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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-02-11 · Heft 5 (11.2.1896) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 5 (11.2.1896)
Date
1896-02-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 5. Seite 4 Vesterreichisch-ungärische Lantoren-Zeitung. .Wenn dies, auch nicht, so kann vielleicht dieser echt Mische Schatz für Oratorien verwendet werden.. Ist es noch nie einem Mischen Eomponisten eingefallen, die Zerstörung Jerusalems in einem Oratorium zu betrauern? Der Text liegt vor inKarpeles' Geschichte der jüdischen Litteratur. Was giebt es da für. Sceneu l Jeremia auf dem Grübe der Erzväter und. Erzmütter; er fordert sie auf, für ihre Kinder zu beten u. s. w. Aber merkwürdiger Weise giebt es auch Melodien von hinschmelzenderWehmuth, während der Text davon gar nichts enthält, z. B. das alltägliche Maariw, das auch am Feiertag anders lautet und an den frohen,, und . an den ernsten Festabenden wieder ganz anders, nähmlich der Gesammstimmung des Betenden gemäß. Indem der Jude Abend für Abend Gottes Allmacht Preist, der den Tag vorüberrollen lässt und die Nacht Heraufführt, kann er nicht so ohne Weiteres das Leid, das ihn drückt, von sich abschütteln. Anders jedoch an den Festabenden, wo sich sein Geist über das Altagstreiben erhebt. Doch gleichviel, was mit all den. Liedern gemacht werden könnte: zunächst heißt es, diefelberr sammeln in wissenschaftlichem Interesse. Ich meine auch, dass jene Melodien (selbst wenn sie gar nicht schön fein sollten und mir nur so schienen) durchaus individuell charakteristisch jüdisch sind und sich nirgends wieder in solcher Weise finden. Gewiss hat mancher Cchasan aus den Liedern des Volkes, innerhalb dessen er lebte, und noch mehr aus Opern, allerlei Arien in die Synagoge getragen, wie mancher Küster in die Kirche. Diese fremden Dinge sind leicht erkennbar, wie auch die eigenen Kompositionen dieser Vorsänger in fremdem Styl. Nur lasse man sich dadurch nicht ohne Weiteres zu der mehrfach aufgestellten Behauptung verleiten, dass die jüdischen Gesänge von den Juden nur angenommen, aber nicht geschaffen seien, sondern von allerlei orientalischen und europäischen Völkern stammen. (Forts, folgte) Bilder aus der K'hille. Lose Blätter von M. Rosenscld, Pisck. Wohl sind es schon Jahrzehnte her, dass mir die zu zeichnenden Figuren wirklich und lebendig fast täglich begegneten, Gestalten, wie׳ sie vor Zeiten in fast jedem größeren jüdischen Gemeinwesen vorkamen, Auswüchse der Gesellschaft, die den Beschauer und Beobachter in keiner Weise geniren, ihm vielmehr ein mitleidiges Lächeln abgewinnen. Sie gehörten mit zu den Wahrzeichen der alten K'hille, und so will ich es versuchen, einige derselben dem Leser vor Augen zu führen. 1. Der Brochosfänger. Ich darf es ohneweiters verrathen, dass die Komiker wider Müen, von denen ich sprechen will, in der Gemeinde Altofen lebten. Da war zuerst Reb M o r d ch e, ein weit über Mittelgröße hochgewachsener Mann, mit langem, spitz auslaufendem Bart. Er hatte jahrein, jahraus eine an einem Riemen befestigte Büchse umgehängt. Welchem Zwecke die eingeworfenen Münzen zugeführt wurden, ist mir unbekannt. Er war der Führer und stete Begleiter von Reb Jtzig Rechnitz, der ganz erblindet war. Von diesem hieß es, dass er die Jozros vom ganzen Jahre auswendig wusste. Genannter Reb Modche, dem ein Spottvogel auch den Namen Baldowor beilegte, war der eigentliche Brochosfänger.. Täglich, Winter wie Sommer, war er der Erste in der Synagoge. Hier stand er auf der Lauer. So wie er von einem Beter die nach Jigdal stehenden Brochos laut sagen hörte, lief er schnell hinzu, um das borucb du uworiicii schmo-omen nachzusagen. So gieug er von einer Bank zur andern, um überall die Brochos abzufangen und seine Responsen anzubringen. Nur einmal kam er übel fort. Als er eines. Morgens wie gewöhnlich Die Einberufung eines jüdischen Congreffes