Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-11-11 · Heft 26 (11.11.1895) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 26 (11.11.1895)
Date
1895-11-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/1304829-3453335-3453361--4399-3458857
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2. Gesrerreichisch-ungarische Lantören-Zeitung. vtr. 26. Geige, hurch die Herrn Konzertmeister David und Joachim, ist I hierbei meine hauptsächlichste Mitarbeiterin gewesen," — Schon in den ersten Schuljahren kann der Gesang eine thatsächlich erzichende Macht im Leben des KindeI werden, wenn diejugendliche Individualität heilig gehalten wird. Die Grenzen des kindlichen Stimm- und Begriffsvermögens müssen aufs sorgfältigste gewahrt, und bei allem Gesungenen auf Zeit- und Lebensverhältniße möglichst direkt Bezug genommen werden. Im Winter sind Liedchen am Platze, welche die Wintersteuden und Eis- und Schneeherrlichkeiten schildern, im Sommer solche, die Augen und Herzen des kleinen Volkes auf die Poesie der schönen Jahreszeit hinleukeu. Der Knabe singt nach seiner Art lieber Marsch-, Wander-, Soldatenlieder, das Mädchen Wiegenlieder. Wie reißt es die Knabenherzen zu froher Begeisterung hin, wenn die durch geschichtliche Vorträge geweckte und genährte Vaterlandsliebe in einem gemeinsamen patriotischen Gesang ausklingt. Wie flink und fröhlich regen sich die nadelbeschäftigten kleinen Finger der zukünftigen Frauenwelt, wenn ihnen die kommenden Freuden und Pflichten des Hauses an den lustigen Klängen eines graziösen Puppentänzchens oder den sinnigen eines Wiegenliedchens lebendig gemacht werden. Wie empfänglich sind die jungen Seelen für die Wunder und Reize der Natur, für alles Große, Gute und Schöne im Bereiche ihres kindlichen Denk- und Empfindungsvermägens, wenn ein passendes Lied ihnen Herz und Sinn dafür öffnet. Die erziehliche Bedeutung der Schulgesangspflege ergibt sich hieraus von selbst und damit auch die ׳nothwendige Forderuug, welche an die pädagogische und künstlerische Leistungsfähigkeit der Lehrkräfte gestellt werden muß. Der Gesangslehrer soll ein Pädagoge von Gottes Gnaden sein, ein Kinderfreund und Poet, vor allem aber ein erfahrener einsichtsvoller Musiker, der knustgemäß zu singen und die ihm anvertrauten jugendlichen Drei Wochen auf der Halbinsel Sinaj. (Erzherzog Oiko als Schriftsteller.) Bon Alois Kulka. (Nachdruck verboten.) Bekanntlich unternahm Herr Erzherzog Otto, der zweite Sohn des Herrn Erzherzogs Carl Ludwig, im Monate Februar des vorigen Jahres in Begleitung des Grafen Geza Szechenyi und des Oberlieutenauts Baron Berg und eines weitere» kleinen Gefolges von Cairo aus eine Reise nach der Halbinsel Sinaj. Der Erzherzog führte während dieser Reise ein Tagebuch, in welches er die interessanten Neiseerlebniße und die Eindrücke, die er von Land und Leuten erhielt, verzeichnete. Außerdem machte der Erzherzog, der als tüchtiger Maler und Zeichner sich bereits in der Kuustwelt einen Ruf erworben, persönlich zahlreiche photographische Aufnahmen, welche auch im letztverflossenen Sommer in der Ausstellung des Salzburger Künstlerhauses exponirt waren. lieber diese Reise erschien nun kürzlich unter dem Titel ״Drei Wochen auf der Halbinsel Sinaj" eine von dem Erz- Herzog verfasste Reisebeschreibung, die auch für die Leser der ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung" interessant sein wird. Das äußerlich prachtvollst ausgestattete, 68 Großoctav-Seiten umfassende und mit 29 kunstvoll ausgeführten Lichtdruckbildern (nach den vorerwähnten Photographien) geschmückte Buch ist in überaus fesselnder Weise geschrieben. Die ersten zwei Exemplare dieses Buches wurden vom fürstlichen Autor Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin zugeschickt. Es dürste vielleicht unseren Lesern willkommen sein, zunächst über die Ausstattung dieser beiden Exemplare etwas zu erfahrein Der Einband ist bei dem einen Buche aus weißem, bei dem anderen aus Hellbraunem feinsten