. irgendwelche Anerkennung erhalten hat, möchte ich sehr bezweifeln. Zum Schluffe noch eine Bemerkung. Ich schäme mich meiner Wiege, welche in einer Prager Judengasse oder, wie Herr F. meint, Geschäftsgasse gestanden ist, durchaus nicht; im Gegentheil, ich bin stolz darauf, denn sie birgt eine Fülle von theueren Erinnerungen für mich, wie für Jeden, der dort geboren wurde oder gewohnt hat; dessen aber schäme ich mich, dass ein Mann, der sich das Attribut eines Seelsorgers, Rabbiners und Beräthers der Gemeinde für sich in Anspruch nimmt, gezeigt hat, wie ein solcher Mann nicht beschaffen sein soll. Alle übrigen Auslassungen des Herrn Anonymus überlasse ich rühig dem Urtheile der verehrten Leser dieses Blattes. Für die Aufnahme^ dieser Zeilen dankend, zeichnet hochachtungsvoll Eduard H. Spiel mann, Cantor und Lehrer. Pilgram, inr April 1896. *) Indem wir die folgende, wie die vorangehende Erwiderung veröffentlichen, erklären wir die diesbezügliche Polemik für abgeschlossen.! ' (Die Redaktion.)

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