Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 10 (7.4.1896)
- Date
- 1896-04-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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SÄte 4. I GestemeAisch-ungärifche Lantoren-Aeitung. >M4 M׳ ebenso wenig bars dies mit unseren Leistungen, geschehen.: Und das Culürsgesetz will ja und besümmt es, dass die Cultusbeämten i in den Gemeinden standesgemäß erhalten werden. Es setzt ja; dieselben durch die Erweiterung chrer Sprengel und durch.: die. Regelung -der Cultusbeitr^e: in den Stand, dies thun.zu können?! Der Rabbiner oder Cantor hat als. solcher niemals weniger als einen Gehalt von 600 sl. nebst Wohnung und den üblich en Emolu-: menten zu empfangen; jede weitere Amtsverrichtung,׳aber ist ihm separat zu Honorirem Denn \0.: viele Aemter. man verwaltet,. so viele Verantwortungen, übernimmt man, und so: vielemale muß man . seine Kräfte und Anlagen auf dem Kampfgebiete ums Dasein ■ ins Treffen führen. Eine Maschine und ein Werkzeug!Ätzen sich ab und müssen von. Zeit zu Zeit in ihrer Leistungs-! sähigkeit unterstützt werden.. Der Mensch aber muß, wenn er mchrseitig arbeitet, seine Kräfte durch größeren Nahrungsaufwand unterstützen, um sie widerstandsfähiger zu machen. Dagegen ist: viel Arbeit bei Existenzsorgeu aufteibend und bedingt eine vorzeitige Bervfsunsähigkeit. Unsere Gehalte nach Maßgabe unserer vielen Leistungen sind unsere .besten und : sichersten- Pensionssonde. Je mchr Leistung, desto mehr Gehalt,, und ״wie die Arbeit, so sei der Lohn!" . 4. Der Rabbiner, der gesetzliche Vertreter der Religion, mag er dasEantor-oder Lehramt mit ausüben oder nicht, gestatte es niemals und unter keiner .Bedingung, dass er anders als, ״Rabbiner" und bei schriftlichen Veranlassungen mit dem ihm gebührenden Ehrenprädicat ״Ehrwürden" betitelt werde. Ob die Krone der jüd. Wissenschaft sein-HMpt ziert, hat die Gemeindevor dessen Anstellung zu prüfen und zu erwägen; sobald sie ihn aber mit dem Amte betraut und er durch die behördliche Genehmigung seine Amtsbestätigung erlangt' hat, so steht ihm, rechtsmäßig die standesgemäße Hochachtung und Ehrenbezeugung, zu, und . er ist verpflichtet, seine Autorität und . das Ansehen seines Standes zu wahren. . 4. Ein Mabbiner. oder Cahtor^sollftch memälsn!zu ׳.einer׳ Dienstleistung in dex Gemeinde herbeilaffen, .wodurch .die Standes---!: ehreiverletzt, öder beeinträchtigt, werden könnte;- wir?Wd-Dieners :der Religion, aber!-nicht ׳.Diener.׳ der Gemeinde..! 6. Kein Rabbiner, ׳Lehrer oder- Cantor -soll eine Stelle -provisorisch annehmen. Durch ׳ das Provisorium! kommen wir um :unsere׳-besten׳: Zahre.׳-und.׳?Kräfte.7!' .? : ׳?..׳F.;.;:/ Nachmanides und seine Zeit. - . - , : Vvn -Dr: Rvsenrhal-Siargard.- -- l Wenn : man. die Blüthezeit. der jüdischen Litteratur in 7;Spanien erwähnt, :denkt man dabei gewöhnlich an Männer, ' wie Maimomdes,- Jehuha Halevi,Jbn Esra,. Gabirol u... s. w.. :Dagegen ist Nachmanides wenige oder garnicht bekannt..Er wird; gewöhnlich nur nebenher in den Kämpfen gegen die-Philosophie! Maimomdes', erwähnt. Selbst wenn. wir. einem so bedeutenden.,!und um die Geschichte des.Judenthums hochverdienten Forscher,! wie Grätz, folgen,. so. müssen wir glauben, .׳dass Nachmanides :Nichts ganz gewesen..Er war wohl Arzt, Philosoph, Talmudist...!aber Alles nicht ganz. Wie verhält es sich.nun damit? Ist!dieses Urtheil über ihn gerechtfertigt? Um Nachmanides im,! Lichte seiner. Zeit ״ voll und ganz zu. verstehen, muß. man .sich.!etwas eingehender mit ihm und seiner Zeit beschäftigen.! Mose bar Nachmanni wurde -im Jahre 1194 oder 1195 -in der arragonischen - Stadt Gerona geboren. Bei Beurtheilung -der Persönlichkeit Nachmanides'-darf man nicht außer. Acht!lassen, dass die Juden der Stadt Gerona gleichsam in damaliger..!Zeit eine Welt für. sich bildeten. Wenn in Luceuo bei den.! Trinkgelagen der Spanier, an welchen auch die Juden theilnahmen, : die Gesänge JehudaHalevi's׳ vorgetragen, wurden und in Tosedo man gespannt auf. die Nachrichten vom Kriegsschauplätze! Alfonso's gegen die Mauren horchte — denn unter den Kämpfern! befanden sich viele Juden so war dies: Alles in Gerona Bilder aus der Khille.