Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 26 (11.11.1895)
- Date
- 1895-11-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 (vesterreichisLh-ungarische Lantoren-Aeitung Nr. 26. IudenvqrfolgMWen im Mittelalter.') - Von A. Stein, Rabbiner Ä Svbiestau^ .. Die׳ eigentlichen Judenverfolgungen begannen wahrend der Kreuzzüge, aber schon vor diesen fanden an einigen Orten Vorspiele des blutigen Dramas statt. König Heinrich II vertrieb aus religiösen Motiven im. Jahre 1012 die. Juden aus Mainz, und 1066. beabsichtigte der Bischof von Trier, alle Juden aus seiner Stadt -Zu treiben, wenn sie sich nicht taufen ließen. Die erste allgemeine blutige Verfolgung brachte der erste Kreuzzug mit sich. Ein altes hebräisches Manuscript berichtet über die Verfolgungen in Speier und Worms mit folgenden Worten: ״Im Jahre 1028 nach Zerstörung des Tempels erhoben sich in Frankreich Herrn, Ritter, Grafen und Fürsten und das gemeine Volk und beriechen .sich zusammen und. fassten den Entschluß, sich kämpfend Bahn zu machen und nach Jerusalem zu wallen zum Grabe Christi. Und sie sprachen zu einander: ״Seht, wir wagen unser Leben, um . zu streiten mit Königen der Erde und zu zertrümmern solche Reiche, die nicht an Christus glauben; sehet doch da die Juden, die ihn gekreuzigt haben, entweder sie müssen sich zu ihm bekennen oder wir vertilgen sie bis aus den. letzten. Und so hefteten sie Zeichen des Kreuzes an ihre Kleider und setzten Helme auf. Als dies die jüdischen Gemeinden in Frankreich hörten, wurden sie von Entsetzen ergriffen. Sie sandten sofort Boten mit Briefen an die Gemeinden in den Rheingegenden, dass sie doch fasten und den, der in. der Höhe thront, bitten möchten, dass er sie retten wolle , aus der Hand ihrer Verfolger. Und als ein solches *) Nach O- Rotte ״Die Juden in Deutschland während des Mittelallcrs," Braunschwcig 1866. M. Rasenstück, ״Germanen und Juden aus dem Boden des weströmischen Reiches," Wolfenbüttel 1879. M. Manheimcr, ״Die Judenverfolgungen in Speier, Worms und Mainz im Jahre 1096" Darmüadt 1877. ist wohl ein herrlicher Anblick! Er ruht aus vier in Gold, Silber, Edelsteinen und Perlmutter eingelegten Säulen. Ober dein Altäre erhebt sich eine Kuppel in Mosaik auf Goldgrund, Christus mit den vier Evangelisten darstellend; um den Altar herum stehen drei in Silber und Gold gepresste Särge. Nun kam die Besichtigung des Schönsten und Intereffautesten, nämlich der kleinen Moseskapelle, wo an Stelle des Mtars der brennende Dornbusch gestanden haben soll! Wie eine Sitmme des Himmels dem Moses zurief: ״Löse deine Schuhe, denn dieser Ort ist heilig!" so halten es jetzt noch die Priester, und auch wir mussten vorerst unsere Schuhe ausziehen. Die Capelle ist ein mit färbigen Kacheln getäfelter, sehr kleiner Raum, und die Wände sind mit unzähligen, interessanten Heiligenbildern geschmückt. Der Altar ans getriebenem Golde und Silber, ist stets von vielen Lichtern beleuchtet. Auf ihm liegen die vier Original-(?)Evangelienbücher; sie sind Prachtvoll, die -Einbände aus schweren! Gold, sind mit Miniaturmedaillons, Emailbildern und Mosaiks besetzt. Mit einem Worte, dieses Kloster hält einen unschätzbaren historischen und Geldwerth in sich verborgen. Nun wieder einige Treppen hinauf, hinab, und wir waren int Empfangszimmer, einer kleinen Stube, nach orientalischer Sitte mit Diwans an den Wänden; hier bekamen wir Compote und Kaffee und mussten uns in das Fremdenbuch eintragen. Es wurde uns dann noch eingehend die Bibliothek gezeigt, welche viele interessante alte Werke und Schriften enthält. Zum Schluffe musste ein Rundgang durch den mühsam in Stein und Geröll bearbeiteten Garten gemacht werden. Dieser Gärten ist ein reizendes Stücks Paradies inmitten dieser unabsehbaren Oede -und dieses ׳ öden Felsenmeeres.' (Erzherzog Otto . hat auch; von diesem Gärten zwei überaus^ prächtig gelungene photographische Aufnahmen gemachte) ״Es liegt" fährt. der Erzherzog in seiner Beschreibung fort, ״viel Mühe und viele Schreiben bei den gottesfürchtigen, berühmten Männern in in Mainz-(seit dem 11. Jahrh. ward Mainz als ein Hauptsitz Lalmudischer Gelehrsamkeit ^gerühmt) anlangte, schrieben sie den Gemeinden Frankreichs folgende Antwort: .