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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-04-07 · Heft 10 (7.4.1896) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 10 (7.4.1896)
Date
1896-04-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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9iiV 10. Gesterreichisch-ungarrfche Lantoren-Zeitung Seite 5; njg$i־, hex.׳ Fall7/-.Me7A0-, his;D -Mischen-, Familien. -die׳ dort wohnten/ lebten! nur für׳ den! Aalmud und, das. Gesetzesstudium! undkümmerten, sich nicht -um die Vorgänge in der -Welt..Eines aber scheint allen, Bewohnern. Geronäs. iMegelvohnt zu haben^. nämlich - ein: sehr-starkes HeimatsgeMl. So nennen.sich, allebedeutenden Männer,- welche- Ws dieser Stadt hexvorgegangen^ imd! es sind. deren nicht wenigenach ihrem Geburtsort Gerundi. Auch Nachmanidesbehielt bis an sein Lebensende diesen Beinamen.: ' , . Um sein Verhältnis zu Maimonid.es richtig zu beurtheilen,- darf man nicht vergessen, dass der große Denker und Philosoph. noch in. seiner'Kindheit am Leben war. Es ist ja immer ein . großer- Unterschied in der Beurtheilung eines Mannes, ob wir denselben noch als. Lebenden betrachten, oder ob der Tod uns bereits .sein! Bild verklärt hat. Außerdem muß man.bedenken,, dass man erst in damaliger Zeit näher mit den talmudischen. Werken, der südsranzösischen Rabbiner bekannt wurde, , obgleich Arragonien und-Navarra .unter einem Regieruygshause standen.. Auch. die. Kabala oder. Mystik hatte.,großen Einfluss auf den frühreifen Knaben gewonnen. Als einen solchen müssen wir. Nachmanides bezeichnen,. wenn wir erfahren,, dass er schon in seinem fünfzehnten Lebensjahre eine Ergänzung zu den talmudischen . Werken Alfaßi's , ausarbeitete, welche allgemeine Anerkennung fand. Die Werke Alfaßi's sind grundlegend für das Studium, des Talmud geworden,- ebenso wiedie Werke Maimonides'. Allerdings herrscht zwischen beiden Männern in Bezug , auf die. Methode ein großer Unterschied.. Affaßi ordnete sein Werk in, der. regellosen Art und Weise des Talmud, während, der große ägyptische Weise nach streng logischen Regeln, nach der Art, wie. es. am leichtesten zu verstehen ist, es anordnete, Lessing sagt einmal: Wer einmaldeu Pinsel, geführt, hat, der weiß ein Gemälde-, besser zu beurtheilenals Derjenige, welcher nur als Kritiker, davor gestanden. Die Wahrheit dieses Satzes bewährte sich, auch an- Nachmanides. Er lernte jetzt erst die Werke Alsaßsts kennen-. Schulwesen handhabten. Reb Schloime, der hebräisches Wissen in gewissem Maße inne hatte, war nichts weniger als ein' Pädagoge. Ihm handelte es sich hauptsächlich darum,, recht viele Kinder zusammeuzubringen. Die Gesetze von Raum, Lust, und Licht kamen bei ihm weniger in Betracht. Die Kinder saßen in dem kleinen Raume zusammengepfercht, wie die Schafe im Stalle. Oft fehlten 5—6 Schüler, dies bemerkte Reb Schloime kaum. Einmal kam es vor,׳ dass ein Kind der Schule verstarb, ohne dass Reb Schloime Kenntnis hievon hatte. Nach einiger Zeit begegnete er dem Vater des verstorbenen Kindes. Er redete denselben mit den Worten an: ,,Reb Kiwe, ich kann Ihnen sagen, Ihr Mojschele sagt schon ganz sein zu-samm'." Erst jetzt erfuhr Reb Schloime mit Staunen von dem betrübten Vater, dass Mojschele bereits im besseren Jenseits, sich befinde. . Die Fortschritte der Kinder konnten unter solchen Umständen keine glänzenden sein. Die Hauptarbeit wurde dem Gehilfen, vrUZo,,,Behelfer" überlassen, während Reb Schloime oft. den Unterricht unterbrach, um in der Küche für seine Frau Klein- Holz zu hacken oder Erbsen zu klauben. Freilich war bei seiner Rückkehr ins Zimmer ein heilloser Lärm und ein Toliu wabohu. Anstatt aber seine Autorität geltend zu machen, rannte. er im Zimmer hin und her, griff sich wiederholt, an die Stirne und ries: ,.Kinder, mein Kopf, Kinder, mein Kopf!" Bei seiner fast strafbaren Indolenz. besaß aber Reb Schloime eine gute Dosis von Witz und Humor. So fragte ihn ein Bekannter einst, wie er. es mit seiner Lehrerpflicht vereinbar finde, gar so wenig zu leisten: Hierauf antwortete Reb Schloime : .,Was brauche ich ein halbes Jahr mit den Andern zu ״!netten?" Knelle ich eine halbe Schooh mit dem Balbos, . so ist es . auch gut," Dass seine. Schule unter solchen Verhqltnißen nicht prösperirte und bald in die Brüche gieng, liegt auf der Hand.