Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 17 (15.7.1895)
- Date
- 1895-07-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Sche 6. . ד Oesterreichisch-ungarische Lantören-Zeitung.. Nr. 17^ Basis ׳wahrhafter Humanität und Nächstenliebe denkbar. Obercantor Singer, trüg die liturgischen Gebete mit Chor und Harmoniebegleitung in meisterhafter Weise vor, und die heißesten, herzlichsten Segenswünsche folgten den Neuvermälten seitens der Theilnehmenden dieser erhebenden Feier auf ihren neuen, gemeinsamen Lebensweg. Wien. Am 28. d. M. fand im Restaurant Robitschek das 4. Stiftungsfest der Verbindung österreichisch-schlesischer Hochschüler statt, die nun den Namen ״Jwria" annahm, dadurch den jüdisch-nationalen Charakter anerkennend. Präses Fried begrüßte die Erschienenen und schilderte die Verhältniße, welche diese Wandlung herbeiführten. Es sprachen sfcud.med. Mayer und Dr. Vierer aus Sofia von der Kadima, Rappaport von der Unitas, Grünfeld von der Gamala, Läufer von der jüd.-Acad. Leschalle und Prediger Grün, der in Schlesien das Gymnasium absolvirte, als Gast und Vertreter der eth. Gesellschaft über das messianische Reich des Friedens, der Freiheit und des Fortschrittes, woraus sich passend das Bundeslied ״Das Reich der Freiheit" anschloss. Mediciner Poborsky (Sohndes Ober-Cantors in Teschen) und Cantorats-Cand. Fränkel aus Czernowitz trugen einige wirkungsvolle Sologesänge vor, Recitator Eduard Grün sprach unter lebhafter Acclamation den ersten Faust-Monolog, woraus Quartette und Violinproductionen folgten, die mit großem Beisalle ausgenommen wurden. Um Mitternacht schloss der gemächliche Abend mit einer solennen Kneipe. Wien, 9. Juli. (Saybusch und Langen lut sch.) Das ״Freie Blatt", Organ zur Abwehr des Antisemitismus, schreibt: ״Uns erinnert der Fall von Saybusch an eine Geschichte, die sich zu Ende der Siebziger-Jahre in Mähren abgespielt hat. Nach Langenlutsch kam ein jüdischer Unterlehrer, um an der dortigen Schule zu wirken; er konnte aber kein Obdach finden, denn die Bewohner des Dorfes wollten aus eigenem Antriebe oder infolge wohlwollender Belehrung von hochwürdiger Seite keinen Juden in ihr Haus aufnehmen. Der damalige Bezirkshauptmann^ von Mährisch-Trübau, Ferdinand Ritter von Pfefferkorn, war aber ein energischer Staatsbeamter, welcher von der Ueberzeugung durchdrungen war, dass es ihm obliege, den Staatsgrundgesetzen auch bei den Langenlutschern Achtung zu verschaffen. Sein Einschreiten verhalf denn auch dem Unterlehrer zu einem Quartier. Nach einigen Wochen wollte der Bezirkshauptmann als Vorsitzender des Bezirksschulraches den jüdischen Jugendbildner von Langenlutsch nach einem anderen Orte versetzen, von welchem anzunehmen war, dass seine Bevölkerung keine Vorurtheile gegen Juden habe. Was geschah nun? Eine Deputation der Gemeindeverttetung von Langenlutsch erschien in Märisch-Trübau und bat den Herrn Bezirkshauptmann inständig, den Unterlehrer, welchen sie während der kurzen Zeit seines Aufenthaltes liebgewonnen haben, ans seinem Posten zu belassen. Wären die Verwaltungs- Behörden in Saybusch von demselben Geiste beseelt gewesen wie der nachherige Hofrath Ritter v. Pfefferkorn, so hätten die Saybuscher vielleicht mit dem jüdischen Advocaturs-Concipienten dieselben Erfahrungen gemacht wie die Langenlutscher mit dem jüdischen Unterlehrer. Frirdek, 6. Juli. (Hoher Besuch.) Unsere Stadt erstellte sich am 4. Juli des hohen Besuches des Herrn Erzherzogs Friedrich, des Erben der ausgedehnten Besitzungen und großarügen Werksanlagen und Jndusttiestätten nach weiland Erz- Herzog Alb recht. Der Erzherzog, dessen hohe Gemahlin Frau Erzherzogin Jfabella, und die beiden Prinzessinnen Maria Christine und Maria Anna nahmen die Sehenswürdigketten Friedeks in Augenschein und besuchten u. a. auch den im Vorjahre mit bedeutendem Aufwande restaurirten Tempel, welcher sich als stattlicher Bau Präsentirt und in geschmackvoller Decoration einen doppelt freundlichen Anblick bot. An den Pforten desselben wurden die hohen Gäste von der Gesammtvertretung der Cultusgemeinde erwartet und von dem Vorsteher, Herrn H er m a u n L ö w, in formvollendeter Ansprüche. ehrerbietigst begrüßt. Zn der Synagoge executirte Herr Obercantor Weiß mtt Chor und Orgäbegleitung sehr wirkungsvoll׳ einen Psalm. Die kaiserlichen Hoheiten waren von dem Empfange sichtlich