״Alle Gemeinden haben Fast- und Bußtage ungeordnet. Wirthuen das unsrige. Gott mögeeuch retten, aus aller Noth und , Bedrängnis. Wir sind euretwegen sehr in Aengsten. Was jedoch uns aubelangt, so, haben wir noch kaum etwas, von der- Sache gehört." Und als die-Irrenden (Kreuzfahrer) hereinkanien. in dieses Land, da verlangten sie Geld, um Brot zu. kaufen. Wir gaben es ihnen. Alles , dies half uns aber nichts.. denn . die Städter . in jeder Stadt, wohin die Irrenden kamen, reizten..diese wider uns auf und standen ihnen bei, um uns auf dem ganzen Wege! - bis Jerusalem auszurotten. Als nun eine sehr große Schaar׳ der Irrenden angelangt war, sprachen einige der Herrn, welche; in diesem Königreiche (Deutschland) sich׳ befanden: ״Warum; : bleiben wir so müßig? Lasst uns mit ihnen ziehn! Denn ein jeder, der diesen Weg geht und sich den Strapazen und Mühen der Reise unterwirft, tun zum Grabe des Nazareners .zu ge-; langen, ist zur Seligkeit im Paradiese bereitet." Und da versammelten sich die Irrenden und die Städter, sowohl Herrn als gemeines Volk, bis sie soviel als Sand am Meere waren, und ließen bekannt machen: ״Wer einen Juden tödtet, dessen Sünden sollen vergeben sein." . Und es geschah, dass die Gemeinde zu Mainz dieses alles hörte, da schrieen sie gewaltig zu Gott, verbrachten Tag und Nacht int Fasten und Beten, und dennoch׳ hat sich Gottes Zorn - nicht von uns gewandt. Vielmehr kamen die Fremden herbeß ,stellten sich vor unseren Häusern auf, und erblickten!sie - einend׳!^ von uns, liefen sie ihm nach und stachen ihn mit Spießen, so ... dass wir nicht mehr unsere Thürschwelle zu überschreiten Anstrengung, von Menschenhand in dieser kleinen üppigen Oase. Stein um Stein musste weggehauen werden, die Erde musste., man mühsam zusammentragen, Mauern zum Schutze gegen . Sturm mussten aufgebaut werden, unt dann durch weitere mühevolle Arbeit diesem Garten eine solche Ueppigkeit und so. . schönes Wachsthum der verschiedenartigen Obstbäume zu bringen. Wohlthuend ruht das Auge auf diesem sanftigen Grün, welches; wir so lange entbehrten.! - Ganz entzückt von all' dem Gesehenen, verließen wir das :; Kloster; der Lunch erwartete uns bereits in dem schon fast abgebrochenen Lager. Bald bestiegen wir die Kämeele; wir reisten im Wadi. Scheck) und schlugen erst spät Abends die Zelte im Wadi Tarfa (Thamariskenthal auf.) - Der Erzherzog gibt nun in mehreren Abschnitteneine > mit beigefügten bildlichen Darstellungen Beschreibung seiner Rückreise vom Wadi Tarfa zum Wadi Gerag über Wadi Hebran und zurück bis gar nach Tor und von dort wieder-mittelst des. . erwähnten Dampfers ״Teazar" zum Ausgang der Erpeditiou nach Suez; in Tor schiffte sich der Erzherzog am 11. März 1894 Mittags ein. Eines Sturmes wegen musste der kleine Dampfer noch am nämlichen Abend eine Bucht anlaufen und auf dem Lande (auf einer Sanddühne) abwarten, bis sich die Elemente beruhigten. ., ״Als wir," fährt der Autor fort, auf der sandigen Küste anlangten und wir uns ein Lager unter einem Felsen .hergerichtet hatten, mag dies wohl, ein Bild wie: das Landen von Schiffbrüchigen gewesen sein. . . . . Die Sonne geht goldig unter, - . die See scheint sich zu beruhigen; der Capitän. sendet uns das Boot, um uns'wieder unter, seine. Fittiche au Bord des braven , ״Teazar" zu. nehmen, und mit .den. trockenen Worten des Capircins.: ״Gehen wir, es wird schon besseres Wetter werden!'/ dämpften wir weiter. Anfangs gieng die Sache recht flott, nur einige träge Wellen brachten unser. Schifflein in . unregelmäßige.-A!