Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1896)
- Date
- 1896-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4. Mesterreichisch-ustgarisHe Lantcrren-Aeitttng. Seite 3. Ausübung zu lehren, jedem wahren, treuen und . würdigen Dertreter des jüdischen Gesetzes heilige Pflicht ist: Es ist ein großer Unterschied» ob auf jede ausgeschriebene Stelle mehrere auslMdische Bewerber'concurriren öder nicht. Vön Denen, die schön jahrelang im Jnlande wirken, ist ja diesem Zusätze gemäß leine Rede, die können auch schon gute, eingelebte Patrioten sein. Doch hievon genug, sapienti 8s.tr. Dass ich -die Interessen, des Cantorenstandes ebenso warm vertrete, davon zeugen schon meine vorgeschlagenen Zusätze zu ZK-42 und 45. Und warum sollte denn dies nicht geschehen? Ist es denn für diesen Stand nicht auch die. höchste Zeit, dass er emporgehoben werde auf ein höheres Niveau, das dieses Standes und Amtes würdig ist? Ans diesem Grunde würde ja auch vorgeschlagen, die Unwissenheit aus diesem Stande Möglichst fern zu halten, denn darin liegt in erster Reihe die Grundlage für die Erhebung, und Verbesserung der Standesstellung. Und Nun zur eigentlichen Sache. Verschwendet wäre sonst jede Mühe, vergeudet jede diesfällige Auslage, welche unter solchen Umständen die Gemeinden und deren Mitglieder sich auferlegten. Aber auch nicht Doctvren ohne Herz, Wissen und Zuneigung für's Jüdenthum, nicht bloße Salonherren mit Käppchen und Frack zur Unterhaltung für Herren und Damen, auch nicht Courmacher, Charlatane und Gaukler brauchen unsere Gemeinden, braucht das leider sehr geschwächte Judenthum, sondern nur treue Vertreter und Verfechter der Religion, bewährte Pfleger der jüdischen Wissenschaft und ihres Geistes mit Herz und Sinn, aufopferungsvolle, bewährte, leistungsfähige und leistungswillige Männer, denen jeder Schein und Trug fern liegt,..die das wahre, offene Wort nicht scheuen, die beherzt und. muthig für ihre heilige Sache einstehen, wahre Muster für Jung und Alt, die den Beifall der Menge nicht wiegen und nicht feilschen und fälschen. Mögen daher die Gemeinden s u ch e n, wohl erwägen und p r ü f eit und dann erst w äh len. Zu § 38. Der Rabbiner soll,, wenn er als solcher wiMch gelten und wirken und sich seinem Amte und Berufe vollends - hingeben svll, nicht etwa als M armseliger Marionettenfpieltzr betrachtet und behandelt werden, der seine Schau- oder Pro-; ductionsbude alle zwei, drei oder fünf Jahre vor einem anderen Zuschauer- und Zuhörerpublikum anffchlagen nmß. Auch zum Haufirer soll und darfer nicht herabgewürdigt werden, ' der seine Geisteswaaren bald da, bald dort seilbietet. Besttzt er nicht die richtige Leistungsfähigkeit, ist er in allererster Reihe nicht ein gewandter Hebräer, ein sehr guter Pentateuchet, ein vorzüglicher Liturgiker, ein standeswürdiger Character, um fein Amt dadurch vollkommen entsprechend ausüben und verwalten zu können, und um allen in der Gemeinde überlegen zu fein, dann trete er e h e st ens ab vom Schauplatze feiner Wirksamkeit. Schreiber dieses hat Gelegenheit gehabt, einen Rabbiner und Cantor zu Hören, der weder das Erste, noch das Letzte ist, aber die Gemeinde hat ihn dazu gemacht, richtiger dazu ernannt. Dieser liest u. A. ״schiwro al adonaj elohow“, ״ejnej chol ejlecho jesehaberu“, ״im jihejn chatoeiehern kanoschim“, u. s. w. Es gibt aber leider nicht Einen, es gibt solcher Viele. Welche Entstellung, welche Profanirung und Gotteslästerung in einer solchen Vortragsweise eines Cantors oder gar Rabbiners liegt, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Füllt aber ein Functionär seine Stelle standesgemäß und zufriedenstellend aus, dann wirke er, so lange er es vermag, zur Ehre und zum Gedeihen der Gemeinde, sowie zur Verherrlichung Gottes und zum Aufblühen der