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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-10-01 · Heft 22 (1.10.1895) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 22 (1.10.1895)
Date
1895-10-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 22 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 3. 2. ״Pflichten ist. Schulmänner". genügend nächgewiesen. In nachfolgenden. Zeilen werden wir. Nachweisen, dass in ihm auch ״Kinderspiele" — indirecte Erziehungsmittel — Vorkommen. Bevor wir jedoch die im Talmud und Midrasch gedachten Kinderspiele und Spielzeuge, aufzählen, halten wir es angezeigt, .früher von dem physischen, moralischen und intellectuellen Werth der verschiedenen Spiele und Verfertigung der Spielzeuge in möglicher Kürze zu sprechen, mit Anführung diesbezüglicher Aeußerungen berühmter Pädagogen. а) Die Spiele gewähren den Kindern Erholung und Erheiternng, die ihuen besonders nach mehrstündigem, anstrengendem Schulunterrichte sehr svöthig und nützlich sind. . 1). ״Nach den Schulstunden ist ein Austummein des Geistes und Körpers durchaus nothwendig." (Hippel). , - b) Sie sind geeignete Mittel zur Erweckung und Hebung der Körper- und Geistesanlagen der Kinder. Denn alle Spielgenossen streben eifrig und mit dem Aufgebote. aller ihrer physischen und geistigen Kräfte, das Spiel zu gewinnen. Auch beim Anfertigen ihrer Spielobjecte werden besonders ihre Geisteskräfte entwickelt, wobei sie nicht selten — zur Beschämung der Erwachsenen — einen merkwürdigen Kunstsinn bekunden. 2) ״Die Spiele der Kinder sind keine ״Spiele", sie sind ihre ׳ernstesten Handlungen"׳. (Montaigne.) o) Manche Spielobjecte sind entsprechende ״Vorbereitungen" für den allgemeinen, nützlichen ״Anschauungs-Unterricht" oder Wiederholung dessen, was sie hievon bereits gelernt haben, denn die Kinder betrachten die ihnen Freude bereitenden Spielobjecte genauer als andere Gegenstände. 2) ״Die früheren Spiele sollen der geistigen Entwickelung der Kinder nachhelfen". (I. Paul.) d) Im Spiele äußern die Kinder unwillkürlich ihre Neigungen zu gewissen Tugenden oder Untugenden. Der Erzieher kann als stiller Zuschauer diese Neigungen erfahren, welche er berücksichtigen soll. So z. B. bekunden sie Schonungssinn, oder Zerstörungssucht gegen ihre Spielzeuge; ferner bekunden sie ihre Schadenfreude oder Theilnahme an dem ihren Spielgenossen verursachten Leides 4) ״Das Spiel der Kinder ist für die Erkundigung ihrer wahren Individualität sehr wichtig, weil sie darin rückhaltslos ihre Neigungen verathen können". (Rosenzweig). In diesem Sinne sagte schon der weise Sal. (Spr. 20, 11.) 5) ״Schon im Spiele gibt der Knabe sich zu erkennen, ob rein und tugendhaft sein Thun sein wird." б) Schon im Spiele erkennt man den Knaben, ob er Rosen oder Dornen Hervorbringen wird. (S. Midrasch Rab. Gen. 30). Es ist daher unvernünftig und unrecht, den Kindern ihren unschuldigen, ja mehrfältig nützlichen Genuß am Spiele zu verbieten. Nach diesen einleitenden Bemerkungen wollen wir jetzt von den im Talmud und Midrasch gedachten Kinderspielen, welche auch bei uns üblich waren, eventuell noch jetzt üblich sind, sprechen. I. Spielart: das Ballspiel; aber nicht nur in der bei uns . üblichen Weise, nämlich durch ״Nachwerfen", wobei ein Schmerz oder Beschädigung veranlasst werden kann, sondern allgemein durch ״Werfen von Hand zu Hand". Mindestens scheint dies bei den Mädchen so'gewesen zu sein, wie dies aus nachfolgenden Stellen zu ersehen ist. König Salomon sprach: die Worte der Weisen sind, wie Stachel ״Seitstäbeder Thiere. (Pred. 12, 11). Hiezu giebt der Midrasch Rab. (ibid.) folgende Erklärung: Die Worte der Schriftgelehrten, der Bewahrer der göttlichen Traditionen gleichen dem .Spielball der Mädchen" — aus dem einem Worte bildet der Midrasch. 