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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-08-01 · Heft 18 (1.8.1895) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 18 (1.8.1895)
Date
1895-08-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18. Gefterreichifch-ungarische Lantoren-Ieitung Seite &. Ursache, Reue über seine thörichte Verschwendung zu empfinden. Denn was sich da abspielte,. verdient, verbreitet zu werden.*) In einer vor kurzem von den Obmännern beider Parteien nach Tischnowitz einbemfenen Wählerversammlung hielt jeder :Bewerber seine Candidatenrede und wurde von seinem resp. Parteiführer wärmstens empfohlen. Tags darauf erschien in. der .Kanzlei des Dr. Seyfert, des Tischnowitzer Führers der Jung- -czechen, ein katholischer Geistlicher und interpellirte chn, wie er es mit seinem christlichen Gewissen vereinbaren könne, für einen — liorribile dictu — Juden zu agitiren. Zur Entschuldigung des hochwürdigen Fragestellers sei es gesagt, dass er auf die ihm zutheil gewordene elastische Abfertigung sicherlich nicht vorbereitet gewesen. ״Wie?" fragte ihn Dr. Seyfert, ״Sie haben .Herrn Dr. Stransky schlecht getauft? Was kann er dafür?" Der Herr Pfarrer vernahms und verduftete. So hat ein katholischer Geistlicher die Wirkung des Sacramentes der Taufe rundweg n e g i r t. Diese Thatsache verdient registrirt zu werden. Ob sich auch das Gerücht bestätigt, dass Dr. Stransky nicht gesonnen ist, seine thörichte Verschwendung blos zu beseufzen, sondern auf Grund des fachmännischen Gutachtens des gedachten katholischen Priesters seinen Taufpater auf Rückzahlung der Taufgebühr gerichtlich zu belangen, muß abgewartet werden. Dr. Simon Wolfsohn, Rabbiner in Lomnitz. *) lieber besonderen Wunsch des geschätzten Autors geben wir dem interessanten, schon einmal veröffentlichten Artikel weitere publicistische Verbreitung. Die Redaction. Wie man ronrponirt. *) Aus der ״New-Aorker Staats-Zeitung" mitgetheilt durch Rev. Offas Hochglück, früher Obercantor in St. Gallen. Bei Mozart fragte einst ein vornehmer Dilettant in einem sehr höflichen Schreiben an, auf welche Weise er zu seinen herrlichen Tonschöpfungen gelange, was den unsterblichen Meister höchlich ergötzt haben muß. Er antwortete dem naiven Frage- Ich mag ihn über die unerwartete Frage etwas erstaunt angesehen haben, leugnete auch nicht, dass ich wohl unwillkürlich einen prüfenden Blick — ganz kurz nur — über der Generalin Gesichtszüge gleiten ließ. ״Nein, nein, lieber Desenburg", rief der General heiter, ״das ist's nicht, ich gehörte nicht zu den Modernen, die den Wappenschild mit orientalischem Golde neu erglänzen machen und dann noch verlangen, ihre Nachkommen sollen germanische Züge mit sich auf die Welt bringen, nein, meine Frau ist —" ״Dankst Du sie nicht dennoch einem Juden?" fiel diese unbefangen ein. ״Nun ja, wie Du willst! Aber meine Frage war ganz ernstgemeint: Desenburg, bist Du Antisemit?" ״Nun der Teufel auch, wenn ich's nicht wäre!" antwortete ich, ״Du erinnerst Dich gewiss, in wessen Händen ich damals war, als mein Alter sogar seine Pension mit verpfänden musste, um den sauberen Leichtfuß loszueisen. Weißt Du, solcher Sorte gegenüber bin ich Antisemit, mögen die Blutsauger nun orientalischen oder occidentalischen Stammes sein. Aber rechtliche Leute fragt man drüben nicht nach der Abkunft. Ich habe gelernt, die Augen aufzumachen, Allen gegenüber, und habe unter Allen Gutes und Schlechtes gefunden, seien sie nun Weiße oder Colored, Germanen oder Malayen, Orientalen oder ״China Men", Heiden, Juden oder Christen. Drüben gilt der ״Gentleman" nnd nur der! Jedermann ist eben ein Mann, der nach dem beurtheilt wird, was er kann und