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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-03-11 · Heft 8 (11.3.1896) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 8 (11.3.1896)
Date
1896-03-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 8. gelingen will. Hier müssen klassische ErinnerungM aushelfen. Demosthenes, der große griechische Redner, litt bekanntlich auch einst an diesem -fatalen Gebrechen, jund er überwand Lasselbe dadurch, dass, er sich in einer Höhle Mnsperrte, sich die eine , Hälfte seines viereckigen Charakterckopfes kahl rasirte und mtt! Kieselsteinen im Munde darauf losredete. Die stimmbegabten Damen 'der amerikanischen Haute-volee gehen nicht gerade so radikal vor, wie Papa Demosthenes. Sie lassen ihre prächtigen blonden und schwarzen Haare ungeschoren, auch stopfen sie sich - beim Singen keine Kieselsteine in den kleinen Mund, sondern — Korke. Es thut Einem, wenn man zufällig der Stubennachbar einer ^amerikanischen Primadonna ״in spe״ ist, in der Seele wohl und weh, dieselbe oft stundenlang mit seltener Ausdauer Arien ableiern zu hören, als wenn sie Klöße im Munde hätten. Zu lebhaftes Minenspiel — von ungalanten Spöttern - Grinrassenschneiden genannt — ist ebenfalls eine weitverbreitete Schwäche angehender Sängerinnen. Diesen Fehler kurirt man mit einen Streichholz, das die Singende beim Neben vor dem Spiegel krampfhaft mit den Zähnen halten muß. Sobald das Gefühl die Musenjüngerin wider ihren Willen übermannt, und sie ihr Mündchen zu einem ihr Antlitz entstellenden Spiel der Muskeln verzerren will, fällt das Streichholz, und ein wenig schmeichelhaftes Spiegelbild kommt auf der Quecksilberfläche zum Vorschein. Beide Vorfälle brauchen sich in der Regel nicht häufig zu wiederholen, bis die eitlen Evastöchter diesen Fehler überwunden haben' Das Studium des dramatischen Gesanges stellt aber an die zukünftigen Calva's und Nordica's auch viel ernstere Anforderungen, als die Uebungen mit Korken und Stteichhölzern. Abgesehen davon, dass Musik und Gesang im engeren Sinne — Notenlesen, Transponiren, Trillern, Vocalisiren und sonstige Srimm-Modulationen — gelernt sein wollen, müssen die Gesangselevinnen auch Mimik-, Deklamaüons-, ja sogar Fecht-, Turn- und Tanz-Unterricht genießen, wenn sie darauf Anspruch erheben, einst auf der Bühne zu erscheinen. Sie müssen eben alles treiben, was Virtouse und Schauspieler alles erlernt haben müssen — die absolute Beherrschung des Instrumentes, d. h. ihrer Stimme und freies ungezwungenes und ausdruckvolles Auftreten und Geberdenspiel auf den Brettern, welche die Welt bedeuten. Es ist daher begreiflich, dass Jahre des Studiums und oft auch Jahre der Praxis erforderlich find, bis eine solche Künstlerin den Zenith ihrer Gestaltungsfähigkeit erreicht. Nur wenige Ausnahmen giebt es vou dieser Regel — die sogenannten Naturstimmen. Diese Lieblinge des Schicksals, zu denen die Lucca, die Patü, die Artot und andere Primadonnen gehören, die schon als junge Mädchen im Triumphzug die ganze eivilifirte Welt durchzogen, bringen bereits Alles auf ihren glorreichen Lebensweg mit, was Anderere erst durch angestrengtes Arbeiten sich zu eigen machen. Wenn ein solches Meteor aüftaucht, das die Technik des Gesanges durchs bloßes Hören erfasst und mit genialer Schöpferkraft die Gestalten des Tondichters zu beleben versteht, dann haben die Lehrer weiter nichts zu thun, als ihre Schülerinnen mit ihrem Repertoire vertraut zu machen, was häufig in wenigen' Monaten geschehen ist. Merkwürdigerweise hat es sehr kundige Profefforen gegeben und es giebt wahrscheinlich auch heute noch, welche diese sporädisch