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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-03-11 · Heft 8 (11.3.1896) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 8 (11.3.1896)
Date
1896-03-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite,6, GesteMeichisch-Wgarische Gantoren-Zeitung. .,.:.s. Pr. 8. zu Mst)f,den Bittsteller zuzulassen,. ferne GesetzeÄkraH .hat,.jo; jvird. hierdurch die Entscheidung des- Directors, welche vom: Gouverneur von Pskof bestätigt.worden ist, für ungültig.erklärt. und der Bitte des Klägers stattgegeb em (W o s k h o d» 31. December, 12. Januar.) .. ' - , . ,י; Die Kasauer Zeitungen melden, : dass-der Richter am döHgeu KriminÄlgericht, Herr M. L^ Dillon, : seine Entlassung : gegckeu hat Herr Dillon ist Jude. 1866 dursten mehrere ZrÄen in7 ׳die Verwaltung eiütteteu. 1870 :zählte׳ man 18 jüdische : Mchter, Substitute und Friedensrichter.. 1881 gab es nur. noch: 3/ 1895 blieb nur: noch ein einzigere. Jetzt zählt ׳das! russische Beamteuchum keinen Juden׳ mehr: zu seinen Mitgliedern. (Woskh.od vom 7./19. Januar.)׳' . .. Der Odeßki Listok vom 11./23. Januar meldet,! dass von der Gesammtzahl der Besucher der Odessaer Volks- ׳ bibliothek 1895 610/0 Juden waren; 350/0 gehörten zur ortho-; doxen Religion und 4% zu den anderen christlichen Bekenntnißen.! Es istHMnnt, dass der Pater Johann von Kronstadt in Mßland im Rufe einer großen Heiligkeit steht, und dass man seinen Gebeten zahlreiche wunderbare Heilungen zuschreibt. Die Petersburger Zeitung, welche der Woskhod vom 7. 49. Januar anführt, erzählt folgende Anekdote: Eiu jüdischer Kaufmann Nathanson,. dessen Familie in Kronstadt wohnt,, hatte ziemlich spät am Abend ein Telegramm erhalten,, welches chn davon benachrichtigte,, dass seine Frau gefährüch.erkrankt sei. Er eilte an den Bahnhof, erfuhr aber, dass der letzte Zug schon abgegangen fei. ^er Stationsvorsteher, den sein Schmerz rührte, theilte chm mit, dass ein Exttazug bestellt sei, der den Pater Johann nach Kronstadt zurückbringen sollte. Dieser würde chm vielleicht gestatten, in seinem Wagen Platz zu nehmen. Pater Johann kommt auf dem Bahnhofe au, Mchansou setzt ihm seine traurige Lage auseinander, und sagt ihm aber auch, dass er ein Jude sei: ״das macht, keinen Unterschied", antwortete der fromme Mönch, ״steigt nur mit in mein- Koupee und erzählt mir die die Krankheit eurer Frau." Als sie in Kronstadt angelangt waren, begleitete trotz der vorgerückten Stunde Pater Johann den Nathanson zum Krankenbette, er segnet die Kranke und richtet durch seine Gegenwart und fein Wesen die ganze Familie auf. Am anderen Tage war die Kranke außer Gefahr. Der Novemberbericht 1895 meldete׳, dass mehrere Wotiak- Lauxrn aus Staro-, Mnltan in Rußland angeklagt worden sind, euren friedlichen Bauer zu rituellen Zwecken getödtet zu haben, rmd dass sie von den Geschworenen zu Malmije zu Zwangsarbeit vernrtheitt verurtheilt worden find. Der Senat kassierte das Urtheil und übergab den Proceß dem Kasauer Kriminalgericht zu einer neuen Untersuchung. Das Verdienst, dieses Erkenntnis bewirkt zu haben, kommt nach dem Woskho d r>om 17./19. Januar, dem ersten Staatsanwalt des Senates, Herrn F. Koni zu, dessen Rede die Jrrthümer des Malmijer Gerichts in das rechte Licht setzte. Es feien hier einige Auszüge aus der Rede des Herrn Koni gegeben: Das Wort Ritualmord versetzt uns in jene altem Zeiten, hie glücklicher Weise für imnrer. vorüber sind, die Zeiten> in denen mm! dem ersten besten feine Güter, seine Freiheit, ja sein Leb«! nehmen konnten und zwar auf ganz gesetzmäßige' Weise, indem man ihn nämlich beschuldigte, an einem Ritualmorde: Heilgenommen zu haben. Ost wurden ganze Ortschaften infolge einer solchen vollständig, erfundenen Anklage mit Feuer und Schwert verwüstet. Es-jst unbegreiflich,, dass die Richter pon Malmije uns um mehrere Jahrhunderte zurückversetzen nnd uns Ht einem Schlage die Wohtthaten einer vlelhundertjährigen aufgeklärten Civilisation nehmenkönnen,. Wohtthaten, die wir uns durch.