Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 10 (7.4.1896)
- Date
- 1896-04-07
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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.-Nr. 10 Gesterreichisch-üngarifche Lantoren-Aeitung, Seite 7. seine Werke. Auf einen solchen׳ passen die -Worte: ״Du, Israel,׳ bist mein Diener, dessen ich. mich rühme." (Jesajas.;47, 3.) Diese Worte bezieht der Talmud (Tr. Joma 86) auf denjenigen,׳ der Bibel-und Talmudkenntniße besitzt, Umgang mit Weisen -hat und mit den Leuten in ״Sanftmuth" verkehrt. Lehre. Diese Worte enthalten eine .Ermahnung an die ׳ Ettern, ihre-Kinder in Bibel, wie im Talmud, unterrichten zu lassen, weil-die Beschäftigung mit denselben bestens geeignet ist, sie zu religiös-sittlichen und anständigen Menschen heranzubilden. Die Beschäftigung mit diesen heiligen Büchern, welche nebst den Midraschim' (Bibelcommentären) unerschöpfliche und unschätzbare Fundgruben׳ der wahren Religion. Moral, und der vielfälligsten Wissenschaften bilden, hat die Juden, besonders die; jüdische Jugend, vor Entartung bewahrt, welcher sie infolge des.! über anderthalb tausend Jahre auf ihnen lastenden Druckes^ und der grausamen Landesgesetze unbedingt verfallen wären. Möchten doch die Eltern alle ihre Kinder, oder mindestens eines der Beschäftigung mit diesen genannten Bücher widmen, oder doch -; diejenigen Personen, die sich mit diesem - Studium beschäftigen,; eventuell, die Lehranstalten, worin solche unterrichtet werden, j kräftig unterstützen. ״Ein Lebensbaum ist sie, die Thora, alle! die sie halten und die sie unterstützen, werden glückselig." (Spr.! .Sal 3,19.) .. . . ־■■ . (Forts, folgt).! Weine Chronik. Wien. Der 9. April 1896 ist ein bedeutsamer Jubiläums- \ tag in der Geschichte der Wiener Cultusgemeinde. Vor genau! 70 Jahren, am 9. April' 1826, würde nämlich, anlässlich der) Wiedergenesung und der ersten Ausfahrt des Kaiser!Franz I. j nach, langandauernder Krankheit, der Tempel in der Seitenstetten-; gaffe feierlich eingeweiht. .Hoffentlich lässt die Cultusgemeinde, diesen Tag nicht sang-und klanglos vorübergehen, denn bei dem! allgemein herrschenden Jndifferentismus sollte jedes Moments zur : Hebung und Förderung des' Gemeinsinnes mit Freuden ergriffen! werden, und die Feier so wichtiger Gedenklage ist in erster Linie; hiezu' geeignet. . : ' Wien. Die wackere Haltung der Wiener jüdischen Studentenschaft und der jüdisch-akademischen Verbindungen gegen die frechen Angriffe der antisemitischen Couleurstudenten auf ihre akademische Ehre hat allgemein in jüdischen Kreisen lebhafte Sympathie gefunden, und bielfach würde die Frage aufgeworfen, wie die Bestrebungen der jüdischen Studenten von ihren Glaubensgenossen gefördert werden, könnten. Nach dieser Richtung verdient ein Aufruf besondere Beachtung, den der ״Politische Volksverein" über Anregung des Präsidenten Hof- und. Gerichtsadvocat Dr. Fialla erlassen hat. Es soll eine stabile Organisation geschaffen werden, welche es ermöglicht, die jüdische Studentenschaft nach jeder Richtung, ethisch und materiell, wirksam zu unterstützen. Spenden zu diesem Zwecke werden vom Präsidium des genannten Vereines (I., Schotteuring 23') entgegengenömmen und öffentlich ausgewiesen. Jenach dem Ergebniße der eingeleiteten Sammlung wird daun ein definitiver Beschluß über die concrete Verwendung der vorhandenen Mittel gefasst werden. .. . - Wien. Die Brüder Licco und Moreno Adutt, Ersterer Vicepräses der türk.-israel. Gemeinde, haben zum ewigen ^Andenken an ihre theure, vor kurzer Zeit verstorbene Mutter, Frau.Rebecca Leon Adutt, der türk. Gemeinde ein prachtvoll, ausgestattetes Sefer Thora gespendet, dessen -feierliche Einweihung Freitag, den 3. April ׳beim Abendgottesdienste stattsindet. - ׳ -- - Wien. Donnerstag, den 26. März fand im Sitzungssaale der israelitischem Enltusgem'einde unter zahlreicher Theilnähme der Mitglieder und geladener Ehrengäste die 2. ordentliche: Generalversammlung des Vereines für israelitische Feriencoloniem statt. . Den Vorsitz führte die׳ Präsidentin Frau Sophie G r ü n f e l d, welche den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr