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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-04-07 · Heft 10 (7.4.1896) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 10 (7.4.1896)
Date
1896-04-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6. Seite Oesterreich isch-unga^ische Lantoren-Aeitung. Nr.10 ׳. nicht, aber da er einmal ausgesprochen war, so wollte er ihn׳ auch nicht wieder zurückgenommen Haben, wenigstens gegenüber dem ״More Nebuchim" (Führer der Verirrten) nicht, bas׳ Hauptwerk der Philosophie Maimonides'. Dagegen wollte er den ״Maddah", ein anderes, religionsphilosophisches Werk Mavüomdes'. freigegeben haben. Es ist bezeichnend genug, däss^ obgleich Nachmanides oft' genug in diesem Kampfe zwischen Philosophie und Herkommen genannt wirb, er doch nicht in demselben hervortritt. י Er selbst erlebte den Ausgang des Kampfes nicht mehr'. Zwar erckannte man bald in jüdischem Lager, wie Unrecht man dem Mischen Philosophen gethän, besoüLers durch die Herbeirusung der christlichen Mouche. Jona Gerondi,' ein Haüptruser im Streit, unternahm eine Bußfahrt nach dem Grabe Maimonides-, Nachmanides wurde inzwischen 'zu einer Religions-Disputation mit dem Dominikaner' Pablo׳ Christiano gezwungen, welche im Schlosse zu ׳Barcelona stattfand. Der Ausgang dieser Disputation, : in welcher Nachmanides seine Üeberzeügung mit Würde und großer Gelehrsamkeit vertheidigte, wurde für ihn verhängnisvoll. ' Er wänderte. ob freiwillig oder gezwungen, ist nicht bekannt, nach Palästina aus. Pädagogische Aphorismen aus dem Talmud' und den Midraschim nebst Parallelstellen aus der Bibel und aus Schriften moderner Pädagogik. Von Israel Singer, autor. Rabbiner, Ncligionsprofcffor am Obergymnasmm zu S. A. Ujhely. (Fortsetzung.) - Nachdruck der boten.- M. 6. ״Man verspreche nicht einem ' Kinde, ihm etwas; zu geben, ohne das Versprechen zu halten, weil man es hiedurch lügen lehrt." (Tr. Sukot 46, 1.) Lehre. Eltern sollen mit ihren Versprechungen gegen ihre Kinder vorsichtig sein, d. h. nicht leichtfertig ihnen versprechen, was gar oft geschieht. Aber das Versprochene sollen sie genau halten, sonst lehren sie die Kinder wortbrüchig sein mld überdies auch ihr etwa gegebenes Versprechen, sich zu bessern — in Anbetracht des schlechten Beispieles der Eltern — nicht halten. Die Eltern sollen also ihren Kindern ein religiössittliches Musterbild sein. ״Wahrhaftigkeit ist das Siegel Gottes." (Sabb. 53.) ״Der alte Perser lehrte sein Kind aus der ganzen Sittenlehre nichts weiter als die Wahrhaftigkeit." (I. Paul.) Nr. 7. ״Dies ist es, was die Leute sprichwörtlich sagen: ״Der aus Dir hervorgcht, dein Kind, der lehrt Dich Klugheit." (W. 63.) r/Dnofok mimoeh tamo mlafoch!“ Diesen für die Kinder-Erziehung sehr wichtigen Spruch äußerte ein großer Keuner der Kindernaturen, Rabah, (167—247) Schuloberhaupt in Surah, in Babylon, dessen Gattin stets das Gvgentheil that von dem, was er wünschte. Sein Söhn Chia, dies merkend; MeiLehrte seiner Mutter gegenüber die Wünsche seines Vaters ,iüsvlge. dessen seine Wünsche erfüllt wurden. Als der. Vater über.die nunmehrige Willfahrung seiner Gattin seine Verwunderuug! aussprach und dann vom Sohne den Grund erfuhr, that er den! in ׳ der Ueberschrift angeführten Spruch; aber er verbot dem Söhne״ fürder solches zu thun, damit er sich nicht etwa an Lügen gewöhnt, mit Hinweis auf die Worte des Pröseteu. Jeremias, 9, 4: ״Sie gewöhnen ihre Zungen zu lügen, und VWäßigeu sich der Verkehrtheit." . . Wir finden aber in dem Spruche Rabah's, wenn auch׳ im