übermenschliche Anstrengungen errungen haben..- Ein Urtheil muß nothwendigerweise und ganz ausschließlich auf Gerechtigkeit gegründet-fein. Das Malmijer Gericht hat Erwägungen, die gar nicht zur Sache gehören, mitchineingezogen. Alle Umstände, die die Auffindung des Leichnams begleitet Haben, sind heraus geklaubt worden.. Zahllose Verhöre hatten die Angeklagten zu bestehen. Die Belastungszeugen mußten mehrmals aussagen. Alle Einzelheiten, die nur einigermaßen auf das Leben und die Sitten der׳ Wotiakbaueru Bezug Haben, werden gewissenhaft gesammelt. Kurz, , das Gericht hat viel ,Zeit damit verloren; die That eines Ritualmordes aufzustellen. Nur eins ist vernachlässigt worden, die Gerechtigkeit. < Wir haben absichtlich hier die wenigen Worte des russischen Beamten angeführt. Man ändere die Namen und das Bekenntnis des Angeklagten. Glaubt man nicht die Geschichte eines der Processe zu hören, die früher Und auch vor Kurzem noch gegen unglückliche׳ Juden angestrengt wurden, welche man durchaus des Ritualmordes überführen wollte? י - ' ' Weine Lhronik. Wien. Der Kranken- und Wohlthätigkeitsverein ״Chonen Dalim", der vor einem halben Jahrhundert von hier lebenden Nikolsbürgern gegründet wurde, feierte am 1. März sein fünfzig? jähriges Jubiläumsfest, das gleichzeitig zu einer zahlreichen landsmannschaftlichen Zusammenkunft Anlass gab. Eine stattliche Zahl von Gästen und Vereinsmilgliedern vereinigten sich im Hotel Continental zu einem Festbankette, das von Herrn Restaurateur Tonello in äußerst geschmackvoller Weise servirt wurde.. In Vertretung des greisen Ehrenpräsidenten, kais. Rath Joel Deutsch, eröffnete Herr B. Kanitz die Festversammlung und begrüßte die erschienenen Ehrengäste Oberrabbiner Dr. G ü d em ann. den Präses der Cultusgemeinde, Herrn Gustav Simon, die Cultusvorsteher Moritz K arpeles und Docent Dr. Josef Grünfeld, den Senior der hier lebenden Nikolsburger, Herrn Moses Feßler, den ehemaligen Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch etc. Den Reigen der Trinksprüche eröffnete Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann mit einem Toast auf Se. Majestät den Kaiser, der in folgenden Worten ausklang: Unser gütiger, gnädiger Kaiser, der den Unterschied zwischen Confessionen und Bürgern aufgehoben hat und nach seinen eigenen Worten alle Bürger seines Staates mit gleicher Liebe umfasst, Seine Majestät, unser Kaiser lebe hoch! Die Versammlung, welche die letzten Worte stehend angehört hatte, stimmte ein begeistertes, dreifaches Hoch an. Nach Worten der Erinnernng an die heimgegangenen Mitglieder, Gründer und Förderer des Vereines, gesprochen vom Vereinsvorsteher B. Kanitz, toastirte Herr med. Dr. Adolf H e r z f e l d auf die ueueingetretenen Mitglieder, wobei er mit dem Göthe'schen Cttate: ״Die Abgeschiedenen betracht'' ich gern, stünd'' ihr Verdienst auch noch so fern, doch; mit den edlen, lebenden- Neuen mag ich wetteifernd lieber mich freuen" in äußerst treffender Weise an die Worte seines Vorredners anknüpste. Herr Dr. Alfred K a n i tz toastirte hierauf auf den Vereinsvorstand, "Herr Moses Feßler auf die VaterstÄdt.Nikölsburg, Herr Dr. Bloch auf die Cultusgemeinde^ Herr M. Karpele' s aus die Einigkeit der Mitglieder. Rach den offiziellen Toasten׳ folgten noch einige wilde Toaste von den Herren König, Redakteur Hernfeld, welcher in höchst launiger Weise Reminiszenzen aus seiner in Nikolsburg verlebten

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