- und .schützen. Er . selbst sagt: Was in der Jugend mir theuer war, werde ich im Alter nicht , von mir lassen. In seiner Borrede zum Talmud, welche, er ganz im Geiste jener Zeit in Versen schrieb, bekennt er hauptsächlich seine- Verehrung für die - Werke der -Wen. Da Maimonides in einem seiner- Werke den Verfasser eines alten Buches angegriffen, so wagte Nachmanides es, gegen ihn zu polemisiren, obgleich Maimonides-zu damaliger Zeit eine beispiellose. Verehrung genoss und seine Bücher pfeilschnell' verj breitet wurden, wenngleich die Buchdruckerknnst noch nicht׳!erfunden war.. . Er wendet sich auch gegen die Behauptung des Philosophen, dass man׳ vor allen Dingen aus die Entwickelung! des- Geistes sein Hauptaugenmerk richten müsse. Nachmanides; sucht aus dem Gesetz zu. beweisen, dass man die Ausbildung - des Körpers nicht missachten dürfe,! . In damaliger Zeit begann bereits die Blüthezeit des!Judenthums zu sinken. Es war ihm ein Feind erwachsen, wie׳ j es einen solchen, was Machtmittel und beharrliche Consequenz ,betrifft׳ seit der Zeit Hadrian's nicht gesehen. Jnnocenz HL,! der Einführer der Inquisition, der Verfolger der freien Forschung,,!war auchein erbitterter Feind der Juden. Er erließ Gesetze,!wonach die Juden besondere Abzeichen tragen mussten und an. bestimmten kirchlichen Festen in ihre Viertel zurückgedrängt wurden. Wurden diese Gesetze auch zuerst in Spanien nickt . wörtlich befolgt, so sollte doch bald eine Leidenszeit für die j Juden Hereinbrechen. Zu diesem, gewaltigen äußern Feind!traten׳! innere Parteiungen. Die Treuegegen die Gesetzesvorschriften!begann in damaliger Zeit zu wanken, und die Rabbinenglaubten, dass dieses von der Beschäftigung mit der Philosophie herrühre. Insbesondere war es der südftanzösische Rabbiner Salomo von Montpellier, welcher den Bann gegen alle Diejenigen aussprach, welche sich mit .den philosophischen Werken.... Maimonides' beschäftigten.. Natürlich fand dieses Vorgehen des französischen Rabbiners nicht allgemeine Billigung, und es entbrannte ein :heftiger Streit für oder gegen Maimonides, welcher viele böse Leidenschaften entfachte. In diesem Kampfe waren׳ die. Blicke der Gegner, wie Freunde des großen Philosophen auf die Gemeinde Toledo gerichtet, welche die größte, reichste, angesehenste und gebildetste in Spanien war. Ihre Entscheidung war i.n Stande, das Zünglein an der Waage nach der einen oder anderen Seite neigen zu machen. Hier führte die Hauptstimme Jehuda ben Joseph aus der hochangesehenen Familie Jbn-Alfachar, der vermuthlich Leibarzt des Königs Ferdinand Hl. war. Wider alles Erwarten sprach sich der hochangesehene Mann gegen Maimonides aus und erließ ein. geharnischtes Rundschreiben gegen das Studium jeder Philosophie.. Das Rundschreiben ist in dem damaligen üblichen Mussivstil verfasst. Wie entstand ein solches Rundschreiben? Man denke sich die Juden in Rittertracht in der Synagoge, welche zugleich, als Lehrhaus diente, versammelt. Der angesehenste und gelehrteste von ihnen besteigt die Empore und entwirft den ersten Satz im Sendschreiben, natürlich anknüpfend an einen Bibelvers. Dieser wird entweder angenommen oder verworfen; ein Anderer findet einen zweiten Bibelvers, und dann wieder ein Anderer, und so reiht sich Satz an Satz. Vor der Synagoge harren bereits die Abschreiber, welche sich schnell ans Werk machen und die Ab-- schriften den Boten, welche sie schnell in die nächste Ortschaft bringen, geben. ' Wie verhielt sich nun Nachmanides in diesem Streit? Er versuchte vermittelnd einzutreten. Er billigte zwar den Bann

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