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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-11-01 · Heft 25 (1.11.1895) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 25 (1.11.1895)
Date
1895-11-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite-L Gesterrerchisch-ungarlsche Lantoren-Zeitüng. Nr. 25. ׳ist vom Cultusgemeindevorstande der zuständigen Politischen Bezirksbchörde in - anzuzeigen. Falls von der Staatsbehörde innerhalb 30 Tagen nach; erfolgter Anzeige keine Einspräche erhoben wird, hat der Kultus-' gemeindevorstand den ernannten Rabbiner in's Amt einzuführen und die Bestellung desselben durch Anschlag in allen im Sprengel der Eultusgemeinde befindlichen öffentlichen Bethäuser zu verlautbaren. / cFortsetzung folgt.)'; Gin Beitrag;ur talmudischen Pädagogik. Von den im Talmud und Midrasch vorkommenden Spielen und Spielzeugen der Kinder, nebst einer wichtigen Lehre für die jetzigen Eltern. Von Ifra el Sing er, Religionsprofeffor am Ober-Gymnasium in S. a. Ujhely. Nachdruck nur mit Erlaubnis des Verfassers gestattet. (Schluss.) Wir glauben nun, dass diese aufgezählten Vergleichungspuncte auch mit unseren Nationalfeiertagen folgendermaßen in naher Beziehung stehen und an sie erinnern. a) Das Befreiungsfest erinnert, dass Gott an Israel, obwohl sie noch- Sclaven waren, dennoch dessen Verdienste erkannte und zwar unter Anderem, dass es seine Familientugenden und Traditionen treu bewahrte und sich nicht mit Egypten affimilirte, weshalb er es aus Egypten bestelle. An das erinnert der zweite Vergleichungspunkt. b) Das Offenbarungsfest מתן תורה erinnert an die ״Gotteslehre", deren Kundige die Mildthätigen bewahren, wie die Mssschale ihre Frucht, und auch -wie diese Frucht nur durch ihre Schale erhalten wird, so werden die Mildthätigen nur durch den Schutz und die Leitung der Gelehrten erhalten. Daran erinnert der 3. und 5. Vergleichungspunkt. 6) An den Neujahrs- und Versöhnungstag erinnert der 4. Punkt, nämlich, dass Israel von seinem Sündenschmutz rem sein wird. 1־ d) Das Hütten- oder Einsammlungsfest erinnert: an den 6. Vergleichungspunkt, denn an diesem Fest sollen wir besonders die Armen durch Unsere Wohlthaten erfreuen, so wie wir selber uns des vom Felde eingesämmelten Ertrages freuen. : Es heißt auch die Zeit unserer Freude. An die an diesem Feste gebrauchten .vier Pflänzenärten erinnert der 1: Vergleichungspnnkt. ׳ An diesem Feste spielen die Kinder besonders gern mit Nüssen. Da nun die Nüsse zu der israelitischen Nation und zu ihren Feiertagen insbesonders symbolische Beziehungen haben, so.dürsten sie von ältesten Zeiten her als Kinderspiel benützt worden -sein, insbesonders an den Nationalfeiertagen, um den Kindern die aus den aufgezählten Vergleichungspunkten zu ziehenden religiös-sitttlichen Lehren zu veranschaulichen und hindurch das Nützliche mit dem. Angenehmen zu verbinden. Nebenbei bemerken wir noch, dass in genannter Midraschstelle auch die Quelle jenes ehemaligen Gebrauches ist, den bei einer Beschneidung anwesenden Knaben Nüsse vorzuwerfen, welchen Gebrauch Schreiber dieser Zeilen in seinem Geburtsorte Paks, einer alten frommen Gemeinde in Ungarn, vor fast 60 Jahrengesehen zu haben sich erinnert, Von dem Nussspiel waren und sind sind zumeist folgende zwei Arten üblich: 1. dargas דרגש (Stufenspiel) 2. bechores בכורת (Erstgebornenspiel). Das Darga-Spiel besteht darin, dass auf drei aneinander gelegte Nüsse. eine vierte gelegt wird. Gewöhnlich stellt jeder Spieler eine Darga auf, und sind mehrere betheiligt, , so werden die Dargas in einer Kreisform aufgestellt, indem eine Darga in die Mitte kommt. Mit einer möglichst großen Nuss wird von einer bestimmten Stelle aus nach den Dargas geworfen. Wem es gelingt, eine Darga derartig zu treffen, dass die obere Nuss herunterfällt, der hat die betreffende, und auch alle anderen Dargas, von welchen die obere Nuss hinunter geschlagen ist, gewonnen. 