Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 10 (7.4.1896)
- Date
- 1896-04-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite, 3. W.l 10. Gesterreichisch-ungarischs. Lantoren-Heitung. beamteanderer. Staatsangehörigkeit, und dann. ist ja Herr Dr? fünnlienfrei, ׳ Md^ in; der Acceptatiön. kinderloser Beamten! feiern ' gewisse Eultusgemeinden in Oesterreich ׳! ihre schönsten Siege, die ihnen abereher׳zur:Schmachund Schande, als zur Ehre und ״zum Ruhme gereichen..!•׳׳־ Wer jenen Concurs gelesen hat, wird einsehen, dass.diese Stelle für Herrn Dr. K. nicht einmal eine entsprechende und geeignete ist, aber frei und offen gesagt, wollte ja Herr Dr. K. nur den.Anfang iw.Oesterreich.machen, alles Weitere wird sich schon allmählich geben.'Nun, ich wünsche ihm-zu seinem Anfänge, wie zu seiner ferneren Carrisre in Oesterreich persönlich recht viel Glück. Aber von dem Standpunkte eines objectiven Beurtheilers unserer Cultüsbeamten-Verhältniße kann es durchaus nicht gebilligt, gutgeheißen und gottgefällig genannt werden, dass in׳ dieser Gemeinde ein Oesterreicher, Familienvater von 6 bis 8 kleinen Kindern, der sich schon viele Jahre im Dienste der österr. Gemeinden geplagt, abgewiesen worden ist. Wird man mir nun noch Fremdlingstheorien zum Vorwurf machen wollen? Wenn's so fortgeht, werden wir bald den traurigen Anblick genießen, dass an den jüdischen Hausthüren viele gewesene öftere Cultusbeamte für sich und ihre Familien um ein Almosen bitten werden. Werden wir dann nicht grausamer gewesen sein, als die Antisemiten? Wir gelangen nun zur letzten Stimme in diesem oppositionellen Chorus, nämlich zu der des Herrn S P i e l m a n n in Pilgram, die' der Vollständigkeit halber auch nicht unberücksichtigt bleiben möge. ״Rabbinerfehden in Böhmen!" betitelt er seinen Artikel, aber wer hat ihm das Recht ertheilt, aus meinen wohlgemeinten, fachmännischen ^Vorschlägen und objectiven Motivirungen ״Rabbinerfehden" zu fabriciren? Die Aeußerung einer guten Meinung gilt merkwürdiger Weise bei ihm als eine Fehde. Gerade solch' falsche Anschauungen sind eben die Brutstätten der Fehden und Uneinigkeiten, aber kein Besonnener kann in meinen Vorschlägen irgend eine Anregung zur ״Rabbinerfehde" gefunden haben. Worin besteht die Fehde? Etwa, weil ich die Verbesserung der Stellung und Lage der jüdischen Angestellten in warmer und herzlicher Ueberzeugungstreue befürworte, oder weil ich der Aufhebung des Unterschiedes und der Categorisation im Rabbinerstande das Wort spreche? Herr Spielmann kommt ebenfalls aus die vornehmen ״Doctor-Rabbiner" und die armen ״Dispens-Rabbiner" zu sprechen, und indem er dem Ersteren ehrerbietigst die Krone aufsetzt, würdigt er den Letzteren, in wahrer Unkenntnis des objectiven Sachverhaltes, herab, dabei noch im falschen Glauben, er habe sein Interesse vertreten. Also nur deswegen, weil ein Doctor sich nicht dazu hergeben wird, in einer Khille für 500—600 fl. das ״Mädchen für Alles" zu sein, sind für solche Gemeinden die armen Dispens-Rabbiner bestimmt? Wie kann Herr Sp. viele rabbinische Fachmänner so herabsetzen und sie, weil sie nicht Doktoren sind, verurtheilen, für 5—600 fl. das ״Mädchen für Alles" in der Gemeinde abzugeben? Er fft nur berechtigt, über sich selbst so zu denken und über seine Person zu verfügen. Nein! und tausendmal nein! rufe ich allen Fachmännern von Fachwissen und sachlicher Eignung zu. Collegen! so Euch Euer Beruf, Eure Standeswürde und Standesehre, sowie die Zukunft Eurer Familie am Herzen liegt, lasst Euch nicht den Stempel der Unwürdigkeit und Unwissenheit durch einen solch precären Gehalt aufdrücken! Nur dadurch könnt Ihr