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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-12-11 · Heft 29 (11.12.1895) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 29 (11.12.1895)
Date
1895-12-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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.־.־!! .:■1; :1; י' ■ ׳'S •i I ׳.;!v 1 g: י! ti. Seite 2. Geßerreichisch-Üngarische Lantoren-Aeitung. g Nr. 29. anzustellen, unter allen Umständen trachten, den Cantorenstand in ihrem Statut, als für sie unnöthig, zu übergehen. Weil sie aber hiedurch im Widerspruche mit allen Cultusgemeinden Europas steht, welche dem Cantorate ein wichtiges. Amt in der Gemeinde zusprechen, wird wohl'die Bestätigung des Prager Gemeindestatutes noch lange auf sich warten lassen." Die vorstehend gegebene Schilderung der Prager Verhältmße ist uns keineswegs neu und wir haben auch unsere Ausführungen in voriger Nummer vollkommen in Kenntnis derselben niedergeschrieben. Zur Sache selbst haben wir darum heute gar nichts hinzuzufügen, als die Versicherung, dass die Prager-Gemeinde trotz allen Sträubens ^dennoch in den saueren Apfel beißen müssen wird. Eine Scheidung der Cultusgemeinde von der Synagogeugemeinde ist nach dem neuen Cultusgesetze vollkommen ausgeschlossen, da die Abhaltung eines öffentlichen Gottesdienstes als die erste Bedingung einer jeden Cultusgemeinde - gilt. Wenn nun die Repräsentanz die Cantorfunction beim Gottesdienste nicht vollkommen abschaffen will —־* vielleicht begnügt sie sich mit Gemeindegesang und Predigt — dann wird sie wohl auch auf diesen von allen übrigen Cultusgemeinden als unbedingt nothwendig anerkannten Funktionär Rücksicht nehmen müssen. ־ Ein Tafellied für Chsnuks-Sabbat - aus dem 12. oder 14. Jahrhundert mrtgctheitt und übersetzt von Dr. KaHan,'. Leipzig. Esst Leckerbissen wohlgerathen אכלו משמנים Und Feingebäck in unserem Kreise! וסולת רבוכה Auch Täubchen zart und wohlgebraten תורים וכני יונים ZumSabbatlob und Chanukapreise! .שבת וחנוכה Auf, Aus! האי האי בית כור Nur Geld schafft viel herbei, תמכור תחכור תשכור Und schmaust .בית כור לצורך חנוכה . Gar froh zur Chanukaweih'! Kapaunen gemästet, ברבורים אבוסים Gebraten am Spieß, בשפודים צלוים Am Feuer geröstet — וכליל לאישים Ein jeder gewiss! .אחד מן המנוים Auf, Auf! . . . ....האי האי Nur weg mit dem Wasser, רך וטוב יחדלון Ihr fröhlichen Zecher! מנמוך המים Beim Wein nur der Prasser בבית היין נלון Leer' lustig den Becher! .בכל יום פעמים Auf, Auf! . ... ..,.האי האי Ein Gräuel nur dünk' uns מקולות מים רבים Das Wasser im Mund, . תצילנה אזניכם Nur Traubensast wink׳ uns וכל משרת דם ענבים Zu jeglicher Stund'! .לא ימוש מפיכם Auf, Auf! . .....האי האי Obiges Lied, welches bald Abraham Ihn Esra,,bald einem unbekannten Abraham aus dem 14. Jahrhundert zugeschrieben 7 chird. wurde vielfach wegen seines durchaus weltlichen Charakters und ausgelaffenen Tones vom Ritus ausgeschlossen und sein Vortrag verboten.Andererseits aber.genoß es eine solche Be- . . .. . .. f - , . . liebtheit, dass es die Sefardim für das Purimfest umdichteten, und zwar so:' ~\ ■׳:.׳. I .. . ■' אכלו משמנים r ־. יי ושתו ממתקים תורים וכל מיני צפורים; הזמינו לסעודת פורים. Selbst noch im סידור von Jacob Emden ist es abgedruckt mit der Ueberschrift מר נאה לשכת הנובה*. Wir begreifen wohl, warum ein frisches, fröhliches Zecher- - lied von den Rabbinern nicht gut geheißen wurde. Aber uns dünkt es wie ein fröhlicher Gruß aus jenen finsteren Zeiten, in welchen wir sonst nur Klagetöne zu vernehmen gewohnt sind. . Es wäre zu wünschen, dass dieses fünf- oder siebenhundertjährige Poem durch eine geeignete Composition zur Popularität gelangte. _______ Heinrich Heine und die Musik. Die Deutschen New-Iorks haben beschlossen, den Sänger der Loreley durch Aufstellung eines Loreley-Brunnens in einer der schönsten Parkanlagen New-Aorks zu ehren. Um die Kosten dieses Kunstwerkes hereinzubringen,, wurde ein Heine-Denkmal- Bazar mit einem achttägigen Programm eröffnet und auch ein Heine-Album heräusgegeben. Dasselbe enthält eine Anzahl poetischer und litterarischer Erzeugniße von hohem Werth, die. sämmtlich von Deutschamerikanern herrühren. Unter den Beiträgen befindet sich ein Aufsatz aus der Feder des berühmten Clavierbauers W. Steinway. Derselbe behandelt die Beziehungen Heinrich Heiue's zur Musik und dürfte die Leser, dieses Blattes besonders interreffieren, daher wir ihn wortgetreu wiedergeben:•v ״Es liegt Musik darin", ist eine deutsche Redensart, die ungefähr ebenso häufig gebraucht wie mißbraucht wird. Auf alle Fälle aber hat sie einen liefen Sinn. Ist doch unter allen Künsten gerade die Musik diejenige, deren Schönheit mau am wenigsten mit Worten erklären kann, fühlen und empfinden kann, auch lässt sie sich wohl umschreiben, aber sprachlich ausdrücken kann mau sie nicht. - Zwar haben manche Theoretiker versucht, zu begründen. weshalb dies und das schön sei in der Musik und jenes nicht : ja, ׳der berühmte Akustiker Hermann von Helmholtzhat sogar ausgeklügelt, dass z. B. Mozart's ״Ave verum corpus“ deshalb eine solch' vollkommene Composition sei, weil in ihr gewisse Gesetze der.Tonschwingüngsverhältniße genau erfüllt würden. Aber was kann das nützen, was erklären? Mozart hatte keine Ahnung vom Vorhandensein solcher akustischen. Gesetze gehabt und die Millionen, die sich an seinem ״Ave veruni corpus“ schon erbaut haben, ebenso wenig. ' . Genau so nutzlos würde es sein, erklären zu wollen, wieso in Heinrich Heine's Versen so viel ״Musik d'rin liege".׳ Der Volksmund will mit der Redensart eben das Unaussprechliche bezeichnen, das man wohl empfindet, für das man aber keine Begriffe findet. Nun, und was noch feiner ist als die Sprache, das muss und kann doch wohl nur Musik sein! Wenn ein Meister der Spräche wie Heine, trotz seiner sprachlichen Feinfühligkeit doch nicht Alles, was er empfindet, in Worte fassen kann, wenn er es gewissermaßen blos zwischen den Zeilen und Worten ahnen .lässt, dann ist. das ein instinktives Hipdrängen der lyrischen Poesie zu ihrer Schwesterkunst, der Gesangsmusik. Und dieses instinküve Verlangen des lyrischen Dichters vermag keiner, so.'leicht^und so leicht H Mspüren^als for inib wie sind sie nun über die Heine'schen Lieder hergestürzt, Wie'HÄben^

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