leistet, wie er sich benimmt, welche Gesinnung er an den Tag legt — jeder gilt als ein steiler aber scheinbar ganz ernsthaft, er nehme Notenpapier, Tinte und Feder, setze sich hin und schreibe nun nieder, was ihm eben einfiele. Unzweifelhaft entsteht jedes Kunstwerk durch die gemeinsame Arbeit der. schöpferischen Phantasie und des urtheilenden und wägenden Verstandes, aber von höchster Wichtigkeit ist doch der gewissermaßen vom Himmel fallende erste Einfall, eine gesunde, glückliche Idee als Substrat der Ausgestaltung. In diesem Sinne rief einst Nicolai, der Componist der ״Lustigen Weiber" aus, als von Beethoven die Rede war: ״Ich versichere Euch ich kann das Alles auch, was er gekonnt, nur leider — es fällt nur nichts ein!" Bei der Verarbeitung und Gestaltung dieser ursprünglichen Ideen hat nun aber fast jeder bedeutende Tondichter seine besondere Art und Weise, wie wir durch einige Beispiele darthun wollen. Josef Haydn componirte meist am Klavier, und wenn ihm die Arbeit nicht recht von der Hand gehen wollte, so nahm der kindlich fromme Mann seine Zuflucht zum Gebet. ״Wenn es nicht fort will," erzählte er selbst, ״so gehe ich mit dem Rosenkranz in der Hand im Zimmer auf und ab, bete einige Ave, und dann kommen die Gedanken wieder." Mozart schuf, wie nach ihm vielleicht nur noch Franz Schubert, mit ganz unglaublicher Leichtigkeit. Er componirte viel am frühen Morgen, aber auch in den späten Abendstunden. Im letzteren Falle musste ihm seine Konstanze, um seinen Geist rege zu halten, ein Glas Punsch brauen und Märchen erzählen. Oft kamen ihm auch musikalische Inspirationen in heiterer Gesellschaft, zum Beispiel beim Billardspielen oder Kegelschieben, und man sah ihn dann gleich an Ort und Stelle eifrig seine Notizen machen. Beethoven ließ sich gern von Natureindrücken und der ländlichen Ruhe zum ״Dichten", diesen Ausdruck gebrauchte er selbst von seiner Thätigkeit — anregen, und namentlich in Baden bei Wien sind mehrere seiner herrlichsten Compositiouen (zum Beispiel die Pastoral-Symphonie) entstanden, während er Individuum für sich." — ״Nun das würde nicht hindern," unterbrach mein Freund, ״dass eben in den einzelnen Stämmen und Rassen die eine oder die andere Gesinnung mehr oder weniger in den Vordergrund tritt. Ich selbst bin ein ausgesprochener Feind jenes Protzenthums, jener mit der Größe und Fülle des Geldbeutels progressiv steigenden Arroganz und Rücksichtslosigkeit, denen man heutzutage in den Großstädten besonders begegnt uud mit denen jüngere Börsenmänner und Consorten sich so oft an öffentlichen Orten breit machen, ja, die man sogar bei Damen, in Sammet, Seide nnd im Brillantenglanze schimmernd, gelegentlich wahrnehmen kann." .,Du läsfest Dich da durch das Aeußerliche verleiten, solchen Menschen einen höheren Bildungsgrad zuzuerkennen, als er den Betreffenden thatsächlich eigen ist. Die Kriterien, die Du eben anführst, kennzeichnen eben den Menschen ohne Erziehung im Allgemeinen. Die Kinderstube ersetzt kein erworbener Reichthum, besonders kein mühelos und rasch erworbener. Ich habe drüben die ausgiebigste Gelegenheit gehabt, in der Richtung Beobachtungen anstellen zu können. Aber — man that unrecht, mit irgend einem Excedenten nun alle diejenigen zu identisiciren, die zufällig derselben Nation angehören. Gentlemen gibt's, wie gesagt, in allen Stämmen. Kurzsichtig handelt nach meiner Ansicht, wer nur die Auswüchse erkennt und das Gesunde unbemerkt lässt." ״Das ist, was auch Landegge immer sagt," fiel die Generalin eifrig ein. ״Nach dem Allen, was Sie eben geäußert, freut es mich, dass Sie heute unseren Gast kennen lernen." -׳ (Fortsetzung folgt.)

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