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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-03-11 · Heft 8 (11.3.1896) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 8 (11.3.1896)
Date
1896-03-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8. Vesterreichisch-ungarische Lantoren-Ieitung. Seite 3. wie die körperliche Pflege der zarten׳ Liebe beider Eltern überlassen bleiben,, weil nicht -alle Eltern die Wichtigkeit derselben zum Heile des Kindes erkennen. Die Zeit der religiösen Reife beginnt bei dem Knaben nach zurückgelegten 13. und bei den Mädchen nach dem 12. Lebensjahre..*) (Tr. Abot. 5, 24.) Vom 14. Jahre ist der Knabe als ein ״Bar-Mizwah" (ein Sohn der Pflicht,) d. h. unter der in der Bibel auf Religionsverletzung angedrohten Strafe verpflichtet, Gottes Gebote zu üben. Es ist hiemit die Pflicht des Vaters, seinen Sohn 1—2 Monate früher zum Anlegen der Philakterien (s'^ON) anzuhalten, und ihm nachdrücklichst zu befehlen, dass er streng religiqs leben soll. Jener Sohn aber, der blos einige Monate vor dem 14. Jahre zur Confirmationsfeier vorbereitet wird, die seit neuester Zeit darin besteht, dass der Confirmand die Benedictionen über die Th.ora in lateinischen Lettern vorspricht und in einer schönen Rede der heiligen Religion seiner Väter treu zu bleiben verspricht, die ganze Zeit vorher aber zur Hebung der jüdischen Religionsgesetze nicht angehalten wird: dieser Sohn wird kein Bar Mizwah, sondern ein Bar-Awerah, ״ein Sohn der Sünde", und seine Eltern werden von ihrer schweren Verantwortlichkeit vor Gott niemals dispensirt werden. Es ist daher Pflicht der Eltern, ihre Kinder täglich Morgens und Abends zum Hebräischbeten anzuhalten, damit sie zur Bar- Mizwah ׳ die Brochoh und Haftorah im Urtext, aber nicht nach lateinischen Lettern sprechen können. Selbst auf die Gewissheit, dass das Kind nach Entfernung vom Elternhause die religiösen Ceremonien nicht halten wird, dürfen dennoch die Eltern die jüdisch-ceremonielle Erziehung nicht weglassen, zunächst, um sich' keine Vorwürfe wegen dieser Vernachlässigung machen zu müssen, und zweitens, weil die in unserer Kindheit genossene religiöse Erziehung niemals ganz nutzlos bleibt. ״Du kannst die religiöse Erziehung nie ganz vollenden; aber du darfst dich auch.nicht von ihr wegwenden." (Spr. d. Väter, 2, 16.) Nr/ 5. ״Gieb ihm — Gott — die Seele so zurück, wie sie dir gegeben wurde!" (Tr. Sabbat 152.) Lehre. Diese Ermahnung, die Seele so rein zurück zu geben/ wie sie uns gegeben würde, ergeht an jeden Menschen, dass er eine solche Lebensweise führe, um seine Seele so rein zurück geben zu können, wie sie ihm von Gott gegeben wurde. Deshalb haben schon die Eltern die Pflicht, ihre Kinder derart zu erziehen, damit sie späterhin die Selbsterziehung fromm fortsetzen und ihre Seele rein zurückgeben können. ״Wenn das ganze Menschenleben eine fortwährende Erziehung des ganzen Menschen für das Reich Gottes sein soll, so ist es klar, dass kein Theil des Lebens, vornehmlich aber nicht die Jugendzeit hiervon ausgeschlossen werden kann." (Kellner.) Wenn aber die Kinder eine schlechte Erziehung erhalten, dann werden sie kaum ihre Seele rein zurückgeben können.. Denn wenn selbst von solchen Kindern, die eine fromme Erziehung genössen, manche späterhin unreligiös leben, wie viele erst von jenen Kindern, die schon in ihrem Elternhause keine fromme Erziehung genossen haben. In der angeführten Stelle, dass man die Seele so rein zurückgeben soll, wie sie uns ,gegeben wurden, desavouirt der *) Der Talmud erklärt also übereinstimmend mit den modernen Pädagogen,. dasK der Frauenverstand früher als der der Männer sich entwilkelu (S. Tr: Nrdah! 