Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 1. Gemeindestatuten. Schritt für Schritt musste jeder einzelne Erfolg errungen werden, und oft war derWiderstand derCultusgemeinden nur schwer zu besiegen. Mit aller Zähigkeit mussten wir dämm an dem feschalten, was wir im Interesse des Cantorenvnd Cultusbeamtenstandes für gut fanden, und in diesem Bestreben wurden wir noch durch das Bewusstsein angeeifert, dass dasjenige, was jetzt nicht erreicht wurde, vielleicht für alle Zukunft, jedenfalls aber für eine lange Reihe von Jochren unwiederbringlich verloren war. Mit den Schwierigkeiten, welche sich dieser Action der Cantoren-Zeitung entgegenstellten, wuchs auch die Genugthuung über die errungenen Erfolge, und wenn wir nunmehr am Abschlüsse einer fünfzehnjährigen publicisüschen Thäügkeit auf die Summe unserer Arbeit zurückblicken, so erfüllt es uns mit aufrichtigem Stolze, dass wir dasjenige, was wir versprochen,'ein aufrichüger Freund und Beratherdes Cultusbeamtenstandes zu sein, auch treu und ehrlich erfüllt haben. Die gechrten College» und Leser unseres Blattes mögen dessen eingedenk sein und es als heilige Pflicht erachten, die ״vsterr.-ungar. Eanwrenzeitung" geistig und materiell zu fördern und für chre Verbreitung nach Kräften zu wirken. Unser Bestreben soll es aber auch fernerhin sein, das Ansehen, welches sich die ״österr.-ungar. Cantoren-Zeitung" während der langen Reche von Jahren in allen jüdischen Kreisen errungen hat, auch fernerhin Zu erhalten und mit allem Können für das Wohl unseres Standes wie nicht minder für die allgemeinen Interessen des Judenthums einzutreten. Jüdisches Leben in Amerika. New-Uork, 9. December 1895. ״Chanuka", das jüdische Weihe- und Lichterfest, welches mn richtigsten mit ״jüdisches Weihnachtsfest" bezeichnet werden mag, beginnt am kommenden Donnerstag Abend'und währt acht Tage. Ehe die Welt noch an ein christliches Weihnachtsfest dachte, feierten die Juden den Sieg der Heldenfamilie der Makkabäer über die Horden des Syrerkönigs Antiochus Epiphanes, oder vielmehr den Sieg des Monotheismus, der Lehre vom einzigen, unkörperlichen, nicht bildlich darstellbaren Gott über den heidnischen Götzen- und Bilderdienst. Deshalb in der ganzen Feier kein Siegesgeschrei über den darniedergeworfenen Feind, sondern die Freude, dass der Tempel wieder gereinigt werden konnte, dass das heilige Oel wieder die Lampen der Menorah, des Tempelleuchters, nährte, und dass die Begierde in Israel nach dem fremden Feuer heidnischer Entartung ausgerottet war. Wie . bekannt, wurde das Fest während der mehr als zweitausendjährigen Periode, welche seit diesem Ereignis verflossen, durch das Entzünden von Oel- und Wachslichtlein in den Gotteshäusern sowohl als in einem jedem jüdischen Heim gefeiert, und indem es geboten war, diese Lichtchen^ an die Fenster zu stellen, wollte man damit bekunden, dass das Gottvertrauen Ln Israel nie geschwunden, und man ruhig den Dingen, die in der Außenwelt vorgiengen, den Ränken, die gegen sie geschmiedet, den Plänen, die gegen das Duldervolk ausgeheckt wurden, entgegensah, im Vertrauen, dass Jehovah dem Rechte und der Wahrheit denn doch den endlichen Sieg verleihen wird. Der Sieg Judaeas unter den Makkabäern bedeutete aber vielmehr als einen Triumph für die Träger des Judenthums, denn wäre die Heidenwelt den Jehovah-Cultus zu unterdrücken und zu vernichten im Stande gewesen, so hätte es nie ein Christenthum gegeben, denn mit dem Tode der Mutter