erscheinenden Leuchtsterne am Gesaugshimmel nicht auf den ersten Blick zu erkennen vermögen. Christine Nilssön, die schwedische Nachtigall, müßte es eAÄben, dass sie׳ nachsechsjährigem Studium als ״unfähig" 'ausgestoßen würde. Wenige Monate später lag der Diva ׳ganz Paris zu Füßen. Hermine Wild tteß -sich durch das ab sprechende Urtheil von Wiener: Musikgrößen. zehn Jahre: lang von jeder Bühnenthatigkeit abschrecken, bis widrige Lebensschicksale sie zwangen, sich ihrer Stimme.zn erinnern. - Dann wurde sie die erste dramattsche Sopramstin:her Welt und wachte -eine glänzende Karriere, die mit goldenen Lettern in den. Annalen der Musickgeschichte verzeichnet ist. Dies zum-Trost für enttäuschte,Aspirantinnen..auf ewigen Ruhm. Vielleicht steckt in ihnen trotz aller bitterer.Kritik, die sie haben hören müssen, noch eine Nilsson.oder eine Wild. . aus dem Talmud und den Midraschim nebst Parallelstellen aus der Bibel und aus Schriften׳ moderner Pädagogik. Von Israel Singer, autor. Rabbiner, Neligionsprofessor am Obergymnasium zu S. A. Ujhely. (Fortsetzung.) Nachdruck Verboten.- Diese Lehre des Talmud, dass die Eltern bei Verpflegung unb Belehrung ihrer Kinder auch eine religiös-ethische Pflicht üben, ist und war bei den Israeliten von bestem Erfolge auf die allgemeine, religiös-ethische Erziehung der Kinder; weil sie; hiebei vorzüglich das' religiös-ethische Ziel verfolgten, dass ' religiös-sittliche Menschen wie auch treue Anhänger der israelitischen Religion aus ihnen werden. Dieses Ziel ist ein wahrer Gottesdienst. Es wurde sehr selten verfehlt. Und wenn es etwa nicht ganz erreicht wurde, so konnten die Eltern ihres Lohnes von Gott gesichert sein, zu dessen Ehre sie ihr Kind! Kind zu erziehen strebten. Aber jene Ellern, welche ihre Kinder blos zu egoistischem, eigennützigem irdischem Ziele erziehen, damit das Kind den Eltern möglichst bald eine irdische Stütze sein solle, .entwürdigen die religös-sittliche Persönlichkeit des! Kindes, indem sie, wie die alten Griechen und Römer, die Kinder als eine Sache oder Waare betrachten, an der sie Gewinn . haben können. Und wenn sie dies ihr Ziel nicht erreichen, dann ist ihre Mühe ganz nutzlos. ״Auch Kinder sind eine ׳ Gottesgabe." (Psalm 128, 2.) Daher müssen, sie auch für Gott erzogen werden. ״Aus dem Munde der Kinder hast du, Ewiger, deine Macht begründet." (Ps. 8. 2.) ״Es giebt nichts Göttlicheres, als die Erziehung der Kinder." (Plato.) Deshalb sind .die.! Frauen, weil sie den wichtigsten Einfluss auf die Kindererziehung) üben, von vielen gottesdienstlichen Handlungen dispensirt. )״Die frommen Eltern beten täglich zu Gott um seine Hilfe zum Gelingen der Erziehung ihrer Kinder." ״Ein Vater soll zu Gott : an jedem Tage beten: Herr! lehre mich, deine Stelle vertreten!" (Rückert.) Nr. 4. Rabbi Elieser lehrt: ״Der Mensch muß sich mit seinem Sohne*) im Unterricht und Erziehung bis zur Vollendung des 13. Jahres befassen, dann spreche er: ״Gelobt sei Gott.! der mich nunmehr von der Strafe für diesen meinen Sohn dispensirt hat." (Midr. Rah. 1. B. M. 63. Abschn.) Lehre. Mehr als die körperliche - Pflege macht der Talmud, wie auch die Bibel, die religiöse Belehrung und Erziehung dem Vater zur heiligen Pflicht. Denn diese konnte .nicht *) Der Talmud und die Bibel sprechen zumeist von-Erziehung des Sohnes durch seinen Vater, weil hiermit zugleich diesem, der..Unterricht in der Gotteslehre geboten ist,;wpvM die Mütter und .Tochter dispensirt sind. Aber auch, die.Mädchen .müssen!religiös-sittlicher.Erziehung und der diesbezüglichen Belehrung,thetthaMg,nzerdeu.. - , . ’

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