Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1896)
- Date
- 1896-01-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 3. Heuer streng nach den Bestimmungen der Statuten nur an Mitglieder Unterstützungen gewährten. Durch den Ankauf von MO -Kronen-Rente waren wir in der angenehmen Lage, den Stammfond des Vereines zu vermehren, jedenfalls eine fruchtbarere Anlage als die für den Pensionsfvnd verausgabten 361 fl. 64 kr. Diesen Ausfall suchten wir durch Sparsamkeit auf anderer Seite zu decken und bei der erhöhten Vereinsthätigkeit im Jahre 1895 erscheinen die Posten Kauzleiregie mit 49 fl. 07 kr. und Verwaltungsspesen mit 117 fl. 46 kr. auf einem niedrigen Niveau. Als alljährlich wiederkehrende Ausgabsposten finden wir noch die Besoldung des Vereinsfecretärs, des Vereinsdieners und die statutarisch bestimmte Subvention an das Vereinsorgan. Bei diesen Ausgaben müssen wir anerkennend hervorheben, dass das Secretariar im heurigen Jahre eine besonders gesteigerte Arbeitsleistung zu bewältigen hatte und dass die österr.-ungar. Cantorenzeitung sich bei allen Bestrebungen des Vereines als ein unentbehrlicher Factor und ein Förderer unserer Actionen erwiesen hat. Die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben führt uns auch zu dem mühevollen Walten unseres Vereinscassiers, dem wir für seine aufopfernde Thätigkeit öffentlichen Dank aussprechen. Zum Schluffe unseres Berichtes sei uns noch die Er- Wrung gestattet, dass der Vereinsvorstand, trotz der bitteren Erfahrungen über die Theilnahmslosigkeit der großen Collegenschaar, jederzeit bereit ist, stir die Interessen und das allgemeine Wohl der engeren und weiteren Berufsgenossenschast mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften einzutreten. Der Vorstand des österr.-ung. Cantoren-Vereincs. Wer ist nmstkslifch? Aus dem Nachlasse des Prof. Billroch veröffentlichten die ״Deutsche Rundschau" und die ״Neue ill. Musik-Zeitung" vor einiger Zeit die Fortsetzung der auch von uns seinerzeit abge- Die Kriminalität der Juden. Die Statistik und der Antisemitismus sind unversöhnliche Gegensätze. Der Antisemit behauptet und der Staüstiker beweist — doch immer das Gegentheil dessen, was der Erstere behauptet hat. Herr Dr. Paul Nathan zeigt dies in einem Werke über die ״Kriminalität der Jude n", das er im Aufträge des Comite zur Abwehr antisemitischer Angriffe soeben herausgegeben hat. Nach der Darstellung demagogischer Blätter und Redner treibt die Juden ihre verbrecherische Anlage zu allen möglichen Strafchateu und macht sie zu einer Gefahr für das Land, in dem sie wohnen. Was sagt dazu die statistische Ziffer? In der Zeit von 1882 bis 1892 wurden in Deutschland 3,973,667 Nichtjuden verurtheilt gegen 38,288 Juden. Hätte die jüdische Bevölkerung den ihren Verhältniszahlen entsprechenden Perzentsatz gestellt, so könnten noch 9018 Juden mehr die Gefängniße und Zuchthäuser bevölkern oder Geldstrafen entrichten. Die dtormalzahl der Verurtheilten wäre also 47,306 gewesen. Ja aber, ruft der Antisemit, in gewissen Rubriken der Verbrechen und Vergehen sind die Juden stärker vertreten. Richtig. Darin liegt indes nichts Auffälliges, und der Perzentsatz stellt sich sofort anders, wenn man Gleiches mit Gleichem vergleicht. Kaufmännische Delikte kann nur der Kaufmann begehen. Nun steW die jüdische Bevölkerung, welche in Preußen 1*33 Perzent der Gesammtbevölkerung betrug, zum Handel 16 75 Perzent selbstständig und 12 9 Perzent als Gehilfen, und wer die qualvolle Geschichte der Juden in Deutschland kennt, kann sich darüber nicht wundern. Der Perzentsatz der jüdischen Delikte druckten Abhandlung ״Wer ist musikalisch" aus welcher wir im Nachfolgenden das Leichtfassliche