Chagrinleder hergestellt. Auf der Vorderseite ist oben in der linken Ecke ein in Stimmorgane naturgemäß zu behandeln versteht, der in den höheKn Bilduuffsanstalten den höheren Interessen d es künstlerisch ästh etisch en . Gesangsunterrichtes entsprechen und dem Schüler, auf Grund einer stufenweise fortschreitenden Musikpflege, den Weg bühnen soll zu einer rationell systematischen und ästhetischen musikalischen Ausbildung, welche das beste Mittel wäre, der so selbstbewusst auftretendenunheilvollen musikalischen Halbbildung, dem Haschen nach Effekt und der Geschmacklosigkeit'entgegenzuarbeiten, die in Herz ünd Haus die Musik so oft zu einem Dornen tragenden Uebungsfeld machen, und gegen welche die auf Entfaltung.des Gemüthslebens gerichtete ästhetische Erziehung mit aller Kraft zu kämpfen hat. Möchten hier Schillers Worte zur Beherzigung dienen: ״Wirke Gutes, du nährst der Menschheit göttliche Pflanze Bilde Schönes, du streust Keime der Göttlichen aus." ... Dass naturwidriges Singen der Gesundheit schädlich,-naturgemäßes Singen dagegen eine heilsame Lungengymnastik ist, sind längst bekannte Dinge. Gleichwohl abgesehen von der mehr oder minder richtigen Behandlung der Stimmorgane, wird selbst oft die für das Singen erste und nothwendigste sanitäre. Maßregel, ein gut gelüftetes Schullokal, mitunter außer acht gelassen, Es zeugt von dem schier unverwüstlichen gesunden Musiksinn und der großen musikalischen Begabung unserer Nation, dass bei all den bektagenswerthen Schäden in der Hausmusik und Gesangspflege die Freude an der Tonkunst fortdauert und aller- Wege nach wie vor in Deutschland musizirt wird. Umso ernster tritt die Pflicht an uns heran, auf Abhilfe gegen die Mißgriffe beim Musikunterrichte zu denken, um eines der entwickeluugsfähigsten, edelsten idealen Nationalgüter dem kommenden Geschlechte in reinster Fassung zu erhalten. . Hier gilt Feuchtersleben's bedeutungsvolles Wort! ״Haltet euch ans Schöne! Vom Schönen lebt das Gute im Menschen und auch seine Gesundheit." Gold ausgeführtes ״O" (bedeutet Otto) mit einer Goldkrone darüber angebracht. Schräg über der Mitte ist in Gold- und Schwarzdruck der eingangs erwähnte Titel zu lesen, unter welch' letzterem eine Miniatur-Landkarte der Halbinsel Sinaj" in geschmackvollster Farbeuausführung mit der Reiseroute des - Erzherzogs zu sehen ist. Das zum Druck verwendete Papier ist das denkbar feinste, elfenbeinfarbig und mit feinstem Goldschnitt versehen. Die ersten zwei Seiten enthalten den Titel des Buches und das erste kunstvolle Lichtdruckbild ״Auf dem .Passe Ras el Nakb" darstellend, auf welchem der' fürstliche Autor, eine hohe, schlanke, ritterliche Gestalt, in leichter Reisckleidung inmitten der eingangs erwähnten Reisebegleituug und!Eingeborener der Halbinsel Sinaj dargestellt ist. . . . Und nun wollen wir unseren Lesern aus dem dem Schreiber dieser Zeilen von Seiner kaiserlichen Hoheit dem Herrn Erzherzog Otto gnädigst zum Geschenke-gemachten -Buche die nachfolgenden Schilderungen über.einen Besuch im Sinaj- Kloster auf dem Berge Sinaj, sowie über eine stürmische Seefahrt wiedergeben. ״Vom Sinaj-Kloster zum Wadi Tarfa, den 7. Mürz 1895. ״Für heute vormittags war die Besichtigung des Klosters in Aussicht genommen. Vorerst muß ich erwähnen, dass wir eine schrecklich kalte Nacht zu überstehen hatten; das Wasser in den Waschkrügen war in der Früh mit einer Eiskruste überzogen. Nachdem wir uns mit einigen Schalen Thee erwärmt hatten, begaben wir uns um 8 Uhr in das Kloster. Der Eintritt ist nur bis 11 Uhr gestaltet, da von dieser Zeit ab die Mönche den ganzen Tag in beschaulichen Gebeten verbleiben. Wenn man die wüsten, falschen Gesichter dieser. Mönche sieht, glaubt mau wohl nicht, dass-diese Vorschrift eingehalten wird." Der fürstliche Autor gibt nun. in den folgenden . Zeilen einige Daten über die Entstehung des Klosters, welches als das älteste christliche bezeichnet wird, und fährt daun fort:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.