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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-10-11 · Heft 23 (11.10.1895) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 23 (11.10.1895)
Date
1895-10-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. dir. 23. und die Jad, sehr geistreich interpretirte. Für die Kls-Kaudsseli, welche das Lecker-Miora heute noch entbehrt, spendeten in munificenter Weise Herr Albert K o h n fl. 100 und noch zwei Vereinsmitglieder je 25 fl. Den Schluss der schönen Feier bildete eine Ansprache des Vereinsmitgliedes Ehrlich, der Ln schwungvollen Worten den Speichern den Dank des Vereines abstattete. Wien. In Folge Ablebens des langjährigen Obmannes des Kranken u. Unterstützungsvereines ״Montefiore" in Wien, des Herrn Isidor L. W e i ß, wurde am 7. d. M. der bisherige Obmann-Stellvertreter, Herr Nathan K ö n i g s b e r g e r, Armenrath des 2. Bz., zum Obmann, und Herr Philipp Weiner, Armenrath des 2. Bz., zum Obmann-Stellvertreter gewählt. Wien. Vor Kurzem begieng Einer von der alten Garde der Gemeindediener der Wiener-Cultusgemeinde, Herr Jacob Nessl, in aller Stille den 40. Jahrestag seines Dienstantrittes. Der rüstige Jubilar, der die Wiener-Cultusgemeinde gewissermaßen noch in den Kinderschuhen stecken sah, erwarb sich während seiner langen Dienstzeit durch eifrige Pflichterfüllung, wie nicht minder durch seinen biederen Charakter die Anerkennung und Werthschätzung der jeweiligen Vorsteher, und auch, unter den Gemeindemitgliedern, mit welchen er als Tempeldiener und Funktionär der Ckewra Kadiselia in regem Verkehre steht, erfreut er sich vielfacher Sympathien. Wien. Das Wohlthätigkeitsbureau des Baron Hirsch.) In den letzten Tagen tauchte wiederholt die Nachricht auf, dass Baron Hirsch seine in Wien und Galizien für arme Gewerbetreibende ohne Unterschied der Confession errichteten Wohlthätigkeits-Jnstitute aufgelöst habe. Die Nachricht ist in dieser Form unrichtig. Weder das in Wien, noch die in Galizien bestehenden Wohthätigkeits-Jnstitute wurden aufgelöst, sondern blos reorganisirt. Das Wiener Bureau wurde von Baron Hirsch monatlich mit 10.000 fl. dotirt. Das galizische Institut erhielt 12.000 fl. monatlich. Die Leitung des Wiener Jstitutes war einem Damencomite anvertraut. Baron Hirsch hat nunmehr die Leitung des Institutes aus sachlichen Erwägungen einem aus drei Herreu bestehenden Comite übertragen. Die Reorganisirung besteht hauptsächlich darin, dass nunmehr blos unverzinsliche Darlehen gemährt werden. Gegen einen Darlehensnehmer, der zahlungsunfähig geworden, werden auch in Zukunft keine gerichtlichen Schritte ergriffen werden. Doch soll jeder, der seiner Zahlungspflicht nicht nachgekommen ist, die Berechtigung verlieren, ein zweites Mal die Hilfe des Institutes in Anspruch zu nehmen. Die neue Leitung nahm ihre Thätigkeit bereits Dienstag, den 1. October auf. Das neue Bureau befindet sich in der Weihburggasse. GödiNA. Am 10. October l. I., am Vorabende des Simchas-Thora-Festes begeht unser hochverehrter Vorsteher, Herr Wilhelm Lech ner, seinen 80. Geburtstag in voller körperlicher und geistiger Frische, gleichzeitig das vollendete 25. Jahr seiner außerordentlich anerkennuugswerthen Amtschätigkeit als Vorsteher der hiesigen Israel. Cultusgemeinde. Adonajjitten lauaiireek jomim u’selmaTis chajim. Möge der Wknächtige ihn noch viele Jahre zum Wohle der Gemeinde wirken lassen. Lemberg. 7. October. Ministerpräsident Graf B a d e n i erklärte gegenüber den israelitischen Cultusräthen von Lemberg, Krakau und Tarnow, welche gleichfalls bei der Abschiedsaudienz erschienen waren, er halte es für angezeigt, dass sich die Bürger verschiedener Eon- Zessionen in gemeinschaftlichem Wirken zum Wohle des Landesvereinigten. Er zollte der Haltung der galizischen Juden vollste Anerkennung und drückte seine Genugthuung darüber aus, dass das Gift des Antisemitismus, das in anderen Theilen Oesterreichs die Luft verpestet und schon so viele Schäden verursachte, in Galizien . nicht Eingang gefunden hat und hoffentlich auch nicht finden wird. Keichenberg. 