wiedergeben. Bekanntlich giebt es Menschen, denen ein jedes rhythmische Gefühl abgeht und die nicht im Takte zu marschiren oder zu tanzen verstehen. Dass dies mitunter nicht dem Fehlen rhythmischen Empfindens, sondern nur der Ungeschicklichkeit entstamme, beweise Beethoven. Dieser war ungemein geschickt im Klavierspielen, soll es aber nicht dazu gebracht Haben, im Takte zu tanzen. Auch mit der Sängerin M a l i b r a n, welche leidenschaftlich den Tanz liebte, war es unmöglich zu tanzen, weil sie keinen Takt hielt. Beiden fehlte gewiss nicht der rythmische Sinn; ihre Tanzuufähigkeit mag aus einer Art Scheu hervorgegangen sein, sich vor anderen Menschen zu produciren. Viel häufiger findet man Menschen, denen es nicht möglich sei, einen vorgesungenen Ton genau nachzusingen und die Unterschiede von halben Tönen selbst im Zusammenklange wahrzunehmen. Das Falschsingen in der Oper werde wohl kaum vom vierten Theil des Publikums bemerkt; das Tremolieren der Sänger von einem noch weit geringeren Theil der Zuhörer. Wenn Anfänger in der Gesangskunst einen Ton nicht genau nachsingen, so sei dies nicht immer ein Beweis, dass der Falschsinger unmusikalisch sei. Es könne häufig nur die Folge eines unaufmerksamen Hörens und einer Ungeschicklichkeit in der Bewegung der Kehlkopfmuskeln sein und könne behoben werden. Das Falschsingen sonst geübter musikalischer Sänger, zumal ans der Bühne, hat meist innere Ursachen: Aufregung, Angst oder Ueberanstrengnng. Wenn jedoch einzelne Personen dafür keine bewusste Empfindung besitzen, ob ein Ton im Verhältnis zu. einem anderen höher oder tiefer ist, und wenn sie ein Lied durch die bloße Wiedergabe des Rhythmus richtig nachzusingen glauben, wobei sie willkürlich bald diesen, bald jenen Ton oder immer dieselbe Note verwenden, dann kann man die Hoffnung aufgeben, sie musikalisch auszubilden. Gleichwohl können sie eine wahre Leidenschaft fiir Musik haben und eine Art kindliche muß naturgemäß in der kaufmännischen Sphäre höher sein, eben weil sie zahlreicher darin vertreten sind. Nicht Race oder Religion trägt an diesem Perzentsatz die Schuld, sondern der Beruf. Herr Dr. Nathan untersucht nun gerade dieses Zahlen- Verhältnis näher, und es gelingt ihm durchaus, den Antisemiten die Waffe aus der Hand zu schlagen. Er zieht nämlich die königlich sächsische Statistik zu Nathe. Sachseil ist ein Land der Industrie und des Handels; es gewährt also noch am ehesten Vergleichspunkte; 38 Rubriken von Vergehen und Verbrechen, darunter einfacher und schwerer Diebstahl, Unterschlagung und Körperverletzung, lauten in der allgemein deutschen Kriminalstatistck für die Inden günstig, 35 lauten ungünstig, darunter Münzvergehen, Betrug, Bankerott, Wucher und Zweikampf. Vergleicht man nun aber die kriminellen Verhültniße einer überwiegend ähnlichen Berufen angehörenden Bevölkerung, wie die sächsische, so ergeben sich ganz andere Perzentzahlen. Von den 35 den Juden ungünstigen Rubriken finden sich in der sächsischen Kriminalstatistik nicht weniger als achtzehn, welche genau dieselben Erscheinungen für die christlichen Sachsen wie für die Juden aufweisen. Zwei weitere Rubriken tragen, obwohl sie nicht ganz gleichartig sind, dennoch zur Erhöhung der Aehnlichfeit des Bildes bei. Im Deutschen Reich sind, wie bemerkt, die Juden bei Münzvergehen über die Durchschnittszahl hinaus betheiligt; im Königreich Sachsen trifft für die nichtjüdische Bevölkerung dasselbe zu, aber nicht bei den leichten Münzvergehen, sondern bei den schweren Münzverbrechen. Und während die Juden in Deutschland nur bei dem einfachen Betrug höher betheiligt sind, finden wir im Königreich Sachsen die Nichtjuden außer bei dem Betrug auch bei dem Betrug in wiederholtem