Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 7 (1.3.1896)
- Date
- 1896-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung Seite 5. Israeliten, die Gott bei seiner Offenbarung auf dem Berge Sinai vor 3200 Jahren zu Erziehern und Lehrern der Menschheit bis an das Ende der Welt erwählt hat, folgende besonders wichtige Lehren: a) . Dass wir durch strenge Beobachtung der Gotteslehre, zu deren Verbreitung wir erwählt wurden, uns würdig zeigen, Erzieher der Menschheit zu sein und das auserwählte Gottesvolk genannt zu werden, wie dies unsere Vorfahren durch ein fast zweitausendjähriges Martyrium musterhaft bekundet haben. Durch Beobachtung der Thora heiligen wir den Namen Gottes, aber durch Nichtbeobachtung entweihen wir ihn. ״Und sie kamen unter die Nationen, wohin sie kamen, und entweihten meinen heiligen Namen, indem man von ihnen spricht: Das Gottes- Volk sind diese und aus seinem Lande sind sie gezogen!" (Ezechiel 36. 20.) b) . Wir sollen unsere heilige Mission bescheiden und still zu vollziehen streben. Nicht durch Bekehrungspredigten, oder Missionsschriften, um Anderen ihre Religion verächtlich zu machen und sie zum Uebertritt zu unserer Religion zu gewinnen, was nach dem Talmud (Jeb. 64) verboten ist. Wir sollen diese erfüllen durch Beobachtung — nebst den speciellen Ceremouialgesetzen, welche auch ethische Zwecke haben — und durch strenge Einhaltung der allgemeinen heiligen Rechts- und Humanitätspflichten gegen Jedermann, ohne Unterschied der Confession. ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Dies ist eine Grundlehre der Thora. Dies ist das Lehrbuch von der Geschichte des Menschen, diese Worte bilden eine umfangreichere Grundlehre unserer Religion, weil sie eine einheitliche Abstammung aller Menschen lehren. (Gen. 5, 1, HI. M 16,18, Tr. Sabb. 31 u. Midraschim z. St.) ״Siehe, da, meinen Knecht, meinen erwählten, ich finde an ihm Gefallen; er schreit nicht, er erhebt sich nicht, er ist nicht stolz; er lässt seine Stimme draußen, auf dem Weltmarkt, hören. Er ist ein geknicktes Rohr, nachgiebig und demüthig, das nicht bricht; ein dunkler Docht, Stammmhaltern heutigen Tages findet, allein seine äußere Erscheinung war in ein für seine Verhältniße passendes ״Futteral" gesteckt. Der Herr Lehrer wollte sich wahrscheinlich bei dem Herrn Schulrevisor die ״Klinge putzen", weshalb er seinem Söhnlein lobhudelte und als derselbe einmal mit Mojschele Hand in Hand aus der Schule gieng, sprach der würdige Mann zum Kinde des Herrn Revisors: ״Wirklich heute hast du einsehr schönes Kräuserl".— Mojschele dachte freudenvoll dieser Lobspruch gehöre ihm, trotz Mangel eines Halskräuserl, und sagte dem Lehrer: ״Das Hab ich von der Mutter!" Allein der Lehrer schnauzte ihn an: ״Schweig du, du- Nichtsnutz!״ Da Mojschele jedoch nicht einsehen konnte, warum er eines Halskräuserls wegen ein Nichtsnutz sein soll, prügelte er das Bübleiu des Herrn Revisors windelweich durch. — Mojschele wurde darum als unverbesserlicher Nichtsnutz aus der Schule gestoßen. Da Mojschele jedoch weiter lernen musste, gaben ihn die Eltern in die böhmische Schule. Er verstand natürlich kaum ein Wort, in Folge dessen er sehr elende Fortschritte machte. Die Lehrer hielten ihn für einen Leichtsinn, trotzdem er sich genug plagte, für unsittlich und höchst unverträglich, weil er sich stets ״handgreiflich" vertheigte, wenn ihn die Burschen neckten und zerrten, und er in Folge mangels an Worten fest dreinhieb. Und dass es bei Mojschele an Gelegenheit und Ursache nicht fehlte, ihn zu necken und zu reizen, wird jeder zugeben, der sich seiner zu erinnern weiß. Eine Personsbeschreibung entfällt vollständig, wenn