Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 8 (11.3.1896)
- Date
- 1896-03-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Nr. 8. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. j N . - 'M i i 1 Nathib מאיר נתיב wiederholt gedruckt, zuerst in Venedig 1564 mit mehreren Zusätzen und Verbesserungen, dann wieder zweimahl in Basel 1569 und 1581. Leider lehnte sich diese Ueberfetznng zu sehr an das Original an, behielt die Ordnung der Bücher nach der Vulgata bei, welche von derjenigen der Masora bedeutend abweicht: so folgt Ruth gleich hinter dem Buche der Richter, die Bücher der Chronik, Esra und Nehemia kommen gleich hinter den Büchern der Könige, dann folgen Esther, Hiob, Psalmen, Sprüche, Kohelet, Hohes Lied, Jesaja, Jeremia, Klagelieder, Ezechiel, Daniel, die kleinen Propheten. Außerdem sind die Wurzeln nicht nach Haupt- und Zeitwort getrennt,' sondern alle Formen sichen durcheinander, wie sie gerade in der heiligen Schrift auf'einander folgen. Es ist klar, dass ein solches Werk für den Grammatiker und Sprachforscher fast unbrauchbar war. Erst der grammatisch geschulte Elia Levita (Bachur) hat in feiner Concordanz, welche er auf Betrieb seines Schülers und Freundes, des Cardinals Aegidio di Viterbo, in den Jahren 1516—1521 verfasste, die Grammatik und die Masora berücksichtigt, allerdings in sehr mangelhafter Weise. Dieses Werk ist,nur handschriftlich in der königlichen Bibliothek zu München vorhanden, ebenso eine zweite Bearbeitung in der Nätional-Bibliothek zu Paris. Nach und nach fand die hebräische Concordanz mehrere Bearbeiter, unter denen Julius Fürst der bedeutendste war. Aber selbst die letztere Concordanz, welche 1840 in Leipzig erschien, war mit so vielen Fehlern behaftet, dass sie für die Sprachgelehrten fast verhängnisvoll wurde, indem sie die Fehler und Mängel der Fürstlichen Concordanz in gutem Glauben in ihre Werke herübernahmen. Welcher Art diese Fehler waren, hier auseinanderzusetzen, würde zu weit führen. Es genüge nur zu bemerken, dass viele Formen gegen Masora und Grammatik verstießen,und dass einige tausend Stellen der heiligen Schrift gar nicht angeführt wurden, daruntersogar solche, die nur einmal Vorkommen. Es galt daher, nicht nur eine verbesserte Concordanz zu liefern, sondern das Riesenwerk von Grund aus neu herzustellen, Und das hat Herr Dr. Mandelkern in bewundernswerther Weise durch geführt. Durch ein ׳ originelles Verfahren ist es ihm gelangen, sämmtliche in den früheren CoNcordanzen fehlenden Stellen ausfindig zu machen: jedes Wort, welches darin angeführt war. strich er in einer hebräischen Bibel durchso dass alle nicht durchstrichenen Worte sich als fehlend herausstellten. Die Citate in den früheren CoNcordanzen sind meist sinnentstellend wiedergegeben, und so mussten sie sämmtlich von Neuem sinngemäß ausgeschrieben werden ״und zwar so, dass ein jedes Citat möglichst einen vollständigen Satz enthält. Auf die grammatische Gruppirung und masoretische Genauigkeit wurde die größte Sorgfalt verwendet, außerdem ist die Mandelkern'sche Concordanz. durch sämmtliche Partikel und Eigennamen bereichert worden, so dass dieselbe einen zuverlässigen Rathgeber für den gesammten Sprachschatz der heiligen Schrift abgiebt. - ' Von großem Interesse werden auch die den sämmtlichett Wurzeln beigefügten hebräischen Commentarien sein, welche auch zahlreiche, sehr einleuchtende Conjecturen enthalten. So dürfte denn dieses Monumentalwerk der jüdischen Litteratur nicht nur eine Zierde, sondern geradezuein unentbehrlicher Bestandtheil einer jeden jüdischen Bibliothek werden. Dr. Isidor Kahan, Rabbiner in Waidhofen a. d. Thaya. Die Juden in Rußland. Monatsbericht