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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-01-21 · Heft 3 (21.1.1896) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 3 (21.1.1896)
Date
1896-01-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Geßerreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 3. werden, der rabbinischen Litteratur entnommen sind und erst im zweiten Jahrhundert in den sogenannten Evangelien niedergeschrieben wurden. Dagegen ist es namentlich nach den scharfsinnigen Ausführungen des Dr. Lippe in seinem Buche: ״Das Evangelium Matthäi vor dem Forum der Bibel und des Talmud" höchst wahrscheinlich, dass Christus, wie er in den Evangelien geschildert ist, eine sagenhafte, aus verschiedenen historischen Persönlichkeiten zusammengesetzte Persönlichkeit sei. So würde sich die gewiss auffallende Thatsache erklären, dass die Zeitgenossen des angeblichen Welterstürmers von ihm in keiner Weise Erwähnung thun. Aus Verlegenheit haben die. frommen Kirchenväter eine auf Jesus bezügliche Stelle bei Josephus interpoliert, die aber längst von der Kritik als Interpolation entlarvt wurde. Jahresbericht des ö st err - u n g a r i s ch e n.® a n toren -Vereines. Der Ueberblick über das abgelaufene Vereinsjahr 1895 bietet insoferne kein besonders erfreuliches Bild, als trotz einer überaus intensiven, alle Kräfte anspannenden Thätigkeit des Vereinsvorstandes in einer nicht nur die Cantoren, sondern das gesammte jüdische Cultusbeamtenthum tiefberührenden Frage die erhofften Erfolge ausgeblieben sind. Wir meinen hiemit die von der vorjährigen Generalversammlung beschlossene Gründung einer Pensionscasse. Mit bedeutenden Opfern an Zeit und persönlicher Mühewaltung und mit einem das Budget des Cantoren- Vereines stark belastenden Kostenaufwande. sind die nöthigen Vorarbeiten für die geplante Pensionscasse durchgeführt worden. Der Vorstand hat alles im Bereiche seiner Macht liegende gethan, um das Zustandekommen dieser so überaus nothwendigen Institution zu ermöglichen, ein allgemein anerkannter Fachmann wurde mit der Ausarbeitung eines alle Ansprüche befriedigenden Pensionsplanes betraut, und als das Elabonat fertig war, wurden Tausende von Circularen an sämmtliche Cultusgemeinden und Cultusbeamte der Monarchie versendet. Und was war das Resultat all' dieser Bemühungen? Etwa dreißig bis vierzig Zustimmungskundgebungen, einige Absagen, und der Rest war — Schweigen. Das Traurigste der hiebei gesammelten Erfahrungen besteht darin, dass die große Mehrzahl der Collegen undCultusbeamten es nicht einmal der Mühe werth fand, auf die Anfrage des Cantorenvereines eine Antwort zu geben. Während in allen anderen Bernfsarten ein enger Anschluss des Einzelnen an die Gesammtheit beobachtet wird und Jedermann opferfreudig sein Scherflein beiträgt, um die gemeinsamen geistigen und materiellen Interessen zu fördern, herrscht in den Kreisen der jüdischen Cultusbeamten, mag man für die Allgemeinheit anstreben was immer, so viel Apathie, Unverständnis und Lässigkeit, dass man fast an der Zukunft dieses Standes verzweifeln muß. So wurde auch diesmal durch die eigene Schuld der Collegen vielleicht für alle Zeiten, jedenfalls aber auf Jahre hinaus ein Werk gestört und gehindert, das zum Segen des jüdischen Cultnsbeamtenstandes hätte gereichen können. Wenn dieCultusgemeinden demselben nicht so bereitwillig entgegenkamen, so darf es nicht besonders Wunder nehmen, denn mit wenigen Ansnahmen war es von jeher nicht ihre Art, sich um Leid und Freud ihrer Angestellten allzusehr zu kümmern. Merkwürdig