anderweitigen Sinne,׳ höchst wichtige Lehren' für' die W zlehung der Kinder: Die Eltern sollten in ihrer Kinder GegW wärt nicht etwas thun - oder sprechen, womit sie ihnen ein: böses ׳ Verspiel' geben. ׳Denn Kinder haben besonders für die'׳ Mängel ׳' ihrer Eltern ׳ein scharfsichtiges Aügäund ahmen ihre Fehler' eher nach als ׳ chde'-Mörzügel' Äehnlich lehrt ein größer Pädagog und berühmter Sächriker, Juvenal. (Sät.' 15.) ׳,',Was unanständig ift, ׳ ^zü sagen, ' und A1 seich das' müsse nie die Schwelle berühren,'wl>.Kinder innen sind. Die größte Achtung heischt die Jugend: Wenn׳ Lu ׳was ׳ Schlechtes unternimmst, verachte des' Knaben Jugend nicht. Des Kindes Gegenwart' sei deiner Sünde Hindernis." ״Meide die Sünde in des Kindes Gegenwart, wenn du ihm ' nicht ein lebendiges Gift sein willst." (I, Paul.) ־ ׳' ' ׳ :; Aber nicht nur die räumliche Gegenwart, sondern auch die bloße Vergegenwärtigung unserer Kinder soll uns abhalten von solchen Thaten und Reden, deren wir uns in ihrer wirklichen Gegenwart enthalten hätten. Eine Erziehungslehre liegt in den Worten des Midrasch, (Jalkut 1. Nr. 145), dass Josef dem sündhaften Verlangen seiner Herrin nachgebeu wollte, aber die Vergegenwärtigung seines frommen Vaters hielt ihn davvn ab. Die Eltern mögen ihren Kindern sagen, dass sie bei sündhaften Versuchungen sich ihre Eltern vergegenwärtigen sollen, was ihnen zum Widerstand helfen wird. Um so eher sollen aber die Eltern bei allen ihren Handlungen und Reden sich ihre Kinder vergegenwärtigen und sich eventuell ihretwegen deren enthalten. - Eine wichtige Ermahnung an die Eltern liegt in folgender Stelle des Midrasch Tanchume zu,Gen. 44, 32, die folgender- -braßen läutet: Bevor Gott Israel-seine Lehre offenbarte, verlangte er Bürgschaft, dass sie seine Lehre getreu halten werden. Sie boten ihm ihre Stammväter an, nämlich sie werden sich als Kinder solch' frommer Väter der Uebertretnng der Gotteslehren enthalten; um ihnen keine Schande zu verursachen. Aber Gott nahm die Väter nicht als Bürgen. Als sie ihm aber ihre . Kinder als Bürgen anboten, nahm sie Gott bereitwillig an und gab Israel seine Lehre. Die Bürgschaft der Kinder bot mehr Sicherheit, denn Eltern enthalten sich einer schädlichen That, ihrer Kinder halber viel eher, als wegen ihrer Eltern. - ״Die Liebe des Vaters erstreckt sich-auf den Sohn, und die ' Liebe des Sohnes erstreckt sich ans seinen Sohn mehr, als auf seinen Vater." (Tr. Sota 49.) Daher, wenn Israel sündig wird, bestraft Gott seine Kinder. ״Weil Du die Gotteslehre vergaßest, so werde ich Deine Kinder vergessen." (Hoschea 4, 6.) Jeder Vater, der einen Selbstmord begeht, der begeht zugleich moralisch einen Kindermord. Ebenso das Kind, das einen Selbstmord begeht, ist auch ein Elternmörder. Jene Gattin, die durch ihre Luxussucht-ihren Gatten in tiefe Schulden versetzt, wodurch er zu sttäflicher Handlung oder direct zu einem Selbstmord veranlasst ,wird, die muß sich als Mörderin ihres Gatten und ihrer Kinder lebenlang harte Gewissensbisse machen. ״Wer seine Thüre erhöhet, höchthuend lebt, der sucht seinen Sturz." ״Unredlich erworbene Schätze führen zum Tode." ״Die vernünftige Gattin erbaut das׳ Haus, aber die thörichte reißt es mit ihren Händen nieder." (Spr. 17, 20, 21, 6, 14, 1.) ' Nr. 8. ״Heil dem Vater, der ihn, den Sohn, die Thora gelehrt! Heil dem Lehrer, der ihn unterrichtet hat. Wehe dem Menschen, der keine Thora gelernt hat! Wie schön sinh die Handsilnaen dieses/der Thora gelernt hat, wie sittlich sind

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