der Nlliaues Israelits IImv6r86I1e. Der kaiserliche Ukas vom 19. December 1895 giebt dem Minister des Innern die Ordre: 1) Sr. Majestät dem Kaiser unverzüglich den vollständigen Entwurf einer Revision der Gesetze und Verordnungen-. betreffs der behördlichen Ausweisungen.vorzulegen. Mojschele NiXnuh. Aus meinem Album. Skizze von E. H. Spielmann, Pilgram. Jeder Schlag des Herzens schlägt uns eine Wunde, und dos Leben wäre ein langsames Verbluten, wenn die Dichtkunst nicht wäre. (Börne). (Fortsetzung.) . Den meisten Spass aber hatten sie mit Mojschele, als derselbe einmal in weißen Pantalons zur Schule kam. Der Vater wollte seinem Söhnlein eine besondere Freude bereiten und brachte ihm diesen etwas auffallenden Schmuck für seine Säbelbeine. Mojschele trat also im gerechten Stolze, dass er etwas ״Appartes" sei, in die Schulstube; allein unendliches Halloh und Gelächter empfieng ihn, und es dauerte nicht lange, so waren die.weißen Beinkleider mit Hierogliphen und Keilschriften aller Zeitalter geziert. ״Nichts dauert ewig, selbst die schönste Hosi wird schäbig," dachte wohl Mojschele^s Vater, als er seines Sohnes ״neue Hosen" am Mittag erblickte, und es bedarf wohl keines Commentars, dass wieder nur Mojschele's Nichtsnutzigkeit an. dem Verderbnis.der Hose die alleinige Schuld -trug. Nicht unbemerkt darf bleiben, dass Mojsche einem Mitschüler, der sich besouders bei Len Verfchöuerungsversuchen der Pantalons hervorthat, die Nase bläü schlug, was eine höhere Stufe der Sittlichkeitsnvte zur Folge hatten - : Schießlich war Mojschele mit der 4. Classe auch fertig, und da die Ellern aus-ihm ״etwas machen wollten", so beschloss man, ihn ins Gymnasium.zu geben. Lehrer und Nachbarn riechen wM hievon ab, indem sie fügten, .Mojschele habe nicht das Taletch feistüßerdem ein Nichtsnutz.^Wrilich bei den Nachbars-׳ leuten war Mojschele ebenfalls in Mißeredit und.erfreute sich eines ״höchst unangenehmen Renommss". Er Hatte eben-sein Mißgeschick mit ihnen, trotzdem er sich nicht mehr, vielleicht noch weniger, wie andere Kinder Herumtrieb. Wenn er-$ B. Ballen spielte, so war sicher anzunehmen, - dass dieser durch ׳irgend ein offenes Fenster der Nachbarschaft ins- Zimmer - flog und hier Unheil stiftete, und wenn er Spacek*) spielte, so. gieng trotz äußerster Vorsicht entweder eine Lampe oder Scheibe in Trümmer. Mojschele. welcher nunmehr in der. Nachbarschaft schon ״Mojsche" hieß, studirte doch das Gymnasium. Man kattN-Nicht behaupten, dass er dies mit großem Eifer that,-. umsoweniger, als schon in der Volksschule das ״Büffeln" ihyt zuwider wurde, nichtsdestoweniger gieng es: bis zur Quarta. so>ziemlich, ״wenn nicht gut, so:doch schlecht" und eine unbedeutende Ursache war es, die dem vielleicht gewöhnlichen Lebensläufe Mojschele's eine höchst betrübende Wendung gab. Beim Herüntergehen der Stiege in der Schule siel Mojsche, sei es durch Unvorsichtigkeit׳ öder durch den Uebermujh eines., seiner Mitschüler, die Stufen hinab und. blieb in sitzender Stellung, anscheinend, unverletzt , auf der letzten Stufe. Seit dieser Zeit jedoch kränkelte Mojsche und müsste zufolge ärztlichen Ausspruches jebe geistige und physische Arbeit aufgeben. ' - ' Moses war also zum Müßiggang verurth eilt. ..׳Der׳ Vater war inzwischen gestorben, und dg, Mojsche absolut ,,für dj.e-Gassi" nicht fähig war, und außerdem fem.Bildungsgrad dies' ,.nicht züließ, so׳ ivurde das Geschäft von der' alten Frau allein geführt : ־ . - ׳1:;••׳.; ־ (Schluß folgt.) , . ' \ ' - *) Einin Böhmen-berden Kindern-belicHtks Splcl'mit einM kleinen-, . zngesch'nitzteü>Hplze>^ welches :durch ein g.röstereK>Ivom; Erdboden 7aus,-;weZ-; ut;:: nrnorZ rM:lm «d ci::: nr-r-r ■mlax