2 Wörter ברזר*בבות — der Ball der Töchter — und sagt: Wie der Ball von Hand zu Hand geworfen wird und doch in jeder Hand unverändert bleibt, ebenso übernahm Moses die Lehre, Thora nebst der Tradition, am Sinai und überlieferte sie den Nettesten, diese überlieferten sie den Propheten, und diese übergaben sie den Männern der großen Synagoge, und von diesen übernahmen sie die Schriftgelehrten, und fte. bleibt dennoch unverändert. (Tr. Abot. 11. Talmud Jeruschalmi Sanhedr. 10, 1 und Tanis; Midrasch Rab. 4. Moses 14 Cap.) Die Ballen wurden, ähnlich den unseligen, von den Müttern zum Spiele für die Kinder verfertigt. Auch Knaben, sogar Erwachsene spielten Ballen, und zwar durch ״Nachwersen", und dies zuweilen mit solcher Kraft, dass hiedurch ein Todtschlag möglich war. (Tr. Sanhedrin 77 und Kelim 10, 4, 23, 1, 28, 6. Tr. Bezah. 12.) Von dem mehrseitigen Nutzen des Ballenspiels heißt es folgendermaßen: ״Das Ballspiel hat unendliche Mittel des Vergnügens in sich". — Das Freie und Leichte des ganzen Spieles machen es vorzüglich geschickt, als Erholung gebraucht zu werden. (E. M. Arnd.) Manche Talmudlehrer bekundeten bewunderungswiirdiges Aequilibriren bei ihren dem Ballspiel ähnlichen Spielen. So z. B. Rabbi Simon ben Gamliel aequilibrirte am Laubhüttenfeste im Tempelhofe mit brennenden Fackeln, Rabbi Levi that dies mit 6 Messern, Samuel mit 8 Bechern Wein und Abajah mit 8 Eiern. (Tr. Sukah 53.) H. Spielart. Lebende Objecte, wie z. B. Vögel und Heuschrecken, au eine Schnur gebunden; wie die Kinder jetzt mit Schmetterlingen zu spielen pflegen. (Tr. Sabb. 90.) Ein solches Spiel nennt schon die Bibe.l,,Spielst du mit ihm — mit dem Krokodil — wie mit einem ״Vogel"? Und bindest du ihn für dein Mädchen?" (Jjob 40, 29.) Noch jetzt bestatten die Kinder pietätvoll ihre leblos gewordenen Spielobjecte, besonders Vögel, und errichten über sie einen Grab- Hügel, als Zeichen ihres Dankgefühles. Schon der Talmud erwähnt (ibid.) dies Dankgefühl der kleinen Kinder und berücksichtigte es in ritueller Beziehung. (Fortsetzung folgt.) Rom und dir römischen Juden. (Fortsetzung.) Papst Sixtus Y. hatte sich wieder etwas duldsamer erwiesen, aber Clement VIII. griff auf die Strenge Pauls IY. zurück und duldete die Juden nur in drei Orten des Kirchenstaates: im Rom, Ancona und Avignon. Da verhängten die reichen jüdischen Kaufleute in der Levante eine Art Boycott oder kommerziellen Interdikt über die Häfen der Kirche, und der Papst, dessen kirchlicher Eifer denn doch nicht so weit gieng, die wichtigen Handelsinteressen schädigen zu lassen und die Staaten der Kirche der Hungersnoth preisgeben zu wollen, rief die Juden eiligst schon im Jahre 1593 zurück, ״aus Grund der Vortheile, welche ihre Anwesenheit dem Handel brachte." Die Die Strenge der päpstlichen Polizei in Rom erfuhr indessen keine Milderung. Im Jahre 1603 erneuerte man die Befehle über die Absperung des Ghetto. Die Thorhüter, bestellt vom Kardinal- Vicar, haben die Thore des Ghetto beim Herandämmern der

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