Religion. f0I(5t>. V. Die Einberufung eines jüdischen Longreffes in Ungarn. (Fortsetzung). In Folge dieser Denkschrift berief der Minister am 15. Jänner 1884 mehrere Vertrauensmänner zu sich, welche ihm im Aufträge der Landeskanzlei einen fertigen Gesetzenrwurfk Jakob Frank und sein Hofstaat. Von Edmund Brüll in Frankfurt a. M. In den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhundertes hielt sich bekanntlich in den Mauern Brünns ein Mann auf, der in gleicher Weise die Neugier der Menge, wie das Interesse der Edelsten und Gebildetsten im höchsten Maße erregte. Man könnte von diesem Manne mit einer Version des Goethe'schen Wortes sagen, ״wo Ihr in anpackt, ist er interessant." Ist es doch im Grunde genommen eben die Gabe, sich interessant zu machen, die Mit berechnender Schlauheit ausgetiftelte und doch in geschmack- und phantasievoller Weise zur Anwendung gebrachte Kunst, sich einen Nimbus zu verleihen, der er die Erfolge seines Auftretens verdankte, während er zu feinem Auftteten selbst von innerstem, edelsten Herzensdrange getrieben wurde. Ja ganz gewiss, jener Unendlichkeits- und Offenbarungsttieb, der zu allen Zeiten alle wahren Dichter, Künstler und Propheten zu ihren!- Auftreten und Schaffen begeistert hat, er war auch der beseelende Grundtrieb bei jenem so beklagenswerten, geistigen und sittlichen Jrrthümern anheimgesallenen. durch Selbstbettug zum Betrüger gewordenen Pseudomessias, jenem Begründer einer mystisch-kabbalistischen Religionssecte, jenem großen geistigen Flausenmacher, Taschenspieler und Falschmünzer, der in der Geschichte unter den Namen Jakob Frank mehr berüchtigt als berühmt ist. Au der Aufgabe, diesen seltsamen, originellen Charakter zu enträthseln, könnte der größte Psycholog scheitern. Er ist ebenso sehr in mystisches Dunkel gehüllt, wie seine Lebensschickfale und wie die religiösen Anschauungen, die er lehrte: Mystisch räthselhäst ist eben Alles an ihm. Man muss staunen» wie viel bedeutende charakteristische Und doch eigentlich' sich ausschließende widerspruchsvolle Bezeichnungen sich Jakob Frau hat beilegen lassen. Er war Jude, Mohammedaner und Christ» Türke, Pole und Deutscher, vertriebener Flüchtling und hochgeehrter Günstling von Kaisern und Königen, geschändeter Sträfling und unerhört reicher Nabob, Schwärmer und eminent praktischer Kopf, Idealist und Betrüger, Spiritualist und sinnlicher Genussmensch. Und wenn nun gar die genannten Eigenschaften, soweit sie sich nicht auf seine Lebensschicksale, sondern lediglich auf seinen Charakter beziehen, sich vereinigten und durchdrangen, so kann man sich denken, was für eine wunderbare Mischung dabei herauskym. Doch habe ich nicht die Absicht, eine Charakteristik Franks zu geben, noch auch eine historisch-wissenschaftliche Arbeit über ihn zu schreiben, da man ja in Brünn mehr als anderswo Gelegenheit hat. sich über ihn zu orientieren. *) Haben ja die Brünner fiir diesen Mann, der gerade während des Aufenthaltes in ihrer Stadt im Zenith seines Ruhmes stand, indem hier der Frankismüs zu einer regelrechten Secte ausgebildet wurde, von jeher das größte Interesse gehabt. Das beweist die Thatsache, dass in Brünn in den im Deutschen Hause befindlichen Sammlungen eine ״Frankiana" betitelte Abtheilung existiert. Deshalb ist auch anzunehmen, dass man namentlich in Brünn etwas von Frank weiß, und so komme ich zu meinem eigentlichen Thema, der Beschreibung eines kleinen, hochinteressanten Kupferstiches, der sich im Original — Copien existieren keine, werden aber wahrscheinlich bald angeferttgt — seit kurzem im Besitze meiner Familie befindet. Er fiihrt den Titel: ״Le Baron de Frank allant se promener envoitnre." Emil Pirazzi aus Offenbach *) Dick.r Aufsatz wurde ursprünglich für den ״Tagesboten aus Mähren und Schlesien" geschrieben. (Die Red.)