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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-08-15 · Heft 19 (15.8.1895) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 19 (15.8.1895)
Date
1895-08-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seile 4. Wrj^rreichisch-ungarische' Lantoren-Ieitung. Die bibüsche Geschichte muß sich zur Ausgabe stellen, dass die Hauptereigniße derselben, die interessanten Persönlichkeiten, die Träger der Zeitepochen in.klaren Zügen, aber aus das Gemüch des SchAers einwirkend geschildert werden. Der Lehrer wecke dadurch bei dem Zögling das Bewusstsein, dass er ein Stück׳ jenes' wunderbaren jüdischen Gesammtkörpers bilde, für welchen Gott eine so erhabene Stellung in der Weltgeschichte bestimmt hat. Ein großer Theil der Bibel ist rein geschichtlich, d. h. erzählt Ereigniße und Thatsachen, die auf Erden zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten geschehen sind, diese jedoch mit einer besonderen Veranstaltung Gottes zum Heil der Menschheit in Verbindung stehen. So wird die Geschichte der HMgen Schrift zur Wurzel des Judenthums, unserer Erkenntnis unseres Glaubens, unserer Hoffnungen. Wer diesen Gesichtspunct nicht ausfasst und festhält, kann auch die biblische Geschichte nicht lehren; er muß, wenn er sie weltlich und wie jede andere Erzählung behandeln will, sich und seine Schüler entweder in unaufhörliche Verirrungen und Widersprüche derwickeln, oder die Wahrheit in ein orientalisches Mährlein verwandeln, wie es leider zuweilen geschieht. Welch ein unaussprechlicher Nachtheil daraus für die Jugeud entspringen müsse, bedarf keiner Ausführung. Ist einmal der Zweifel in ihrer Seele geweckt, wer will ihm Einhalt thun? Unsere Kinder, sagen manche Eltern, sind viel klüger, als wir in deren Alter waren!? Sie mögen Recht haben, wenn Mg heißt, dass ihnen die kindliche Einfalt früher verschwinde, die Üngläubigkeit aber eingeprägt wird. Daran ist zumeist das Elternhaus schuld. In Gegenwart der, Kinder werden die heiligsten religiösen Angelegenheiten in unbesonnenem, leicht-' fertigem Geschwätz als für unsere Zeit nicht mehr angebracht verhandelt und so wird das Band zwischen Schule und Haus zerschnitten und das Geurüth des/Krudes vergiftet. Jndeß darf' der Lehrer dennoch nicht seinen Muth sinken lassen. Durch den biblischen Geschichtsunterricht muß dem Zögling schon seine Nr. 19, Nichtigkeit, seine Schwäche und Vorzüge, seine Tugenden und - Laster, seine Neigungen und Triebe, aber' auch die Gesetz- Mäßigkeit, Unendlichkeit'-der Schöpfung, die Allmacht- und Allgüte Gottes lebendig vor die Seele gesuhrlwerdeM Eben darum muß dieser Unterricht mit desto' größerer Sorgfalt ertheilt; werden: Er darf nicht blos darin bestehen, dass die denkwürdigsten ־ Bibelgeschichten gelesen und abgefragt werden, sondern hier muß die lebendige Thatsache dürch das. Wort der heiligen Schrift einwirken, durch den überzeugenden Vortrag des Lehrers muß die Schülerzahl ergriffen und entflammt werden, sonst bekommen die Zöglinge nur Geschichten, Erzählungennichts aber heilige Geschichte, die Geschichte unserer Religion , die Geschichte des Glaubens und Unglaubens, der Annäherung und Entfernung zu und von Gott; kurz das göttliche Walten unter den Menschen, die Offenbarungen des Lolioä. Das edelstolze Bewusstsein, dieser Geschichte anzugehören, muß jedoch im Schoße der jüdischen Familie gepflegt und angefacht werden. Nur im elterlichen Hause kann die Theorie zur Praxis erblühen, zu jener Erkenntnis geführt werden, in der die Ueberzeugung reift und erstarkt. Unsere Hausväter müssen darauf bedacht sein, die Geschichte der Väter in den Kindern wach zu halten, als auch durch das eigene Beispiel sie zu gleichem frommen Thun und Streben anzusporneir. Es liegt auch in der Macht des Lehrers,-Hören und Glauben von den. Kindern zu fordern. Dieses braucht man nicht erst;zu verlangen;; -ist ja die Entwickelung ihres ganzen geistigen und sinnlichen-Lebens auf dem Glanben gegründet und hingewiesen. Liegt doch dem Kinde . der höchste Glaube viel näher, als dem Erwachsenen! Es versteht 1 sich von selbst, dass'es auch hier, wie bei aller Belehrung;, einer durch Alter und Fassungsfähigkeit bedingten Stufenfolge, bedürfe.