wäre der reine, erhabene Gottesgedanken, auf welchen unsere Civilisation aufgebaut ist, jedenfalls auf lauge Zeit erloschen gewesen. Dass die Feier der ״christlichen Weihnacht" der Form nach dem ״jüdischen Weihnachtsfest" angepasst ist, ist deshalb leicht erklärlich. Und erfreulich ist es, dass sich die beiden Feste zu dem Gedanken eines Menschenverbrüderungsfestes durchgearbeitet, es lässt der Hoffnung Raum, dass Mutter und Tochter, Judenthum und Christenthum, im Hinblick auf das Prophetenwort: ״Haben wir nicht alle einen Vater, hat nicht Ein Gott uns alle erschaffen", sich enger aneinander anschließen werden, wie dies ja in unserem freiheitsgesegneten Lande von Anfang an angebahnt war und immer weitere, segenbringende Fortschritte macht. So wird denn auch am Donnerstag Abend der Bazar zum Besten der beiden Erziehungsinstitute, das eine in East. Broadway und das andere, die Technische Schule, im vollen Gange sein. Vom 9. bis zum 21. December wird sich die jüdische Welt New Aork's im Madison Square Garden Rendezvous geben, und heute: Abend, dem Eröffnungsabend/ werden wohl viele der hervorragenden und repräsentativen Mitglieder der New Aorker allgemeinen Gesellschaft sich dort einfinden. Die Ausstellung wird wohl an Pracht und Glanz, an Werth der zu veräußernden Gegenstände Alles übertreffen, was bisher in diesem Genre geleistet worden ist. Ein Prachtstück, einzig in seiner Art, ist eine Bibel in solidem goldenem Einband, kunstvoll ciselirt in dem Kunstinstitut von Tiffany & Co. Die Bibel wird in einem besonderem Kiosk ausgestellt, werden und soll der Gemeinde, Loge oder Institution zufallen, welche die größte Zahl der für sie abgegebenen Stimmen auf - sich vereinigt, Der Orden B'nai B'rith ist fieberhaft thütig in der Gewinnung von neuen Mitgliedern. Nicht nur, dass die Beamten der Großloge Logenbesuche fast an einem jeden Abend machen, sondern hervorragende Redner werden große Massenversammlungen ansprechen, die Zwecke und. Bestrebungen des Ordens erläutern und auf die Nothwendigkeit Hinweisen, dem Orden sich anzuschließen. Einer der bedeutendsten und glänzendsten Redner unter den Juden Amerikas, Dr. Emil G. Hirsch, Rabbiner in Chicago und Professor an der dortigen Universität, hat die Einladung des Präsidenten des Ordens, Herrn Julius Bien, angenommen und wird am 22. Januar in Carnegie Hall einen Vortrag über den Ordsn halten. Ein großes Publikum wird sich jedenfalls einfinden, dem gefeierten Redner zu lauschen. Am vergangenen Sonntag hielten die Präsidenten der hiesigen Logen im Verein mit den Beamten der Großlogen ihr Jahxes-Banquet in den Räumlichkeiten des ״B'nai B'rith-Club" ab und auch viele Damen waren anwesend. Verschiedene Toaste wurden ausgebracht und in glänzender Weise beantwortet. Unter ׳ den Rednern befanden sich William A. Gans, Joschuah Kantrowitz, Col. Brewerton, Morris Goodhart, Dr. S. W. Wolf, Moritz Ellinger. Das Haus war gegen 10 Uhr mit jungen Herren und Damen gefüllt, und der Club gewinnt ständig an neuen Mitgliedern. Am Mitwoch Abend fand die Wahl der Beamten für das laufende Jahr in der. Washington Loge statt und die folgenden Brüder wurden wiedergewählt: Präsident, Moritz Ellinger; Vice-Präsident, Charles Rich; prötokollirender Schriftführer, Füchsel; Finanzsecretär, Abraham Emanuel; Schatzmeister, William Jonas; Repräsentanten zur Großloge, M. Ellinger, Louis Wöllstein, Josef L.. Scherer. — Am Donnerstag Abend statteten das Comits für Hebung geistigen