2. Das Bechores-Spiel. Hierbei wird von jedem Spielenden eine gleiche Anzahl Nüsse eingestellt, welche in einer geraden Aus guter alter Zeit. Von Rosa Stransky. In der Judengasse meiner Heimath gieng's am Donnerstag besonders lebhaft zu, denn es war Wochenmarkt. Aus mehreren Dörfern kamen die Bauersleute und mussten durch die ganze lange Judengasse gehen, um auf den Ringplatz zu gelangen, woselbst der Markt war. Nebst allen zum Verkauf hereingebrachten Nahrwtgsmitteln spielten die Gänse eine Hauptrolle. Im Bewusstsein dessen ließen diese ihren Schnäbeln freien Lauf. Was schnatterten sie alles zusammen, wenn sie aus 8 bis 10 Dörfern zusammenkommend, zu erzählen anfingen! Im Eifer ihrer Herzensergüsse kümmerten sie sich gar nicht darum, dass inzwischen Frauen und fürsorgliche Männer sie besichtigten, in die Höhe hoben und wieder sanft oder unsanft auf ihr Strohlager zurückließen. Flügel und Füße waren zusammengebunden; doch gerade dies beklagten sie in allen Tonarten und wurden umso lauter, als sie trotz ihrer spärlichen Auffassung wahrnahmen, dass es ihren Gebietern unangenehm sei. Die Preisforderung und der kaum halbe Anbot wurden oft kaum verstanden, und über das Feilschen wurden die gefiederten Gefangenen oft so zornig und vorlaut, dass man das eigene Wort nicht hörte, doch auch dies erreichte seinen Abschluß. Der eine Theil nahm das Geld, der andere die Gans oder auch mehrere und jeder zog seines Weges. Ein abermaliges Zusammentreffen der befiederten Freunde war im Hofe des Schächters. Schochet? O nein! so hieß er ja bei uns nicht, rotzdem er Gänse ohne Zahl, Kälber, Kühe und Ochsen schlachtete,׳ und wir ihn bei dieser Gelegenheit mit blutiger Schürze, langen Messern und. dem Schleifstein im Schürzenlatz sahen. Wir nannten ihn doch immer nur ״unseren Chasen". Chasenleben war bei uns sein Name, obwohl er Reb Ahron hieß. Chasenleben nannten ihu auch die christlichen Fleischhauer und die rohesten Gesellen haben ihn so angesprochen, aber ohne Spott und ohne Hohn; und e r, o, wie freundlich blickte er jeden an, der ihn so ansprach, welche Herzensgüte, Menschenliebe und Lebensfreudigkeit blickte aus seinen freien, durch kein Glas verhüllten Augen; aber auch der Schalk, Witz und Geist sprühte zuweilen aus ihnen, während er seines ihn sehr in Anspruch nehmenden Amtes waltete. Selbst da noch, wenn er des Nachts aus seinem behaglichen Bette in den schneeigen Hof musste, weil eine Gänslerin mit ihrer vor Fett erstickenden Gans ihn weckte, damit diese geschlachtet werde, bevor sie verendet, selbst da machte der heitere Chasen durch Witz die Bemerkung, die jeder andere in Zornesworteu ausgestoßen hätte; denn die Gans hätte schon Nachmittags ihrer Bestimmung zugeführt werden können und er hätte jetzt nicht im Schlafe gestört werden müssen. ״Dass die Gans um 2 Pfund mehr bekommt, verstören Sie sich die Nacht und kommen jetzt statt schon am Nachmittag". ״Nichts für ungut Chasenleben,. nächste Woche werde ich gewitzigt sein," antwortete sie demüthig. Eine Woche darauf kam die Gänslerin um 4. Uhr morgens in derselben Situation. ״Das ist eine rücksichtsvolle, brave Gansdenn sie hat mich wenigstens im ersten. Schlaf nicht wecken lassen", sagte er diesmal. . Am meisten verdroß ihn,, wenn bei solchen -häufigen nächtlichen Störungen das Esterleben, sein geliebtes Weib, gestör

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