angenchm berührt und äußerten sich mich in huldvollster Weise darüber. Besonders schmeichelhaft und ancrkennend'Z sprächen sie ' sich über den Gesang des Herrn Obercantors Weiß aus: ״I h r Herr Cantor verfügt über eine prächtige, wohlgeschulte Stimme",, meinte die Frau Erzherzogin gegenüber dem Vorsteher. Einen günstigen Eindruck machte es auch, dass; die Geistlichkeit Friedeks, ein Erzpriester, ein Corporator und drei Capläne, bei dem Besuche der kaiserlichen'Hoheiten Im Tempel anwesend war7 ׳ k. Teoppau. Wie alljährlich wurde auch Heuer in der hies. israel. Volksschule anlässlich des Schulschlusses eine kleine . Feierlichkeit abgehalten, welcher die Vorsteher der Gemeinde und eine große Anzahl Zuhörer beiwohnten. Die Feierlichkeit begann mtt einen stimmungsvollen Liede, vorgetragen von der Schuljugend unter der Leitung des Herrn Obercantor Singermann. Hierauf wurden mehrere hübsche Gedichte und Lieder von den Kindern zum Vortrag, gebracht, welche mit vielem Beifall aufgenommen wurden. Nach einer Ansprache des Herrn Oberlehrer Blatt, in welcher er unseres gütigen, erhabenen Monarchen gedachte, wurde von der Schuljugend und den Anwesenden die Volkshymne angestimmt, womit die Feierlichkeit ihren Abschluss fand. — Am 18. August wird endgiltig die Grundsteinlegung, zum hiesigen neuen Tempel stattsinden, bei welcher der kürzlich unter der Leitung des Herrn Obercantor Singermann gegründete׳ große Damen- und Herren-Chor Mitwirken wird. Budapest. Bekanntlich wurde im Jahre 1885 das ganze׳ Land in etwa 500 israelitische Matrikelbezirke eingetheilt. Ein jeder Bezirk musste einen matrikelführenden Rabbiner׳ oder Rabbinatsverweser anstellen. Mehrere dieser Matrikelführer glaubten mit dem Jnslebentreten der staatlichen Matrikelführung ihre Stellen für gefährdet und wandten sich um Aufklärung, über ihr ferneres Schicksal an die israelitische Landeskanzlei. Sie wurden nun verständigt, dass das Jnslebentreten der kirchenpolitischen Gesetze die Stellung der israelitischen Matrikelführer׳ nicht im Geringsten alterirt; sie verbleiben im Besitze der von ihnen geführten Matrikeln und sind ausschließlich berechtigt, aus diesen Matrikeln Auszüge zu geben, ferner werden diejenigen Verordnungen, welche die Rechte der israelischen Matrikelführer den israelischen Gemeinden gegenüber regeln, auch weiterhin in Kraft bleiben. Budapest. 3. Juli. (Generalversammlung des israeliüschen Landes-Lehrervereines.) Unter lebhafter Betheiligung der׳ aus allen Gauen des Vaterlandes eingetroffenen Vereinsmitglieder eröffnete Vereinspräsident Julius Kornfeld die im- Beratbungssaale der Pester isr. Religionsgemeinde tagende Versammlung um 8 Uhr Morgens mit einer längeren Rede. Denn Präsidialberichte enttrehmen wir nachstehende Daten. Das Vereinsvermögen hat in den letzten drei Jahren um 18.657 fl. zugenommen und beträgt 54.636 fl. Die Witwen von 15 in den letzten Jahren verstorbenen Mitgliedern erhielten je 200 fl.; an Unterstützungen erhielten kranke und hilfsbedürftige Mitglieder 2958 fl. Die Zahl der unterstützenden Mitglieder ist von 125 auf 161, die der Vereinsmitglieder von 455 auf 538 gestiegen. Der Verein zählt 44 Filialvereine, die sämmtlich eine erfolgreiche und segensreiche Thätjgkeit entwickelten. Unter allgemeiner׳ Begeisterung wählte hierauf die Versammlung zu Ehrenmitgliedern des Vereines: Dr. Julius Wlassics, Staatssecretär Michael Zsilinßky, Sigmund Brody, Emanuel Konyi, Baron Sigmund Schosberger, Benö Hidvegyi, Stefan Banhegyi, Dr. Philipp Weinmann, Ritter Ignaz Wechselmann, Aron Roth, Dr. Philipp Pfeifer, Adolf Weidmann und Dr. Max Földi. Unter dem Vorsitze Jakob Walder's (Baja) consütuirte sich sodann eine fünfgliederige Wahlcommission.. Nach einer Pause von 5 Minuten schritt die Versammlung zur Wahl der Functionäre. Als gewählt erschienen: Präsident Julius Kornfeld, Vicepräsidenten Jakob Reis und Philipp Csukasi, Cassier Adolf Györi, Conttolore Simon Adler und Franz Meßlis, endlich 20 Hauptstädtische und eben so viele in der Provinz domicilirende Ausschussmitglieder. Präsident Kornfeld, von einer Commission eingeholt und mit brausenden Eljenrufen empfangen, wurde vom Alterspräsidenten Jakob Klingenberg (Fünfkirchen) begrüßt; er dankte dann für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und entwickelte in allgemeinen Umrissen sein Programm, das beifällig