44:-)-Aber^ zu tiefsinnigen theologischen- Contraversen und Auffassungen sind die meisten Frauen nicht geeignete Ausnahmen nennt uns der Talmud, wie z. B. Jalse und Berura, die große theologische Kenntniße besaßen. Talmud — wie alle nicht clerikalen Pädagogen — das christliche Dogma von der Erbsünde, nämlich dass die Sünde Adams im Paradiese sich auf alle Seelen erstreckte, die demnach' mit dev Sünde befleckt zur Welt kommen, von der sie nur durch die Taufe im Glauben an den christlichen Religionsstifter, als ein Gnadengeschenk ohne eigenes Verdienst, gereinigt werden können. (Röm. 5. 12—20.) Aber der Talmud, wie schon die Bibel und die moderne Pädagogik lehren, dass jeder Mensch eine reine Seele mitbringt und zufolge seiner Willensfreiheit durch Befolgung der Lehren der > Vernunft, wie besonders der göttlichen Offenbarungslehre von Sünden rein bleibt, eventuell rein werden kann. ״Fürwahr, wenn du dich besserst, dann erhebst du dich, und wenn du dich nicht besserst, so lagert vor dir die Sünde, und beherrsche sie." (Gen. 4, 7.) ״Wodurch kann der Jiingling rein bleiben auf seiner Lebensbahn? Antw. ״Wenn er beobachtet deine Lehre." (Ps. 119, 9.) ״Derjenige ist von der Sünden- Herrschaft ftei, der sich mit der Gotteslehre beschäftigt." (Ab. 6, 2. und Tr. Nidah. 30.) ״Die Menschen kommen zur Welt weiß wie der Schnee, nur von der Sünde werden sie schwarz gefärbt. (I. Paul.)" (Fortsetzung folgt.) Eine neue Bibel-Tvnrordan;. Ein Werk hat soeben den Druck verlassen, welches ein Monument des jüdischen Wissens und Fleißes genannt zu werden verdient. Wir meinen die hebräisch-chaldüische Bibel- Eoncordanz von Dr. Mandelkern im Verlage von Beit & Co. in Leipzig, 1532 Seiten in Folio. Was ist eine Bibel-Concordanz? dürfte gar mancher Leser fragen. Es ist eine Art Wörterbuch, welches aber nicht nur jede Wurzel der hebräischen Sprache in alphabetischer Ordnung enthält, sondern alle Sätze zusammenstellt, in denen ein und dasselbe Wort in irgend einer Forrn vorkommt. Auf diese Weise ist es, bei dem beschränkten Gebiet des althebräischen Schriftthums, sehr leicht festzustellen, nicht sowohl was für ein Sprachschatz in den heiligen Schriften enthalten ist und w elch e Wortformen uns dort begegnen, sondern namentlich in welcher Verbindung die Worte gebraucht wurden, wodurch häufig auch die verschiedensten Bedeutungen der ein zelnen Worte in ihrer jeweiligen Verbindung deutlich hervortreten. Merkwürdigerweise ist die erste Bibel-Concordanz nicht zum Zwecke der Bibelforschung abgefasst worden, sondern — um als Werkzeug bei den Religionsdisputationen zu dienen, damit die streitenden Parteien für ihre Ansichten die Belegstellen aus der Bibel sofort zur Hand hätten. Natürlich war es dabei nicht nöthig, ja nicht einmal zweckmäßig, die Concordanz in ihrer Originalsprache abzufaffen, da die Disputationen in lateinischer Sprache geführt wurden. So wurde denn die erste Concordanz im Jahre 1244 von Hugo di Santo Caro mit Hilfe von 500 Dominikanermönchen auf Grund der Vulgata, der lateinischen Bibelübersetzung des Hieronymus (385—405) lateinisch zusamengestellt. Ein ähnliches Werk wurde 1290 vom Pater A r l o t o verfasst. Erst anderthalb Jahrhunderte später sah sich Jsaac Nathan gezwungen, das Wertzeug der christlichen Disputatoren auch dem jüdischen zugänglich zu machen, und so entstand׳ in den Jahren 1437—1448 eine hebräische Uebersetzung des umfangreichen Werkes und wurde unter dem Namen Meir

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