ich ihn als Typus eines ״Prager Jüngele" hinstelle, jedoch im entgegengesetzten Sinne. (Fortsetzung folgt.) der nicht erlischt, zur Wahrheit führt er das Recht. Er wird nicht ermatten und nicht gewaltig dringen, bis er hingestellt ha auf Erden das Recht, und auf seine Lehre werden Eilande harren." (Proph. Jes. 42, 1—4.) Dass wir durch Einhaltung unserer Mission schon Großes erwirkt, aber noch zu wirken haben, ist unter vielen aus nachfolgenden Aeußerungen zu ersehen: ״Die Hebräer sind gewissermaßen, sowohl durch das Christenthun!, als durch den Mohamedanismus eine Unterlage des größten Theils der Weltanfklärung geworden." (Herder: Ideen zur Geschichte der Menschheit. III. Theil, 76—77.) ״Die Mission der Juden ist in der Geschichte der Menschheit noch nicht zu Ende; die christliche Welt mag noch immer ein Interesse daran haben, zu hören, wie der sterbende Jude die noch immer verkannte Wahrheit von dem einzigen Gott bekennt." (Caquerel, ein berühmter Protest. Theologe.) Nr. 2. ״Den Sinnestrieb, das Kind und die Gattin soll man mit der linken Hand von sich weisen, aber mit der rechten an sich ziehen". (Tr. Sota 46 u. Sanhedr. 107.) Lehre: Mit diesem Satze lehrt der Talmud, wie unsere ganze Religion überhaupt, dass wir in unserem Lebenswandel die goldene ״Mittelstraße" wandeln sollen; denn alles ״Zuviel" oder ״Zuwenig" ist schädlich. Hinsichtlich der Kindererziehung lehrt er uns, dass man die Kinder nicht allzu streng, aber auch nicht allzu nachsichtig behandeln soll. Man darf ihnen nicht alle ihre Wünsche, selbst die unschuldigen, immer nachgeben, damit sie frühzeitig Entbehrung lernen; aber auch nicht alle unschuldigen Wünsche versagen. Man soll das Kind nicht zu viel liebkosen, aber auch nicht stets unfreundlich von sich weisen, wir dürfen ihnen nicht ganz unsere Liebe zeigen, selbst wenn sie solche verdienen; aber sie auch nicht ganz verstoßen, selbst, wenn sie es verschulden, wie der Priester Eli und König David thaten. (I. Sam. 2. 23. II. S. 14. 24.) ״Kinder soll man so ziehen, dass der Apfel bei der Ruthe liegt." (Luther). Auch die in unserer Textstelle hinsichtlich der Erfüllung unserer Bedürfniße und der Behandlung der Gattin befohlene Einhaltung der goldenen Mittelstraße ist, abgesehen von Raschi's Erklärung, für die Kindererziehung höchst nöthig. Der Vater lehre durch sein Beispiel sein Kind, dass wir die von Gott in uns gelegten verschiedenartigen, ja entgegengesetzten Triebe mäßig nähren müssen; sonst kann der weise Zweck des Gebers nicht erreicht werden. ״Gewöhnet eure Kinder früh, ihre Wünsche beschränken zu lernen, denn nur der Genügsame ist reich." (I. Paul.) Aehnliches gilt von seiner genannten theilweisen Nachgiebigkeit gegen die Gattin, d. h. gegen die Mutter. Denn der Vater strebt allgemein blos die geistigen Triebe des Kindes auszubilden, die Mutter dagegen die physischen. Wenn der Mann seiner Gattin nichts nachgäbe, so würde das Kind einseitig erzogen werde,!. Aber durch seine Nachgiebigkeit erhält »das Kind eine gleichmäßige Erziehung. Dies deutet schon die Bibel an mit den Worten: ״Ich — Gott — will ihm, dem Manne, eine Gehilfin machen, ihm entgegen", d. h. durch beiderfettige Nachgiebigkeit soll eine hilfreiche Harmonie entstehen. (1. B. M. 2. 18.) Gelingt diese Harmonie, dann ist die Gattin eine Hilfe; aber wenn nicht, so verzehrt sie das Feuer der Zwietracht. (Die Midraschim z. St. Tr. Kiddusch 17 und Joma 72.) ״Väter seid Mütter! und Mütter seid Väter! Denn nur beide Geschlechter vollenden das Menschengeschlecht." (Jean Paul.) ״Die ganze Erziehung muß auf eine gleichmäßige Ent- Wickelung und Ausbildung der sinnlichen und geistigen Lebens-