Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. M. l. einer Jüdm, ״die dem czoller (Zöllner) uff der brücken die Augen artzt", eine Steuer erlassen. Einer christlichen Aerztin wird, wenn sie ihren Beruf weiter ausüben will, vorgeschrieben, dass sie Bürgerin werden müsse. Das Hrme-DrnkmÄ in New-Hork. Von Dr. Arthur Kahn, New-Aork. (Fortsetzung). Ihr weisen Räche zweier berühmten Städte am Rheinström, höret: Blinder Hass gegen einen todten Dichter, dessen Name noch genannt werden wird, wenn ihr alle längst todt und vergessen sein werdet, hat euch den hasserfüllten Beschluss diktirt, ein Kunstwerk aus" euren Städten zu verbannen, dessen Besitz euch hätte mit Stolz erfüllen müssen. Ihr habt es ja selbst zugestanden, weshalb fragen! Der todte Dichter hat euch zweierlei Aerger bereitet. Er war in einem Glauben geboren, der euch nicht angenehm ist und obwohl er eurem Glauben später beigetreten war, so war er nicht darin gestorben. Wie er seinen ehemaligen Glaubensgenossen fremd geworden, so ist er, später der eurige, euch ebenso fremd geblieben. Was er auf seinem Krankenlager ahnungsvoll vorausempfunden: Keinen Kadisch wird man sagen. Keine Messe wird man lesen, es hat sich bis auf den heutigen Tag bewahrheitet. Aber alle Deutschen, die ihre deutschen Ideale dem Rassen- und Klaffenkamps noch nicht ganz geopfert haben, alle Deutschen, die noch nicht verlernt haben, im blindwüthigen Fanatismus zuerst den Dichter zu finden und später erst nach Namen und Sippschaft zu suchen, sie werden den Todestag Heines kennen und feiern, gleichviel, ob man kein Kadisch sagt und keine Messe liest, gleichviel, ob was gesagt oder gesungen wird oder nicht. Ihr hochweisen Rache von Mainz und Düsseldorf; ihr seid nicht nur beschränkt und boshaft, ihr seid auch inkonsequent, sonst hättet ihr nicht vergessen dürfen, dass Jesus Chrisüts der Wunderrabbi von Nazareth, gleichfalls demselben Volke entstammte wie Heine. Auch Christus war ein Poet, denn seine Bergpredigt, seine Erzählung von dem verlorenen Sohne, und vieles andere sind Dichtungen in Prosa gesprochen. Was würde wohl Christus von euch gedacht haben, wenn er heute noch unter euch wandelte? Leset nach, chr weisen Räche, leset im neuen Testament, vielleicht ist euch noch so viel Verstand geblieben, um auszufinden, wohin er euch placirt hätte. Ja, chr Herren Stadträthe, Glauben Mögt ihr haben, Religion habt ihr sicherlich nicht. - IV. .... und es wurden Boten herumgeschickt im weiten Reiche, die sollten anfragen bei allen Dichtern und Sängern, ob Heine, dessen Lieder von großen Tonfürsten, als da sind Schubert, Schumann, Kücken, Silcher, Rubinstein und Hiller zu herrlichen Tondichtungen benützt wurden, und dessen Gedichte im Munde von Millionen leben, ob dieser Heine ein Dichter und eines Denkmals Werth sei. Und siehe da, das Unzulängliche, hier ward's Ereignis und das Unglaubliche geschah. Die deutschen Dichter und Denker, vom Endjahrhundert, die. derzeit noch Recht höben, weil sie noch leben, hielten den Dichter des Buches der Lieder für unwürdig, in einem Meisterwerk in Marmor gemeißelt, geehrt zu werden. Dieser Heine war ein unsauberer Versemacher, ein die Moral der Massen gefährdender Reimschmied. Ein talentvoller Verfasser Tiroler Bauerngeschichten wusste nicht einmal etwas von Heine. Freilich, der Mann war za vorher Schneider, da kann man ihm glauben, dass er von Heine nichts wusste, und die Bauersleute von Krieglach singen sicher keine Heine'schen Lieder. In! Anslande aber erhob sich