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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-02-21 · Heft 6 (21.2.1896) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 6 (21.2.1896)
Date
1896-02-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 6. 1 Theil S. 98) schr treffend: ״Mcht der Chorgesang stieß auf hartnäckigen Widerstand, sondern das durch denselben bedingte Schweigen der Gemeinden, die allerdings gegen den Willen des; jüd. Gesetzes gewöhnt waren, thätigen, schreienden und lärmenden; Antheil an dem Vortrage der Gebete zu nehmen. Und doch muß Zeder Lei ruhiger und besonnener Untersuchung einräumen,• dass die gesangsunkundigen Gemeinden schweigen müssen. —: Nur Eines, sagt Dr. Jellinek, hat man in der Hitze des Augenblickes; vergessen, die Heranwachsende Jugend in den religiösen Gesängen unterrichten zu lassen. Wohl wird der Gesang in der jüd. Familie gepflegt, die Gesänge Zions aber blieben fremd den Söhnen Md Töchtern in Israel." Diesem Uebel soll nun der Jugend-Gottesdienst abhelfen. Drittens soll die männliche Jugend in den Eulogien bei der Verlesung aus der Thora, wenn sie zu derselben gerufen werden, eingeübt fein und ihren jüdischen Namen wie den ihres Vaters frühzeiüg wissen; denn es geschieht nur zu oft, dass Männer zur Thora gerufen. werden, die weder die Eulogien fagen, noch ihren jüdischen Namen angeben können, was doch eine Schmach ist. Und da das weiche Gemüth der Kleinen besonders durch die Macht des Gesanges angeregt und religiös gestimmt wird — wie der Talmud erzählt, als Israel sein erstes Lied am rochen Meere ansümmte, ergriff es die Herzen der Kleinen so mächüg, dass sie vom Schoß chrer Mutter sich erhebend, niitsangen — so soll der Chorgesang bei dem Gottesdienste ■ das mächtigste Mittel sein, die Kinder zu erbauen und zu begeistern.-Der Gesang soll Einfachheit, Einheit, Einklang, Regel, Wohllaut sein, er darf nicht komplizirt sein, sondern muß dem Sinne und dem Verständniße der Kinder angemessen sein. Es verdient hier rühmend erwähnt zu werden, dass der hiesige wackere Herr Lehrer Ignatz Kellner ein Gesangsbuch imter dem Titel ״Sabbath-Gesänge für den Jugend-Gottesdienst" verfasst hat, das sich sehr gut bewährt. Die Gesänge sind dem Gemüthe der Kinder anpassend, einfach und harmonisch, aumuthend und sehr erbauend und finden bei allen Kunstkennern großen Beifall. Dieses Büchlein verdient weithin empfohlen zu werden, denn es trägt viel zur Erhebung und Feierlichkeit des Jugend-Gottesdienstes bei. Auch die Homilie vom Religionslehrer an die Jugend sei der Auffassung der Kinder angemessen: einfach, fasslich, deutlich und klar. Die Homilie mache den Text selbst zum Thema und bringe, ohne sich an eine logische Ordnung der Theile zu halten, wie bei Predigten, die einzelnen Gedanken, nacheinander zur Sprache, um sie zur religiösen Belehrung und ErbaMNg anzuwenden. Die Lehre unserer Rabbiner, man soll in einer reinen, verständlichen Sprache und in wenigen Worten lehren, ist besonders beim Jugend-Gottesdienst anzuwenden. Und so möge der Jugend-Gottesdienst eine Vorschule sein für die Erwachsenen im Tempel, dass daselbst ehrfurchtgebietende Ruhe und weihevolle Andacht herrsche, dass es sich bewähre. בהיכלו כלו אומר כבוד Siklos, 11. Feb. 1896. Aron Roth, Bez.