Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 19 (15.8.1895)
- Date
- 1895-08-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Gesterreichisch-ungaxische Lantoren-Zeitung. Nr. 19. Gatten überlebte und ein Aller von 66 Jahre erreichte, hat nun nach langem Leiden ausgerungem Sie war nahezu 25 Jahre gelichmt imd in den letzten Jahren'musste man ihr sogar die Nahrung verabreichen. Sie hinterlässt ein ehrenvolles.Andenken. Von ihren Söhnen ist einer CanMr und Chordirigent im türkischen Tempel, einer k. k.Postofficial inGraz. Wien. Herr Cantor SchwarHim m Bez. ist vom ehrwürdigen Rabbinate als MasottgtaLtt für die koscheren Fleischbänke in Wien bestätigt. Kuttenxlan. Herr G. H. Lemberger, der durch 15 Jahre in unserer Gemeinde als Cantor und Religionslehrer erfolgreich wirke, hat von feiner hiesigen Wirksamkeit Abschied genommen und wurde ihm bei diesem Anlasse vom Vorstande ein Ehrendiplom übermittelt. . Grs;, 5. August. (E i n a n t i s e m i t i s ch e r G e m -e i n d era ths-B es ch lu s s.) In der . letzten Sitzung des hiesigen Gemeinderaches wurde ein Beschluss gefasst, der in unzweifelbarem Zusammenhcmge mit der vielbesprochenen Affaire der Vermiechung eines Locales im Gebäude der städtischen Sparcasse ian die Wiener Firma Zwieback steht und dessen Tendenz sehr durchsichtig.ist. Dieser von den Gemeinderäthen Dr. Gödel, Dr. v. Ho fmann, Dr. Panh o lzer, Rud er a, Ob er andmey er und Po sch ach er gestellte und im Plenum zum Beschlusse erhobene Antrag lautet in seinem wesentlichen Theilen: ״Die Erhaltung einer heimischen, wohlbekannten und auf der Grundlage solider Gebahrung gedeihenden Geschäftswelt ist nicht uur mit Rücksicht auf diese selbst, sondern auch mit Rücksicht auf die kaufende Bevölkerung fiir die Stadtgemeinde Graz von hoher Bedeutung. Zu vermeiden ist daher eine Ueberfluthung des hiesigen Platzes durch Ansiedlung von Firmen, bei denen die Gefahr bestände, dass deren unlauterer Wettbewerb möglicherweise die hiesige Geschäftswelt und somit auch deren Steuerkraft schädigen, andererseits aber der kaufenden Bevölkerung keine. Vorthelle in Geldersparung, oder Waarenwerth bringen könnte. Endlich .gebietet es die nationale Ehre der Stadtgemeinde, dass die deutsche Bevölkemng der Stadt nicht durch mißliebige Zuzüglinge in ihrem inneren Werthe beeinträchtigt werde. Geleite? von diesen Erwägungen, beschließt der Gemeinderath der Landes- Hauptstadt Graz hiemit, in keinen der Stadtgemeinde eigen? thümlichen Räumlichkeiten Geschäftsleute, von welchen bekannt öder zu erwarten ist, dass sie es auf einen unlauteren Wettbewerb abgesehen haben, in Miethe zu nehmen und auch bei dem Abschlüße der Methverttäge durch entsprechende Vertragsbestimmungen dafür Vorsorge zu treffen, dass der vorliegende Beschluss nicht im Wege der Aftermiethe umgangen werden könne. Der Gemeinderath der Landeshauptstadt Graz verspricht sich von diesen Maßnahmen umsomehr Erfolg für die einheimische Bevölkerung, wenn, wie er glaubt und hofft, auch die anderen maßgebenden Körperschaften und Factoren diesem Beispiele folgen und in gleicher Weise auf das Wohl ihrer Mitbürger! bedacht sein werden." Budapest. In der letzten Nummer des ,,Magyar Greniusz״ veröffentlicht die hervorragende Tragödin Frau Jaßai unter dem Titel: ״Die kleine Capelle mit der g r o ß e n S am m e l b ü ch s e" einen Badebrief aus Pöstyen, welchem wir Folgendes entnehmen: ״Eine schöne Kirche ist ein erhebender Anblick. Es ist dies das verkörperte Bild der Kraft. Wer könnte leugnen, dass die Religion die größte Kraft ist, welche aus dem Schwächsten einen Helden macht? Die Religion ist Kraft: Der Jude ist religiös — der Jude ist stark." Frau Jaßai beschreibt dann die im Park auf den entlegenen Bänken traurig vor sich blickenden Juden und sagt: ״Die find sehr stark. Ihre Kraft hat in dem Staubmeer ein prächtiges"Gottes- Haus geschaffen, an welchem der Blick stets freudig haften bleibt. Auch zu Ehren unseres guten Gottes befindet sich hier eine Localität, sie mag so groß sein, wie etwa einer meiner Kleiderkästen. Wenn dort drei alte Franen und der blinde Bettler uiederknien, dann habe ich mit meiner Wirthschafterin nur mehr auf der Gaffe Platz. Ich wundere mich, dass diese unverschämte Sammelbüchse mit der großen Oeffnung, welche den halben Eingang occupirt, 'itidfjt schon längst das Ganze verschlungen hat. Ich wundere mich, dass der liebe