8. October. In der gestrigen vertraulichen Sitzung des Gemeinderaches gelangte das Ansuchen des Stadtverordneten Heinrich. Lang stein um Aufnahme in den Ge- . meindeverband zur Berathung. Längstem, der Jude ist und der Stadtvertretung angehört, hatte schon, vor Monaten um die Zuständigkeit in-Reichenberg angesucht-. Seit einer -langen- Reihevon Jahren wohnt Längstem in Reichenberg, und für die allgemeine Achtung, deren er sich erfreut, spricht wohl auch seine Wahl zum Stadtverordneten. Dem in seiner Majorität antisemitischen Gemeinderathe von Reichenberg kam dieses Gesuch recht ungelegen. Die Erledigung desselben wurde dadurch verzögert, dass in jenen vertraulichen Sitzungen, in denen hierüber verhandelt werden sollte, sich die antisemitischen Mitglieder vor der Abstimmung entfernten, um die Beschlußfassung zu verhindern. Da ein anderer Grund als die Confession des Gesuchstellers für die Ablehnung seines Gesuches zur Aufnahme in den Heimathsverband nicht vorlag, wurde in der Zwischenzeit Langstein in vertraulicher Weise nahegelegt, er möge sein Gesuch zurückziehen. Stadtverordneter Langstein erlärte aber, sich hiezu nicht veranlasst zu sehen. Würde man sein Ansuchen im Gemeinderathe ablehnen, wozu nach dem Gemeindegesetze freilich die Gemeindevertretung ohne Angabe von Gründen berechtigt sei, so werde kein Zweifel mehr obwalten, dass die antisemitische Majorität entschlossen sei, überhaupt keinem Juden mehr die Zuständigkeit in Reichenberg zu gewähren. In der gestrigen vertraulichen Sitzung des Gemeinderaches kam es in Folge dessen zur Abstimmung. Stadtverordneter Dr. Knizek beantragte, da Herr Langstein Mitglied des Collegiums ist, die debattelose Aufnahme desselben, wie sie in allen ähnlichen Fällen früher bewilligt wurde. Bei der Abstimmung wurde das Gesuch mit den Stimmen der Majorität gegen jene der Minorität abgewiesen. Damit ist in der That klargestellt, dass die Antisemiten im Gemeinderathe von Reichenberg keinem Juden mehr die Zuständigkeit in der Gemeinde gewähren wollen, wenn sie selbst das bezügliche Gesuch eines Mitglieds des Gemeinderaths-Collegiums von der Gewährung der Zuständigkeit ausschließen. Dieser Fall beweist zur Genüge wieder die Noch- Wendigkeit der Schaffung eines neuen Heimäthsgesetzes, um solchen Willküracten, die eine offene Verletzung der Gleichberechtigung der Staatsbürger bilden, einen Riegel vorzuschieben. Budapest. Trotzdem Obercautor B a ch m a n n nunmehr schon seit einem Dezennium am Rombachtempel in Budapest wirkt und man sich schon seit Langem mit seiner gottbegnadeten Künstlerschaft, mit der weihevollen und tief ergreifenden Art seines gottesdienstlichen Vortrages vertraut gemacht hat, hatte die am Sonnabend vor den hohen Feiertagen im Rombachtempel versammelte Gemeinde dennoch das Gefühl, als ob es sich gewissermaßen — um einen Probevortrag handeln würde. War doch Herr Obercautor Bachmann an einer Lungenentzündung, zu der sich immer wieder von Neuem mancherlei Complicationen gesellten, erkrankt und fast acht Monate lang ans Krankenbett gefesselt gewesen. Dies gab Anlass zu mehr oder minder bestimmten Gerüchten, dass die Stimme ״unseres" Bachmann sehr gelitten habe oder ganz geschwunden sei. Um so größer war die Spannung, mit der ״der Probevortrag" erwartet wurde, und um so außerordentlicher und angenehmer war die Ueberraschung, als sich, schon nach den ersten Tacten und dann im Verlaufe des Gottesdienstes, immer deutlicher und überzeugender herausstellte, dass Herr Bachmann nicht nur im ungeschmälerten Besitze seiner herrlichen, in ihrer Art geradezu einzig dastehenden Stimme geblieben sei. sondern dass dieselbe wahrscheinlich in Folge der langen Ruhepause an Kraft und Fülle noch zugenommen habe. Seit diesem Samstag-Gottesdienst hat Herr Bachmann nun auch schon ״Selichos" und an den beiden Neujahrstagen gebetet, ganz in der Weise, wie man es von ihm seit jeher gewohnt ist, mit colossalem, die höchsten Höhen beherrschenden Stimmaufwand, mit glänzender Coloratur und in jener phantasiereichen, empfindungsvollen Art, die noch viel höher steht als technische Ferügkeit und der Reichthum des Stimm- Materials und den Gebetvortrag zu dem macht, was er eigentlich sein soll — ein Mittel zur innersten Erbauung für die Gemeinde. Budapest, 1. October. Das denkwürdige Ereignis der ersten Civiltrauung nach dem heute in Kraft getretenen Gesetze über die obligatorische Civil-Ehe hat sich auf dem Standesamte Nr. 2 vollzogen. Es hatte sich zu dem bedeutungsvollen Acte

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