Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 20 (2.9.1895)
- Date
- 1895-09-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/1304829-3453335-3453355--4349-3458801- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M. 2a Seite H. Eüverbszweigen und zwäng sie dadurch wieder ׳aüf ben Wucher zuÄLzugräfen, der neuerlich den Hass gegen sie -änfachte. ׳In der 'furchtbaren Anordnung״ unter den wüihenden Kämpfen und. Achden, die in Rom herrschten, während die Papste zu Avignon residirten, erreichte der Hass des römischen Pöbels gegen die Anden den Gipfelpunkt. Man beschuldigte sie, dass sie die Hnngersnoth beförderten, dass sie Christenkinder tödteten, dass sie Hostim und heilige Märe beschimpften. Sixtus IV. noch hat am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts ein Kind Namens Simon heiliggesprochen, welches angeblich im Jahre 1276 durch die Juden einen grausamen Märtyrertod erlitten hätte. Erst nach der Rückehr der Päpste nach Rom, unter Enylis IV., Calixtus III. und Mkolaus V. brach wieder eine bessere Zeit herein und der freiere Hauch der beginnenden Renaissance trug auch dazu bei, den Enkeln Abrahäm's etwas mehr ' Licht und Sonne zu verschaffen. Schon drohte ihnen jedoch eine tiefe ÄMedriguNg, von welcher sie sich in Rom niemals׳ wieder — bis zum Ende der päpstlichen Herrschaft — völlig erholt haben. ■ - (Forts. folgt). ' - ׳ ׳- ' ' ׳-• \ Wien. Am 21. August feierte der Wiener Chef der weit und breit bekannten Koscher Selchwaaren-Fabrik Theumann, Herr Armenrath Jacob Th eum ann, mit seiner Gattin I u li'e, geb. Grünspan, das Fest der silbernen Hochzeit. Dem Jubelpaare, welches sich in Folge seines ausgeprägten und . vielbekundeten Wolthätigkeitssinnes allgemeiner Sympathien erfreut, wurden aus. diesem Aulasse mannigfache Ovationen aus dem Kreise der Verwandten, Freunde und Mitbürger zu Theil. Die herzlichen Glückwünsche und ehrenvollen Anerkennungen,'die da zum Ausdrucke kamen, galten auch dem Chef des Pariser Hauses, Herrn Julius Theumann, der am selben Tage das gleiche Fest mit feiner Gattin B etti, einer Schwester der hiesigen Jubilarin, begieng. Mögen die wackeren Jubelpaare noch viele Jahre die Früchte ihrer von Gott gesegneten und den Menschen anerkannten Thätigkeit genießen. Wien. Am 16. August fand die Beerdigung der Gattin des Herrn Obercantor Goldstein, Frau Katharina Goldstein, geb. Heim, die nach kurzem Krankenlager und längerem Leiden im 56. Lebensjahre am Mittwoch verschied, bei zahlreicher Betheiligung statt. Unter den Trauergästen waren anwesend Herr' Mivid Ritter v. Guttmann, Herr Tempelvorsteher Wässervvgel/. Rabbiner Papo, Chacham Alkalay, Prediger Dr. Grün, Obercantor Bauer, Obercantor Schorr, Cantor Löwit, Cantor Silbermann, Baquier Kanitz, Dr. Straffer rc. Die liturgischen Cerenwnien vollzog Herr Obercantor Singer mit Herrn Cantor Blatt und dem gesammten Chorpersonale in besonders ergreifender Weise und Herr Rabbiner Dr. Schmiedel hielt der Verblichenen als cliajil“ einen tiefempfundenen Nachruf. Wien. Unter sehr zahlreicher Betheiligung der Schriftstellerwelt wurde Donnerstag, den 29. August Vormittag Frau Paula Frankl v. Hochwärt, die Wittwe des Dichters Ludwig August Frankl, zu Grabe getragen. Im Trauerhause, Opernring IO, hatten sich der Vorstand der Israel. Cnlusgemeinde mit dem Präsidenten Herrn Gustav Simon, Docent Ritter v. Weilen, Bildhauer Benk, Baurath Ritter v. Goldschmidt, Dr. Kunwald, Vertreter des Göthevereines, sowie zahlreiche Schriftsteller und Freunde eingefunden. Um 9 Uhr wurde der Sarg gehoben und, während Obercantor Singer mit Herrn Cantor Schiller und dem Chorpersonale einen herzerhebenden Lrauerpsaün exemtirte, auf den Leichenwagen gettagen, der sich dann nach dem Centralfriedhofe in Bewegung setzte. In der Ceremonienhalle hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann der Verbüchenen einen warmen Nachruf, indem er ihren edlen Herzenseigenschasten gerecht wurde und des Einflußes gedachte, den die hochherzige Frau auf den Dichter genommen. Auch der Präses der - Cultusgemeinde, ' Herr Gustav Simon, ^widmete der/Ver^ stvrbeneu' einige warm empfundene Worte der Trauer, Sodann wurde der Sarg zur letzten Ruhestätte gettagen und der-, Erde übergeben. ־.