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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-10-21 · Heft 24 (21.10.1895) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 24 (21.10.1895)
Date
1895-10-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Gesterreichisch-ung arische Lantoren-Zeitung Seite 5. Nr. 24. Wir . finden-. hiezu eine analoge Andeutung in den Worten des Propheten Jerm. (Klgl. 4,10). Die Hände zärtlicher Frauen — oder verzärtelnder Mütter — reifen בשלו allzufrüh ihre Kinder, sie werden ihnen zur Speise". Man kann hier auch anwenden die Worte des Königs Salomo (Hohel. 27). ״Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems, dass ihr die Liebe nicht aufregen und nicht erwecken sollet vor der gewünschten Zeit!" Möchten die Eltern diese Worte zu ihrem und ihrer Kinder Wohle weislichbeherzigen, um eventuell nicht von Vorwürfen gequält zu werden. ״Versündigt euch nicht am Kinde!" (Gen. 42 21). Zum Schlüsse Nennen wir noch ein Spiel, das mehr als die bisher genannten ausschließlich von den jüdischen Kindern gespielt wird, daher man es mit Recht ein jüdisches Nationalspiel nennen kann. Es wird auch zumeist eben an den jüdischen Nationalfesten, besonders am Befreiungs- und Hüttenfest (Peßach und Sukkoth) eifrig gespielt. Es ist dies das ״Mssespiel". — Sein hohes Alter ist schon daraus zu ersehen, indem es schon im Midrasch Rabb. z. Hohl, 6. 11. auch in Jalkut ibid. als ״Kinderspiel" genannt wird. Wir glauben, dass ebenso Hierselbst, nämlich nachfolgende Bemerkung des Midrasch, die Quelle und Ursache der Beibehaltung dieses Nationalspieles ist. Es werden nämlich daselbst 17 symbolische Vergleichungspunkte zwischen der Nuss, resp. den Nussbäumen und der isr. Nation aufgezählt. Aus Mangel an Raum führen wir hier nur folgende 6 derselben an, die mit unserem Gegenstände in naher Beziehung stehen: 1. ) Wie die Nuss vier Abtheilungen hat, ebenso theilte Moses Israel beim Auszuge aus Egypten in vier Hauptabtheilungen ein mit vier Fahnen, nämlich die von 1. Judah, 2. Rüben, 3. Efrajim und 4. Dan. 2. ) Wie die Nuss diejenigen, die ihre innere Frucht nicht kennen, nur werth loses ״Holz" zu sein scheint, jedoch beim Oeffnen derselben mehrere Abtheilungen genießbarer Frucht darin finden, ebenso erscheint Israel den Nationen ganz verdienstlos. Aber wenn sie Israel näher kennen, dann erfahren sie dessen große Verdienste um die Weltzivilisation und dessen genießbare Früchte. 3. ) Wie die Nussschale ihre Frucht bewahrt, ebenso bewahren in Israel die Gelehrten durch ihre Belehrung ihr Volk vor Verderben. 4. ) Wie die Frucht der Nuss nur durch den Schutz der ״Schale" erhalten wird, ebenso wird Israel nur durch den Schutz seiner Weisen, Gelehrten, wenn es ihnen folgt, erhalten. 5. ) Wie die Nuss, wenn sie beschmutzt worden, durch Abwaschen wieder rein wird, ebenso wird Israel durch Buße, besonders am ״Versöhnungstage", von seinem Sündenschmutz gereinigt. 6. ) Wie es dreierlei Misse giebt. nämlich erstens solche, die sich selbst öffnen ״Egüse perech" אגחי פרך, diese sind die ' besten; zweitens solche, die leicht aufzuschlagen sind; und drittens solche steinharte, die erst durch einen starken Schlag aufgeschlagen werden können, die dann ungenießbar sind: ebenso gibt es drei Klassen Israeliten hinsichtlich ihres Wohlthätigkeitssinnes. 1. Manche, deren Herz zu Wohlthun von selber offen steht. 