*) . : .. Lose Blätter von M Roscnfcld, Pisek. 4. Klein C H eile. Sie war ein auffallend kleines Mütterchen mit noch frisch gervtheten Wangen, klugen Angen und lebhaften Geberden. Witwe nach Red Jtzig Brody, hatte sie drei Söhne, Kalman- Harsch, Dowid und. Schmaje, welche tüchtige Baale tefilos und,Schochtim waren, ihre diesbezüglichen. Kenntniße jedoch nicht als Erwerb benützten., sondern Geschäfte betrieben. Klein Cheile selbst wollte von ihren Kindern nicht abhängig sein und betrieb trotz ihres höhen Alters einen Obsthandel/der sie schlecht und recht ernährte. Winter wie Sommer konnte man Cheile bei ihrem Stande sitzen sehen und ihre gangbare Waare an Mann oder — wenn ich so , sagen darf — an Kind bringen, tatsächlich , war sie bei den Kindern persona, Zrata. und rMutirte aus diesen Kreisen die beste Kundschaft: Die Kinder hatten aber auch Ursache, ihre Jausenkreüzer zu Cheile - zu tragen. Hier konnten sie sicher sein, noch einen kleinen Apfel oder eine Birne ״draus" zu bekommen. Allerdings. konnte die Frau vom ״Stande" mit manchem Klienten, der eigenmächtig noch einen Äpfel annectireu wollte, auch in harten Conflict gerathen; hierin, verstand unsere Cheile keinen׳ Spass. Da gab es Drohungen- und Scheltwörte, oft gar auch Thätlichkeiten minderen Grüdes, und ein kleiner. Auslauf, oder vielmehr ein Auflaus :der Meinen war die natürliche Folge solcher Emotionen.- Klein Cheile hatte aber auch .einen edleren Beruf als den L)bstverkaus. In der Mittagsstunde verließ sie stets ihren Stand, aber nicht, um ihr Mttageffen einzunehmen, nein, da übte sie den Berus der Samaritanerin. Da sah man sie regelmäßig, beladen mit unterschiedlichen Töpfen, die. einen reichen. Inhalt *) Siehe Nr. 5 der Oesterr.-ungar. Cäntüren-Zeitüng. '!von Suppen, Fleisch und anderen nahrhaften Speisen in sich!bargen. Diese-trug Cheile in die Häuser von Kranken und v er-! schämten Armen. Sie war in dieser Hinsicht. ein veritabler - weiblicher Harun al Raschid. Sie . wusste die Hütten der Armen aufzustöbern und deren Nothlage zu entdecken, wie sonst wenige.. Man wird mit Recht fragen, woher diese Frau die Mittel : auftrieb, in so ausgiebiger Weise Zu helfen? Nun, sie ׳ klopfte : an die Thüren der Reichen und Begüterten, und wo Cheile an-!klopfte, ward ihr bereitwillig aufgethan. .Man gab gern und. : ausgiebig, wusste man doch, dass es in gute Hände .fiel.und damit der wahren Noch gesteuert und den Hungrigen Sättigung gebracht werde. Aber auch, größere Geldbeträge wurden ihr übergeben, die sie unermüdet in die Häuser der Dürftigen trug. ,Diese rauhe Schale barg den edelsten Kern. So sieht eben das echte jüdische Herz aus.. Das . war. eine i86üoü ■chascliuwoh im edelsten Sinne des Wortes. . ׳ Ich selbst saß oft Mit Cheile an einem Tische, da ihr Sohn mein leiblicher Onkel war. Der Spruch, den sie nach dem Tischgebete zu sagen pflegte, ist mir noch in Erinnerung, er lautete: ״Gelobt ist Gott, wieder gegessen, .bis über Hundert Jahre in größeren Freuden/'- Sie erreichte ein Alter von weit über hundert Jahren, befand sich dem Alter, entsprechend wohl, blos ihr Augenlicht war geschwächt. : J" . . 5. S ch l ö i me B och u r. Der Leser darf sich hier nicht etwa einen Talmudjünger oder Rabbinatscandidaten vorstellen. Reb. Schloime war -vielmehr einer jener Melamdim, vnlA0 Lehrer, die ehemals in der K'hille über Nacht wie Pilze aufschoffen und - mit ihren .Winkelschulen neben der vorzüglichen Ältofener . Musterhäuptschule in ungestörter Weise sortwucherten, Von 'den vielen Repräsentäüten des' Chederwesens jener Zeit greise ich ׳:eben Reb Schloime' heraus, um zu HMÄWieM,'-wie' -diese--tvWiew Jiwger Pestälozzi's das