Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-12-01 · Heft 28 (1.12.1895) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 28 (1.12.1895)
Date
1895-12-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1304829-3453335-3453363--4419-3458879
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Teite 4 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. > Nr. 38. wellüchen Obrigkeit würden sie von dem gewaltsam an-rinqenden PobÄ getödtet. Die allgemeinste und verheerendste Verfolgung fand 1348 mrd in den folgenden Jahren statt. Als der schwarze Tod, die furchtbare Pest, von Asien her über Europa zog, da ertönte . Ln allen Gauen die Beschuldigung, die Juden hätten die BMnnen vergiftet. Scbon im Jahre 1319 war den Juden in Franken die Brunnenvergistung vorgeworfen worden; doch mussten es damals die Aussätzigen büßen, welche auf Anstiften der Juden die Brunnen vergiftet haben sollten. Aber zur Zeit der großen Pest sollten sie in der ganzen Welt das Verbrechen begangen haben. So wie die Pest von Land zu Land, von Ort zu Ort in furchtbarer Weise fortschritt, so verbreitete sich auch das Verderben für die Juden. Die Richtigkeit der An-׳ schuldigung war überall leicht erwiesen; in der Folter besaß man ein Mittel, um auch die Unschuldigen jedes Verbrechen gestehen zu lassen, Nichts half es, dass der. Papst dem Wahn zu steuern, dass der Kaiser die Juden zu schützen suchte. Die Verbreitung des thörichten Aberglaubens, die Verzweiflung über die ftlrchtbare KranHeit, der Hass gegen die Juden, die Feindfchaft gegen die Gläubiger waren überall mächtiger als die Gebote der Kirche und des Staates. Wo sich die Obrigkeit der Juden anzunehmen suchte, war sie selbst vor den Angriffen des Volkes nicht sicher. In Straßburg wurde aus diesem Grunde der Me Rath abgesetzt, dann wurden die Forderungen der Juden veruühtet, die Pfänder und Schuldbriefe ihnen abgenonnnen, ihr baares Geld unter die Handwerker vertheilt und 200 von chnen getödtet. Den benachbarten Fürsten und Herrn gab der neue Rath gleichfalls ihre Pfänder zurück und ließ sich von chnen thätigen Beistand für den Fall versprechen, dass die Stadt wegen chres Verfahrens in Fehde oder sonsttge Ungelegenheiten sollte verwickelt werden. Vielen Orten ertheilte der Kaiser oder der Landesherr Amnestie für alles, was geschehen war, es sollte weder eine Untersuchung noch eine Bestrafung stattstnden. Manchen Orten hat der Kaiser schon Amnestie ver- Von Derufalem nach Brürhem. Aus der N.-Z). St.-Z., mitgetheilt von Rev. Osias Hochglück. (Fortsetzung.) Die Aussicht vom Oelberg ist so ftemdartig schön und dabei so außerordentlich fesselnd und anregend, dass sie sich mit unauslöschlichen Zügen in die Seele prägt. Im Osten sieht mall die kahle grauenvolle Wildnis von Judäa! in seiner ganzen Ausdehnung. Weiter hinten glänzt wie ein silbernes Band der Jordan und das Todte Meer, welches die tiefste Einsenkung ausftillt, welche sich aus Erden findet. Sein Spiegel liegt 394 Meter unter dem des Mittelmeeres. Jenseits des Jordans und des Todten Meeres erheben sich, von lichtblauem Aether umflössen, die langgestreckten Gebirgszüge von Moab und Ammon. Von Norden her leuchtet dem Auge die mit ihrem Minaret gekrönte Anhöhe von NM Schaumwill entgegen. Die Aussicht nach Westen umfasst die ganze Stadt Jerusalem. Am großartigsten und imposantesten ist der Anblick des Haram esch- Scherifs oder ״Geheiligten Bezirks", welcher etwa den siebenten JHeil von Jerusalem einnimmt. Diese ehrwürdigste aller ehrwürdigen Stätten ist mit Cypressen und Olivenbäumen bepflanzt und durch Mauern von so großartiger Schönheit eingefasst, dass sie selbst in ihrem Verfalle mit hinreißender Kraft, auf die Seele wirken, als jedes andere Bauwerk der Men Welt. Es ist