- ׳Man hüte sich aber, die biblischen Erzählungen so zu geben, als ob nur die äußere That des Geschichtshelden für das Höchste ge- ° halten würde, die. innere Quelle aber, also die Hauptsache und das Leben der That, als nebensächlich zu übersehen wäre. - - - sind sein Vater und Großvater— ein Handelsmann. Wenn er betreibt sein Gewerbe rechtschaffen, wird Gottes Hand über ihm sein, wie sie über mir war. Wenn wir thun, was uns Gesetz und Gewissen vorschreiben,, so chun wir recht!" «Wie verschieden sind aber die Auffassungen von Gesetz und Gewissen!" meinte die Generalin. ,,Die Auffassung, gnädige Frau, die vererbt sich vom Vater auf den Sohn, die gaben die Eltern den Kinden mit nuf den Lebensweg, die zu lernen, beginnen sie schon an der Wiege, Ja, Herr General," ftchr er fort, als dieser durch Kopfneigen zustimmte, ,,das gilt nicht nur für den Edelmann. —״ ״Sondern auch für den edlen Mann!" fiel Landegge ein, sein Glas erhebend. ״Auf das Wohl eines edlen, treuen Mannes, trinkt mit mir, dem wir, meine Frau und ich nie vergessen werden, wie —״ ״Herr General," rief ihm der Alte in die Rede, während feine furchenreichen Wangen durch den schneeweißen Bart glühten, ״Herr General, ich bitte Sie, Vergangenes ruhen zu. lassen. Wer seinem Gewissen folgt, der thut eben nur seine Pflicht. ׳— Nichts mehr. Sie boten dem Könige Ihr Blut —" ״Und Sie — retteten dem Könige einen Officier und retteten einen Edelmann vor dem Untergange!" Es war heraus, der General hatte es mit lauter Stimme gesprochen. Auf des Alten Stirn aber lag es wie eine Wolke. Wohl lenkte er das Gespräch auf andere Dinge, sprach von den jetzigen Verhältnißen in der Kreisstadt, aber die Unbefangenheit hatte gelitten — ich sah mehrfach, wie seine Blicke prüfend auf mir hasteten, dem einzigen Fremden. Und als er dann, nicht lange nach dem Men, zum Aufbruche rüstete, da mochte er doch fühlen, dass in des Fremden Brust eine Stimme zu ihm sprach — fester, wie sonst wohl einem Unbekannten drückte ich ihm die Hand, ich hatte das bestimmte Gefühl, die Hand eines ganzen Ehrenmannes zu halten. ' Der General hatte den alten Benjamin an den Wagen geleitet. Jetzt kehrte er in den Salon zurück. ״Ich hätte das nicht sagen sollen," wandte er sich an seine Frau, ״der Alte wurde in seinem übertriebenen Zartgefühle unangenehm berührt!" Ich mochte den General wohl fragend angesehen haben, denn ״Du hast recht," sagte er, ״ich bin Dir eine Erklärung schuldig." Er bot mir eine Havanna, ließ mich in einem recht amerikanischen ״Rocking Chair" sitzen und, während Frau von Landegge mit kunstgerechter Hand den Mokka bereitete, erzählte der General: - ״Du mußt Dich gewundert haben über die Freundschaft mit einem Manne, der nach seiner ganzen Lebensstellung, auch nach seinem äußerlichen Bildungsgrade unseren Kreisen fern steht, der aber dennoch da drinnen" — er zeigte auf das Herz — ״etwas birgt, was mehr gilt, als. aller Schliff. Ich danke Dir fiir die Form, in der auch Du meinem Freunde, entgegen kamst. Mein und meiner Frau Freund genannt zu werden, hat er aber alle Berechtigung, Du wirst das sogleich einsehen. Ich erinnerte Dich schon daran, dass mein Vater.Landrath in Xburg, der Heimat des alten Benjamin war. Unsere Verhältniße waren beschränkt und ich denke noch der Kämpfe, die es mich kostete, damals, als wir beide aus dem Corps kamen, meine Heber- Weisung zu dem' Nen Husarenregimente durchzusetzen. - Meine Eitelkeit trug damals' zwar den Sieg davon; ' ich fand mich

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