in Ungarn. (Fortsetzung.) Wie bei jeder Gelegenheit, so oft wir eine Unterbreitung bezüglich der Regelung unserer Cultusangelegenheiten machten, halten wir es auch ׳jetzt für unsere Pflicht,' zu erklären, dass wir uns mit, der Genehmigung des orthodoxen Statuts niemals zuftieden geben.konnten. Wir haben dagegen sowohl beim Abgeordnetenhause, wie bei den Vorgängern Ew. Excellenz wiederholt Einsprache erhoben 'und in' unseren verschiedenen Eingaben die Bitte vorgetragen, es mögen unsere konfessionellen Angelegenheiten durch ein Gesetz geregelt werden. Der Petitionsausschuß des Abgeordnetenhauses sagt .in dem. Berichte, welchen er im März 1880 in Angelegenheit des ungarischen israelitischen Schulfonds dem Hause, vorlegte, bezüglich der Eingabe der ungarischen israelitischen Landeskanzlei Folgendes: ״Das Gesuch der Landeskanzlei wird, insofern es die Beiseitelegung des von den Orthodoxen bezüglich der Auftheilnng des israelitischen Schulfonds unterbreiteten Petits. erbittet,, berücksichtigt. Ein anderer Punct der Petition verlangt die ehebaldige Regelung der israelitischen Cultüsgeineinden dürch ein Gesetz. Es erleidet keinen Zweifel» dass es wünschenswcrth wäre dass die israelitischen Glaubensgenossen in unserem Vaterlande eine Kirchenverfassung, beziehungsweise ein kirchliches Verwaltungsstatut besäßen, schon mit Rücksicht darauf, weil G.-A. XVII :1867 die israelitischen Bewohner des Landes mit den christlichen Bewohnern bezüglich der Ausübung aller politischen und bürgerlichen Rechte als gleichberechtigt erklärt wurden. Es wäre auch wünschenswerth, ein Gesetz zu schaffen bezüglich der Organisation der Cultusgemeinden, sowie bezüglich ihrer zeitgemäßen Umgestaltung, doch könnte man mit Rücksicht auf das Resultat des Congreffes von 1868/69 und die derzeit bestehenden scharfen Parteigegensätze gegenwärtig keinen allgemeinen beruhigenden Erfolg davon erwarten." Das Abgeordnetenhaus hat sich demnach damals in die Regelung unserer Cultusangelegenheiten gar nicht eingelassen, sondern in seiner Sitzung vom 12. März 1886 blos die strittige Angelegenheit des israelitischen Schulfonds erledigt. seine Runde machte, begann auch der Bassist Wieselmann, ein bekannter Schelm, sein boruch atoh. Flugs war Reb Mordche bei ihm aufgepflanzt, um auch nachzusagen. Statt der gewöhnlichen Brochos jedoch recitirte Wieselmann den Segensprach schekocho ngwuroso über den Donner. Nun enttub sich aber ein wahres Donnerwetter und eine Fluth von Schimpf- Worten über das Haupt des Recitators, der Segen ward ihm zum Fluche, und nie mehr von dieser Zeit an kam Reb Mordche in seine Nähe. . .׳.* . . . s. 2. Kr.irmp.S eli,g. Auch ein Original. Denke sich der Leser eine vierschrötige, gedrungene Gestalt, ganz regelmäßig gebaut, nur mit stark nach einwärts gekrümmten Beinen, ewig sarkastisches Lächeln auf den breiten Lippen, und er hat S e l i g, wie er leibt und lebt, vor sich. Dieser kräftige Mann, der vielleicht ein Handwerk gelernt haben mag, machte von diesem keinen Gebrauch, denn er hatte täglich seinen frischen Kreuzer. Und nur ein Kreuzer war es, den er von aller Welt verlangte. Er war der prononcirte Schnorrer. In seinen krüppelhaften Beinen besaß er den Freibrief dazu. Drollig war es, dass Selig Jedermann, dem er begegnete, einen Mi scbeberach vormachte, der bei seiner Ignoranz natürlich sich ganz parodistisch anhörte, jedoch immer in der Pointe ausklang: ״baawur sch'nodar e Kreizerl". Selbstverständlich erhielt er seinen Obolus. War Pester Markt, konnte man Selig von Hütte zu Hütte humpeln sehen und allenthalben seinen Niscbeberach an Mann bringen. In der Gemeinde zierte Selig jede sich bietende Festlichkeit mit seiner Gegenwart. Originell war auch seine Familiarität mit Höhergestellten. So waren wir Sänger in Wahrmänn's Begleitung, als Selig von der änderen Seite der Straße her rief: -״׳Herr Wahrmann, Sonntag hom

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