-Rabbiner. Pädagogische Aphorismen aus dem Talmud und den Midraschim nebst Parallelstellen aus der Bibel und aus Schriften moderner Pädagogik. Von Jsrael Singer, autor. Rabbiner, Religionsprofeffor am Oberghmnasium zu S. A. Ujhely. Nachdruckverboten. Pädagogische Aphorismen sind kurzgefasste Grundsätze über Erziehung der Kinder. Ihr Vorzug gegen dickleibige Bücher über Erziehung besteht darin, dass sie die Lehren über Erziehung präcis und klar geben, während in den genannten Büchern der Leser die gesuchte Lehre erst herausfinden muß, was mehr Zeit und mehr Aufmerksamkeit vom Leser erfordert. Wir unternahmen es daher, die in den vielen dicken Talmud-Folianten und Midraschim zerstreut liegenden Erziehungslehren, von denen manche selbst kundigen Lesern, wenn sie nicht zugleich mit pädagogischen Schriften vertraut find, kaum als Erziehungslehren erscheinen, zu sammeln, um sie auch Laien nutzbar zu machen. Sie unterscheiden sich von anderen pädagogischen Aphorismen-Sammlungen, vorzüglich darin, dass jene uneinige Gedankenkollecten bilden, indem die Autoren zumeist verschiedenen Zeiten, Ländern, Culturstufen und Religionsbekenntnißen angehörten, weshalb auch ihre Ansichten über Religion, Tugend, Staat, Humanität, Zweck des Menschendaseins, über seine verschiedenarttgen Pflichten, über das Familienleben und hiemit auch über Kinder-Erziehung oft weit von einander abweichen. Beiden Talmud- und Midraschlehrern, obwohl verschiedenen Ländern und Zeitaltern angehörend, herrschte aber dennoch in den erwähnten auf die Kindererziehung Einfluß übenden Factoren ein ganz gleicher, einiger Geist, nämlich der Geist der mosaischen Religionstugend und Sittenlehre. Die Worte der Weisen sind übereinstimmend, denn sie alle sind von einem Hirten — Moses — gegeben. (Pred. 12. 11.) Nebst directen Erziehungslehren enthalten diese Aphorismen ־ auch anderweitige wichtige Religions-, Tugend- und Sittenlehren , und darunter viele von allgemeinem Werthe, aus denen gleichzeitig klar zu ersehen ist, dass der Talmud kein corrumpirendes Werk ist, wie die corrumpirten Judenfeinde zur Ver- : hetzuug der unwissenden Masse ausposaunen. Im Gegentheil alle jenen Tugenden, die uns selbst unsere böswilligen Feinde nicht absprechen können, lehrt uns der Talmud. Dies . haben auch wahrheitsliebende christliche Talmudkenner jederzeit eingestanden und ihn kräftig vertheidigt. Zu diesen Vertheidigern gehören unter Anderen unsterbliche Celebritäten, wie Buxtorf, Reuchling, Michälis. Eichhorn, Fr. Delitzsch, Strack, Wünsche. Für nicht talmudkundige Leser dürften nachfolgende Zeilen über den vielseitigen Inhalt des Talmud, dieses colossalen Werkes, das in der bekannten Welt-Litteratur seines Gleichen nicht findet, nicht nutzlos sein. Der Talmud enthält Erklärungen des alten Testamentes und der jüdischen Tradition. Er ist nebenbei bemerkt auch zum richtigen Verständnis des Neuen Testamentes unentbehrlich. Alle daselbst gelehrten, erhabenen Tugend- und Sittenlehren stehen schon im Talmud. Ja, über solche, die dort ganz fehlen oder nur sehr wenig behandelt sind, wie z. B. über Thierqual, Jugend-Unterricht, Behandlung der Dienstleute, über die enthält der Talmud umfassliche Gesetze und Lehren. (Ausführlicher hierüberin unserer fast druckfertigen Schrift ״Die Priorität Israels im Gebiete der Pädagogik und Didactik.") ׳ Der Talmud umfasst überdies alle wissenschaftlichen Disciplinen, die theilweise schon vor 1800 Jahren bekannt waren oder auch erst viel später bekannt wurden, so Astronomie, Astrologie, Mathematik, Geometrie, Psychologie, Archäologie, Philosophie, Naturwissenschaften, Arzneikunde, Kabalah-Geheimlehre über Gott, über seine Weltschöpfung und Regierung, über Geschichte, Geographie, Erd-, Länder-, Völker- Sprachkunde, Lehren über Agricultur, Handel und Jndusttie; geistreiche ׳ Fabeln, Parabeln, Sitten-, Klugheits- und Anstandslehren. Ja, wir können behaupten, so paradox es anfangs scheint,

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