2. Solche, die durch Ansprechen leicht zur Wohlthat zu . bewegen sind; und 3. solche, die selbst beim Ansprechen um Spenden hartherzig bleiben und ungenießbar sind. Auf diese Letzten ist anwendbar der Spruch: ״Eine Thüre, die nicht für eine Wohlthat geöffnet wird, die wird fiir den ״Arzt" geöffnet werden". Bisher der genannte Midrasch. (Schluss folgt). Die musikalijche Erziehung?) 17. Die Musik kann, durch die Klangwirkung und durch andere ihr zu Gebote stehende Mittel allgemeine äußere Vorgänge und Bewegungen schildern, aber die Vorstellungen, die wir an dieselben kmipfen, trägt unsere Phantasie hinein, die bei jedem einen anderen Stift führt. Die Musik vermag z. B. zu poltern, wogen, donnern, stürmen, säuseln. Der Eine hört aus ihrem säuselnden Getön leises Blätterrauschen und träumt sich einen stimmungsvollen Frühlingsabend hinzu, ein Anderer trägt die flüsternde Zwiesprache der Liebe hinein. Dem Einen klingt aus den machtvollen Tonwogen, dem Rauschen, Donner», Dröhnen, Stürmen eines Orchestersatzes die brausende Brandung des Meeres, der Andere stellt sich ein heraufziehendes Gewitter vor, ein Dritter wähnt Kanonendonner und Schlachtgetöse zu vernehmen. So konnte es einst der Freundin Chopins und Liszts, George Sand, passiren, dass sie, im guten Glauben die Beethovensche Eroika zu vernehmen, sich zu den Klängen der Pastoralsymphonie, die sie thatsächlich hörte, Kriegsscenen und Heldenbilder ausmalte. Die Musik kann zur Freude, Wehmuth, Trauer u. s. w stimmen, doch die Gefühle der Freude, Wehmuth, Trauer, die sie erregt, nicht darstellt, sind gleichfalls von der individuellen Stimmung der verschiedenen Hörer abhängig und tragen das Gepräge derselben. Dasselbe Tonstück, das etwa den Jüngling zur Sehnsucht sttmmt, tönt dem Greis die Resignation der Wehmuth ins Herz hinein. Die Musik weckt an und für sich weder concrete Vorstellungen noch bewusste Gedanken, nur Empfindungen. Aber die Gefühle, welche sie erregt, werden zu Gemüthssttmmungen. und das, was sie in unserer Seele hervorruft, ist wesentlich der poetische Reflex unseres eigenen Herzens. Nur so ist es erklärlich, wie ein und dieselbe Musik verschiedener Deutung fähig ist und auf verschiedene Hörer die verschiedenartigsten Eindrücke hervorbrmgen kann. In ihrer eminenten subjecttven Gewalt liegt zum großen Theil der wunderbare dämonische Zauber der Musik, und, was bereits Plato erkannte, zugleich der Angelpunct ihrer erziehlichen Macht. ״Nichts ist schön, als unsere Empfindung für das Schöne", sagt Jean Paul. Es giebt, wie in allen Künsten, so auch im idealen Reich der Töne ein reales, natürliches, allgemein verstündliches, die Sinne befriedigendes Schönes. Es ist das Angenehme, das sinnlich Wohlgefällige, was jedem zugänglich, der nicht taub geboren. ״Alle geordnete Bewegung ist naturgemäß und darum der Natur angenehm und heilsam", sagt Aristoteles, im Hinweis aus die ästhettsche und ethische Wirkung der in Bezug auf Melodie, Rhythmus und Harmonie geordneten Erscheinungsformen der Musik. Es giebt ein geistig Schönes, fiir das jeder nur insoweit empfänglich, als sein Gemüth durch Anläge oder Erziehung dafür geöffnet und sein Geschmack und Urtheil dafür entwickelt ist. Selbst die Natur in allen ihren Reizen gewinnt ihre gottverkündende Schönheit nur in den Augen dessen, dem ein gewisser Schönheitssinn angeboren oder durch entsprechende Bildung zu eigen geworden ist. *) S. öftere.- Ungar. Cantoren-Zeitung Nr. 23 ex ״Neue illüstr. Musik-Zeitung" (Verlag Carl Grüninger, Stuttgart). .

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