Gott nicht schon längst dieses ״Haus? in. den -Sack steckte. Dabei ist der Eigenthümer ein dreißig Millionen Vermögen besitzender ungarisch-ultramontaner katholischer Magnat, der gegen Szilagyi im Magnaten- Hause, donnerte, weil die Regierung die Schafe Gottes nicht in den Stall der Kirche lenkt. Ich sage nicht, dass nicht Alles geschieht, um Geld für eine prächtige Kirche zu beschaffen;. man bettelt Geld von allen-Kranken, jedem nach ,Pöstyen kommen Individuum wird eine ganze Liste ,vorgelegt, welche mit wohlthätigen Spenden auszufüllen ist, und an erster Stelle steht die katholische Kirche. Es werden Tanzunterhaltungen mit Tombolas, Bazars veranstaltet — :— von den jüdischen Damen, welche tanzen und kaufen. Ich habe es gesehen; -den Eifer, mit welchem sich die Frauen und Töchter-der - jüdischen Aerzte als Slovakinen, Ungarinen, Zigeunerinen verkleideten, wie, sie wetteiferten, um ihren Verwandten je mehr Geld aus den Säcken zu ziehen für die katholiche Kirche. Das hat mich so ergriffendass ׳ich nach Hause gieng und schluchzte wie ein geprügeltes Kind. Warum bin ich nicht reich? Auch die Familie des Pattonatsherrn hatan dem Bazar theilgenommen. Auch die Comtessen errichten ein Zelt, in welchem sie geweihtes Wasser verkauften. Das Zelt war weit von den anderen entfernt, abgesondert von denjenigen der jüdischen Damen, fi donc, jenseits der Waag, auf der Insel, wo sie allein waren und. gerade soviel verkauften, als das . Weihwasser für die auf ihrem Besitze zu erbauende katholische Kirche kostet. Also wer ist der Starke?" Berlin. Wir ׳lesen in der ״Köln. Zeitg.": In einer Schrift von Max Lautner -,Wer ist Rembrandt?" würde seinerzeit zu beweisen versucht, dass,ein moralisch so tief stehender in zerrütteten Verhältnißen lebender Mensch׳ wie Rembrandt unmöglich der Schöpfer der ihm zugeschriebenen Meisterwerke sein könne, und mit.Hilfe eines von ihm entdeckten, der .Welt aber bis auf den heutigen Tag vorenthaltenen photographischen Verfahrens hat denn auch der Breslauer. ״G elehrte" in der That auf einigen Meisterwerken einen ganz, anderen Namen als den Rembrandts gefunden. Eine noch ungeheuerlichere Leistung hak ein Amerikaner, Osias Mora r y, der ־ eine zeitlang als hebräischer Dolmetscher bei dem. Gericht in Boston thätig war, aufzuweisen; auch er ist unter die .,Entdecker" gegangen und hat die Welt mit der Feststellung der Tharsache überrascht, dass Rembrandt ein Jude gewesen sei. Die Beweise dafür find allerdings merkwürdiger. Art. Zunächst beruft sich Morary auf die Unterschrift, der bekannten Zeichnung in Berlin, welche, das Bild der Saskia vorstellt; diese Unterschrift soll nämlich den Charakter einer Hand haben, welche gewohnt war, von rechts nach links hebräische Buchstaben mehr zu zeichnen als zu. schreiben.. Wenn sich derselbe die Mühe gegeben hätte, ein Dutzend, anderer Unterschriften von bekannten Niederländern aus jener Zeit nur oberflächlich zu betrachten, so hätte er finden müssen, dass der abrupte Charakter dieser Schrift eine Eigenthümlichkeit nicht einzelner Personen, sondern jener ganzen Zeitperiode ist. Ferner leitete er aus der Thatsache, dass Rembrandt seinen Namen am Ende bald mir d, bald mit t und bald wieder mit dt ichreibt, den Beweis ab, dass sich der Künstler erst seit kurzer Zeit diesen Namen beigelegt habe, dass er also, wie die Juden jener Zeit, ursprünglich einen alttestamentarischen Namen gehabt haben müsse. Natürlich lohnt es sich nicht, über diesen logischen Seiltänzersprung ein einziges Wort zu verlieren, abgesehen davon, dass solche Varianten auch bei den Namen anderer holländischer Künstler aus jener Zeit dutzendweise Vorkommen. Morary geht aber noch einen Schritt weiter und reclamirt auch die Saskia, welche bekanntlich der angesehenen friesischen Familie von Uylenburgh angehöcte, dem Judenthum, Unter das Bild der obengenannten Zeichnung hat nämlich Rembrandt selbst die Worte geschrieben: ״Dies ist nach meiner Hausfrau abkonterfeit, als sie 21 Jahre alt war, am dritten Tage, nachdem wir getraut waren, am 8. Juni 1633." Nun wurde über das Ehebündnis zwischen Rembrandt und der Saskia am 22, Juni 1634 durch den Prediger Rudolf Hermanszoon Lüinga in der Kirche der St. Anna-Parochie eingesegnet, wie noch heute schwarz auf Weiß nachgewiesen werden kann. Morary aber sagt kurzweg, ״wenn sie nach der Unterschrift unter der Zeichnnng bereits 1633 ״getraut" war