-■■- ... Wien. (Die Lage der jüdischen Religionslehrer.)׳ Die.. ״Neue Freie Presse" veröffentlichte vor Kurzem folgende Zusähnft-eines-'-Mckstw" jüdiMn Religionslehrers: ״Bei der Zuweisung der Subsistenz-Zulage für die Mittelschullehrer ist,- wie eigentlich vörauszusehen war, der israelitische Religionslehrer wieder leer ausgegangen. Obgleich die meisten diesem ganz süefmütterlich behandelten Standeungehörigen Lehrkräfte ihre gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen gemacht, die meisten den philoso- Phischen Doctorgrad erworben haben, obgleich sie das gesetzlich vorgeschriebene Stundenausmaß absolviren, soweit Wien und die größeren Provinzstädte mit mehrere!: Staatsmittelschülen in Betracht kommen, obgleich sie alle Pflichten eines Mittelschule lehrers ganz erfülle!:: müssen, haben sie gar keine Rechte, gehöre!: keiner Rangclasse an, haben keinen Anspruch auf Quinquennalzülagen und Altersversorgung und wurden auch demgemäß bei der Verleihung von Unterstützungen gänzlich übergangen. Um nur noch eines zu erwähnen, sie haben nicht einmal, Anspruch auf jene Fahrpreis-Ermäßigung bei den Eisenbahnen, welche selbst den Supplenten und den Hilfslehrern gewährt wird. . Sie Stehen also im. Range noch unter.diesen.. Und doch ist der Gegenstand,, den sie vortragen, für den Israeliten der wichtigste/ denn auch bei diesem ist wohl der Endzweck des Unterrichtes, und der׳ Erziehung das religiös-sittliche Moment. Vielleicht: fügt es ein׳ günstiges Geschick, dass der Herr Leiter des Ministeriums für׳ Cultus und Unterricht diese Zeilen liest. Dann werden wir von. seinem Gerechtigkeitsgefühle erwarten könne!:, dass er sich mit unserem so vergessenen Stande auch ein wenig beschäftigt. Vor Iahten hat der Herr Referent für das Unterrichts-Budget, Herr Hoftath Beer, im Budget-Ausschusse unserer trostlosen Lage׳ nur mit wenigen Worten ' Erwähnung gethan; seitdem wurden wir in den Verhandlungen über das Unterrichts-Budget nicht einmal genannt, und mit Neid blicken wir auf unsere College!:: von der edlen Turnerei, für welche sich immer, in den Ver- Handlungen des Unterrichts-Budget-Ausschusses ein warmes Wort׳ findet. Wir erbitten wohl nichts Unbilliges, wenn wir wünschen,- dass der israelitische Religionslehrer, falls, er die gesetzlich vorgeschriebene Quälificativn besitzt und im gesetzlich vorgeschriebenen-. Stundenausmaße Unterricht, ertheilt, den übrigen Mittelschullehrern gleichgestellt und bei der Ertheilung von Unterstützungen-!:icht ganz übergangen -׳ werde. Gleiche Pflichten bedingen ja im. modernen Staatsleben (gleiche Rechte. Oder nehmen gewisse Kategorien von Beamten da eine Äusnahmsstellung ein?" Tulln. Samstag, . den 18. August wurde im Bethause׳ der israelitischen Cultusgemeinde Tulln ein solenner Gottesdie!:st zu Ehre!: des Geburtstages, Sr. Majestät des Kaisersveranstaltet. Die Festrede hielt der-hiesige Cantor uud Religionslehrer, Herr Samuel Schischa, der durch dieselbe, sowie durchdie äußerst gelungene cantorale Function sich als tüchtiger und׳ vielseitiger Functivnär bewies. Anlässlich des Geburtsfestes unseres geliebten Monarchen hielt Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Hoff am- 18. August um 5 Uhr Nachmittag vor einem zahlreichen Publicum und den geladenen höheren Beamten unserer Stadt im reich decorirten Tempel mit gewohnter Meisterschaft eine׳ Fest-Predigt. In gehobener Gemüthsstimmung lauschte die Fest- Versammlung den geistvollen Ausführungen des ausgezeichneten- Kanzelredners, der, in blumenreicher Sprache der Bedeutung des- Tages trefflichen Ausdruck lieh. Auch die cantorale Functiondes Herr!: Cantor Lösegeld fand allgemeine Anerkennung, und die ganze Feier gestaltete sich zu einer würdigen patriotischen Kundgebung. Ang.-Hvadisich. Zur Verherrlichung des Geburtsfestes- Seiner k. u. k. apostolischen Majestät unseres Kaisers und Herrn׳ wurde wie alljährlich, so auch .Heuer, am 18. August eiu Gottesdienst im Tempel zu Ung.-Hradisch abgehalten, an welchem die Mehrzahl der hiesigen Gemeindeangehörigen, sowie viele Mitglieder von auswärts theilnahmen. Dank dem trefflichen Vorttage׳