erstattete. Hierauf gab die Schriftsiihrerin, Frau Antonie Graf, namens des Vorstandes die Anregung, dass anlässlich des 50 j ä h r i g e n R e g i e r u n g s j u b i l ä n m s unseres ׳ geliebten Monarchen ein ״Franz Josef-Ferienheim" gegründet werde, das in der Ferialzeit als Eolonie, in den übrigen - Monaten aber als Reconväleseentenheim dienen möge. Brünn. Vorige Woche Montag wurde unter Vorsitz - des Obmann-Stellvertreters kais. Raih Mandel die diesjährige Dekegirtenversammlung des ״m ä h r i s ch - j ü d i f ch e n Land esmassafondes" abgehalten Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes pro 1895 und Genehmigung des Voranschlages pro 1896 wurden die vom Euratorium vorgelegten Grundzüge des laut Beschlusses der vorjährigen Versammlung zu gründenden Kaiser-Jubiläums-Pensionsfondes zur Berathuug gebracht. Das Euratorium hat ursprünglich diesen Fond auf assecurattzmäßiger Grundlage unter Beittagsleistung des Fondes, der Gemeinden und der Eultusfunctionüre in Aussicht genommen. Da dieser Plan auf große Schwierigkeiten stieß, wurde davon Abstand genommen und dahin abgeändert, dass die Functionäre von Beiträgen befreit und die Beiträge der Gemeinden durch einen 3percentigen Abzug von ihren jährlichen Subventionen (für Schule und Gemeinde) hereiugebracht werden, während der Landesmassafond diesem Zwecke den jährlichen Abfall an den Personalunterstützungen zuwende. Der Grundstock soll durch freiwillige Widmungen der Gemeinden und einzelner Wohlthäter anlässlich des 50-jährigen Regierungs-Jubiläums des Kaisers gebildet, durch Spenden, Legate u. s. w., sowie durch die obigen ständigen Zuflüsse׳ vermehrt und' ehestens nach fünf Jahren mit der Auszahlung von Pensionen begonnen werden. Anspruch auf eine solche haben die Beamten, d. i. die Rabbiner, Cantoren und nicht staatlich angesteüten Lehrer in den beitragenden Gemeinden, sobald dieselben für dienstunfähig erklärt werden, ferner die Witwen und Waisen der Eultusfunctionüre überhaupt. Das nähere Organisationsstatut wird erst abgefasst werden, wenn der Fond, beziehungsweise die Erträgniße desselben eine derartige Höhe erreicht haben, dass an die Realifirung der Pensionen , geschritten! werden kann.. Der Fond selbst ist gesondert anzukegen ,.und zu verwalten und alljährlich über seinen Stand Rechnung zu legen. Die Grundzüge dieser Einrichtung wurden mit Acclamation zum Beschlüsse erhoben und hierauf die Versammlung geschlossen. Prag. Die erschütternde Trauerrede, welche Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenseld an der Bahre des jüngst dahingeschiedenenObercantors der Klaussynagoge, Herrn Beruh. S inger, gehalten hat, ist vom Vorstände der Klaussynagoge unter dem Titel ״Worte der Trauer" durch den Druck vervielfältigt worden, wobei die löbliche Absicht obwaltet, durch das Erträgnis derselben das namenlose Elend der Hinterbliebenen (Wittwe mit lOKindern) einigermaßen zu mildern. Die Rede wird vom Vorstande nach Entrichtung einer dem Ermessen jedes Einzelnen anheimgestellten Spende ansgesolgt, resp. übersendet. Spenden werden vom Obmännc der Klaussynägoge, Herrn Ign. Robitschek, Prag, Tischlergasse Nr. 7 neu, sowie vom Eassier, Herrn Simon G r ü n h ü t (Firma Schleißner & Grünhut), Prag, Goldschmiedgaffe entgegengenommen. Arad. Unser allgemein verehrter Chormeister, Herr Adolf Grünzweig, ist von einem herben Schicksalsschlage betroffen worden. Sein hoffnungsvoller Söhn S and or, der in. Budapest angestcllt war, ist im Alter von 26 Jahren plötzlich 1 gestorben. Abends am 8. März saß der arme junge Mann noch wohlgemuth am Tische bei seiner Schwester, die in Budapest verheirathet ist, und früh morgens des 9. fand man ihn als Leiche.in seinem Bette. (Der allgemeinen Theilnahme, die den! schwergeprüften Eltern entgegengebracht wurde, schließen auch wir uns aus tiefstem Herzen an. Die Redaction.) Stellenttenänderung. Herr Obercantor Isidor Zlocsenko n Tyrnan wurde nach beifällig aufgenommenem! Probevortrage mit Acclamatjan . als Obercantor in Sikkos ׳ gewählt.; In Folge der Feiertage erlitt die vorliegende! Nurmner eine mehrtägige Verspätung, Vre näüHe Nummer erscheint wieder regrlmähig am 21. April.