wohl kein Platz in der Welt, auf dem so viel geplündert, gesengt und gemordet worden ist, wie auf dem Tempelplatz. Siebenzehn Mal wurde Jerusalem belagert und zwei Mal vollständig zerstört und dem Boden gleich gemacht. Nacheinander kam die Stadt in den Besitz der Perser, Macedonier, Syrer, sprachen, ehe die Verfolgung losbrach. Waren die Juden׳ an einem Orte erschlagen, so wurde ihr sämmtliches Gut vom Kaiser oder Landesherrn mit Beschlag belegt, ihre Forderungen wurden niedergeschlagen oder giengen auf die Obrigkeit' über, die Synagogen und Begräbnisstätten fielen den Stadtgemeinden zu, die Judenhäuser wurden verkauft oder zur Belohnung treuer Dienste Günstlingen des Kaisers geschenkt. Jeder suchte von dem Raube so viel als möglich zu erhalten. Aber für die Städte, den Landesherrn und den Kaiser stand der Gewinn in keinem Verhältnis zu dem Verluste, welchen sie an fortlaufenden Einnahmen erlitten. (Schluss folgt.) Musterstatut für die israetitischen Cuttusgemeinden in Böhmen mit Ausschluß Prags, welches im Grunde der mit Erlaß des k. k. Ministeriums für.Cultus und Unterricht vo m I.Juni 1895, Z.26.359/1890, ertheilten Genehmigung veröffentlicht wird. (Schluss).*) ~ X. Abschnitt. / lieber die Besorgung Leitung und Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes. ־ ■ 77 §• - Die Cultusgemeinde hat für den Religionsunterricht unbeschadet der dem Staate zustehenden obersten Leitung und Aufsicht in geeigneter, den Schulgesetzen entsprechender Weise' vorzusorgen. Insbesondere hat der Cultusgemeindevorstand für die Ertheilung des mosaischen Religionsunterrichtes an jenen Schulen und Lehranstalten, au welchen besondere Lehrer für diesen Unterricht nicht angestellt sind, durch Bestellung von geeigneten Lehrern Vorsorge zu treffen. *) Die Paragraphe 64—76 aus dem IX. Abschnitt, sowie den Abschnitt XII, welcher von dem Haushalte der Cultusgemeinde und den Leistungen der Mitglieder für Cultuszwecke handelt, haben wir als rein administrative Bestimmungen nicht veröffentlicht. Die Redaction. Aegypter und Römer, bis sie endlich in die Hände der Türken, übergieng, denen sie heute noch gehört. Die Nebel der Urzeit verhüllten das heutige Jerusalem, und ich sah auf dem einsamen Wüstenfelsen des Moria das düstere Bild Abraham's mit dem zum Menschenopfer gezückten Messer. Es zerfloss, und an seine Stelle trat der grausenvolle Pestengel mit der tödtlichen Ruthe, die von Dan bis Berseba schlug, ohne den wirklich Schuldigen, den König, zu treffen. Wiederum verwandelte sich die Szene. Der König David baute einen Altar bei der Dreschtenne Arafna's, des Jebüsiters, undopferte daselbst Brandopfer zum Danke dafür, ^dass der Herr die Pestilenz von dem Lande genommen. Salomo's Tempel tauchte auf mit seinen Säulenhallen, der Voryof mit dem ehernen^Meer, der Brandopferallar mit seiner Rauchwolke, das ganz vergoldete Allerheiligste, in dem hinter Vorhängen von Gelbwerk, Scharlachen, Rosinroth und Leinwerk der siebenarmige Leuchter die Bund eslade bestrahlte. Salomo, der Prächtige, würde auf einem vergoldeten Throne von Elfenbein herbeigetragen. Weihrauchswolken wallten auf, Triumphpsalmen ertönten, und ringsum troff der Tempelplatz vom Blut der geschlachteten Rinder, vom Fett der geopferten Schafe. Die Königin vom Reiche Arabiens erscheint mit einem glänzenden Gefolge auf Moria und beschenkt Salomo mit Kameelsladungen von Gold,, kostbaren Gewürzen. Perlen und Edelsteinen. Ein nächtlicher Schatten legte sich von Mittag her über den heiligen Berg und seinen Schimmer. Sisak; der König von Aegypten, zog herauf gen Jerusalem und nahm die .Schätze im Hanse des Herrn und die Schatze im Hause des Königs und brachte solche nach Aegyptenland.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.