den Rangunterschied und die Categorisation zwischen Rabbiner und Rabbiner ausheben! Wir wollen nicht, wir sollen und dürfen nicht!.als -arm-- , selige. Dispens-Rabbiner, gelten und bezeichnet werden. Dies, sei! derjenige, der vom. Rabbinersache nichts Besseres versteht, als! mit einigen, hebräischen Brocken herumzuschleudern,- die in einer, gewissen Prager Geschästsgaffe gang und gäbe . sind. j Zum Schluffe sei hier noch ein Theil eines bei der letzten Generalversammlung des Lehrervereines in. Böhmen, abgegebenen Referates zur allgemeinen Nutzanwendung angeführt. Dasselbe ist zum großen Theil diesen Blättern.entnommen und stammt ebenfalls aus meiner Feder: Wenn sich Rabbiner,. Lehrer und Eantoren jetzt nicht zusämmenfinden werden, wo es gilt, feste Postulate für die Lebensinteressen zu schaffen und durch festes Zusammenwirken zu erkämpfen, dann verdienen wir das Schicksal, unter dem wir seufzen, dann gebührt den geistigen Arbeitern dasjenige Los, das sie bis jetzt besitzen. Man müsste mit Blindheit geschlagen sein, nicht die Nothwendigkeit einzusehen,, wie dringlich eine- Association gerade in den gegenwärtigen Zeitverhältnißen für. alle Arbeiter ist, ob diese auf physischem oder geistigem Gebiete thätig sind. Man sehe sich einmal die gewöhnlichen Arbeiter an, wie sie in geschlossener Phalanx austreten, wie eiumüthig sie in der Forderung ihrer Rechte sind? 1. Wir wollen auf keinen Concurs reflektieren, in dem ״nur dem Acceptierten die Reisespesen vergütet werden". Jedem berufenen Probecandidaten sollen die Spesen ersetzt werden. Dadurch werden die angestellten Cultusbeamten nicht so willkürlich entlassen werden und sie selbst werden nebst ihrer Probe- Production und der Reisemühseligkeit nicht auch den an ihren Kindern selbst oft abgesparten Pfennig zum Opfer bringen müssen. Eine Gemeinde kann leichter 10 Probecandidaten auf ihre Kosten berufen, als ein Candidat in zwei, drei Gemeinden auf eigene Kosten zur Probe reisen. Es ist genug, wenn er seine Mühe und Anstrengung unentgeltlich opfert. 2. Wir wollen auf keinen Concurs reflectiren, in dem mißtrauisch, hart und rücksichtslos nach unseren Jahren und Familienverhültnißen gefragt wird, als ob die Erreichung eines gewissen Alters oder der Besitz von mehreren Kindern einVerbrechen oder eine Sünde wäre. Was soll derjenige beginnen, der sich bis zum 45. oder 50 Jahre in den Gemeinden im Dienste des Herren fürs nothdürftigste Brot geplagt hat? Soll er etwa mit seinen Kindern auf der Wiese seine Nahrung suchen, oder gleich den arbeitsunfähigen Sclaven der alten Barbarenvölker sein Leben in den Höhlen und Schluchten der Gebirge fristen, oder den wilden Bestien der Wälder preisgeben? In welche Kategorie soll ein Gemeindebeschluß gestellt werden, demzufolge ein Manu über 45—50 Jahren oder einer mit mehreren Kindern nicht acceptirt werden soll? Es ist viel leichter, sich über den Uebelstand gleichgiltig hinwegzusetzen, als etwas zur Beseitigung desselben zu thun. Aber, liebe Collegen, es kann und darf nicht so weiter sortgehen, sonst sind wir alle in wenigen Jahren existenzlos und unsere Kinder mit uns und durch uns. Bedenket und erwäget dies wohl und wehret Euch mit aller Kraft dagegen, solange es noch Zeit ist! 3. Wer das Cantor- und Rabbineramt, oder gar noch das Lehramt in einer Person zu bekleiden Hat, der soll auch den entsprechenden Gehalt für sein zwei- oder dreifaches Amt beanspruchen. Unsere Kräfte und Fähigkeiten sind unsere Capitalien und Güter, die wir nutzbringend für unsere Familien anlegen müssen. So wie der Kaufmann, oder Fabrikant 2—3 Warenartikel nicht um den Preis eines einzigen hergeben kann.