ein Hohngelächter ob des beschämenden Gebahrens der poetischen Führer des deutschen Volkes, und leider waren die Witze englischer, ftanzösischer und russischer Zeitungen nur allzu treffend. Die Deutschen im Ausland aber durften sich wieder einmal gewaltig schämen. Aber nicht nur die Scham-, sondern auch die Zornesröthe stieg den Deutschen im Ausland' in's Gesicht. Da erhob sich ein deutscher Mann in einem deuschen Gesangverein, der auf amerikanischem Boden Heine'sche Lieder singt. Mt wuchtigen Worten, gleich Keulenschlägen spricht er zu den aufmerksam lauschenden Sängern, von den beschämenden Vorkomnißen im alten Vaterland. Und als der alte Sängersichrer die Anwesenden anfeuerte, das heimatlose Kunstwerk im neuen Vaterlande auszunehmen, da erhob sich Deutsch-New Jork wie ein Mann in glühender Begeisterung, und die deutsch-amerikanischen Zeitungen jeder Tendenz fachten die Begeisterung zu immer glühenderem Enthusiasmus an, bis das Werk gelungen war. Auch diesem Manne, und all den Männern, die den Ruf: ״das Heine-Denkmal nach New Jork!'- zur Devise schufen, sei ein Denkmal an dieser Stelle geweiht. Ihr lieben Landsleute jenseits des Ozeans, die ihr so oft den Amerikanern zum Vor- Wurf macht, dass hier kein Raum sei für Poesie und Kunst, dass jedes Mannes -Thun nach dem Dollarerwerb gerichtet sei, blickt herüber nach der neuen Welt, wo zehntausende Deutscher zu Heine's Ehr und Preis, und zur Ehrenrettung des deutschen Namens in Deutschland selbst und dem hohnlächelnden Ausland gegenüber singen und sammeln, blickt herüber vom Rheinstrom nach des Hudsons Strand: Hier wird ein Heine- Denkmal sich bald erheben. Die schlechtesten Deutschen, scheinen denn doch nicht gerade nach Amerika zu kommen und sie scheinen, bei ihrer Jagd nach dem Dollar auch noch die heimathlichen Ideale zu pflegen, denn was wäre ihnen sonst Heine?Was läge ihnen sonst an einem Heine-Denkmal? (Schluss folgt.) Weine Chronik Wien. (Wohlthätigkeits-Akademie.) Dienstag, den 7. Jänner findet in den Sofien-Sälen zu Gunsten des Vereines ״Ferienheim"^ eine große Wohlthätigkeits-Akademie statt, für welche, mit Rücksicht auf den humanen Zweck, hervorragende Kunstkräfte ihre Mitwirkung Zugesagt haben. Es sind dies die Damen: Fräulein Hansi Niese, Mitglied, des Raimund-Theaters; Fräulein Rosa Retty, Mitglied des Deutschen Volkstheaters; Frau O l g a v. Tür k- R o h n; Frau A d o l f i n e v. Ziemaier, Mitglied des k. k. priv. Carltheaters; ferner die Herren: Wilhelm Bauer, Mitglied des k. k. Priv. Earltheaters; Fr i tz Kreis l er, Violin-Virtuyse; Friedrich Mitterwurzer, k. k. Hofschauspieler; Louis und Willy Thern, Klavier-Virtuosen; Charles W einb erg er, Compositeur; Theodo r Weiß, Mitglied des Deutschen Volkstheaters. Der Akademie folgt ein Tanzkränzchen. An der Spitze der Veranstaltung, für welches sich ein lebhaftes Interesse kundgibt, stehen der ehemalige Gemeinderath Herr Th eo'do r Ritter v. Goldschmidt und die Präsidentin des. ״Ferienheim", Frau Sophie Grünfeld. — Einzelne Karten kosten fl. 2.—, Familienkarten fl. 5.—. Durch die Bemühungen des Damenvorstandes und des Akademie-Comites wurde im Jahre 1892 45, 1893 : 188 Kindern die Möglichkeit eines Landaufenthaltes gewährt. Der seither constituirte Verein ״Ferienheim" konnte^ im Jahre 1894 231 bedürftige Pfleglinge in seinen Feriencolonien Schattmanvsdorf, Petrau und Straßnitz der Wohlthat einer Erholung theilhaftig machen. Im. Jahre 1895 genossen 328 Kinder in d eit Feriencolonien Schattmannsd orf, Petrau und