ist Pensionsfrage erhoffen und von diesem Jrrwahne befangene, selbst die Hände in den Schoß legen zu dürfen glauben. Die Zukunft wird es schon lehren, wie arg sie sich hierin getäuscht haben. Nach diesem Misserfolge bei der Gründung derPensionscaffe erfüllte es uns mit um so größerer Freude, dass der Cantorenverein bei der Abfassung der neuen Gemeindestatuten all das durchgesetzt hat, was er anstrebte, und hiemit unschätzbare Erfolge für den Cantorenstand errungen hat. Freilich bedurfte es hiebei nicht der Mitwirkung der Gesammtheit, sondern einzig und allein einer aufmerksamen und emsigen Thätigkeit des Vereinsvorstandes, und deshalb sind auch so bedeutende Erfolge erzielt worden. Mit Bedauern muß jedoch constatirt werden, dass wir auch in dieser Angelegenheit von Seiten der Cultusgemeinden wenig Förderung gefunden haben. Beim Ueberblicke über die Ereigniße des abgelaufenen Vereinsjahres gedenken wir auch des jähen und unerwarteten Hinscheidens unseres Collegen Moritz Grün berg er in Prerau, der in Ausübung seines Amtes verunglückt und nach kurzem Leiden den schweren Verletzungen erlegen ist. Er war ein biederer und wackerer College, sein Andenken wird von uns stets in Ehren gehalten werden. Die weitere Thätigkeit des Vereines bewegte sich in den gewöhnlichen Geleisen und nach dem Gesagten erübrigt es uns nur noch, die Ziffern des am Schluffe dieses Blattes veröffentlichten Rechnungs-Ausweises mit einigen erläuternden Bemerkungen zu ergänzen. Das Vereinsvermögen hat auch im heurigen Jahre eine Erhöhung gefunden, was umso erfreulicher ist, als durch den Pensionsfond die Bereinscasse sehr in Anspruch genommen wurde. Bei dem gleichen Stande der Mitglieder ergaben die Jahresbeiträge fast die gleiche Summe wie im vorigen Jahre, doch müssen wir dringendst wünschen, dass die Einzahlungen mit mehr Pünktlichkeit erfolgen, damit die zahlreichen Mahnungen überflüssig und dem Vereine unfruchtbare Arbeiten und unnöthige Auslage!: erspart werden. Die im Laufe des Jahres eingelangten Beitrittserklärungen haben wir nicht sofort erledigt, da die meisten die Gründung eines Pensionsfondes voraussetzten und wir somit eine endgiltige Entscheidung in dieser Frage abwarten zu müssen glaubten. Wenn die betreffenden Collegen auch unter den jetzigen Verhältnißen ihre Anmeldungen aufrecht erhalten, werden wir sie mit Freuden als Mitglieder begrüßen. Die Zinsen des Vereinsvermögeus ergaben eine geringe Steigerung, allein mit besonderer Freude verweisen wir auf die munificente Spende des Herrn Baron Nathaniel von Rothschild, dem wir hiemit in: Namen des Vereines unseren tiefgefühlten Dank aussprechen. Möge sein edles Beispiel baldigst Nachahmung finden. Oeffentlicher Dank gebührt auch der löblichen Cultusgemeinde, dem Frauen-Vereine, der Chewra-Kadischa, der Zedokoh und dem Herrn Vorsteher Carl Steinschneider in Tobitschau, sowie der Chewra- Kadischa in Humpoletz, welche schon seit einer Reihe von Jahren unseren Verein mit Jahresbeiträgen bedenken. Wir bitten die geehrten Collegen, nach dieser Richtung eine etwas intensivere Thätigkeit zu entfalten, denn mit Eifer und gutem Willen wäre auch anderorts viel zu erreichen. Im Ausgabenconto heben wir in erster Reihe den der Wittwe Grünberger in Prerau bewilligten Wittwenbeitrag nur, dass trotz dieser allgemein bekannten Erfahrung einig, hervor. Durch anderweitige Unterstützungen ist unsere Tasse Phantasten noch' immer die'Jmtiätive der Gemeinden in der nicht besonders in AnspMch genommen worden, dcr wit äüch

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